Evil 2x13

Evil 2x13

Nachdem uns die erste Staffel von „Evil - Dem Bösen auf der Spur“ mit einem Cliffhanger entließ, erleben wir nun die Auflösung des Kristen-Plots. Zudem werden wir mit einer Verschiebung der figürlichen Prioritäten überrascht - nicht immer zu unserer Freude, wie wir im Review zu Season zwei erläutern.

Key Art zur Serie „Evil“
Key Art zur Serie „Evil“
© CBS

Die große Sünde

Im Finale von Staffel eins von Evil erfuhren wir, dass Kristen mit dem Mord an Orson Leroux (Darren Pettie) zwar dem Gesetz, nicht aber ihrem Gewissen entfliehen kann. Der um die Psychologin gestrickte Plot setzt sich in Season zwei fort und endet schließlich wenig überraschend in der Finalepisode C Is for Cannibal („K ist für Kannibale“) mit einem knisternden Cliffhanger.

Bis dahin ist es aber ein weiter - und bisweilen für das Publikum steiniger Weg. Das ist wiederum in den ersten drei Folgen noch nicht unbedingt ersichtlich. In N Is for Night Terrors, („N für Nachtschreck“) geht es zunächst um Lelands verdrehte Beziehung zu Kristen. A Is for Angel („R für Racheengel“) erzählt die Geschichte um eine schreckliche Engelsvision. In F Is for Fire, („F für Feuer“) fiebern wir hingegen mit einem von einem Jinn verfolgten Mädchen mit. Vor allem die zweite und dritte Folge wissen dabei zu gefallen und bieten eine willkommene Abwechslung vom zuletzt doch recht skurrilen Metaplot. Angenehm ist dabei, dass die Figur des Leland Townsend zugunsten einiger klug geschriebener Monster-of-the-Week- Geschichten in den Hintergrund tritt.

Das Mittelfeld

In E Is for Elevator nimmt das Produktionsteam noch einmal Bezug auf den im Staffeldebüt eingeführten weiblichen Nachtschreck, der Ben heimsucht und ihm das Leben schwer macht. Den sympathischen Technikexperten in den Fokus zu rücken, erweist sich als gute Idee, zumal gerade er bisher trotz aller Bemühungen des Autorenteams eher im Schatten des starken Protagonisten-Duos David/Kristen stand. Die Story punktet zudem mit einer ansprechenden Horroreinlage und einem hübsch gruseligen Plot, der sich im Nachhinein aber als wenig übernatürliches Phänomen herausstellt.

Mit Folge fünf, „Z Is for Zombies, Evil“ („Z für Zombies“) ist allerdings der erste Höhepunkt der Season überschritten. Die Geschichte dreht sich im Großen und Ganzen um das Spielproblem des bisher als Nebenfigur in Erscheinung getretenen Exorzisten Vater Mulvehill (Brian Stokes Mitchell). Die Story kommt indes insgesamt spannungsarm daher und fällt in die Kategorie „kann man mal gesehen haben, muss man aber nicht.

C Is for Cop ist thematisch zwar interessanter, flacht allerdings im Spannungsbogen so stark ab, dass mit der Mitte der Season der vorläufige Tiefpunkt erreicht ist.

Das Highlight

Das absolute Highlight - und die bisherige Lieblingsfolge des Autors - bildet hingegen die innovative und grandios gemachte Folge S is for Silence (quoteme=S für Stille“. Die Story ist wie ein Stummfilm inszeniert. Innerhalb der knapp 45 Minuten Laufzeit finden sich nur sehr wenige Dialoge und auch nur dann, wenn sie für den Verlauf der Geschichte unvermeidlich sind. Abgesehen davon hat Regisseur und Drehbuchautor Robert King alle fachlich relevanten Register gezogen, um die Erzählung so stilecht wie möglich zu halten. Als kleines Schmankerl hat sich King darüber hinaus etwas Besonderes einfallen lassen. In einer Albtraumsequenz wird Kristen von einem knöchernen Sensemann angegriffen, der in bester Stop-Motion-Manier animiert ist und damit für einen kurzen, spaßigen Filmfanmoment sorgt. Das passt hervorragend zum ohnehin experimentellen Stil von Evil und ist in jeder Hinsicht sehenswert.

Oma Bouchard

Im Verlauf der bisherigen Season fällt auf, dass die Serienmacher den Oberbösewicht Leland Townsend immer mehr zur Nebenfigur degradieren, während Kristens Mutter Sheryl (Christine Lahti) den Raum füllt. Ob dies so nötig gewesen wäre oder sich die Serie damit ein Eigentor schießt, muss das geneigte Publikum für sich entscheiden, gebraucht hätte es diesen Twist sicherlich nicht.

Der Meta-Plot verfügte auch ohne Sheryls dämonische Anwandlungen über genügend groteske Ideen. Mit dem Überblenden auf sie droht die Serie aber nun ins vollkommen Überzogene abzudriften, schade. Nicht falsch verstehen bitte: Christine Lahti ist eine fantastische Schauspielerin, die ihre Rolle mit Eleganz, Sexappeal und der richtigen Portion Kälte spielt. Es ist keine Frage, dass sich die Aktrice voll auslebt und jede Menge Spaß hat.

Allerdings kittet diese Tatsache die Risse nicht, die die Geschichte nun erhält, zumal Lelands gefakter Exorzismus und seine anschließende Infiltrierung der Kirche von den Zuschauenden viel guten Willen voraussetzt.

Ein weiteres Problem ist, dass dadurch der in O Is for Ovaphobia („O für Ovaphobie“) endlich wieder aufgenommene Plot um die RSM Fertility in den Hintergrund rückt. Hinzu kommt, dass der Writers Room in der Folge vor allem zu viele Fässer aufmacht.

Einerseits bekommt es Kristin mit der zwielichtigen Dr. Cara Autry (Francesca Faridany) zu tun, andererseits kämpft Bens Freundin Vanessa (Nicole Shalhoub) mit der Seele ihrer verstorbenen Schwester um die Vorherrschaft. Als dritte Baustelle entpuppt sich der Fall der Woche, in dem David, Ben und Kristen einer falschen Teufelssekte auf der Spur sind. Zu allem Überfluss verändert sich die Psychologin immer weiter hin zur Femme fatale.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätten die Autorinnen und Autoren schlicht zu viele Fässer aufgemacht, die sie nun in nur drei Episoden in aller Eile schließen möchten. Das tut der Homogenität der Staffel nicht gut und fühlt sich mehr verwirrend als befriedigend an.

Staffelfinale

Dies wirkt sich vor allem auf das Finale aus, das mit den Episoden I Is for IRS („F für Finanzamt“), „D Is for Doll, Evil“ („P für Puppe“) sowie „C Is for Cannibal“ („K für Kannibale“) leider eher durchwachsen daherkommt. Die Skurrilität nimmt immer stärker zu, während der Erzählfluss abnimmt. Das Finale zielt dann darauf ab, Davids gerade erlangte Priesterschaft zu torpedieren und das Böse in die Offensive zu schicken.

Finale

In Sachen Homogenität zeigt sich die zweite Staffel von Evil noch widerborstiger als ihr Vorgänger. Die Season ist prallgefüllt mit witzigen, verrückten und bisweilen sogar innovativen Ideen, meint es aber phasenweise viel zu gut und rutscht daher in die Unglaubwürdigkeit ab. Das liegt nicht so sehr an der durchaus ausgefeilten Mythologie der Serie, als vielmehr an dem inkonsistenten Umgang damit.

Manchmal ist - wie in Folge zwei - weniger mehr und die volle Konzentration auf den Fall der Woche sinnvoll. Es ist ja nicht so, dass Michelle und Robert King auf narrativer Basis nichts anzubieten hätten. Im Gegenteil darf man sich fragen, ob ein paar zusätzliche Folgen nicht die bessere Wahl gewesen wären, um das Gewusel aufzudröseln und damit mehr Struktur in die Staffel zu bringen. Den Spagat zwischen Network-Show und serieller Erzählung schafft „Evil“ zwar insgesamt, aber eben nicht immer auf dem höchst möglichen Niveau.

3,5 von 5 Exorzismen

Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 4. Juni 2024
Episode
Staffel 2, Episode 13
(Evil 2x13)
Deutscher Titel der Episode
K für Kannibale
Titel der Episode im Original
C Is for Cannibal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. Oktober 2021 (Paramount+)

Schauspieler in der Episode Evil 2x13

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