Doctor Who 9x14

© as Poster zum „Doctor Who“-Weihnachtsspecial 2016. / (c) BBC
Das passiert im Doctor Who-Weihnachtsspecial 2016 The Return of Doctor Mysterio:
Weihnachten in New York: Der 8-jährige Comicfan Grant (Logan Hoffman) liegt mit einer Erkältung im Bett, als vor seinem Fenster auf einmal kopfüber ein seltsamer alter Mann auftaucht. Dabei handelt es sich entgegen der ersten Annahme jedoch nicht um den Weihnachtsmann, sondern um den Doctor (Peter Capaldi), der versehentlich in eine Falle getappt ist, die er selbst aufgestellt hatte, um eine Apparatur zum Ausgleich von Zeitverzerrungen zu schützen.
Grant führt ihn zurück aufs Dach, wo es jedoch zwischen ihm und dem Doctor zu einem folgenreichen Missverständnis kommt. Grant hält einen winzigen außerirdischen Edelstein, der eigentlich dazu dient, die Apparatur in Gang zu setzen, für eine Hustenmedizin und verschluckt ihn - was ihm umgehend übermenschliche Kräfte verleiht. Der Doctor nimmt ihm das Versprechen ab, diese Kräfte niemals einzusetzen. Allerdings gibt es ja so manches Versprechen, welches der Doctor selbst nicht gehalten hat. Von daher sollte es nicht verwundern, dass es auch Grant mit seinem Versprechen nicht so genau nimmt.
24 Jahre später: Der Doctor und sein neuer Companion Nardole (Matt Lucas aus The Husbands of River Song) ermitteln in der New Yorker Dependance des internationalen Forschungskonzerns Harmony Shoal. Und sie sind nicht die einzigen, die sich für das Unternehmen interessieren. Die Reporterin Lucy Fletcher (Charity Wakefield, The Player) wittert hinter den geheimnisvollen Vorgängen bei Harmony Shoal eine große Story. Tatsächlich werden sie und der Doctor zu heimlichen Beobachtern, als Forschungsleiter Dr. Sim (Aleksandar Jovanovic, zuletzt in der ZDFneo-Serie Tempel, demnächst in You Are Wanted) den Zweigstellenleiter Mr. Brock (Tomiwa Edun, Merlin) in eine Falle lockt.
Wie sich bald herausstellt, ist Harmony Shoal nichts anderes als eine Tarnung für außerirdische Gehirne, welche sich menschlicher Wirtskörper bemächtigen wollen. Die Alien-Hirne planen die Invasion der Erde, indem sie zunächst die Körper der politisch-militärischen Elite an sich bringen. Zu diesem Zweck hat Harmony Shoal Zweigstellen in sämtlichen Hauptstädten der Erde etabliert. Und in New York. Was es damit auf sich hat, findet der Doctor erst sehr viel später heraus.
Als er, Nardole und Lucy bei ihrer heimlichen Spähaktion von Dr. Sim erwischt werden, droht ihnen bereits großes Ungemach. Plötzlich klopft es jedoch - hoch im Wolkenkratzer - von außen an der Scheibe. Und da kommt ihnen auch schon der geheimnisvolle Superheld Ghost (Justin Chatwin, Shameless) zur Hilfe...
Passt das?
Eine gewisse Nervosität konnte einen im Vorfeld von The Return of Doctor Mysterio schon ergreifen: Kann das gut gehen - eine Verbindung von Doctor Who und dem Superhelden-Genre? Hängt sich die Serie hier einfach nur an einen populären Trend? Geht der Fokus auf die Superhelden-Geschichte zu Lasten des Doctors? Ist das Ganze dann überhaupt noch Doctor Who?
Sorgen dieser Art sind jedoch unbegründet. Die Hommage ans Superhelden-Genre im Gewand eines Doctor Who-Weihnachtsspecials funktioniert sehr gut. Die Folge bietet 60 Minuten bester Unterhaltung. Dabei spielen die Gastfiguren - allen voran Grant/Ghost und Lucy - tatsächlich eine etwas größere Rolle als man das vielleicht von anderen Doctor Who-Folgen gewohnt ist. Mitunter könnte man fast den Eindruck gewinnen, als würde man den Backdoor Pilot eines neuen Doctor Who-Spin-Offs sehen. Das geht jedoch keineswegs zu Lasten des Doctors. Zu keinem Zeitpunkt hat man den Eindruck, eine andere Serie als Doctor Who zu sehen.
Romantic Comedy
Der Doctor ist der zentrale, handlungstreibende Protagonist - angefangen damit, dass Grant durch ihn überhaupt erst seine Superkräfte erhält. Allerdings ruht der Fokus nicht allein auf ihm, was der Folge durchaus gut tut. Vor allem in der Romantic Comedy erhält der Plot rund um Grant und Lucy eine gewisse Eigenständigkeit. Die Geschichte, die Steven Moffat hier erzählt, ist natürlich - wie auch der Rest der Folge - durchdrungen von zahlreichen Genre-Anspielungen (insbesondere in Richtung Superman / Clark Kent - Lois Lane), dabei jedoch dermaßen charmant und herzlich, dass es einfach nur eine Freude ist.
Sollte Steven Moffat nach seiner Zeit als Showrunner von Doctor Who vielleicht eine Romantic Comedy schreiben - ich würde sie mir umgehend ansehen! Auch sonst blitzen in The Return of Doctor Mysterio Momente auf, die einen an den Prä-Doctor Who-Moffat erinnern: Wie der Doctor etwa den pubertierenden Grant in der Schule besucht und dieser konstant zu Boden starrt, weil er Probleme damit hat, seinen Röntgenblick unter Kontrolle zu bringen, da er andernfalls mit den Händen vor dem Schritt zu schweben beginnt, ist ein Gag, der für Doctor Who fast schon etwas grenzwertig ist, aber sehr gut einer Traumsequenz in Coupling hätte entspringen können.
Abschied
Sehr gelungen ist der Kontrast, den The Return of Doctor Mysterio aufbaut: zwischen der aufkeimenden Romanze von Grant und Lucy einerseits und der latenten Traurigkeit des Doctors andererseits. Der Doctor, der uns in dieser Folge begegnet, ist nämlich gerade an dem Punkt, an dem er von River Song Abschied genommen hat. The Return of Doctor Mysterio knüpft hier unmittelbar an das letztjährige Weihnachtsspecial The Husbands of River Song an.
Wunderschön ist dabei vor allem die Schlussszene gelöst, in der Grant und Lucy aneinandergelehnt am Tisch sitzen, während der Doctor von seinem Verlust spricht. Er erwähnt River dabei nicht namentlich, musikalisch wird die Szene aber vom River-Thema aus Silence in the Library / Forest of the Dead untermalt. Da hätte es der anschließenden Erläuterung durch Nardole gar nicht mehr bedurft. Der geneigte Fan weiß schließlich bereits ganz genau, von wem der Doctor hier spricht.
Companion
Davon abgesehen ist Nardole als neuer Companion eine ausgesprochen erfreuliche Erscheinung: Als weiser Einfaltspinsel leistet er gleichermaßen einen Beitrag zum Comic Relief wie auch zu den ernsthafteren Charaktermomenten. Es ist nicht ganz klar, wie lange er und der Doctor bereits zusammen reisen. Legt man das Vertrauensverhältnis zu Grunde, das zwischen den beiden offenbar besteht (immerhin lässt der Doctor ihn allein mit der TARDIS fliegen!), muss es sich dabei wohl schon um ein Weilchen handeln.
Ein bisschen schade ist es, dass Moffat hier - wieder einmal - mit einer großen zeitlichen Ellipse arbeitet und das Verhältnis der beiden einfach als gegeben voraussetzt. Wenigstens wird eine Erklärung dafür geliefert, wie Nardole überhaupt in die TARDIS kommt. Schließlich hatte sich Hydroflax in The Husbands of River Song seines Kopfes bemächtigt.
Hirne im Glasbehälter
Die Idee von Alien-Gehirnen in Glasbehältern, welche die Menschheit übernehmen wollen, ist ein Griff in geradezu museumswürdige Tiefen der Science-Fiction-Geschichte, welche jedoch sehr gut zum nostalgisch gefärbten Ton der Comicbuch-Superhelden-Story passt. Tomiwa Edun und Aleksandar Jovanovic geben darüber hinaus zwei sehr überzeugende Antagonisten ab (Jovanovic dürfte, wenn mich nicht alles täuscht, der erste deutsche Schauspieler in Doctor Who, zumindest in der Ära seit 2005, sein). Für richtige Gänsehaut-Momente sorgen derweil die Auftritte der Gehirnchirurgen.
Die Alien-Hirne sind sicherlich nicht die elaboriertesten Gegenspieler, die wir bislang in Doctor Who hatten. Sie machen jedoch trotzdem sehr viel Spaß und es würde keineswegs stören, sie in einer künftigen Folge wiederzusehen. Mit der Infiltration von UNIT hat Moffat schließlich eine Hintertür offen gelassen, die Aliens zurückzuholen.
Billig
Wenn es eine Kleinigkeit gibt, die man an The Return of Doctor Mysterio aussetzen kann, dann sind es die Ghost-Spezialeffekte. Vor allem seine Flugeffekte sehen - im Vergleich zu US-Produktionen wie Supergirl - nicht ganz state of the art aus. Möglicherweise hat die Simulation von New York bereits so viel Geld verschlungen, dass für wirklich gute Superhelden-Effekte kein Budget mehr vorhanden war. Besonders bitter ist dies am Ende, wo wir statt eines spektakulären Action-Höhepunkts nur ein ödes Ich-balanciere-ein-Raumschiff-in-der-Hand geboten bekommen.
Fazit
The Return of Doctor Mysterio macht einfach nur Spaß: Das Weihnachtsspecial (in dem Weihnachten selbst diesmal nur ganz am Rande vorkommt) ist ein Fest witziger Dialoge und Anspielungen („Aus großer Macht folgt große Verantwortung...“ hehe), zu Herzen gehender Romantic Comedy und berührender Charaktermomente. Daneben gibt es einen geradlinigen Alien-Invasions-Plot, der die Basis für die Action in The Return of Doctor Mysterio bildet.
Auch wenn sich die Grenzen des TV-Budgets an manchen Stellen bemerkbar machen: Ein alles in allem sehr gelungenes Weihnachtsgeschenk für die Doctor Who-Fans!
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 26. Dezember 2016Doctor Who 9x14 Trailer
(Doctor Who 9x14)
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