Fear the Walking Dead 3x14

Fear the Walking Dead 3x14

Die Fear the Walking Dead-Folge El Matadero lenkt einige Figuren in besorgniserregende Bahnen. So wie sich die Handlung entwickelt, könnte die Serie langsam auf die Zielgerade einlaufen. Wird bis dahin noch jemand übrigbleiben?

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / (c) AMC

Die Macher von Fear the Walking Dead scheuen sich in der aktuellen dritten Staffel nicht, Charaktere zu töten. Das sollte in einer Serie, in der der wandelnde Tod an jeder Ecke lauert, eigentlich nicht überraschen, tut es bei der inzwischen sehr überschaubaren Anzahl an Figuren jedoch schon. So trifft es auch in der Folge El Matadero (auf Deutsch „Der Schlachthof“) wieder jemanden.

Ofelia am Ende

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ /
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / - © AMC

Während Strand (Colman Domingo) und Madison (Kim Dickens) darüber diskutieren, ob das Angebot der Staudamm-Crew noch gilt, bricht Ofelia (Mercedes Mason) zusammen und bald ist erkenntlich, dass sie es nicht ohne Biss aus dem Überlebenskampf geschafft hat. Sie möchte, dass Madison sie zum Abschluss ihres Lebens zu ihrem Vater bringt, was ihr gewährt wird. Strand sieht Ofelia als wichtigen Faktor beim Verhandeln mit Daniel (Ruben Blades) und Lola und mahnt, dass die Wut Daniels sicher sein könnte, wenn er bemerkt, dass ihr etwas zugestoßen ist.

Also brechen sie wieder zum Stadion auf, in dem gehandelt wird. Hier geben sie einen Großteil ihrer Waffen als Eintrittsgeld ab und verschaffen Ofelia eine Möglichkeit sich auszuruhen, obwohl bereits das Reinkommen wegen des neuen Wechselkurses und Ofelias Verletzung zur Herausforderung wird. Madison rät ihr hier, ein erzwungenes Lächeln aufzusetzen, wenn sie ihren Vater noch einmal sehen möchte. Die Angst vor Daniel überwiegt bei Strand in dessen Streitgespräch mit Madison, der ihr offen vorwirft, die Ressourcen zu verprassen. Allerdings sieht Madison in ihrer Lage keinen anderen Weg und hofft, einen Deal mit Daniel aushandeln zu können. Strand kocht ohnehin sein eigenes Süppchen und sucht schon wieder den Kontakt zum Chef des Ladens, Proctor John, dem er etwas anbietet, was er auf jeden Fall brauchen wird. Meine Vermutung: die Lage des Staudamms. Eine andere Information dürfte Strand momentan nicht haben, außer er hat mal wieder nicht alle seine Asse ausgespielt.

Großer Bruder

Nick (Frank Dillane) kommt seinen brüderlichen Pflichten nach und behält Alicia (Alycia Debnam-Carey) im Auge. Die macht ihm jedoch unmissverständlich klar, dass sie aktuell kein Interesse hat, so weiterzumachen wie bisher. Das Überleben bringt sie um, heißt es an einer Stelle sogar. Nick nimmt sie aus der Familienpflicht und sagt ihm, dass er weder ihr noch Mutter Madison etwas schuldet. Diese Bemerkung wirkt etwas unüberlegt, denn der cleane Nick hat oft genug Menschen gerettet und am Leben gehalten, ob das nun die eigene Familie ist oder die Menschen aus „La Colonia“ - wobei natürlich auch Fehlentscheidungen getroffen wurden.

Alicias Absolution ist widersprüchlich, denn noch in einer der letzten Folgen hatte sie darüber gesprochen, wie schwierig ihre Beziehung früher war und zumindest wir als Zuschauer haben einen Nick erlebt, der bemüht war, Kompromisse zu finden und der sein Leben stets riskiert hat.

Alicia hat ähnliche Opfer gebracht und zieht für sich die Konsequenzen aus diesem Leben auf Hochspannung, indem sie ihr Leben auf eigene Faust fristet.

Troublemaker

Nick akzeptiert den Wunsch seiner Schwester und taucht bald bei seiner Mutter auf, die er über die Entscheidung einweiht und zu Tränen rührt, weil sie neben dem Verlust der Existenz auf der Ranch im Ungewissen bleibt, was ihre Tochter angeht und sich um Ofelias Wohl sorgen muss. Für die hat sie immerhin Schmerzmittel besorgen können, um ihr Leiden ein wenig zu mindern. Nick bietet Madison an, die Wache von Ofelia zu übernehmen, damit sie einmal frische Luft schnappen kann, dabei bleibt jedoch die Tüte mit dem Schmerzmittel liegen und Nick erleidet einen Rückfall.

Meine ersten Reaktionen: „Warum?“ und „Och nee!?!“ Hundertprozentig clean war Nick wohl selten, wenn man daran denkt, dass beispielsweise auch in La Colonia gestreckte Mittel existierten oder er nach der Vergiftung kurz auf der Krankenstation war, dennoch war er auf dem besten Weg und trifft nun diese Entscheidung, die ärgerlich ist, sowohl von Charakter- als auch von Autorenseite her. Das schafft natürlich wieder Drama und Konflikte, wirkt aber auch wie ein Rückschritt für seine Figur.

Insgesamt vermittelt mir die Entwicklung in den letzten paar Folgen den Eindruck, dass die Serie nach der bereits bestellten vierten Staffel zu Ende gehen könnte und ich glaube fast, dass man sich trauen würde, das Ganze reichlich düster zu inszenieren, vielleicht sogar mit nur einem oder zwei Überlebenden. Die Urdarsteller werden immer weniger und im Kern ist und bleibt die Serie eine Familienserie im Hintergrund der Zombieseuche. Doch wenn die Familie irgendwann ausgemerzt ist, was bleibt dann noch? Die Theorie, dass sich eine der Clark-Frauen zu einer Figur aus den Comic entwickelt könnte, bleibt derweil für mich weiter bestehen - allerdings ist das vielleicht auch nur reines Wunschdenken.

Walker (Michael Greyeyes) unterstützt Ofelias Wunsch, ihren Vater wiederzusehen und gibt Madison auch den nötigen Denkanstoß, als er erzählt, dass er unvermittelt und über Nacht bei der gemeinsamen Mission quasi alles verloren hat, was ihm lieb und teuer war. Und das, obwohl er und sein Volk davor schon zahlreiche Verluste hatten verkraften müssen.

Rückfall

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ /
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / - © AMC

Nicks Rückfall könnte an keinem schlimmeren Ort passieren, denn in diesem Sündenpfuhl ist es ein Leichtes, an weitere Rauschmittel zu kommen, die seine Fortschritte sofort zunichtemachen könnten. Neben den Pillen verlockt auch der Alkohol und bald schon der härtere Stoff. Troy (Daniel Sharman) möchte das alles eigentlich nicht und versucht auch immer wieder, die Stimme der Vernunft zu spielen, erliegt aber immer wieder dem Gruppenzwang durch Nick.

Nick erfährt, dass El Matarife die Person ist, die den harten Stoff anbieten kann - und das sogar gratis, zumindest die erste Ladung. Es ist pures Adrenalin, gewonnen aus dem Hirn eines „Schweins“ (oder doch eines Menschen?), das Nick und Troy sich dann reinpfeifen und was dafür sorgt, dass sie kurzzeitig alle Überlebenssorgen vergessen, sich nach dem Beschmieren mit Innereien in eine Gruppe von Untoten begeben und Nick realisiert, dass auch er eine Pause von seiner Mutter braucht.

Alicia im Bälleparadies

Als Alicia ihre Zeit allein beginnt, verschlägt es sie in ein Fast-Food-Lokal, in dem sie einen großen Eimer mit Kartoffeln entdeckt, den sie gerne haben würde, wenn da nicht die Untoten wären, die zunächst aus dem Weg geräumt werden müssen. Nach einem kurzen Abstecher auf die Rutsche und ins Bällebad inklusive zombiefiziertem Kind, holt sich eine unbekannte Person ihren Eimer und sucht das Weite, schaltet aber nebenbei noch die Angreifer mit einem Spitzbeil aus (gute Waffenwahl!). Außerdem hat diese Person es auf Zähne und Finger der Untoten abgesehen.

Alicia schließt zu Diana (Edwina Findley) auf und möchte sich ihr Essen zurückholen, entscheidet sich nach einer Drohung aber doch dazu, das Teilen anzubieten und erfährt, dass Goldzähne einen Tauschwert haben und dass manche die Finger als Glücksbringer benutzen (vielleicht auch wegen des schützenden Geruchs).

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ /
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / - © AMC

Die Begegnung mit Diana zeigt Alicia, welches Leben sie als Solokämpferin erwarten könnte, denn, wie man im Gespräch heraushören kann, verfolgt sie eine Keine-Freunde-machen-Regel und hat schon einige Städte abgegrast, wobei viele bereits geplündert wurden. Ist es also das, was Alicia möchte? Sie sagt zwar, dass sie entweder alleine überlebt oder stirbt, doch eigentlich passt das nicht zu ihr. Beziehungsweise erinnert das an Alicia aus Staffel eins, als sie ihren Freund verloren hatte, und nun lastet der Verlust von Jake wohl wieder auf ihr. Nur: Ob Jakes geheimes Refugium existiert oder nicht, ist fraglich und das Herausfinden ein gefährliches Unterfangen. Ob das Team-up mit Diana über das Töten einiger sich anbahnender Untoter fortgeführt wird, muss sich zeigen. Eigentlich gilt ja in einer solchen Welt immer, dass man gemeinsam stark ist.

Ofelias letzter Gang

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ /
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / - © AMC

Der Zeitpunkt des abgesprochenen Deals mit Daniel und dem Staudamm rückt näher und so auch Ofelias letzter Atemzug. Ofelia hätte sich gewünscht, ihren echten Vater kennenzulernen, wahrscheinlich auch, weil sie seit ihrer Zeit bei der Red-Hat-Nation verstanden hat, warum er einige seiner Taten begangen hatte. Doch just in dem Moment, als Daniel mit dem Wassertruck kommt, verliert sie ihr Bewusstsein und Madison verzweifelt, weil sie weiß, dass Daniel stocksauer sein wird. Durch das Inszenieren von Ofelia als Heldin und Retterin kann sie ihn zumindest etwas besänftigen und nach einer kurzen Trauerphase ist er bereit für die Aussprache, in der sie die Aufnahme der Überlebenden herausschlagen kann.

Nick und Troy bleiben derweil beim Markt, wobei klar ist, dass Madison erkennt, dass Nick einen Rückfall hatte, auch wenn der ihr es so verkaufen will, dass sie sich dort eine Reputation aufbauen und so den Handel erleichtern können. Immerhin haben sie Zugriff auf Victors Bude und somit einen Platz zum Schlafen. Vielleicht ist dieser Ort des Exzesses auch der Anfang vom Ende von Nicks Untergang oder dem finalen Rausch. Wie man an Strand gesehen hat, kann man hier sehr schnell zur Persona non grata werden.

Fazit

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ /
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „El Matadero“ / - © AMC

Die „FtWD“-Folge El Matadero katapultiert Nick und Alicia in gewisser Weise wieder in einen Zustand, in dem sie - zumindest emotional - am Anfang der Serie waren. Auch wenn sie inzwischen einiges dazugelernt haben. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich aktuell noch nicht beurteilen. Bei Nick finde ich es ziemlich schade, dass man sich für einen Rückfall entschieden hat, weil das seine positive Entwicklung unterwandert und quasi den Rebootknopf drückt. Die Aufteilung der Clarks hatten wir ebenfalls des Öfteren schon und das nutzt sich ab, außer die Autoren planen tatsächlich auf den Serienschluss hin, bei dem wir den kompletten und finalen Bruch der Familie in einer Tragödie erleben. Denn Madison alleine oder nur im Zusammenspiel mit Strand und Daniel ist weitaus weniger spannend als die Entwicklung von Nick und Alicia, auch wenn diese immer wieder von Tragödien ereilt werden. Hat Madison allein überhaupt noch einen Überlebenswillen?

Der Cast und der Figurenpool, mit dem wir mitfühlen, wird jedenfalls kleiner, was die gegenteilige Entwicklung vom aufgeblähten The Walking Dead-Cast ist. Doch wohin geht die Reise in den letzten beiden Episoden der Staffel noch? Nicht auszuschließen ist, dass Strand ein langes Spiel spielt und den Staudamm selbst übernehmen möchte, weswegen er Proctor John vielleicht darauf ansetzt. Doch: Würde er das wiederum Madison antun? Wir werden es bald sehen...

Trailer zur Episode Things Bad Begun (3x15) der US-Serie Fear the Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. Oktober 2017

Fear the Walking Dead 3x14 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 14
(Fear the Walking Dead 3x14)
Deutscher Titel der Episode
Der Schlachthof
Titel der Episode im Original
El Matadero
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Oktober 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. Oktober 2017
Autor
Alan Page
Regisseur
Stefan Schwartz

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x14

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?