Doctor Who 9x05

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Girl Who Died (1):
Gerade erst haben der Doctor (Peter Capaldi) und Clara (Jenna Coleman) ein Abenteuer hinter sich gebracht - der Doctor in einer Weltraumschlacht, Clara freischwebend im All -, da stolpern sie auch schon ins nächste. Der Doctor will eigentlich nur mal kurz vor die Tür gehen, um sich die Schuhe abzuputzen, da werden er und Clara von Wikingern gefangen genommen. Um wieder freizukommen, hält es der Doctor für eine gute Idee, sich als Odin auszugeben. Die Wikinger glauben ihm jedoch kein Wort. Zumal plötzlich am Himmel der vermeintlich echte Odin (David Schofield, Da Vinci's Demons) auftaucht.
Odin schickt einen Haufen metallener Riesen ins Wikingerdorf, welche die tapfersten Krieger nach „Valhalla“ holen sollen. Dabei geraten auch Clara und das Wikingermädchen Ashildr (Maisie Williams, Game of Thrones) ins Visier. Sie finden sich auf einem Raumschiff wieder, auf dem mittels eines brutalen Auswahlverfahrens die stärksten Krieger ermittelt werden, um ihnen schließlich das Testosteron zu extrahieren. Der falsche Odin und seine Leute gehören der Kriegerrasse der Mire an, welche sich mit den menschlichen Hormonen gewissermaßen dopen. Ashildr ist über das Schicksal der anderen Wikinger so erbost, dass sie die Mire zum Kampf herausfordert. Odin kündigt an, das Dorf am kommenden Tag mit zehn seiner Leute aufzusuchen. Dann schickt er Clara und Ashildr zurück auf die Erde.
Da im Dorf nur Bauern und Handwerker übriggeblieben sind, empfiehlt der Doctor den Bewohnern, die Flucht anzutreten. Doch die Leute wollen nicht gehen. Eigentlich will der Doctor, um keine allzu großen Wellen zu schlagen, nicht eingreifen. Doch Clara und das Geschrei eines Babys bringen ihn schließlich dazu, seine Meinung zu ändern...
Hoher Besuch
Die große Frage im Vorfeld von The Girl Who Died (1) lautete natürlich: Wen würde Maisie Williams wohl spielen? In der Vergangenheit hat es schon einige Besuche zwischen Doctor Who und Game of Thrones gegeben. Doctor Who-Autor Mark Gatiss hat eine wiederkehrende Rolle in „GoT“ als Chef der Iron Bank. Finn Jones aus Game of Thrones hatte noch vor seinem Part in Game of Thrones einen Gastauftritt im Doctor Who-Spin-off The Sarah Jane Adventures. Diana Rigg hat in beiden Serien mitgespielt. Die Liste ließe sich noch um einige Namen fortsetzen.
Arya-Stark-Mimin Maisie Williams ist fraglos der bislang hochkarätigste Star aus Game of Thrones, der seinen Weg ins „Whoniverse“ gefunden hat. Entsprechend hoch waren und sind die Erwartungen an ihren Part: Würde sie eine Regeneration von Jenny spielen, der Tochter des Doctors? Oder von Susan, seiner Enkelin? Oder... oder... oder...?
Wer ist sie?
So ganz lässt sich diese Frage nach Teil eins des Zweiteilers noch nicht beantworten. Man könnte ihren Part zunächst für eine ordinäre Gastrolle in einer Abenteuer-der-Woche-Folge halten. Bemerkenswert scheinen allerdings drei Punkte: Erstens, die Träume und Vorahnungen, die Ashildr hat und die sie in Geschichten verwandelt. Mehr noch als das: Auch den Doctor scheint eine Vorahnung zu überkommen, als er sie zum ersten Mal sieht. Was es damit auf sich hat, ist noch offen.
Zweitens, das Gespräch, in dem sie dem Doctor schildert, wie sehr sie eine Außenseiterin ist und gerade deshalb so sehr an ihrer Heimat hängt, wo sie als ebenjene Außenseiterin Akzeptanz gefunden hat. Das ist eine sehr gelungene Szene, vor allem, weil der Doctor selbst ja ebenfalls ein Außenseiter ist, der jedoch keine Heimat mehr hat. Und drittens, das Finale: Die Nähe zwischen Doctor und Ashildr nimmt sogar noch weiter zu, als er sie mittels Mire-Technologie wieder zum Leben erweckt, sie damit aber gleichzeitig de facto unsterblich macht. Mit allen Problemen, die das mit sich bringt.
Der Cliffhanger am Ende von The Girl Who Died (1) ist nicht gerade der ganz große Knaller. Sein Spannungswert hält sich doch sehr in Grenzen. Im Grunde gibt uns die Sequenz nur zu verstehen, dass Ashildr tatsächlich (im Gegensatz zu ihrer Umwelt) unwandelbar geworden ist. Und dass sich die Serie weiter mit ihr befassen wird.
Mehr dazu dann im Review der kommenden Folge.
Regeln für Zeitreisende
Anfangs weiß man als Zuschauer nicht so recht, wo uns The Girl Who Died (1) erzählerisch eigentlich hinführen möchte. Verschiedene Themen, etwa die oft gehörte Sorge, dass der Doctor die Menschen in seiner Umgebung in Krieger verwandelt (diesmal sogar im buchstäblichen Sinne), werden angeschnitten. Zu einer Art Leitthema wird dann jedoch die Frage, ob und inwieweit der Doctor sich an die Regel des Zeitreisens halten muss, nur ein Kräuseln, aber keine großen Wellen zu verursachen.
Zunächst versucht der Doctor, sich an diese Regel zu halten. Sein zentraler Einwand gegen eine Unterstützung der Wikinger lautete ja zuerst, dass eine Niederlage der Aliens dazu führen könnte, dass die Mire daraus eine ganz große Sache machen - und als Nächstes den gesamten Planeten angreifen. Schließlich ersinnt er jedoch einen Weg, wie sich genau das vermeiden lässt. Indem er ein Video davon drehen lässt, wie die Mire ihm auf den Leim gehen, hat er auf einmal ein Druckmittel in der Hand: Entweder Ihr lasst den Planeten in Ruhe, oder ich mache Euch zur galaktischen Lachnummer!
Der Kampf gegen die Mire ist fürs Publikum ein großer Spaß, voller Tempo und Energie. Wie schon bei der Gefangennahme der Geister in Under the Lake (1) erweist sich der Doctor als ganz groß im Pläneschmieden. Unwillkürlich erwartet man fast, dass er am Ende sagt (auch wenn das zu einer ganz anderen Serie gehören würde), dass er es liebt, wenn ein Plan funktioniert.
Rette jemanden!
Die Aktion gegen die Mire ist einerseits ein Erfolg, hat andererseits jedoch einen großen Preis: Ashildr stirbt. Und der Doctor ist darüber so aufgebracht, dass er überlegt, die oben genannte Regel zu brechen. Und plötzlich fällt es ihm ein: Ihm fällt ein, warum er ausgerechnet dieses Gesicht gewählt hat. Die Erinnerung führt ihn zurück zu Deep Breath - und zu The Fires of Pompeii, jener Episode, in der Peter Capaldi als Caecilius mitgespielt hatte.
Damals hatte sich der Doctor (zu der Zeit: David Tennant) verpflichtet gefühlt, sich an die Regel zu halten und den fixed point in time, wie von der Geschichte vorgesehen, ablaufen zu lassen. Donna (Catherine Tate) hatte ihn jedoch angefleht, wenn schon nicht die ganze Stadt, dann doch zumindest irgendjemanden zu retten. Und so hatte der Doctor Caecilius und dessen Familie aus Pompeii herausgeholt.
The Fires of Pompeii gehört zum engeren Kreis meiner persönlichen Doctor Who-Lieblingsfolgen. Eine starke dramatische Prämisse, tolle Gastdarsteller (von Peter Capaldi über Phil Davis bis hin zu Karen Gillan. Und der erste Auftritt von Donna, der mich ganz und gar von ihr als Companion überzeugt und sie sogar in den Stand einer meiner Lieblings-Companions erhoben hat.
Umso größer war natürlich die Freude darüber, dass The Girl Who Died (1) hier den Bogen zurück schlägt. Und den Doctor an seine zentrale Mission erinnert: „Ich bin der Doctor. Und ich rette Menschen!“
Clara
Eine Frage, die mit The Girl Who Died (1) an Bedeutung gewonnen hat, ist allerdings, ob es dem Doctor auch gelingen wird, Clara zu retten beziehungsweise vor Schaden zu bewahren. Die Gespräche, welche die beiden führen, lassen im Zuschauer die böse Vorahnung aufkommen, dass es Claras Tod ist, auf den die Staffel zuläuft. Erneut spricht der Doctor jedenfalls von seiner Sorge um Clara, ja seine Fürsorgepflicht, die er bereits in Under the Lake (1) ins Spiel gebracht hatte. Doch auch dort hatte sich Clara nicht davon abbringen lassen, sich ganz und gar ins Abenteuer zu stürzen.
Fazit
Eine unterhaltsame Folge, die dem Hype durch den Gastauftritt von Maisie Williams allerdings nicht ganz gerecht wird. In Erinnerung bleiben wird The Girl Who Died (1) wohl vor allem wegen der Erklärung für das Gesicht des Doctors. Wie es mit Maisie Williams weitergeht, sehen wir in der kommenden Woche.
Ach ja, eine Sache noch: Ich bin ja selbst Spinnenphobiker, daher kann ich den Doctor ganz gut verstehen. Trotzdem wäre es von ihm wahrscheinlich freundlicher gewesen, wenn er ein Glas genommen und die Spinne auf ihrem Heimatplaneten ausgesetzt hätte...
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 19. Oktober 2015(Doctor Who 9x05)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 9x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?