Fear the Walking Dead 3x13

© zenenfoto aus der âFear the Walking Deadâ-Episode âThis Land is Your Landâ / (c) AMC
In der Fear the Walking Dead-Episode This Land is Your Land befinden sich die Ăberlebenden der Brokejaw-Ranch und der Red-Hat-Nation, die die Attacke der von Troy (Daniel Sharman) gelenkten Untoten-Herde ĂŒberstanden haben, in der Vorratskammer. Leider stellt sich sehr schnell heraus, dass die Luftversorgung nicht so viele Seelen verkraftet und nicht ordnungsgemÀà funktioniert. Ideen mĂŒssen her und bald gibt es einige sehr radikale, aber aus der Not geborene EinfĂ€lle.
So sollen die Gebissenen entweder die LĂŒftung wieder zum Laufen bringen - oder aber wie Alicia (Alycia Debnam-Carey) im Endeffekt verkĂŒnden muss, vortreten. Ihr Tod steht ohnehin fest, weswegen sie den Lebenden nur die Chance auf das Ăberleben rauben wĂŒrden. Alicia vertritt, wenn sie die AnfĂŒhrerschaft inne hat, eine Taktik der Ehrlichkeit. Diese mag viel Ăberwindung kosten und könnte zu menschlichen Reaktionen wie Widerstand fĂŒhren. Dennoch und deswegen dauert es auch eine Weile, bis sich der erste Gebissene zu erkennen gibt. Es folgen mehr als ein Dutzend, die natĂŒrlich nicht sofort einsehen, was mit ihnen geschieht. Sie haben Familien, sie wollen noch etwas mehr Zeit oder finden sich doch mutig mit der Situation ab.
Euthanasie
Ja, Fear the Walking Dead prĂ€sentiert uns mit dieser Folge eine Euthanasie-Episode, die fĂŒr die SerienverhĂ€ltnisse sehr feinfĂŒhlig mit dem Thema des Abschieds im Auge des sicheren Todes umgeht. Mithilfe von Morphium werden die Todgeweihten betĂ€ubt, um dann von Alicia mit dem Messer erlöst zu werden.
Eine Aufgabe, die den sensiblen Teenager sichtlich mitnimmt, die sie aber dennoch verantwortungsbewusst schultert. Wieder bleiben nur Worte des Lobes fĂŒr die Schauspielerin, die sich in dieser StaffelhĂ€lfte zum MVP der Serie entwickelt und mitreiĂendes Schauspiel abliefert, wobei viele Facetten des Kampfes, der Trauer und des Abschieds durchlebt werden.
Ihre GesprĂ€che mit der Woodstock-Oma und ihre ErzĂ€hlung ĂŒber die SchulauffĂŒhrung, bei der Nick mit seiner Performance von âThis Land is Your Landâ allen die Show gestohlen hat, schaffen es mich zu rĂŒhren und emotional abzuholen. Ihre Mimik und ihr Kampf rĂŒhren mich fast zu TrĂ€nen. Die Autoren vermögen es in dieser Episode auf mehreren Ebenen, das nachzuholen, was manchmal nur noch schwer möglich ist: Den Ăberlebenskampf so zu gestalten, dass glaubhaft wird, dass es jederzeit zu Ende sein könnte, obwohl wir wissen, dass es natĂŒrlich noch weitergehen wird. SpĂ€testens mit dem plötzlichen Ableben von Travis hat man allerdings etabliert, dass es auch scheinbar sichere Figuren treffen kann. Wobei Alicia in meinen Augen zusammen mit Nick eigentlich diejenige Figur ist, die man nicht töten wird.

GestÀndnisse
Neben der Woodstock-Oma, die von ihren 9/11-Erlebnissen erzĂ€hlt und Alicia, die im Angesicht des Todes in Erinnerungen schwelgt, gilt dies auch fĂŒr Crazy Dog (Justin Rain) und Ofelia (Mercedes Mason), die die Aufgabe ĂŒbernehmen, die LĂŒftung wieder in Gang zu setzen. Durch den engen Tunnel kommt hier eine gewisse klaustrophobische Stimmung auf, die besonders Crazy Dog an seine Grenzen bringt und ihn eine Panikattacke erleiden lĂ€sst. Auch hier finde ich es schön, dass der sonst so harte Hund menschlich wird und von Ofelia beruhigt werden muss.
SchlieĂlich berichtet er vom Verlust seines Sohns, den er noch vor dem Ausbruch der Untotenseuche aus den Augen verloren hat und bereut, ihn nicht gerettet haben zu können, wĂ€hrend Ofelia sich an ihren Vater erinnert, der von seinen SchuldgefĂŒhlen heimgesucht wurde. Fast schon etwas zufĂ€llig gelingt Ofelia dann, nachdem ein Untoter auf sie und den ohnmĂ€chtig gewordenen Crazy Dog fĂ€llt, die LĂŒftung auszulösen.
Keine Minute zu spÀt, denn die Crew um Alicia hat deswegen ebenfalls das Bewusstsein verloren und Alicias Sicht wurde kompromittiert. Mit einem Adrenalinschub gelingt es ihr, einige gewandelte Zeitgenossen auszuschalten. Neben der verletzlichen Seite, darf sie also auch den Bad-Ass raushÀngen lassen, was sich nur noch verstÀrkt, als sie den Weg in die Waffenkammer findet und an Sarah Connor im Kampf gegen die Terminator erinnert, die Oma mitschleppt und den Untoten Kontra gibt.

Der Lagerkoller in den VorratsrĂ€umen sorgt fĂŒr eine spannende FTWD-Folge, die fĂŒr mich wahrscheinlich sogar zu einer der besten der Serie gehört und das, obwohl auch die vorherige Folge schon sehr stark daherkam. Stellenweise gelingt es den Serienmachern die Dringlichkeit und die EmotionalitĂ€t sehr viel besser zu transportieren, als bei The Walking Dead, wo ein solcher Moment wahrscheinlich der Action geopfert oder durch einige bereits bekannte Muster (Stolperer, Ăberraschungswalker, dumme Entscheidungen) weniger effektiv prĂ€sentiert werden wĂŒrde. Hier stimmt (fast alles) und ich bin die ganze Zeit involviert und mit Anspannung dabei.
Retter ohne Rettung

Nick (Frank Dillane) und Troy versuchen an einer Lösung zu arbeiten, um die Untoten fortzulocken und zu den Anderen vorzudringen. Allerdings muss Nick Troy erst einmal aus seiner merkwĂŒrdigen Haltung herausholen und ihm deutlich machen, dass das Geschehene fast vollstĂ€ndig auf seinem Mist gewachsen ist: die Gefahr, der Tod des Bruders und die Gesamtsituation. Immerhin fĂ€llt ihm ein Plan ein - per Explosion fĂŒr eine Ablenkung zu sorgen.
Vorher ĂŒberfahren sie jedoch ein paar Untote, in der Hoffnung im Hubschrauber etwas auszurichten. Die RotorblĂ€tter erwischen zwar ein paar Angreifer, quittieren jedoch schnell ihren Dienst und die beiden jungen MĂ€nner sind im Helikopter gefangen. Troy ist schon bereit seine letzte Kugel fĂŒr einen der beiden zu benutzen, als die Rettung endlich da ist, die wir schon in der vorherigen Folge erwartet hatten. Madison (Kim Dickens), Strand (Colman Domingo) und Walker (Michael Greyeyes) retten das halbe Dutzend Ăberlebender im Endeffekt.
Dass die Ranch offenbar komplett aufgegeben wird, hĂ€tte ich ebenfalls nicht erwartet. Allerdings scheint es so, dass Madison nun doch in Richtung Staudamm, um Asyl bitten möchte. Die 100.000 Gallonen Wasser werden nicht mehr nötig sein, dafĂŒr können sie dort Schutz anbieten und Daniel und Ofelia wiedervereinen. Denn nach dem Trauma erfĂ€hrt dann auch Ofelia, dass ihr Vater noch lebt, wĂ€hrend die arme gebeutelte Alicia auch noch mit dem Ableben von Freund Jake (Sam Underwood) konfrontiert wird.
Sie dĂŒrfte ihren Bruder Nick aber sicherlich gut genug kennen, um zu durchschauen, dass seine ErklĂ€rungen zur Entstehung der Herde an den Haaren herbeigezogen beziehungsweise frisiert sind.
Alicia kann nicht mehr

Alicia ist an einem emotionalen Scheideweg und möchte nicht dem Weg ihrer Mutter folgen, sondern dem Wunsch ihres Lovers nachgehen und dort vorbeischauen, wo er eigentlich entfliehen wollte. Sie lĂ€sst Madison bei ihrer Entscheidung keine Wahl und lĂ€sst sich entsprechend nicht umstimmen. Mit einem eigenem Auto, Waffen und Verpflegung spaltet sie sich also vom Rest der Gruppe ab, wĂ€hrend Nick ein Auge auf sie behalten will und gleichzeitig die FĂŒhler ausstreckt, ob der Ort ein neues Zuhause werden kann. Madison trĂ€gt ihm auf, Troy mitzunehmen, weil Walker ihn ohnehin nicht dulden wĂŒrde.
Alicias Entscheidung zur Emanzipation von der eigenen Mutter ist nur konsequent, wirkt allerdings auch wie etwas, was wir schon von Nick gesehen haben, kurz bevor es ihn nach La Colonia verschlagen hat. So bleibt auch Troy weiterhin im Spiel, sodass man sich nie sicher sein kann, ob das gut geht oder durch ihn ein neuer Versuch der EigenstÀndigkeit ins Chaos gezogen wird.
Vorstellbar wÀre auch, dass es ein Wiedersehen mit Luciana (Danay Garcia) gibt, immerhin ist das noch ein loser Handlungsstrang der Serie, die diese gerne baumeln lÀsst, um sie eine Halbstaffel spÀter wieder aufzugreifen.
Fazit

Fear the Walking Dead befindet sich in meinen Augen gerade auf einem erfreulichen Hoch und zeigt die spannenden, menschlichen und emotionalen Seiten, die eine solche Zombie-Invasion fĂŒr die Ăberlebenden bedeutet.
NatĂŒrlich kommen manche Muster (das Verlieren von halbwegs sicheren Zufluchten) bekannt vor, aber wenn die GefĂŒhle auf diese Art und Weise strapaziert werden und man sich Sorgen um die Figuren macht und mit ihnen mitfĂŒhlen und ihre Entscheidungen nachvollziehen kann, dann haben die Autoren einen Volltreffer gelandet - zumindest bis Madison wieder eine Entscheidung trifft, die alles ĂŒber den Haufen wirft.
Trailer zur Episode El Matadero der Serie Fear the Walking Dead (3x14):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 2. Oktober 2017Fear the Walking Dead 3x13 Trailer
(Fear the Walking Dead 3x13)
Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x13
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