Fear the Walking Dead 5x06

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „The Little Prince“ (c) AMC
Die Fear the Walking Dead-Folge Der kleine Prinz nimmt den Literaturklassiker als Vorlage für eine Idee, um aus dem verstrahlten Gebiet zu kommen und kombiniert das Ganze ein wenig mit „Der Flug des Phoenix“. Der Einstieg der Folge ist dabei schön harmonisch, denn die Kinder aus dem Camp genießen einen Film, lesen und snacken wie ganz normale Heranwachsende es eben tun. Annie (Bailey Gavulic) nutzt die Chance, um mal wieder mit warmem Wasser in Berührung zu kommen, was selbst ihre Brüder überrascht, die sie danach kaum wiedererkennen.
Die Camp-Kids halten die Stellung, während Morgan (Lennie James) und Co das Flugzeugwrack in das aktuelle Lager bringen. Dort schwingt Morgan eine Rede, wie sie Rick Grimes nicht hätte besser schwingen können und macht damit Hoffnung auf die Zukunft, wobei alle nur an einem Strang ziehen müssen, damit es rosig aussieht. Zyniker würden sagen, dass sie mit Kinderarbeit den Flieger wieder flottkriegen wollen, aber es ist auch eine Art Beschäftigungstherapie und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit bei den jungen Menschen, die alles verloren hatten, was ihnen wichtig war.
Lauter kleine Prinzen

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich dankbar bin, dass die Camp-Gruppe sich nicht als aus Psycho-Kids bestehend herausgestellt hat, weil wir das ja in The Walking Dead schon als Schocker hatten, der teils nur schwer zu schlucken war. Hier geht es eher darum, dass die Kinder Angst haben und lieber übervorsichtig sind, weil sie ähnliche Situationen, in denen sie sich auf die Erwachsenen hatten verlassen müssen, bereits häufig erlebt haben.
Buchfan Dylan (Cooper Dodson) ist von den drei Geschwistern noch der größte Optimist, was eine erfolgreiche Reparatur des Flugzeuges angeht - es war aber auch seine Idee, denn sein Herz hatte ihm verraten, dass es klappen kann. Ein wenig jugendlicher Enthusiasmus tut ab und an für die Moral eben auch gut. Gerade Lucianas (Danay Garcia) Rolle scheint wegen ihrer Verletzung ein wenig zur Kindergärtnerin verändert worden zu sein. So dürfen also die Kinder bei der Reparatur mithelfen und sie können dadurch auch ein wenig von den Alltagssorgen abgelenkt werden. Wobei die Generalprobe nach Altheas (Maggie Grace) Schraubereien nicht so klappen will, wie erhofft. Der Motor spielt zwar mit, aber die Propeller nicht. Also, was tun?
Zeitschinden mit Generator-Power
Morgan kontaktiert Grace (Karen David) in der Hoffnung, sie aus der verstrahlten Region herauszuholen, doch zunächst reagiert sie nicht und geht weiter ihrer Mission nach. Er lässt den Kanal offen, für den Fall, dass sie sich umentscheidet und widmet sich seinen Aikido-Übungen. Allerdings stellt ihn sein Schlagrohr weiterhin nicht richtig zufrieden. Als er einen Wischmob als neue Waffe der Wahl umbauen will, wird er von Alicia (Alycia Debnam-Carey) erwischt, was beide erheitert. Doch Morgan kann nicht leugnen, dass der Stab eine besondere Bedeutung für ihn und auch wahrscheinlich seine geistige Gesundheit hat. Den neuen Stock darf er dann auch kurz nach dem Propeller-Unfall zum Einsatz bringen.
Kurze Zeit später meldet sich Grace per Funk und verlangt einen Generator, denn sonst drohe ein weiterer meltdown, was für alle in der Region kritisch werden könnte. Also drängt die Zeit, um eine Lösung für die Propeller und das Flugzeug insgesamt zu finden und schleunigst über die Berge zu fliegen, um aus der Gefahrenzone zu sein. Das schließt aber auch ein, die Kinder mitzunehmen, die so ihre Zweifel mit dieser Lösung haben. Dylan unterhält sich mit Strand (Colman Domingo), Charlie und Sarah, die sich eine Lösung überlegen, aber wegen der kaputten Straßen etwas überfragt sind. Denn Propellerteile hätten sie sogar, aber momentan kein Mittel, um den Weg anzutreten.

Bis mal wieder unser verstorbener Bierbrauer Jim Brauer (Aaron Stanford) und eines seiner Poster den rettenden Einfall liefert. Denn offenbar hatte er in seinem Repertoire einen Heißluftballon in Bierflaschenform. Ich habe ja schon viel gesehen, aber manchmal möchte ich die Serie wegen solcher Momente in „Fear the Ridiculous Dead“ umbenennen. Das Bild des Ballons ist einfach herrlich schräg und leicht billig, weil sicherlich komplett am Computer entstanden. Deswegen muss offenbar bei der Landung getrickst werden und sie wird nicht richtig gezeigt, sondern als Unfall in der Strahlenregion inszeniert. Immerhin kriegen sie die Warnung mit, dass ein Umbringen der Walker auch ihren Tod herbeiführen könnte. Wer oder was holt sie also aus der verfahrenen Situation heraus?

Morgan hilft derweil Grace bei den Straßensperren auf dem Weg ins Kernkraftwerk und bringt den versprochenen Generator vorbei. Er muss aber einsehen, dass sie nie vorhatte, ihn als Hilfe mitzunehmen, denn es gibt gar keinen zweiten Strahlenanzug... Grace bleibt bei ihrem Punkt, dass ihre Zeit abläuft und macht sich und Morgan somit wenig Hoffnung, dass sie eine Insassin des Flugzeugs werden wird.
Morgan darf bei dem Treffen auch noch einmal seinen alten Bo in die Hand nehmen und merkt dabei, dass er eben doch nur ein Stück Holz, umwickelt von Plastik, ist. Es kommt eben vielmehr darauf an, dass er sein Schicksal in die eigene Hand nimmt und anderen Leuten, so gut es eben geht, den Willen zum Weiterleben vermittelt und sie rettet - so, wie er es häufig predigt. Klar hatte der cheesemaker eine besondere Bewandtnis für ihn, aber das ist es nicht wert, stur sein Leben zu riskieren, um weiterhin mit dieser Waffe zu hantieren. Darum lässt er auch Grace ziehen und sie ihre Mission erfüllen.
Children of the Atom
Im Endeffekt geht es bei „FtWD“ nämlich ohnehin meist um Hilfe zur Selbsthilfe und dass die Betroffenen einsehen, dass sie diese brauchen oder sich eben anders entscheiden. In dieser Folge gibt es zwei Beispiele dafür. Neben Grace, die bei ihrer Mission bleibt, ist es Annie, die sich zwar Alicia gegenüber öffnet und davon erzählt, wie die Eltern und Erwachsenen mit den Verstrahlten aus dem AKW in Kontakt kamen und krank wurden. Alicia bietet, ähnlich wie Morgan, eine offene Tür für einen Abgang oder ein Zusammenleben an.
Beide erhalten eine Abfuhr, wobei man bei den Kindern dennoch nicht die Hoffnung aufgeben möchte. Da muss man sie wohl - so die Meinung von Alicia und Morgan - etwas mehr zu ihrem Glück zwingen. Allerdings ist es hier auch tatsächlich so, dass bei Grace deutlich weniger Chance auf Rettung und auf ein Weiterleben besteht als bei den Kindern, die offenbar einfach nicht wissen, dass sie ihr gemeinsames Todesurteil besiegeln, wenn sie weiter in der Gegend bleiben.

Dabei fühlt sich Annie als die Große verantwortlich für ihre Geschwister und ihre Begleiter. Man kann ihren Punkt und ihre Geschichte schon nachvollziehen. Bis jetzt ist ja auch alles glimpflich verlaufen, aber mit einer Kernschmelze ist nun wirklich nicht zu spaßen. Auch June (Jenna Elfman) sieht in ihr Gemeinsamkeiten zu sich. Trotz des kaputten Knöchels ist die junge Frau bereit abzuhauen, wenn man ein Bauchgefühl hat, dass etwas nicht stimmen könnte, aber manchmal kann das Gefühl eben auch falsch sein.
Apropos June: Sie ist es, die bemerkt, dass Althea etwas auf dem Herzen liegt, was mit ihrer Entführung zu tun hat. Denn der Helikopter wäre schon die perfekte Lösung für die Probleme der Gruppe gewesen. June ahnt, dass sie mal gerne off the record ihr Herz ausschütten würde, was ersterer schon einmal enorm geholfen hatte - aber Althea ist noch nicht ganz dazu bereit, wie es scheint, um über die Gefühle und Geheimnisse rund um Isabelle zu reden.
Honey

John (Garret Dillahunt) und Dwight (Austin Amelio) setzen die Suche nach Sherry (Christine Evangelista) weiter fort. Besonders John macht Dwight Hoffnungen, weil es bei ihm und June so gut geklappt hatte, trotz vieler Hindernisse. Dwights eigene Erfahrung lehrt ihn eigentlich, dass das Leben voller Enttäuschungen ist, aber manchmal reicht es schon, ein weiteres Paar Augen zu haben - und das, obwohl man zunächst noch einmal in eine Region geht, die Dwight schon abgegrast hatte. Expolizist John zeigt in der Folge, wie gut er im Beobachten von Details ist und er wird selbst angetrieben durch die erste Liebesbotschaft von June, die er stets bei sich trägt.
Dwight erzählt John außerdem mehr zu den Trennungsgründen der beiden. Denn Sherry hatte sich einst Negan (Jeffrey Dean Morgan) als Frau hingegeben und so das Leben von Dwight verlängert. Über eine verblasste Bestellung im Diner und mithilfe eines Bleistifts kann John die Botschaft wieder sichtbar machen, wie einst Cary Grant, und so gibt es eine Spur zu ihr, die sie zu einem Auto führt, dessen Identifikationsnummer sie mit Sherry in Verbindung bringen.
Tatsächlich findet John im Handschuhfach einen letzten Brief von ihr, den er liest, ohne Dwight davon zu erzählen. Später lügt er ihn deswegen an, denn Sherrys Wunsch war es, dass Dwight für sein eigenes Wohl mit der Suche nach ihr aufhören soll. Stattdessen solle er etwas finden, für das es sich zu leben lohnt. Doch Romantiker John will die Suche im Sinne beider wohl nicht einfach einstellen und Dwights Gesichtsausdruck und seine Einstellung werden auch schlagartig fröhlicher, als die Chance besteht, sie zu finden.
Fazit
Langsam, aber sicher laufen alle Handlungsstränge dieser Fear the Walking Dead-Halbstaffel zusammen und die Lage spitzt sich immer mehr zu. Die atomare Gefahr wird größer und die Zeit, das Flugzeug flugfähig zu machen, wird kleiner. Zudem müssen die Kinder gefunden werden und auch das endgültige Schicksal von Sherry und Grace bleibt offen. Was können Morgan, Alicia, Althea und John und Co machen? Wie können Strand und Charlie gerettet werden? Und wohin geht es dann? Geht es in der zweiten Hälfte dann um die Zurückeroberung der Jeansfabrik? Wir werden sehen...
Die Folge bietet einige schöne, aber auch einige abstruse Momente. Die Performance von Annie im Dialog mit Alicia möchte ich beispielsweise loben und auch die Schnitzeljagd von Dwight und John hat mir gefallen - ebenso die stillen Momente rund um Althea und June oder June und Annie. Die kleinen menschlichen Facetten eben, die eine vergleichsweise recht vollgepackte Folge der Zombiesaga doch sehenswert machen, obwohl man die Gruppen immer wieder voneinander trennt, was auf Dauer durchaus nerven kann.
Hier abschließend noch der Trailer zur Episode Still Standing (5x07) der US-Serie Fear the Walking Dead:
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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 8. Juli 2019Fear the Walking Dead 5x06 Trailer
(Fear the Walking Dead 5x06)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 5x06
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