Die neue MTV-Serie Finding Carter erzählt die Geschichte eines Mädchens, das als Kind entführt wurde und nun zu ihren leiblichen Eltern zurückkehrt. Die Coming-of-Age-Dramedy trieft vor generischen Erzählversatzstücken und hat nur einen Lichtblick zu bieten.

Kathryn Prescott spielt in der neuen Dramaserie „Finding Carter“ die Hauptfigur. / (c) MTV
Kathryn Prescott spielt in der neuen Dramaserie „Finding Carter“ die Hauptfigur. / (c) MTV

Am Wochenende hatte ich mich in meiner Kolumne Axelzucken noch gefragt, wann es wohl endlich wieder eine sehenswerte Coming-of-Age-Serie geben würde „60938“. Dementsprechend wurde mir von unseren Reviewplanern nahegelegt, doch einen Blick auf Finding Carter zu werfen. Die neue MTV-Serie passe eventuell in mein Beuteschema.

Neue Hoffnung?

Ich tat also, wie mir geheißen wurde und versuchte vorher, Trailer und Vorabrezensionen zu meiden. Leider war schon nach wenigen Minuten klar, dass dies nicht die erhoffte neue, tolle Coming-of-Age-Serie sein würde. Finding Carter widmet sich einem schwierigen Thema, der Kindesentführung, hangelt sich in der Auftaktepisode aber von einem generischen Erzählkonstrukt zum nächsten. Es gibt Eifersucht, Affären, ausschweifende Partys, Tränen, Lachen und poppige Musik - das war's dann aber auch schon.

Carter Stevens (Kathryn Prescott) lebt in einer innigen, freundschaftlichen Beziehung mit ihrer Mutter Lori (Milena Govich), der sie alles anvertrauen kann, die ihr jedoch auch genügend Freiraum zugesteht. Nachdem sie mit ihren Freunden wegen eines Einbruchs in einen Vergnügungspark festgenommen wurde, eröffnet ihr eine FBI-Agentin, dass sie als Kind von Lori entführt wurde und nun ihrer leiblichen Familie übergeben werde.

Ihre echte Mutter Elizabeth (Cynthia Watros) ist Polizistin und ein Kontrollfreak. Ihr Vater David (Alexis Denisof) ist Autor und hat ein Buch über ihr Verschwinden geschrieben, das zum Bestseller wurde. Nun drängt ihn sein Agent dazu, ein Buch über ihr Wiederauftauchen zu schreiben. Es soll den Titel „Finding Carter“ tragen. Zur Neufamilie gehören überdies ihre zweieiige Zwillingsschwester Taylor (Anna Jacoby-Heron) und ihr jüngerer Bruder Grant (Zac Pullam), dessen Frühgeburt einer der Gründe für Elizabeths Verspanntheit ist.

Im Laufe der Pilotepisode kommt heraus, dass Elizabeth eine Affäre mit einem Kollegen hat, die sie nun aber beenden will, da sie ihrem Familienzuwachs eine Chance auf ein „normales“ Leben ermöglichen möchte. Ihre Affäre ist gleichzeitig derjenige, den sie darauf ansetzt, Carter beim Treffen mit ihrem Exfreund zu beschatten. Außerdem ist er der Vater von Gabe (Jesse Henderson), dem besten Freund und Schwarm von Taylor, der aber wiederum nur Augen für Carter hat.

Finding boredom

Während die Beziehung zu ihren leiblichen Eltern kühl bleibt, verspürt Carter zu ihren Großeltern sofort eine echte Bindung. Zudem versucht sie, zu ihrer Entführerin und „eigentlichen“ Mutter Lori Kontakt aufzunehmen, indem sie dafür sorgt, dass ihr Gesicht in allen erdenklichen Social-Media-Kanälen auftaucht. Die Geschichte, die sowieso schon mühsam konstruiert ist, findet am Ende der Pilotepisode zu ihrem krachend komischen Höhepunkt: Lori taucht in dem Laden auf, in dem sich Carter einen Job besorgt hat. Kurz darauf rückt die Polizei an, um sie zu verhaften. Mit einem findigen Trick schafft es Carter jedoch, ihrer „Mutter“ zur Flucht zu verhelfen.

Das alles könnte furchtbar witzig sein, wenn es nicht so ernst gemeint wäre. Weil Carter ihrer neuen alten Mutter Elizabeth solche Sätze entgegenschleudert wie „You want to find my abductor? It's you.“ fällt es schwer, das Format ernst zu nehmen. Natürlich handelt es sich hier um eine harmlose Teenieserie, von MTV-Formaten hätte man sich kaum etwas anderes versprechen können. Aber dass man ein eigentlich brisantes und interessantes Thema nimmt und in solch eine generische Hülle aus verbrauchten Erzählversatzstücken packt, ist schlichtweg enttäuschend.

Noch enttäuschender ist, dass das Ensemble selbst den minimalen Anforderungen dieses Formats nicht gewachsen ist - mit einer Ausnahme. Kathryn Prescott, die schon als Hälfte eines Zwillingspaares und von „Naomily“ in der dritten, vierten und letzten Staffel des englischen Coming-of-Age-Erfolgs Skins brillieren konnte, sticht als einziger Lichtblick aus dem Cast heraus. Für das Spiel der übrigen Darsteller gilt leider das Gleiche wie für die Pilotepisode im Ganzen: vorhersehbar, langweilig, öde.

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