Evil 1x01

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Eigentlich kennt man Michelle und Robert King für das Anwaltsserien-Franchise The Good Wife und The Good Fight, wodurch sie den Ruf genießen, eine jener Serien abgeliefert zu haben, die qualitativ deutlich über dem Durchschnitt der Networks liegt. Mit ihrem neuen CBS-Projekt Evil betreten sie nun völlig andere Pfade, die uns ins Reich der Wunder und Dämonen führen. Oder etwa doch nicht? Dem ganzen Spuk wird nämlich eine rationale, forensische Psychologin entgegengestellt, die mit ihrer Skepsis so manchen Geist zu entzaubern vermag. Ganz Recht, die Prämisse der Serie lautet mehr oder weniger: Was, wenn The X-Files... aber mit Scully im Zentrum?
Bei der skeptischen Dame handelt es sich um Dr. Kristen Bouchard, gespielt von Katja Herbers (Westworld), die in manchen Moment an eine junge Juliette Binoche erinnert. Für das Büro des Staatsanwalts in Queens soll sie ein Gutachten über den siebenfachen Mörder Orson LeRoux (Darren Pettie) erstellen, das seine Behauptungen von dämonischer Besessenheit als Lüge entlarvt und ihm volle Schuldfähigkeit attestiert. Als sich jedoch die Option einer mentalen Störung auftut, kann sie dies nicht länger verantworten und kündigt. Gleichzeitig wird der Fall im Auftrag von Orsons Frau vom angehenden Priester David Acosta untersucht, der als Gutachter der Kirche unterwegs ist und von Charismabombe Mike Colter (Luke Cage) dargestellt wird. Der gläubige Mulder für Herbers' Scully.

Dass die frisch geschiedene, vierfache Mutter mit sympathischem Dosenmargaritavorrat weder an den lieben Gott noch an Geister und Dämonen glaubt, hält Acosta nicht davon ab, Dr. Bouchard für ihre psychologische Expertise einzustellen, um den inhaftierten LeRoux zu evaluieren. Als technischer Experte zählt darüber hinaus der aus der „Daily Show“ mit Jon Stewart bekannte Aasif Mandvi zum Team. Auch er sieht die ganze Angelegenheit eher als gewöhnlichen Job und scheint kaum Aktien in den größeren Implikationen seiner Arbeit zu haben.
Den Regeln dieser Art von Serie folgend, gilt es meistens, den skeptischen Mumpitzmuffel von übernatürlichen Machenschaften zu überzeugen und schließlich zu bekehren. Und natürlich hat Acosta zahlreiche Bullshit-Argumente in einer kleinen Rede parat. Wissenschaft könne nicht sämtliche Wunder dieser Welt erklären und Besessenheit werde oft mit geistigen Krankheiten verwechselt, als wenn es nicht genau andersherum wäre. Ganz so einfach, wie zum Beispiel das zu Recht kurzlebige Proof und andere Serien nach dem „I Want to Believe“-Prinzip, die als Wunscherfüllung für Geistermedium-Aufsucher und das „Ghost Hunters“-Publikum dienen, macht es sich „Evil“ aber dankbarerweise nicht.
Dr. Bouchard ist nämlich mit reichlich Wissen bewaffnet, das sie gegen so manche Scharlatanerie und psychologische Effekte, gegen die sie selbst nicht vollkommen immun ist, feit. So besucht sie in den Nächten neuerdings ein dämonischer Incubus, der jede andere Person womöglich zum spirituellen Spinner konvertiert hätte. Sie ist sich jedoch der Existenz sogenannter Nachtschrecken und Luzidträumen bewusst, die paralysierten Menschen nächtliche Besuche von Geistern oder Aliens am Bettrand bescheren. Mit einem psychologischen Trick macht sie sich schließlich die Traumwelt bewusst und bezwingt so ihren unwillkommenen Albtraum. Kurz darauf stellt sich allerdings die Frage, wie ihr Serienkiller von ihrem Dämon wissen konnte und plötzlich sind fantastische Elemente doch wieder auf dem Tisch.
Übrigens: Der besagte Incubus heißt George und ist mindestens ebenso amüsant wie furchteinflößend. Er wird von Marti Matulis gespielt, der schon in zahlreichen Genreproduktionen wie American Horror Story oder Teen Wolf als Monster aufgetreten ist. Um ihn ist es beinahe schade, so wie er hier die Schau stiehlt.

Das zweite denkwürdige Ekelpaket lernen wir im weiteren Verlauf der Pilotfolge in Form des psychopathischen Okkultismusexperten Dr. Leland Townsend kennen, der mit Michael Emerson (Lost, Person of Interest) ebenfalls treffsicher besetzt scheint. Als jemand, der andere dazu verleitet, Böses zu tun, ist er das Puzzlestück, das Dr. Bouchard benötigt, um die gruseligen Geschehnisse restlos zu erklären. So jemand würde nämlich beispielsweise dafür sorgen, dass jemand wie LeRoux wüsste, wie man dämonische Besessenheit fingiert und vielleicht sogar beim Therapeuten von Gutachterinnen einsteigen, um Informationen über ihren Nachtschreck zu erhalten. Als letzter Beweismittel-Sargnagel muss allerdings - ganz modern- Social Media und 4chan herhalten.
Damit es das nicht gewesen ist mit der Zusammenarbeit zwischen Dr. Bouchard und Dacosta tut sich am Ende der Episode bereits ein weiterer, dieses Mal Wunder beinhaltender Fall auf. Was für ein Segen für die Zuschauer, dass Bouchard auf einem Schuldenberg sitzt und es sich gar nicht leisten könnte, den Job abzulehnen...
Fazit
In der Pilotfolge von Evil machen wir eine regelrechte Achterbahnfahrt zwischen übernatürlichen Verdachtsmomenten und rationalen Erklärungen durch. Überraschenderweise endet diese allerdings nicht in einer Wunderhöhle voller Monster und ungeklärter Mysterien, die dazu dienen, unsere skeptische Serienheldin Dr. Bouchard zu bekehren. Stattdessen entzaubert sie den Spuk gekonnt mit Pfeilen aus ihrem psychologischen Faktenköcher. Wobei man nicht darauf wetten sollte, dass die Serie sich die Enthüllung fantastischer Tatsachen nicht noch für den weiteren Verlauf der Staffel aufhebt.
Fast überraschender ist es hierbei jedoch, dass „Evil“ sogar nach was aussieht und sogar ein paar echte Schreckensmomente bereithalten kann. Blutige Stilhöhen wie in der Network-Ausnahmeserie Hannibal erreichen wir hier zwar nicht, doch für CBS macht die von Serien-Co-Schöpfer Robert King persönlich inszenierte Auftaktfolge durchaus ganz schön was her.
Und weil Herbers und Colter so sympathische Hauptcharaktere abgeben, wollen wir auch vorerst darüber hinwegsehen, dass man schon jetzt natürlich den Samen der offenbar unvermeidlichen Anbandelung sähen musste...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen CBS-Serie Evil:
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 27. September 2019Evil 1x01 Trailer
(Evil 1x01)
Schauspieler in der Episode Evil 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?