Fargo 3x06

© .M. Varga (David Thewlis) erwägt die nächsten Schritte. / (c) FX
Manchmal müssen Figuren sterben, damit einer Geschichte neues Leben eingehaucht werden kann. Sehr anschaulich und unterhaltsam wird das in der Fargo-Episode The Lord of No Mercy demonstriert. So überraschend Ray (Ewan McGregor) darin auch den Tod findet, so erquicklich ist dieses Ereignis für die vier ausstehenden Episoden der dritten Staffel. Es gibt wohl wenige Zuschauer, die nicht davon ausgegangen sind, dass es am Ende zu einem brüderlichen Showdown zwischen ihm und Emmit (auch McGregor) kommen würde.
Perception of reality becomes reality
Dass die Rivalitäten nun neu ausgerichtet werden, ist ein Glücksfall, waren die Stussy-Brüder doch nie das interessanteste an dieser Staffel. Viel mehr Spaß hat es stets gemacht, Nikki Swango (Mary Elizabeth Winstead) dabei zuzusehen, wie sie Pläne schmiedet, auf die Ray niemals selbst kommen würde. Viel amüsanter war es, V.M. Varga (David Thewlis) dabei zu beobachten, wie er den bemitleidenswerten Emmit und den weniger bemitleidenswerten Sy Feltz (Michael Stuhlbarg) wie Marionetten an seinen Fingern zappeln ließ.
Das alles gibt es auch in dieser Episode zu bestaunen, nur garniert mit einer Extraportion Vehemenz. Ob das damit zu tun hat, dass Serienschöpfer Noah Hawley nach mehreren Episoden Pause wieder ans Autorensteuer zurückgekehrt ist? Wir wissen nicht, was seine Kollegen aus dem Material gemacht hätten, aber es ist schon auffällig, dass die Qualitätskurve der Staffel plötzlich wieder nach oben zeigt. Wie dem auch sei, die Episode beginnt nicht nur mit der üblichen Eröffnung, sondern auch mit einer zusätzlichen, von Varga per Voice-over übermittelten.
Gegenüber Emmit und Sy übertragt er das übergreifende Thema dieser Staffel, die porösen Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, auf drei geschichtliche Ereignisse, die Lehman-Pleite aus dem Jahre 2008, den Beginn des Ersten Weltkriegs und die seiner Ansicht nach fingierte Mondlandung. Er nutzt diese Analogie, um seinen Zuhörern den Plan vorzutragen, den er für Stussy Inc. auserkoren hat. Es geht dabei grundsätzlich darum, möglichst viel Geld aus der Firma zu pressen, was sich für Emmit mittlerweile ganz in Ordnung anhört, für Sy aber immer noch nach dem Untergang des Abendlandes.

Bevor es jedoch ans finanzielle Eingemachte gehen kann, muss sich Varga mehrerer Unliebsamkeiten erledigen. Dazu gehört nicht nur IRS-Mann Larue Dollard (Hamish Linklater), der mit einer ebenso geschickten wie amüsanten Finte vertrieben wird, sondern vor allem auch die Einhegung von Gloria Burgle (Carrie Coon) und Winnie Lopez (Olivia Sandoval). Sie wollen Emmit über ihren bisherigen Ermittlungsstand aufklären, ihn vor allem aber zu den verworrenen Ereignissen rund um Ennis Stussy und Maurice LeFay befragen.
Will wonders never cease
Varga lässt sich von ihren Beamtenuniformen nicht einschüchtern, sondern prescht mit seiner unvergleichlich schmierigen Art vor und lässt keinen Zweifel daran, wer in diesem Raum der Bösewicht ist. Wie ernst er die Ermittlungen jedoch nimmt, zeigt eine nachfolgende Szene, in der er erfolglos versucht, per Facebook- und Google-Suche mehr über Gloria herauszufinden. Das Ergebnis ist noch ernüchternder, als wenn er seinen eigenen Namen gegoogelt hätte. Hier wird das zweite große Thema der Staffel aufgegriffen, die Gefahren und Vorteile moderner Kommunikation.
Eine eindeutige Botschaft behält uns Hawley dahingehend vor. Lieber erzählt er seine Geschichte weiter, die fortan größere Dringlichkeit erfährt. Ray und Nikki verschanzen sich in einem Motel, weil sie sich vor dem Gesetz verstecken wollen, wobei sie nicht wissen, dass Varga ihren Kopf will. In Rays Fall erledigt sich das von selbst und in wahrer Fargo-Manier. Er wird von ebenjenem Objekt getötet, auf das er jahrelang all sein Verlangen, all sein Scheitern projizierte. Im Streit mit Emmit zerplatzt die Scheibe des Bilderrahmens, in dem der seine letzte Briefmarke aus der wertvollen Sammlung seines Vaters aufbewahrte. Eine Scherbe landet in Rays Halsschlagader.
Es ist der tragikomische Abschluss eines Bruderzwists, der nicht immer interessant war, dafür nun aber genug Stoff für das Staffelfinale liefert. Weil sich Emmit nicht anders zu helfen weiß - und weil er schon vom süßen Saft der Korruption gekostet hat -, wendet er sich an Varga. Der schlüpft mal kurz in die Rolle von „The Wolf“ - wie passend - aus „Pulp Fiction“ und kümmert sich um die Tatortreinigung. Dabei fällt ihm ein, dass das alles doch Nikki in die Schuhe geschoben werden könnte. So verhindert er in letzter Sekunde, dass sie von seinem Schergen Meemo (Andy Yu) ermordet wird.
Aber wäre es nicht viel einfacher für Varga, würde er den Mord zulassen? Wird Nikki nur verschont, weil es das Drehbuch so will? Es hat sicherlich Vorteile, die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken, allerdings hat es auch Nachteile, einer rachsüchtigen Nikki ausgeliefert zu sein. Und wer behauptet denn, dass Gloria das Manöver nicht durchschaut? Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, wie sich die dezimierten Antagonistenreihen weiter lichten. Nach kurzer Atempause meldet sich „Fargo“ zurück.
Trailer zu Episode 3x07: 'The Law of Inevitability'
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 26. Mai 2017Fargo 3x06 Trailer
(Fargo 3x06)
Schauspieler in der Episode Fargo 3x06
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