Fargo 3x07

© m Ende eines langen Tages warten Varga (David Thewlis, l.) und der Christbaum auf Emmit (Ewan McGregor). / (c) FX
So richtig in die Gänge kommen will diese dritte Staffel von Fargo nicht. Der urkomische Zufallstod von Ray Stussy (Ewan McGregor) in der letzten Episode sollte eigentlich als dramaturgischer Katalysator dienen. Beinahe sämtliche daraus gewonnene Dynamik wird aber in The Law of Inevitability wieder abgewürgt. Dialoge und Schauspiel befinden sich darin auf gewohnt hohem Niveau. Wenn die Geschichte aber zu langsam voranschreitet und vor allem zu sehr an vergangene Staffeln erinnert, dann hilft auch das nicht weiter.
Crime and punishment
Wie von Varga (David Thewlis) geplant, wird Nikki (Mary Elizabeth Winstead) für den angeblichen Mord an ihrem Freund verhaftet. Für Sheriff Moe Dammik (Shea Whigham), einen „Fargo“-typischen Idioten, der bisher ausschließlich dem narrativen Zweck eines menschlichen Bremsklotzes dient, ist die Lage eindeutig. Er ist Anhänger der Theorie, dass die einfachste Lösung stets die richtige ist. Er nennt das seine „mash potato theory“. Genau daran lässt sich ablesen, was derzeit so schlecht funktioniert: Charakterentwicklung wird zugunsten eines witzigen One-liners geopfert.
Dammik sieht die Verhaftung auch als Chance, sich die ihm so lästigen Gloria (Carrie Coon) und Winnie (Olivia Sandoval) vom Hals zu schaffen. Während die Verkehrspolizistin sofort abgezogen wird, darf die Noch-Polizeichefin noch ihre Theorie vortragen, über die Dammik wenig überraschend nur Idiotisches zu sagen hat: „Only an intellectual could believe something so stupid.“ Wieder: witzig, aber folgenlos. Immerhin lässt sich Gloria nicht von den Torpedierungsbemühungen ihrer Vorgesetzten davon abhalten, sich Zugang zur inhaftierten Nikki zu verschaffen.
Besonders viel kommt jedoch auch dabei nicht heraus. Gloria gelingt es zwar, einen Mordanschlag auf Nikki zu verhindern, jedoch revanchiert sich die Gerettete nicht mit einer Aussage. Sie antwortet lediglich mit dem berühmten Spruch des Agenten mit dem Decknamen Deep Throat, der den entscheidenden Hinweis zur Watergate-Affäre lieferte: „Follow the money.“ Ansonsten ist ihr nichts zu entlocken, was bedeutet, dass ihre Bewährung aufgekündigt wird und sie zurück ins Gefängnis muss. Ich verstehe ja, dass Nikki bis zum Schluss die Wild Card bleiben soll; für den zügigeren Fortlauf der Geschichte wäre sie in gesprächsbereiter Form aber vorteilhafter gewesen.

Überdies müsste sie dann nicht zum zweiten Mal dem nun mit einem Mordauftrag ausgestatteten Yuri (Goran Bogdan) entgehen. So ansehnlich die Abschlussszene von Regisseur Mike Barker auch inszeniert ist, so eindeutig scheint es, dass Nikki sie überleben wird. Oder wird Noah Hawley sie nun wirklich sterben lassen, nachdem sie bereits zuvor schwer verletzt überlebt hat? Und wozu hätte es das Auftauchen von Mr. Wrench (Russell Harvard) aus der ersten Staffel gebraucht, wenn nicht dazu, dass er ihr bei der Abwehr ihres Häschers behilflich ist?
The world is wrong
Die Präsenz dieser bekannten Figur - die in ihrer Kinderversion auch schon in der zweiten Staffel auftauchte, womit sie die einzige ist, die in allen dreien zu sehen war - führt uns zu einem anderen deutlichen Call-back zur ersten Staffel. Die Szene, in der Yuri Gaslighting der reinsten Form mit Glorias bemitleidenswertem Kollegen Donny (Mark Forward) betreibt, erinnert stark an die Szene, in der sich Lorne Malvo (Billy Bob Thornton) genau so des Streifenpolizisten Gus Grimly (Colin Hanks) entledigt.
Selbst für eine Anthologieserie sind solche 1:1-Kopien ärgerlich. Immerhin liefern die Szenen mit Emmit Stussy (McGregor) und Sy Feltz (Michael Stuhlbarg) ebenso witzige wie emotionale Momente. Von den jüngsten Ereignissen noch ganz aufgewühlt, erscheint Emmit beim Geschäftsessen mit Sy und der Witwe Goldfarb (Mary McDonnell), wie er sie bevorzugt nennt. Eigentlich dürfte dem Verkauf von Stussy Incorporated nicht mehr allzu viel im Wege stehen, wäre da nicht Emmits Unfähigkeit, sich an die Spielregeln eines solchen Termins zu halten.
Erschwerend kommt hinzu, dass Winnie auftaucht und Emmit über den Tod seines Bruders unterrichten will, wobei der eindrucksvoll unter Beweis stellt, welch unfähiger Verbrecher er doch ist. Der nachfolgende Streit mit Freund und Geschäftspartner Sy währt nicht lange, allerdings bleibt bei beiden die Niedergeschlagenheit über ihre so radikal veränderte Welt, die plötzlich überhaupt nicht mehr so aussieht, wie sie einmal war. Die Volltrottel könnten einem beinahe schon leid tun. Immerhin weiß Emmit gegenüber seinem Hausgast Varga, der es sich nicht nehmen lässt, sämtliche Weihnachtsgeschenke seines unfreiwilligen Gastgebers zu öffnen, zu berichten, dass er sich nun frei fühle.
Was das genau zu bedeuten hat, ist schwierig herauszufiltern, schließlich spricht Emmits Verhalten eine andere Sprache. Dass die dritte Staffel von Fargo weniger begeistert als die ersten beiden, ist hingegen eindeutig. Ob die Serie angesichts dieses Qualitätsverlusts eine Fortführung erfahren muss, darf also erstmals hinterfragt werden.
Trailer zu Episode 3x08: 'Who Rules the Land of Denial?'
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 1. Juni 2017Fargo 3x07 Trailer
(Fargo 3x07)
Schauspieler in der Episode Fargo 3x07
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