Doctor Who 9x08

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Zygon Inversion (2):
Clara (Jenna Coleman) erwacht in ihrer Wohnung: War alles, was in The Zygon Invasion (1) passiert ist, etwa nur ein böser Traum? Nicht ganz. Denn schnell muss Clara feststellen, dass sie eine Gefangene der Zygonen ist - und eine Direktverbindung zwischen ihr und ihrem Duplikat besteht. Clara nutzt diesen Link, um den Angriff auf das Flugzeug des Doctors so lange wie möglich zu vereiteln. Zuerst lässt sie ihr Duplikat danebenschießen. Dann schafft sie es, ihre Doppelgängerin so lange mit dem nächsten Schuss zögern zu lassen, dass der Doctor (Peter Capaldi) und Osgood (Ingrid Oliver) mit dem Fallschirm abspringen können.
Die Clara-Doppelgängerin - oder Zygella, wie der Doctor sie nennt - ist auf der Suche nach der Osgood-Box, welche den Krieg zwischen Zygonen und Menschen auslösen können soll. Jeden einzelnen getarnt lebenden Zygonen einzeln zwangsweise zurückzuverwandeln, um einen Konflikt mit den Menschen zu provozieren, ist schließlich ein mühsames Geschäft.
Clara lässt den Doctor - an Zygella vorbei - wissen, dass sie noch lebt, und bringt ihn auf die Spur ihrer Doppelgängerin. Zygella wiederum, versucht aus Clara herauszubekommen, wo sie die Osgood-Box finden kann. Clara bleibt nichts anderes übrig als ihr die Wahrheit zu sagen. Die Spur führt ins Schwarze Archiv von U.N.I.T., wo jedoch nicht eine, sondern zwei Osgood-Boxen stehen - und Zygella besser nicht die falschen Knopf drückt...
Die Rede
Wenn es etwas gibt, wofür The Zygon Inversion (2) den Fans in Erinnerung bleiben wird, dann ist es die inbrünstige Rede, mit welcher der Doctor Zygella - und letztlich auch Kate (Jemma Redgrave) - auf den Weg der Vernunft und des Friedens zurückzuführen versucht. Fast das gesamte letzte Drittel der Folge ist dem großen Showdown im Black Archive gewidmet - und gibt Peter Capaldi reichlich Gelegenheit, sein beeindruckendes schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen.
Capaldi spielt sich buchstäblich die Seele aus dem Leib. Nicht zuletzt die verschiedenen Rückbezüge auf The Day of the Doctor und den Time War machen klar, dass die Frage von Krieg und Frieden für den Doctor eine von allerhöchster persönlicher Bedeutung ist. Entsprechend emphatisch geht er an die Sache heran. Während Kate auf die Macht der Kugeln - und in alter Familientradition auf „Five rounds rapid“ - setzt, vertraut der Doctor auf die Kraft der Worte, um sein Gegenüber zum Nachdenken zu bringen.
Vergebung statt Vergeltung
Der Kern seiner Botschaft lautet, dass zum Friedenschluss das Vergeben gehört, weil man sich sonst in eine Spirale von Vergeltung begibt: Die Vergeltung des einen Unrechts führt zu neuem Unrecht, welches dann wieder vergolten wird, und so weiter. Das ist ein sehr guter und richtiger Punkt. Ausgeklammert wird dabei allerdings die Frage nach dem Widerstandsrecht in Situationen akuter Unterdrückung, wie sie der Doctor selbst beispielsweise schon in Planet of the Ood erlebt hat, wo er selbst tendenziell auf Seiten der Aufständischen zu finden gewesen ist. In The Zygon Inversion (2) geht es natürlich nicht um Sklaverei, sondern „nur“ um die Frage des Auslebens der eigenen ethnischen Identität. Das macht es dem Doctor etwas leichter, den Zygonen zu sagen: Schluckt Euren Frust herunter!
Sprachlos
Das vielleicht größte Manko am Finale der Folge ist die Einseitigkeit des Gesprächs: Der Doctor hält seine Rede, während Zygella kaum etwas zu sagen weiß. Das ist ein Problem, das nicht nur Doctor Who kennt, sondern das auch in vielen anderen (US-) Serien immer wieder zu beobachten ist: Während Terroristen - gleich welcher Coleur - im wirklichen Leben meist in einer Unmenge von Pamphleten oder Videos darüber Auskunft geben, was ihre Anliegen und ihre (seien es auch noch so kruden) Vorstellungen für eine bessere Welt sind, geben sich ihre fiktionalen Gegenstücke oft erstaunlich wortkarg, ja sprachlos. Wodurch sie dem Missverständnis Vorschub leisten, als würden terroristische Gewaltakte in der Regel von einer Art Nihilismus angetrieben. Oder als habe man es, wie es der Vorstellung des Doctors entspricht, einfach bloß mit aufsässigen Kindern zu tun.
Seitenwechsel
Dazu passt auch, mit welch atemberaubendem Tempo Zygella nach der Rede des Doctors die Seiten wechselt. Nicht nur lässt sie von ihrem Aufstand ab, nein, sie wird sogar noch zu Osgood und schließt sich ihrer Sache, der Verteidigung der Erde, an. Offensichtlich verfügen Zygonen über eine bemerkenswerte Flexibilität, was ihre Ansichten und Einstellungen betrifft.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Ende von The Zygon Inversion (2) mit der Wiederherstellung des Osgood-Duos ist großartig! Und der Satz „Wir verraten Dir, welche von uns ein Mensch und welche Zygonin ist, wenn es keinen mehr interessiert“ ist das möglicherweise treffendste und beste anti-rassistische Statement, das je im Fernsehen zu hören gewesen ist. Es gibt so viel, was den Zuschauer an diesem Ende begeistern kann (einschließlich der Tatsache, dass eine der Osgoods den Fragezeichen-Pullunder des Siebten Doctors - Sylvester McCoy - aufträgt). Nur dieser fundamentale Wandel von Zygella, der ist leider nach den Maßstäben menschlicher Psychologie vollkommen unplausibel.
Link
Es ist mit The Zygon Inversion (2) wie mit vielen anderen Folgen der neunten Staffel: Es gibt einige sehr hervorstechende Mängel, die man nicht so recht ignorieren kann. Daneben sollen aber auf gar keinen Fall die vielen wirklich tollen Momente und Elemente vergessen werden.
Dass Clara den Link zu Zygella benutzt, um ihr ins Handwerk zu pfuschen (was schlussendlich auch dazu diente, den Cliffhanger der Vorwoche aufzulösen), ist ein schöner Einfall und - bewusst oder nicht - auch eine wunderbare Hommage an Picard/Locutus in Star Trek: The Next Generation (The Best of Both Worlds (2). Neben Peter Capaldi darf bei den Würdigungen der schauspielerischen Darbietung auch Jenna Coleman nicht übergangen werden: Insbesondere in den Szenen, in denen Zygella und Clara miteinander interagieren, ist sie ganz und gar in ihrem Element!
Osgood for companion?
Die Folge stellt die besondere Beziehung zwischen Clara und dem Doctor noch mal heraus. Besonders pointiert natürlich am Ende, als der Doctor die fünf Minuten, in denen er glauben musste, dass Clara tot sei, als „einen Monat“ bezeichnet. Erneut betreibt die Serie hier heftiges Foreshadowing auf den bevorstehenden Abschied von Clara hin. Gleichzeitig kommt The Zygon Inversion (2) allerdings auch fast ein Stück weit wie das Bewerbungsvideo von Ingrid Oliver als neue Companion daher: Über eine weite Strecke der Episode übernimmt sie de facto die Rolle der Begleiterin des Doctors - und macht darin eine sehr gute Figur!
Osgood ist ein Fan des Doctors. Was jedoch nicht bedeutet, dass sie ihm unterwürfig oder fangirl-ish begegnet. Ganz im Gegenteil: Gerade dank ihres großen Wissens über den Doctor ist sie in der Lage auf Augenhöhe mit ihm mitzuspielen - ihn zu durchschauen oder ihm auch wohl gesetzte Widerworte zu geben. Der Doctor und Osgood, Peter Capaldi und Ingrid Oliver haben eine tolle Dynamik miteinander. Kein Wunder, dass der Doctor ihr am Ende anbietet, ihn in der TARDIS zu begleiten. Sie schlägt das Angebot aus (was aber, wie wir von Donna - Catherine Tate - wissen, nicht für alle Ewigkeit Gültigkeit haben muss).
Die Tatsache, dass Osgood nun wieder als Zwillings-Paar existiert, verkompliziert die Sache zwar etwas. Andererseits ließe sich argumentieren, dass es mal eine genuin neue Art von Companion wäre...
Fazit
Es gibt Einiges, was man an The Zygon Inversion (2) kritisieren kann. Nicht zuletzt die Tatsache, dass der Ausflug nach New Mexico in The Zygon Invasion (1) tatsächlich genau so witzlos gewesen ist, wie fast schon zu befürchten war. Trotzdem müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass mich die Folge schlecht unterhalten hätte. Die anti-rassistische Message der Folge und Peter Capaldis Glanzvorstellung sind durchaus Pfunde, mit denen The Zygon Inversion (2) zu wuchern versteht.
Und dann sind da auch noch die vielen kleinen Details, wie etwa das Porträt des ersten Doctors (William Hartnell), das im Safe House von U.N.I.T. den Tresor verdeckt...
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 9. November 2015(Doctor Who 9x08)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 9x08
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