Doctor Who 9x13

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Husbands of River Song:
Es ist Weihnachten im Jahr 5343. Wir sind auf Mendorax Dellora, wo die Menschheit eine Kolonie unterhält. Nardole (Matt Lucas) ist auf der Suche nach „dem Chirurgen“. Stattdessen trifft er auf den Doctor (Peter Capaldi). Dieser ist alles andere als in Festtagslaune - und lässt sich auch von der TARDIS nicht aufmuntern. Als es darum geht, medizinische Hilfe zu leisten, begleitet er jedoch Nardole zu dessen Auftraggeberin. Dabei handelt es sich um niemand Geringeres als River Song (Alex Kingston), die, als sie den Doctor sieht, keine Ahnung hat, wem sie da gegenübersteht.
Der Doctor wiederum bekommt einen Stich ins Herz (oder sogar in beide) versetzt, als er erfährt, für wen die Hilfe des Chirurgen benötigt wird: König Hydroflax (Greg Davies), River Songs Ehemann! Hydroflax steckt, jedenfalls mit seinem Kopf, in einer gigantischen Cyborg-Kampfmaschine. Ärztliche Hilfe benötigt er, weil er beim Versuch, einen ungemein wertvollen Diamanten zu stehlen, sich den Edelstein mit der Sprenladung ins eigene Gehirn gebohrt hat, was ja tendenziell eher ungesund ist. River tut so, als solle der Doctor das Kleinod herausholen. In Wahrheit möchte sie von ihm jedoch, dass er den Kopf ihres Gatten abtrennt, da sie weniger den Mann als vielmehr den Edelstein geheiratet hat. Und an diesen möchte sie um jeden Preis herankommen...
Ein großer Spaß!
Mario und ich sind in unserem jährlichen Podcast zum Teil recht harsch mit der neunten Staffel von Doctor Who und mit Chefautor Steven Moffat ins Gericht gegangen. Umso schöner ist es, dass das Jahr mit The Husbands of River Song doch noch einen versöhnlichen Ausklang findet. Ja, mehr als das: Die Folge könnte gut und gern das bislang beste Weihnachtsspecial aus der Feder von Steven Moffat sein. Last Christmas war vergangene Weihnacht schon ziemlich gut. The Husbands of River Song ist jedoch noch ein Stück besser.
Moffat hält sich mit TimeyWimey und anderen komplizierten SciFi-Plotkonstruktionen diesmal zurück. Natürlich wohnt der Beziehung zwischen dem Doctor und River eine gewisse „natürliche“ SciFi-Komplexität inne. So schlimm, dass man, wie der Doctor anfangs scherzhaft meint, ein Diagramm herausholen müsste, ist es aber gar nicht. Denn in The Husbands of River Song steht eindeutig der Spaß am Abenteuer - und an den Figuren.
Eindrucksvoll demonstriert Moffat, dass er es sehr wohl immer noch kann: einfach mal - wendungsreich, aber ohne zwanghafte Mindf...-Mätzchen - eine unterhaltsame Geschichte erzählen.
Comedy
The Husbands of River Song ist temporeich erzählt, voller Energie und Action. Und Humor. Comedytechnisch rockt Moffat die Folge auf allen Ebenen: Die Prämisse des Specials, dass wir mehrere Ehemänner von River kennen lernen, sie aber ausgerechnet einen Ehemann, den Doctor, nicht einmal erkennt, ist vom Komikaspekt her natürlich pures Gold. Ja, es erfordert schon einigen Suspense of Disbelief, um zu akzeptieren, dass River trotz aller Hinweise und sogar des explizit ausgesprochenen „Ich bin der Doctor“ seine neue Inkarnation nicht erkennt. Hat man es jedoch einmal als Running Gag erkannt, dann kann man es auch einfach als einen solchen genießen.
Zumal es uns solch wunderbare Szenen beschert wie die, in welcher der Doctor sich in sein Schicksal fügt und mitspielt - und beim Betreten der TARDIS den sonst meist Companions vorbehaltenen Kulturschock mimt. Das ist ganz großes Kino.
Und dann ist auch der Episodenplot so gestrickt, dass er immer wieder komische Verstrickungen enthält: Etwa als sich herausstellt, dass die Gruppe, welche den Diamanten von River erstehen will, die höchste Verehrung und Anbetung für König Hydroflax übrig hat, in dessen abgetrennten Kopf sich der Diamant immer noch befindet. Tja, dumm gelaufen! Der Humor in The Husbands of River Song ist mitunter ein wenig makaber - man denke insbesondere an all die Dinge, die hier mit Köpfen angestellt werden -, aber genau das macht die Folge schließlich so lustig.
Darüber hinaus sprüht das Weihnachtsspecial nur so vor Wort- und Dialogwitz. „An archeologist is just a thief, with patience.“ Um nur ein Beispiel herausgreifen.
Peter und Alex
Was The Husbands of River Song aber erst richtig zum Genuss macht, ist natürlich das Zusammenspiel von Peter Capaldi und Alex Kingston, welches beiden mit einer Leichtigkeit und (Spiel-) Freude von der Hand zu gehen scheint, dass es beim Zuschauen umso mehr Spaß macht. Dabei überzeugen die beiden Hauptdarsteller nicht nur in den großen humoristischen Augenblicken, sondern auch und gerade in den Szenen, in denen die Comedy und die Action mit einer emotionalen Tiefgründigkeit und Ernsthaftigkeit unterlegt ist.
Etwa in der Szene im Schiffsrestaurant, als es für den Doctor von den Aussagen Rivers her so aussehen muss, als ob er nur ein nützlicher Idiot für sie ist (was ihn sichtlich verletzt). Oder später gegenüber dem Cyborg, als es aus River nur so herausbricht, was sie für den Doctor empfindet - und wie sie ihre Beziehung zu ihm sieht. Nämlich so, dass ihn zwar liebt, aber nicht glaubt, das dieses Gefühl von ihm erwidert wird. Man erwartet nicht von einem Sonnenuntergang, dass dieser einen zurückbewundert.
Was folgt, ist der emotional kraftvollste Augenblick der gesamten Episode. Und er wird - neben dem Script - maßgeblich durch das Schauspiel von Capaldi und Kingston getragen: Mitten in ihrem Ausbruch wird River vom Doctor unterbrochen. Sie wendet sich zu ihm um - und endlich erkennt sie ihn, sogar noch bevor er „Hello, Sweetie!“ zu ihr sagt.
Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Ganz großes Kino!

Retcon
Leider komme ich nicht darum herum, dann doch noch etwas Kritik zu üben. Und zwar am Ende. Erstens, ist es nach diesem tollen Abenteuer mit Capaldi und Kingston schon mal per se schade, dass es zumindest den Anschein erweckt, The Husbands of River Song sei die nunmehr endgültig letzte Folge mit der zeitreisenden Archäologin gewesen. Zweitens, ärgert es mich, wie Steven Moffat - mal wieder - etwas Retcon betreibt. Er greift zwar die Schilderung von Rivers letztem Treffen mit „ihrem“ (dem älteren) Doctor aus Forest of the Dead (2) wieder auf. Gleichzeitig biegt er sie aber ein gutes Stück um.
In Forest of the Dead (2) erweckt es den Anschein, dass River erst in diesem Moment, als sie in der Bibliothek kurz vor ihrem Tod steht, klar wird, dass der Doctor die ganze Zeit über gewusst haben muss, dass sie hier stirbt. Und erst dadurch wird ihr die besondere Bedeutung des letzten Zusammentreffens bei den singenden Türmen bewusst. In The Husbands of River Song ist sie sich jedoch mehr oder minder der Tatsache bewusst, dass es ein Abschied ist. Ihr Tagebuch ist fast voll, woraus sie schließt, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Außerdem hatsie bereits Geschichten gehört, dass ihr letztes Treffen mit dem Doctor bei den singenden Türmen stattfindet.
Das nimmt der Szene leider einiges von ihrer dramatischen Kraft. Viel bewegender wäre es für den Zuschauer doch gewesen, wenn tatsächlich nur dem Doctor klar gewesen wäre, dass dieser Moment den Abschied von River bedeutet. Das Besondere an der Beziehung der beiden ist doch schließlich immer gewesen, dass sie jeweils Dinge aus der Zukunft des anderen kennen, die ihm/ihr nicht bekannt sind. River besitzt dieses Wissen über die bereits erlebten gemeinsamen Abenteuer mit dem Doctor, über die sie nur rätselhafte Andeutungen fallen lässt. Der Doctor wiederum weiß die ganze Zeit über, seit Forest of the Dead (2), wann und wie River sterben würde.
Emotional abgeschwächt
Etwas befremdlich wirkt auch, wie sehr es den Doctor jetzt zu drängen scheint, diesen Abschied hinter sich zu bringen. Er veranlasst sogar den Bau des Restaurants, in dem sich die beiden dann schließlich treffen. Das ist für mich emotional nicht stimmig: Er hat mit River gerade ein tolles Abenteuer erlebt, bei dem er so viel gelacht hat wie wahrscheinlich noch nie in dieser Inkarnation. Und jetzt, da das Mörder-Kreuzfahrtschiff zufällig auf dem Planeten der singenden Türme abstürzt, überkommt ihn das drängende Gefühl, dass der Abschied von River nicht länger hinauszuzögern ist? I don't buy it.
Hier wollte Moffat offenbar wieder unbedingt timeywimey clever sein. Wie anders und emotional stärker wäre es gewesen, wenn die Initiative dazu, den gelungenen Diamantencoup im Restaurant bei den zwei singenden Türmen von River ausgegangen wäre? Wenn sie ihn quasi dazu genötigt hätte, jetzt endlich wie versprochen - „Keine Ausreden mehr, Sweetie!“ - mit ihr in dieses Restaurant zu gehen. Damit hätte die Szene auch für den Zuschauer etwas Schicksalhaftes bekommen - und entsprechende Emotionen freigesetzt. So lässt sie einen leider etwas kalt.
Vielleicht dachte Moffat, dass er das dem Publikum nicht zumuten kann: Erst eine so spaßige Folge und dann ein so trauriger Schluss. Vielleicht wäre es dann jedoch angeraten gewesen, den Abschied von River Song in eine andere Episode zu legen.

Fazit
Ich hätte The Husbands of River Song so gerne fünf Sterne gegeben, weil mich die Folge so gut unterhalten hat, wie es Doctor Who schon seit langem nicht mehr geschafft hat. Wenn nur die Szene am Schluss, die Moffat vor vielen Jahren so wunderbar vorbereitet hat, die (emotionalen) Erwartungen, die damals aufgebaut worden sind, auch erfüllt hätte! Das Finale trübt ein wenig den Gesamteindruck. Davon unbenommen liefert das Weihnachtsspecial mehr als 45 Minuten größten Doctor Who-Spaß - mit tollen Leistungen quer durch alle Abteilungen: Buch, Schauspiel, Musik, Maske und Kostüme.
Es werden, was manche Fans an Sleep No More furchtbar gestört hatte, gleich mehrere Sets aus der achten und neunten Staffel in der Folge recycelt, worüber ich jedoch sehr entspannt hinweggehen kann.
Alles in allem ein nahezu perfekter Jahresausklang für Doctor Who.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 26. Dezember 2015Doctor Who 9x13 Trailer
(Doctor Who 9x13)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 9x13
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