Fear the Walking Dead 4x14

© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Folge „Das Rezept“ (c) AMC
Fear the Walking Dead ist weiterhin eine bunte Tüte in Serienform. Aktuell fällt es mir schwer, eine eindeutige Meinung zur Entwicklung der zweiten Hälfte der vierten Staffel zu finden. In der aktuellen Folge Das Rezept nehmen sich die Autoren die Zeit, am Anfang etwas mehr zu ergründen, warum die filthy woman aka Martha (Tonya Pinkins) zu der Person wurde, die sie ist. Leider finde ich das Gezeigte wenig überzeugend.
Gemeinsam mit ihrem Partner ist sie Opfer eines Verkehrsunfalls geworden, der ihn schwer verletzt. Niemand will anhalten, obwohl Martha ihr Bestes gibt und so erliegt er seinen Verletzungen und lässt sie durchdrehen, an Gott zweifeln und Hilfestellungen für Schwäche halten. Das bekommt auch eine von Polar-Bears-Helferinnen namens Stevie (Rachael Mary Dudley) zu spüren, die von Martha, einer ehemaligen Lehrerin, zunächst auf einen Grammatikfehler auf den Hilfe-Kartons aufmerksam gemacht und dann zum ersten von vielen Opfern wird. Die jeweiligen Opfer nutzt die durchgedrehte Frau als untote Angreifer an einer Kette, um andere Helfer umzubringen. Hilft man anderen, dann lernen sie, nie sich selbst zu helfen, lautet ihre merkwürdige Devise. Sie möchte zur Quelle der Helfenden und diese anschließend zum Versiegen bringen, hört dann aber Morgans (Lennie James) Hilferuf und hat dadurch offenbar ein neues Ziel. Eine Parallele zu Morgan ist - wie bereits gedacht - der Verlust des Ehepartners und der psychische Zusammenbruch, sonst ist die Geschichte der beiden allerdings unterschiedlich. Morgan hat es sich ja zur aktuellen Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen zu helfen. Schurken in „Fear the Walking Dead“ waren schon einmal spannender und vielschichtiger.
The Dark Martha Rises
Die Attacke auf den LKW überstehen die Überlebenden alle, einzig Wendells (Daryl Mitchell) Rollstuhl wird in Mitleidenschaft gezogen, während der Rest mit leichten Blessuren und dem Schrecken davonkommt. Die Konfrontation mit Martha beginnt mit einer Attacke ihres jüngsten Zombie-Haustieres, während Wendell sie mit seiner Flinte in der Brust/Schulterregion trifft, was sie aber wohl ziemlich gut wegsteckt, ja, fast weglächelt. Die Attacke bedeutet auch das Ende für den LKW und dessen Ladung, was somit auch Jims Bierhefe angeht, also hat Martha zumindest ein Teilziel bereits erreicht...
Da die Untoten bei der Attacke angelaufen kommen, glaubt sie, dass sich das Problem dadurch löst. Die Gruppe kann jedoch entkommen, zieht Wendell mit und will auf Morgans Vorschlag hin in einem Krankenhaus absteigen. Jim (Aaron Stanford) hält das für keine gute Idee und gerät mehrfach mit Morgan aneinander, weil er glaubt, er habe das der Gruppe erst eingebrockt. Die sprunghafte Charakterisierung von Jim in dieser Folge ist merkwürdig. Zum Ende der Episode kann man sich dann denken, warum seine Screentime etwas mehr wird... Befriedigend ist dieses launische Hin und Her und das Stänkern gegen Morgan aber nicht. Man kann den Frust nachvollziehen, aber konstruktive Vorschläge bringt Jim keine.
Galveston

Alicia (Alycia Debnam-Carey) und Charlie (Alexa Nisenson) finden das Wrack und einige Überreste der Untoten vor. Da aber keine Spur von Morgan und Co vorhanden ist, ziehen sie weiter Richtung Osten. Charlie würde eigentlich gerne den Rest suchen, aber Alicia hat etwas anderes vor. Erst später weiht sie Charlie über ihre Pläne ein, nach Galveston zum Strand zu pilgern, damit das junge Mädchen wenigstens einmal dort gewesen ist. Denn ihr sind viele Variablen zu ungewiss: Sind die alten Gefährten noch am Leben, riskiert man das eigene Leben, um das herauszufinden? Oder nimmt man sich ein Beispiel am Kollegen Strand und genießt erst mal die Zeit, die man noch hat, um sich zumindest ein paar letzte Wünsche zu erfüllen?
Alicia hat sich offenbar für letzteres entschieden, aber, wie wir als Zuschauer der aktuellen „FtWD“-Staffel wissen, ist der Zufall ein ständiger Begleiter und so haben Alicia und Charlie das Glück, wohl auf Strand und John (Garret Dillahunt) zu treffen. Zumindest suggeriert das der gefundene Hut. Mir ist nicht ganz klar, warum man diesen eindeutigen Hinweis streut und es dann als Semi-Cliffhanger offenlässt.
Furcht und Graus im Krankenhaus
Momos Crew erreicht derweil das Krankenhaus, das aber von Untoten umzingelt wird. Der gute Einfall hat also eine enorm gefährliche Halbwertzeit, die jederzeit in den Keller gehen könnte, was die Meckereien von Jim fast rechtfertigt. Allerdings hat Jim ihm überhaupt erst sein Überleben zu verdanken und es ist ja nicht so, dass Morgan es darauf anlegt, alle in eine Todesfalle zu locken...
Trotzdem wirken die Location und dieser Handlungsstrang in der Folge generell eher wie Zeitschinderei. Natürlich kann man hier die Wunden nach der Attacke versorgen, aber dennoch wirkt vieles, was hier passiert, leider willkürlicher und austauschbarer als sonst.
Morgans Taktik, um zu überleben, ist es, die Flucht nach vorne zu ergreifen, als die Zombies durch die Barrikaden brechen. Die Treppenhäuser sind nicht benutzbar, also muss ein Generator angeschmissen werden, der den Zugang aufs Dach ermöglicht. Althea (Maggie Grace) entlockt Wendell und Sarah (Mo Collins) nebenbei noch ein paar Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit und findet heraus, dass Sarah bei den Marines war und wie Wendell im Rollstuhl saß. Wendell hat mit zehn Jahren ein anderes Kind vor einem heranfahrenden Auto gerettet und wollte danach sein Leben der Hilfe anderer widmen und zur Marine. Dort wurde er jedoch nur ausgelacht. Sarah hat derweil ihren Dienst quittiert, weil sie das Verhalten in der Institution wohl nicht gutheißen konnte.
Althea bleibt für Sarah sogar zunächst zurück, um ihr die Flucht zu ermöglichen und sie nicht vom „Bruder" zu trennen - dass sie hierbei stirbt, dürfte aber ausgeschlossen sein. Im passenden Moment springt der Strom für die Aufzüge wieder an und die Rettung aufs Dach gelingt.
Dafür sieht es so aus, als hätte Jims letzte Stunde geschlagen, denn nicht ein Sturz durch Glas, sondern ein Zombiebiss hat ihn verwundet und June (Jenna Elfman) kann da nichts mehr machen. Dabei wollte er doch nur Bier brauen... Bei dieser Bemerkung von Jim musste ich kräftig schmunzeln und ebenso, als ich herausgefunden habe, dass der Nachname der Figur Brauer lauten soll.
Nun ist die Gruppe also auf dem Dach, wobei die Feuerleiter kaputt ist und Morgan auch nicht mehr weiter weiß... Aber irgendwann wird schon irgendwem etwas einfallen. Mit dem todgeweihten Jim könnte man ja durchaus Experimente wagen...
Fazit
Das Rezept ist eine unausgegorene Folge von Fear the Walking Dead, die versucht, Lücken in der Hintergrundgeschichte einiger Figuren zu füllen, diese aber leider relativ unspannend und nichtssagend präsentiert. Beispielsweise lässt gerade die der Schurkin zu wünschen übrig und somit lässt sie wahrscheinlich die meisten Zuschauer eher kalt. Natürlich ist das Schicksal tragisch und man kann sich vorstellen, dass jemandem nach einem solchen Verlust schon die Schaltkreise durchbrennen können, dennoch ist es in meinen Augen hier eher lahm erzählt. Auch die Krankenhausgeschichte ist nichts Herausragendes oder in irgendeiner Art Besonderes. Alicia und Charlie kochen derweil weiterhin ihr eigenes Süppchen und werden zufällig dahin verschlagen, wo es gerade passt. Im Gesamtbild betrachtet wirkt das alles etwas zu faul und uninspiriert. Das kann die Serie normalerweise klar besser. Hoffentlich kriegt man die Kurve noch irgendwie in den letzten zwei Folgen dieser am Anfang noch so tollen Staffel.
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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 17. September 2018Fear the Walking Dead 4x14 Trailer
(Fear the Walking Dead 4x14)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 4x14
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