Forever 1x01

Forever 1x01

ABC hat seinen Serienpiloten Forever mit Ioan Gruffudd in der unsterblichen Hauptrolle präsentiert. Ist dieses Crimedrama mit übernatürlichem Einschlag eine Serie für die Ewigkeit oder prognostizieren wir eher eine kurze Lebensspanne?

„Forever“ / (c) ABC
„Forever“ / (c) ABC

Das übernatürliche Crimedrama Forever präsentiert sich in seiner Pilotfolge als ziemliche 08/15-Networkkost mit vielen Zutaten, deren genaue Herkunft und Zusammensetzung uns, wenn es nach ABC gegangen wäre, wohl nicht hätte auffallen sollen. Wie das genau aussieht und aus welchen Elementen die Debütepisode zusammengefrankensteinert wurde, schauen wir uns im Folgenden an.

Forever. Forever? Forever Ever. Forever Ever?

Falls jemandem bisher die beherzt geschwungene Ironiekeule, welche die grundlegende Prämisse von Forever darstellt, entgangen ist, hier noch einmal die Kurzfassung: Dr. Henry Morgan (Ioan Gruffudd) ist ein unsterblicher Pathologe. „Get it?“ Aber nicht nur das. Nein, nach 200 Jahren auf diesem verrückten Planeten, den wir Erde nennen, ist er ein regelrecht brillanter Pathologe und überhaupt Tausendsassa sowie Allroundgenie. Fehlen nur noch die attraktive, gegensätzliche Polizistin (die eventuell das „Will-They-Wont-They-Love-Interest“ werden könnte), ein alle Jubelepisoden wieder auftauchender, roter Plotfaden sowie auf die Fähigkeiten des Protagonisten zugeschnittene, wöchentliche Fälle - und fertig ist der IKEA-Crimedramabausatz.

Wir werden erstmals Zeuge von Henrys Fähigkeiten, als er einfach eine attraktive, junge Dame in der Bahn anquatscht und sie mit einer Meisterleistung der Deduktion beeindruckt: Er identifiziert kyrillisch bedruckte, russische Schokolade als russische Schokolade. Dann meldet sich auf einmal Filmregisseur M. Night Shyamalan und bietet an, der Serie die Handlung seines Films „Unbreakable“ zur Verfügung zu stellen, woraufhin der Zug prompt entgleist und Henry mit seinem Wiederbelebungstrick als einzigen überleben lässt, indem er im nahegelegenen Gewässer auftaucht. Dies bringt so einige Fragen mit sich, die in dieser Folge nicht beantwortet werden: Könnte Henry auch in einem Swimming Pool wiederauferstehen? Was geschieht mit seinem leblosen Körper? Teleportiert dieser sich einfach hinfort? Würden in diesem Fall nicht weltweit Berichte von Menschen existieren, die Zeugen wurden, wie sich eine Leiche einfach wegbeamt?

Seine Highlanderfähigkeit hat Henry erhalten, nachdem er auf einem Sklavenschiff als Arzt tätig war und als einziger Nichtrassist auf die Behandlung eines Sklaven bestanden hatte. Ganz wie Patrick Jane (Simon Baker) aus The Mentalist trauert Henry um seine bereits jenseitige Abigail, die jedoch nicht brutal aus dem Leben gerissen wurde, sondern einfach von Henry überlebt wurde. Als Memento trägt er deshalb eine Taschenuhr mit sich, das klischeehafteste Requisitenstück einer jeden Geschichte, die sich mit Zeit und/oder Zeitreisen befasst.

Mentalist-Sherlock-Highlander at your service

Nach jeder Menge Exposition, die größtenteils faul aus dem Off heruntererzählt wird, kommen wir zum Kriminalfall: Detective Jo Martinez (Alana De La Garza) ist eine taffe Polizistin ohne Geduld für Bullshit, die ebenfalls ihren Lebenspartner verloren hat und wie ein Serienklischee-LEGO-Stein das komplementierende, bodenständigere „Buddy-/Love-Interest-Gegenstück“ abgibt, mit dem sich der Otto-Normal-Zuschauer identifizieren können soll.

Sie ist jedenfalls an dem Fall des entgleisten Zuges dran, der, wie sich herausstellt, nicht ganz zufällig aus der Bahn geraten ist. Ein gewisser jemand hat nachgeholfen und den Schaffner mithilfe eines Gifts an seine Endstation befördert. Trotzdem bleibt Dr. Morgan als einziger Überlebender auf der Liste der Verdächtigen. Um dahinterzukommen, welches Gift dem Schaffner den Garaus gemacht hat, verabreicht Henry sich selbst eine Portion des besonderen Blutcocktails und identifiziert die Substanz anhand der Symptome beim schmerzhaften Dahinscheiden.

Als garstiger Giftmischer wird schließlich Hans Koehler identifiziert, der ebenfalls seine Frau verloren hat - der unendliche Einfallsreichtum ist manchmal einfach überwältigend - und die Flucht ergreift, als das Ermittlerduo ihm einen Besuch abstattet und ein blumiges, toxikologisches Labor bei ihm entdeckt. Nach einem Kennenlerndrink mit Detective Martinez findet der Showdown schließlich im Bahnhof der Grand Central Station statt, wo Henry wieder seine einzigartige 200-Jahre-Mann-Expertise anwendet und Hans stellen kann, weil er weiß, wo sich die Belüftungsanlage befindet. Kurzerhand entledigt sich der Schurke auf dem Dach der begleitenden Polizistin und was für ein Glück für Henry! Mit einem Sprung vom Dach, der sowohl Hans als auch (vorübergehend) das Wiederaufstehmännchen tötet, wird dieser knifflige Fall schließlich zu Ende gebracht, ohne dass Martinez, die natürlich überlebt, ganz bei Bewusstsein war.

Schließlich meldet sich erneut der „Unbreakable“-Plot zurück und verlangt einen Twist. Nicht Hans war es, der Interesse daran hatte, den Zug entgleisen zu lassen, sondern ein „Fan“ von Henry, der dank des Anschlags auf den Zug um sein Geheimnis weiß und sein böses, ebenfalls unsterbliches Gegenstück darstellt. Ich wette, jemand bei ABC hat bereits den Hörer in die Hand genommen und die Nummer von Samuel L. Jackson gewählt...

Fazit

Forever bemüht sich äußerst angestrengt, das neue The Mentalist zu sein und dabei Sherlock mit seiner unsozial-brillanten Hauptfigur zu imitieren. Im Gegensatz zu Patrick Jane und Sherlock Holmes, deren Darstellern der arme Ioan Gruffudd auch in puncto Charme bei weitem nicht das Wasser reichen kann, kommt Henry stets ungefragt mit Observationen um die Ecke, die nicht einmal besonders clever sind.

All dies könnte verziehen werden, sofern es sich zumindest um eine unterhaltsam zusammengeklaute Krimimischung handeln würde. Der Pilotfall gerät jedoch eher langweilig und die Erzählung kommt in ihrer Präsentation - und vor allem durch Henrys Hintergrundnarration - äußerst altbacken daher (und nicht auf eine treffende Art und Weise, weil es um einen unsterblichen, alten Mann geht).

Einziger Lichtblick in dieser langatmigen Dreiviertelstunde ist der bisher unerwähnt gebliebene Judd Hirsch, der einem einfach nicht unsympathisch sein kann. Hier nimmt er eine ganz ähnliche Rolle ein, wie er es zuvor als bodenständiger Vater in Numb3rs getan hatte und sich dabei um das Wohlergehen des Kriminalfälle lösenden Genies sorgt. Auch nicht originell, aber immerhin ein vertrautes Element, das nicht unangenehm aufgefallen ist.

Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 23. September 2014

Forever 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Forever 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Unsterblich
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 22. September 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 3. Februar 2015
Regisseur
Brad Anderson

Schauspieler in der Episode Forever 1x01

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