Doctor Who 10x01

© eter Capaldi und Pearl Mackie in âDoctor Whoâ / (c) BBC One
GemÀchlicher Auftakt
Die zehnte Staffel startet vergleichsweise gemĂŒtlich und lĂ€sst sich Zeit damit, ihre Figuren vorzustellen. In aller Ruhe lernen wir Bill Potts (Pearl Mackie) kennen, die in der Kantine einer UniversitĂ€t arbeitet und die Vorlesungen des Doctors (Peter Capaldi) besucht - was ihr die Aufmerksamkeit unseres Time Lords beschert. Denn ihm ist aufgefallen, dass Bill ein wenig anders als die anderen Studenten ist. Sie runzelt nicht mit der Stirn, wenn sie etwas nicht versteht. Sie lĂ€chelt.
Der eingefleischte Whovian muss sich hier anfangs in Geduld ĂŒben. Es gibt zwar im BĂŒro des Doctors einiges zu entdecken - allem voran die Fotos von River Song (Alex Kingston) und Susan Foreman (Carole Ann Ford) - aber das erste Abenteuer lĂ€sst eine ganze Zeit auf sich warten. Vielmehr wird uns zunĂ€chst der Alltag von Bill und dem Doctor gezeigt, wobei es recht ungewöhnlich ist, dass der Doctor so lange (50 bis 70 Jahre) am selben Ort verweilt. Sicher, die TARDIS steht in der Ecke und ist einsatzbereit. Aber unser Time Lord und sein Gehilfe Nardole (Matt Lucas) sind nicht am Reisen interessiert. Vielmehr beschĂ€ftigt sie ein Tresorraum im Keller der UniversitĂ€t, dessen Geheimnis wĂ€hrend des Auftakts noch nicht gelĂŒftet wird.

Bill Potts
Die neue Begleiterin hinterlĂ€sst einen sympathischen ersten Eindruck. Bill wirkt aufgeweckt und neugierig und lĂ€sst sich von dem ungewöhnlichen Abenteuer mitsamt Reisen durch Zeit und Raum nicht abschrecken. Im Doctor sieht sie eine Respektsperson, dessen Anweisungen sie Folge leistet, auch wenn ihre Aufmerksamkeitsspanne eher kurz ist und es oft eine gewisse Zeit braucht, ehe sie bestimmte Situationen versteht und bewusst wahrnimmt. So entgeht ihr beispielsweise der anfĂ€ngliche Hinweis des Doctors, dass er bereits fĂŒr 50 bis 70 Jahre an der UniversitĂ€t lehrt und auch beim ersten Betreten der TARDIS macht es erst spĂ€ter âKlickâ.
Mit Hintergrundinformationen ĂŒber ihre Figur geht der Auftakt noch spĂ€rlich um. AuffĂ€llig sind einige Nahaufnahmen des Fotos von Susan Foreman, die uns vielleicht einen Hinweis darauf geben sollen, dass Bills Verbindung zum Doctor nicht ganz so zufĂ€llig ist, wie es den Anschein hat. Aber das ist vorerst nur Spekulation, auch wenn sich gewisse Ăhnlichkeiten zwischen Susan und Bill finden lassen.
Was wir hingegen mit Sicherheit erfahren, ist Bills Vorliebe fĂŒr das gleiche Geschlecht. Die Geschichte um die Studentin, der Bill immer eine extragroĂe Portion Pommes zukommen lieĂ, war irgendwie ganz knuffig. Aber der Fokus liegt natĂŒrlich auf Heather (Stephanie Hyam), die als Bills aktuelles love interest auch das Abenteuer einleitet und gegen Ende fĂŒr groĂe Emotionen beim Abschied sorgt.
Mit Blick auf den Doctor gibt Bill eine vielversprechende neue Begleiterin ab. Capaldi und Mackie haben eine gute Chemie miteinander und Bill unterscheidet sich genug von ihren VorgĂ€ngerinnen, um einen frischen Eindruck zu hinterlassen. Der Doctor ist auch sichtlich bemĂŒht um Bill, reist sogar in der Zeit zurĂŒck, um ein paar Fotos zu knipsen, was ihr FreudentrĂ€nen bereitet (fraglich bleibt hier nur, weshalb sie ihn nicht auf die Fotos anspricht - schlieĂlich erkennt sie ihn auf einem der Bilder). Allerdings kostet es Bill einiges an Ăberredungskunst, damit der Doctor sie als neue Begleiterin akzeptiert. Das ist auch einer der SchlĂŒsselpunkte der Episode, denn dass die Reisen mit dem Doctor nicht selten gefĂ€hrlich sind und nicht immer gut fĂŒr seine Begleitung enden, weiĂ er am besten.
Aber am Ende nimmt er sie natĂŒrlich doch mit (passend gewĂ€hlt: die GedĂ€chtnislöschung), womit die weiteren Abenteuer beginnen können. Sehr schön auch, dass Bill das RĂ€tsel um Heather lösen durfte und schlieĂlich erkennt, wie sie die unheimliche Verfolgerin abschĂŒtteln kann - was dem Doctor mit all seinen Mitteln nicht gelang.

Nardole
Nardole scheint an erster Stelle fĂŒr den Humor zustĂ€ndig zu sein und erfĂŒllt diese Aufgabe auch sehr effektiv. Seine Rolle in Bezug auf den Doctor ist dabei eher die eines Gehilfen, als die des typischen Companions. Wobei es gerne mal mehr Informationen ĂŒber ihn hĂ€tte geben dĂŒrfen. Immerhin ist er schon seit dem Weihnachtsspecial 2015 dabei und seitdem offenbar nicht von der Seite des Doctors gewichen. Da wĂ€re es doch an der Zeit, ihm etwas mehr Substanz zu geben - zumal er sich mittlerweile recht gut mit den GerĂ€tschaften des Doctors auskennt. Es wĂ€re jedenfalls wĂŒnschenswert, ihn etwas besser kennenzulernen. Aber vielleicht kommt das ja noch.
The Pilot
Das Abenteuer selbst war in diesem Fall mehr Mittel zum Zweck. Bill musste gezeigt werden, wozu der Doctor und seine TARDIS fĂ€hig sind - da bietet sich die Flucht vor einem (vermeintlichen) Monster natĂŒrlich gut fĂŒr an. Etwas schade ist vielleicht, dass nicht so ganz erklĂ€rt wurde, was es nun mit der PfĂŒtze beziehungsweise der Stimme darin genau auf sich hatte. Wo kam das Zeug her, wie kann es durch Zeit und Raum reisen und weshalb kann es selbst den Waffen der Daleks widerstehen? Und wenn es diese ganzen FĂ€higkeiten hat, weshalb ist dann die TARDIS trotzdem vor dem Eindringen geschĂŒtzt? Sinn und Zweck des Ganzen werden zwar im Folgenverlauf erörtert, aber ein bisschen ErklĂ€rungsbedarf bleibt trotzdem bestehen.
Die Szenen mit der FlĂŒssigkeit und der stets tropfnassen Heather lassen sich hingegen als recht gelungen betrachten. Zwischenzeitlich wurde es angenehm unheimlich und es gab auch ein paar kleinere Schockmomente. Zwar bleibt die Action an sich spĂ€rlich gesĂ€t und darf nur hier und dort (beispielsweise beim Kampf der Daleks gegen die Movellans) zum Vorschein kommen, aber das war schon okay.
The Vault
Das groĂe Geheimnis um den Tresorraum wird uns sicher noch einige Zeit begleiten. Was könnte sich wohl darin befinden und so wichtig sein, dass der Doctor und Nardole so viel Zeit damit verbringen? Mögen die Spekulationen starten.
Relativ sicher scheint zu sein, dass der Inhalt geschĂŒtzt werden muss und der Doctor damit rechnet, dass irgendjemand es darauf abgesehen hat. Die ganzen Sicherheitsvorkehrungen - stĂ€ndige Kontrolle der TresortĂŒr, Absicherung des Zugangs zum Keller, Alarm auf dem Ausweis des Doctors, etc. - deuten jedenfalls stark in diese Richtung. Oder sind die beiden besorgt, dass irgendetwas aus dem Tresorraum ausbrechen könnte? Es gibt kaum Anhaltspunkte und uns bleibt da nur, auf die nĂ€chsten Folgen zu warten. Aber der Tresorraum ist offensichtlich der Hauptgrund, weshalb der Doctor sich an der UniversitĂ€t niedergelassen hat.

Fazit
Ein relativ ruhiger Auftakt, der sich teilweise wie ein kleines Reboot der Serie anfĂŒhlt. Wir werden zwar oft an die vergangenen Abenteuer des Doctors erinnert, aber seine neue Situation als Hochschullehrer mit einem Geheimnis im Keller fĂŒhlt sich ungewohnt anders an. Mal schauen, wohin uns Steven Moffat damit fĂŒhren wird. Die neue Begleiterin Bill Potts bekommt eine gute EinfĂŒhrung in die Serie und hinterlĂ€sst einen positiven Eindruck, wĂ€hrend ihr erstes Abenteuer mit dem Doctor leicht unterwĂ€ltigend wirkt - denn es dient vorrangig dazu, Bill mit den FĂ€higkeiten des Doctors und der TARDIS vertraut zu machen. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Sonntag, 16. April 2017Doctor Who 10x01 Trailer
(Doctor Who 10x01)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 10x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?