Foundation 2x02

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Das passiert in der„Foundation“-Folge „A Glimpse of Darkness“
Nachdem sich Hari in der Folge In Seldon's Shadow in Foundation im Cockpit von Salvors Raumschiff materialisiert hat, klärt er Gaal darüber auf, warum sie für das Chaos in der künftigen Zeitlinie verantwortlich ist. Währenddessen bereitet sich Bruder Tag auf seine Ehe mit der Herrscherin des Dominion vor und stellt fest, dass sie ebenso attraktiv wie scharfsinnig und berechnend ist. Auf Terminus gehen die Kriegsvorbereitungen indes weiter. Mit Hilfe der eigens gegründeten „Kirche des galaktischen Geistes“ rekrutiert der findige Pater Poly Verisov (Kulvinder Ghir) eine Welt nach der anderen im Outer Reach.
Eine typische Mary-Sue?
A Glimpse of Darkness aka „Dunkle Vorahnung“ beginnt fraglos visuell opulent, inhaltlich dafür aber eher schwach. Nachdem sich Hari auf Salvors Schiff materialisiert hat, und die Fronten geklärt sind, gilt es, Synnax zu verlassen. Allerdings tobt auf dem offenen Meer ein heftiger Orkan und der Antrieb ist beschädigt, was zu einer fragwürdigen Szene führt. Salvor wagt einen Einsatz auf der Außenhülle, um eine beschädigte Komponente zu reparieren. Allerdings ist sie dabei nur an einem Seil gesichert, während Meter hohe Wellen über den Rumpf hereinbrechen.
Nun setzen die Serienmacher in der Folgesequenz noch eins drauf. Selbstredend gelingt es, das Schiff betriebsbereit zu machen und Salvor instruiert Gaal, abzuheben, während sie sich noch immer außen auf der Hülle befindet. Beinahe im 90-Grad-Winkel schießt Gaal in den Himmel, während sich ihre Tochter nur mit besagtem Seil schützt und mit einer Hand an einen Griff festklammert.
Hier offenbart sich ein unerfreulicher Mary-Sue-Ansatz für die Figur der Salvor, der sich in vorherigen Folgen von „Foundation“ zwar schon andeutete, aber bisher noch nicht so extrem zum Tragen kam. Der ganze Einstieg ist schlicht unglaubwürdig und over the top inszeniert, obwohl er optisch toll aussieht.
Kontinuitätsschwierigkeiten
Ähnliches gilt für Gaal, obwohl wir im Laufe der Episode zumindest den Ansatz einer Erklärung für ihre seherischen Fähigkeiten erhalten. Auf Synnax gab es offenbar schon immer Seher, die ihre Gabe mittels extremen Stresses beziehungsweise Nahtoderfahrungen aktivieren konnten. Salvors Blicke in die Vergangenheit sind entsprechend der Serienmythologie wiederum genetisch bedingt und wurden von der Mutter auf die Tochter übertragen. Das ist zumindest der Versuch, Kontinuität und eine Linie in das Narrativ zu bekommen, wenn auch ein schwacher. Salvors Hellsichtigkeit ist völlig anders geartet und beschränkt sich sowohl auf die Vergangenheit als auch auf eine Person. Gaal schaut hingegen in die Zukunft, wobei sich die Frage stellt, wie festgezurrt die nun ist. Offenbart sich hier ein unabwendbares Schicksal, oder sind die Ereignisse veränderbar?
Das Autoren-Team ist sich darüber augenscheinlich selbst noch nicht im Klaren. Einerseits, so wird uns offenbart, sind gewisse Geschehnisse nicht korrigierbar, andererseits lässt sich die Zukunft sehr wohl beeinflussen. Mit der von Isaac Asimov kreierten Fantasiewissenschaft der Psychohistorik hat der Ansatz ehrlich gesagt nicht viel gemein. Allerdings wurde auch schon in der ersten Staffel von Foundation deutlich, dass Seldons geistige Errungenschaft nur eine Alibifunktion einnimmt.
Religionskritik

Nach dem diskutablen Einstieg lernen wir eine neue Welt und zwei neue Protagonisten kennen, die aber eng mit Terminus verknüpft sind, wie sich bald herausstellt. Der Planet Siwenna gehört zu den vom Imperium vergessenen. Technologie und Wissenschaft erleben einen beispiellosen Verfall und der Aberglaube gewinnt die Überhand.
Erneut bietet David S. Goyer (der übrigens auch Regie führte) uns hier einen religionskritischen Ansatz, der aber noch einmal wesentlich stärker ausgearbeitet ist, als in der Debüt-Season. Denn die Kirche des galaktischen Friedens, wie die Religion rund um Hari Seldon inzwischen heißt, dient in Wirklichkeit der Kriegstreiberei, womit eine starke Assoziation zu den mittelalterlichen Kreuzzügen zur Disposition steht.
Inszenatorisch interessant ist, dass in den Szenen auf Siwenna zum ersten Mal auch Humor als Stilmittel eingesetzt wird. Pater Verisov und seine Gehilfin (witzig: Isabella Laughland) sind nämlich alles andere als Heilige. Sie bekehren die unbedarften Bevölkerungen des Outer Reach mit allerlei technologischem Hokuspokus. Zu allem Überfluss nennen sie sich auch noch Magier (ein Schelm, wer da an eine Hommage an die Technomagier aus Babylon 5 denkt). Das ist eine smarte Idee, zumal selbst die Anhänger alteingesessener Religionen auf den Tand hereinfallen und reihenweise der Kirche auf dem Leim gehen.
Die Wahrheit sieht indes wesentlich weniger verheißungsvoll aus: Die beiden Priester (interessant: auch Verisovs Gehilfin wird mit dem Titel „Bruder“ angesprochen) sollen die neuen Gläubigen letztlich als Kämpfer gewinnen, Waffendepots anlegen und eine Art von Ablassscheinen verkaufen, um den kommenden Krieg gegen das Imperium zu finanzieren.
Sareth und Bruder Tag

Auf Trantor spitzen sich die Ereignisse derweil zu. Nach dem Attentat ist Bruder Tag noch entschlossener, Sareth, die junge, aber mächtige Königin des Dominion, zu heiraten. In einem grandios geschriebenen Dialog offenbart sich, dass Sareth ebenso berechnend, wie intelligent und sexy ist. Letztlich erklärt sich Tag sogar bereit, seiner künftigen Gemahlin das Klonlabor zu zeigen, in denen die weiteren Cleon-Linien herangezüchtet werden.
Demerzel spielt in der Episode keine große Rolle, doch eine kleine, aber feine Szene lässt aufhorchen. Ein intimes Gespräch zwischen ihr und dem Imperator findet vor einem Gemälde statt, das eine mächtige Herrscherin zeigt, derer Reich 2000 Jahre lang bestand hatte. Ein kurzer Blick zum Ende der Folge auf die Androidin, die vor dem Kunstwerk steht, lässt allerdings tief blicken und wirft die Frage auf, ob sie nicht vielleicht selbst die Drahtzierhin hinter dem sich anbahnenden Zerfalls der Cleon-Dynastie ist. Immerhin ist sie so gut wie unsterblich und existiert seit Jahrhunderten. Sie hätte alle Zeit der Welt, ihre Fäden zu spinnen und sich letztlich zur Herrscherin emporzuschwingen. Ein spannender Gedanke.
Handlungsbögen

Der vierte Schauplatz der Episode ist erneut Terminus, auf dem das Gewölbe erwacht ist, und mit dem die Handlungsbögen um Hari/Salvor/Gal, Bruder Verisov und die Zukunft der Foundation zusammengeführt werden. Im Fokus steht dabei eine Vision Gaals, die etwa 150 Jahre in der Zukunft angesiedelt ist. Das Imperium wurde von einer Person namens Hober Mallow zerschlagen und ein brutaler Kämpfer, der sich selbst „Das Maultier“ nennt, sucht nach der zweiten Foundation, um auch sie zu vernichten.
Auch er hat eine spezielle mentale Gabe und erkennt, dass Gaal lediglich eine Projektion aus der Vergangenheit ist. Bevor er ihr die Antwort, die tief in ihr schlummert, entreißen kann, ruft Salvor sie zurück in die Jetzt-Zeit der Serie. Dank des soeben Erlebten kennt sie nun die Namen ihrer künftigen Widersacher und den Planeten, auf dem die nachfolgende Seldon-Organisation gegründet wird: der bisher unbekannten Welt Ignis.
Erneut gilt, dass uns die Serienmacher von Foundation viel Glauben und wenig Wissen abverlangen. Gaals Fähigkeit entwickelt sich allmählich zur autorischen Übermacht, durch die sich alles erklären und einleiten lässt, ohne dass man eine komplexe Hintergrundgeschichte entwickeln müsste. Vom narrativen Standpunkt aus betrachtet ist das zwar durchaus unterhaltsam, eine solche Herangehensweise wird aber der eigentlichen Komplexität, die in der ersten Staffel offeriert wurde, nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass das Storytelling dahingehend die nicht noch stärker überpaced.
Wir wissen ja nun, dass Gaal und Salvor die Zünglein an der Waage sind, die Faktoren, die Hari Seldon nicht in seiner Psychohistorik einberechnen konnte. Nun besteht allerdings die Gefahr, dass der Plot irgendwann vollends ins Unglaubwürdige abdriftet, wenn dem Publikum nicht irgendwann nachvollziehbar dargelegt wird, warum dies so ist.
Terminus
Kommen wir damit endlich nach Terminus. Poly Verisov entpuppt sich als letzter lebender Mensch, der die Öffnung des Gewölbes als Kind miterlebte. Deshalb wird er zurückgerufen, um dem großen Ereignis des Erscheinens des Propheten Hari Seldons beizuwohnen. Letzten Endes spielt er aber (noch?) keine wichtige Rolle bei der Offenbarung, weil sich der Director und Wächter-Jäger Fount (Holt McCallany) in den Vordergrund drängen.
Sie sind davon überzeugt, dass Seldon sie nun in den lang ersehnten Krieg führen wird, doch es kommt anders. Fount stirbt einen grausamen Tod und das Gewölbe formt die Worte: „Bringt mir Hober Mallow“.
Warum die Aktion mit dem Tod des Wächters einhergehen muss, lässt sich nicht beantworten. Ist es wirklich Seldons Geist in der Maschine, der hier aktiv wird, oder ist es vielleicht Kalee? Oder gibt es, wie die Serie andeutet, zwei Inkarnationen Seldons, die ganz eigene Ziele verfolgen?
Fazit

Grob ausgedrückt sind die einzelnen Folgen der zweiten Staffel von Foundation bisher nach einem 1-2-3-Muster (Synnax/Raumschiff-Siwenna/Terminus und Trantor) strukturiert. Bei so vielen Figuren, Handlungssträngen und Schauplätzen ist das auch kaum anders möglich. Rhythmisch gesehen passt von dieser Seite aus betrachtet alles hervorragend zusammen. Auch visuell gibt man sich nach wie vor keine Blöße.
Inhaltlich sieht die Geschichte hingegen schon etwas anders aus. Die Kombination Gaal/Salvor entwickelt sich immer mehr zu einer Mary-Sue-Konstellation, die alles erklärt, alles richtet, alles kann und obendrein für den Verlauf der Geschichte unabdingbar ist. Weder die Fähigkeiten, noch die Rolle der Figuren in der Serie wurden bisher auch nur ansatzweise beleuchtet. Wir wissen lediglich, dass es eben so ist, wie es ist.
In „A Glimpse of Darkness“ ist das besonders auffällig, vor allem in Anbetracht der einleitenden Szenen und der eigentlich unmotivierten Vorhersage über „das Maultier“. Am stärksten präsentieren sich nach wie vor die erzählerischen Anteile um Trantor und die Cleon-Linie, die ausnehmend toll gespielt sind und mit Ella-Rae Smith als Queen Sareth ein weiteres schauspielerisches Schwergewicht einführt.
Auch der Handlungsstrang um Terminus und das Outer Reach, der nur in einen großen Krieg münden kann, ist spannend. Schlecht ist die Episode also bei weitem nicht, im Gesamtbild gesehen, aber doch die bisher schwächste der Serie, weil zu wenig beantwortet und zu viel als Gegeben vorausgesetzt wird. Dreieinhalb von fünf Punkten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 21. Juli 2023(Foundation 2x02)
Schauspieler in der Episode Foundation 2x02
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