Fargo 4x01

Fargo 4x01

Nach mehr als drei Jahren Abstinenz kehrt die FX-Anthologieserie Fargo endlich mit Staffel vier zurück. Chris Rock spielt die Hauptrolle. Als Herzstück der neuen Geschichte hat sich Noah Hawley einen Mafiapakt ausgedacht.

Chris Rock in Fargo (c) FX
Chris Rock in Fargo (c) FX
© hris Rock in Fargo (c) FX

Es gab mal Zeiten, da wäre eine neue Fargo-Staffel das Serienhighlight des Jahres gewesen. Diese Zeiten mögen zwar vorbei sein, doch auch so ist es noch sehr schön, dass uns Noah Hawley nun seine vierte Staffel der Anthologieserie vorstellt. Nach Martin Freeman, Patrick Wilson und Ewan McGregor spielt diesmal der Komiker Chris Rock („Kindsköpfe“) die Hauptrolle. Zum Auftakt hatte FX mit Welcome to the Alternate Economy und The Land of Taking and Killing gleich zwei Episoden auf ein Mal im Programm (wobei es in der folgenden Besprechung hauptsächlich um erstere gehen soll).

Ein weiteres Indiz für den abnehmenden Hype rund um Fargo ist übrigens die Tatsache, dass Netflix noch immer keine Informationen mitgeteilt hat, wann Season vier nach Deutschland kommt. Bei der vorherigen Staffel im Jahr 2017 fand der Import noch ziemlich zeitgleich statt, sprich am Tag danach. Die Fans so zappeln zu lassen, scheint äußerst unfair!

Worum geht's?

Von der ersten Sekunde an schafft es der Showrunner Noah Hawley, der beim Start nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch Regie geführt hat, den unverkennbaren „Fargo“-Stil wiederzubeleben. Mit viel Schwung geht es von einer Szene zur nächsten und jedem zweiten Satz wohnt ein Hauch von Humor inne. Wie schon Staffel zwei - mein persönlicher Liebling, sogar noch vor der legendären Auftaktstaffel - spielt auch die neue Season wieder weit in der Vergangenheit. Genauer gesagt im Jahr 1950 in Kansas City - knapp neun Autostunden entfernt vom titelgebenden Fargo, North Dakota.

Durch die 16-jährige Ethelrida Pearl Smutne (Emyri Crutchfield) kriegen wir zunächst einen kleinen Rückblick zur illustren Kriminalgeschichte des Handlungsortes. Seit jeher versuchen die lokalen Verbrecherbanden das sensible Gleichgewicht zu wahren, indem sie einen dramatischen Deal eingehen: Die beiden Bosse der jeweiligen Clans tauschen kurzerhand ihre Kinder, um stets ein Druckmittel gegen den anderen in der Hand zu halten. Das Ganze erinnert ein wenig an die nukleare Pattsituation zwischen UdSSR und USA, wobei der Kalten Krieg im ohnehin schon kalten Kansas hin und wieder heiß wird...

FX
FX - © FX

Durchsetzen konnten sich am Ende die italienische Mafia, angeführt von Donatello Fadda (Tommaso Ragno), und die Gang der Afroamerikaner, angeführt von Loy Cannon (Rock) - und ja, auch die Figurennamen sind wieder absolute Spitzenklasse! Die Serie betont früh, dass wir durchaus mit den Verbrechern mitfühlen dürfen, denn sie zeigt, dass ihnen kaum legale Wege bleiben, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Der strukturellere Rassismus, der schon immer eine feste Säule der Vereinigten Staaten war, hält sie absichtlich klein. Deshalb bilden sich nur Banden der ethnischen oder religiösen Minderheiten, wie auch Iren oder Juden. Obwohl die aus Kansas City schon verdrängt wurden, trotz Pakt.

Natürlich gerät die Balance auch diesmal ins Wanken, denn sonst gäbe es gar keine Geschichte zu erzählen. Typisch Fargo sind die Auslöser der Gewaltspirale tragikomisch. Während Loy und sein grandioser Partner Doctor Senator (Glynn Turman) mit cleveren Geschäftsideen wie der Erfindung des ersten Vorläufers der heutigen Kreditkarte glänzen und damit einmal mehr unter Beweis stellen, dass sie am liebsten ganz legal ihr Geld verdienen würden, wird die Zeit der Prosperität und des Friedens ausgerechnet durch ein dummes Kinderspiel beendet. Zwei Jungs erschießen versehentlich Donatello, was seinen verrückten Sohn Josto (Jason Schwartzman), der einst selbst „verliehen“ wurde, zum Nachfolger macht. Aber eigentlich ist es am Ende die Krankenschwester Oraetta Mayflower (Jessie Buckley), die den Tod des Paten herbeiführt.

Insgesamt elf Episoden stehen in der neuen Season auf dem Plan. Neben den genannten Charakteren können sich die Zuschauer unter anderem auch auf Andrew Bird als Thurman Smutney, Salvatore Esposito (Gomorrha) als Gaetano Fadda, Gaetano Bruno (1992) als Constant Calamita, Francesco Acquaroli (Suburra) als Ebal Violante, Jeremie Harris (Legion) als Leon Bittle, Jack Huston (Boardwalk Empire) als Odis Weff, Amber Midthunder (Roswell, New Mexico) als Swanee Capps, Ben Whishaw (London Spy) als Rabbi Milligan und Timothy Olyphant (Justified) als Dick „Deafy“ Wickware freuen...

Fazit

Fargo“ ist zurück und hat in den letzten dreieinhalb Jahren scheinbar nicht vergessen, was die Fans so an der Serie mochten. Staffel vier knüpft - vor allem mit Blick aufs Setting - eher an Staffel zwei an, statt an die für einige enttäuschende Staffel drei, was diesen sicherlich gelegen kommt. Chris Rock gibt einen tollen Hauptdarsteller mit triumphalem Lächeln ab, wobei ihm bald viel Böses blüht. Auch der Einfall des Kindertauschs der zwei Clanchefs als eine Art gegenseitiger Lebensversicherung, die sich Noah Hawley für die neue Season überlegt hat, wirkt nicht uninteressant. Man darf also gespannt sein.

Erwähnenswert ist übrigens auch, dass der obligatorische personifizierte moralische Kompass der neuen Staffel zum allerersten Mal keine Polizistin ist, sondern die Schwarze Teenagerin Ethelrida, die auch als Erzählerin fungiert.

Hier abschließend noch der Trailer zur 4. Staffel der FX-SerieFargo:

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 28. September 2020

Fargo 4x01 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 1
(Fargo 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Willkommen in der alternativen Wirtschaft
Titel der Episode im Original
Welcome to the Alternate Economy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. September 2020 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 10. Dezember 2020
Autor
Noah Hawley
Regisseur
Noah Hawley

Schauspieler in der Episode Fargo 4x01

Darsteller
Rolle
Jessie Buckley
Jason Schwartzman
Emyri Crutchfield
Anji White
Francesco Acquaroli
Gaetano Bruno

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?