Doctor Who 8x08

Das passiert in der Doctor Who-Episode Mummy on the Orient Express:
Mehrere Wochen sind seit den Ereignissen aus Kill the Moon vergangen. Der Doctor (Peter Capaldi) und Clara (Jenna Coleman) haben sich zu einem letzten gemeinsamen Ausflug ins Weltall verabredet. Zum Abschied führt der Doctor seine Begleiterin an Bord des Orient-Express. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die irdische, sondern um die galaktische Variante. Kein Raumschiff, sondern eine Raumbahn, sozusagen.
Weder der Doctor noch Clara rechnen zunächst mit einer Gefahr. Da ereignen sich jedoch auf einmal rätselhafte Todesfälle an Bord des Zuges. Es scheint so, als ginge eine Mumie um, welche aber immer nur für das Opfer in spe sichtbar ist. Und das immer genau 66 Sekunden vor seinem Tod. Das ist die eine Bedrohung, die an Bord des Orient-Express lauert. Die andere ist der Zug-Computer Gus, der die sorgsam ausgewählten Passagiere an Bord ganz bewusst in diese Bredouille gebracht hat. Und zu drastischen Maßnahmen greift, falls sich einer der Fahrgäste nicht seinen Anweisungen gemäß verhält...
Erd-Fahrzeuge im Weltall
Keine Frage: Doctor Who-Showrunner Steven Moffat neigt manchmal ein wenig zum Recycling von Story-Einfällen. So ist vielen unserer Leser beim vergangenen Mal die inhaltliche Parallele zwischen Kill the Moon und The Beast Below aufgefallen.
In Mummy on the Orient Express sind es derweil die Anspielungen an Voyage of the Damned, die kaum zu übersehen sind. Wieder fährt ein berühmtes irdisches Gefährt im Weltall spazieren. Wieder wird die Eröffnungsszene an Bord mit einem Song eingeleitet. Sogar das Mikrofon, in das Foxes „Don't Stop Me Now“ haucht, scheint identisch mit dem zu sein, vor welchem Yamit Mamo auf der Titanic vom „Stowaway“ gesungen hat. Die Verpflichtung einer bekannten Popsängerin für die Folge (wenn auch nicht ganz vom gleichen Kaliber wie Kylie Minogue) ist geradezu ein Wink an den Zuschauer, die Verbindungslinie zu Voyage of the Damned zu ziehen.
Are You My Mummy?
Das ist auch der Unterschied zu Kill the Moon: Was wir hier sehen, ist nicht so sehr ein (Selbst-) Plagiat als vielmehr ein offenes und bisweilen augenzwinkerndes Spiel mit dem Zitat früherer Episoden. In diesem Zusammenhang muss natürlich auch unbedingt „Are You My Mummy“ (in witziger Abwandlung des berühmten Satzes aus The Empty Child (1) / The Doctor Dances (2)) erwähnt werden.
Mummy on the Orient Express nimmt den zwölften Doctor, der sich in seiner ruppigen Art deutlich von seinen unmittelbaren Vorgängern unterscheidet, und setzt ihn in ein Szenario, welches - weit mehr noch als Robot of Sherwood - eigentlich direkt einer Episode von Ten entliehen ist, was in jeder Hinsicht ein interessantes Verfahren ist.
Mumie im Orient-Express
Es lässt die Eigenheiten von Twelve umso schärfer hervorstechen: seine Selbstgespräche (die uns an Listen zurückdenken lassen), sein Unverständnis für die Komplexität menschlicher Emotionen, sein Pragmatismus, der keinen Raum für Mitgefühl und Trauer lässt; oder zumindest nicht für deren Zurschaustellung.
Gleichzeitig ist es das perfekte Szenario, um die besondere Magie hervorzuheben, welche so kennzeichnend für die Reisen mit dem Doctor ist. Mit dem Doctor erlebt man das nahezu Unvorstellbare; Dinge, die man normalerweise nicht zusammendenkt: Die Titanic im Weltall, Dinosaurier auf einem Raumschiff, Mumien im Orient-Express... Kein Wunder, dass es seinen Begleitern so schwerfällt, von ihm und den Abenteuern mit ihm abzulassen.
Versöhnlich
Mummy on the Orient Express kombiniert einen stringenten, rasant erzählten Plot, der - anders als Kill the Moon - keine mondgroßen Logiklöcher enthält, mit einer sehr schönen, sehr warmen Narration der beiden Hauptfiguren und ihrer Beziehung zueinander. Claras Zorn aus Kill the Moon ist zu einem großen Teil verraucht. Man merkt ihr die ganze Episode über deutlich an, dass sie die Beziehung zum Doctor eigentlich doch nicht abbrechen lassen will.
Aus dem „Hau ab!“ der vergangenen Episode wird ein „Komm doch mal zum Abendessen vorbei...!“. Ihre Gefühlslage ist, was sowohl dem Doctor als auch Maisie (Daisy Beaumont) auffällt, sehr zwiegespalten. Sie freut sich über den Ausflug mit dem interstellaren Orient-Express und ist zugleich traurig, dass es die letzte Reise mit dem Doctor ist. Einerseits ist sie abgestoßen von seinem arroganten Gehabe, von seinen Lügen und von seiner Hartherzigkeit. Andererseits kann sie das Leben mit ihm aber auch nicht aufgeben. Sie ist süchtig danach.
Freundschaft
Umgekehrt ist die Trennung von Clara auch am Doctor nicht spurlos vorrübergegangen. Wie sagt er doch an einer Stelle so schön: Man merkt immer dann, dass man nach etwas süchtig ist, wenn es einem fehlt. Gegenüber Clara tritt der Doctor in Mummy on the Orient Express deutlich gewandelt auf: Ja, er nötigt ihr die Lüge gegenüber Maisie ab, aber wenigstens erklärt sich ihr am Ende. Und das auf eine ruhige, offene Art und Weise. Er lässt sie - trotz seiner Aversion gegen körperliche Nähe - bei sich unterhaken. Und er verzichtet auf abfällige Äußerungen gegen ihr Äußeres. Sein Bemühen um ein besseres, ein freundlicheres Benehmen ihr gegenüber ist klar zu erkennen. Sogar seine Feindseligkeit gegen Soldaten tritt in dieser Folge in den Hintergrund.
Die Beziehung zwischen dem Doctor und seinen Companions ist in jeder Ära der Serie das emotionale Kernstück von Doctor Who gewesen. Der Doctor und seine Companion müssen keineswegs durch romantische Gefühle miteinander verbunden sein; damit wir mit ihnen mitfiebern, sollte es jedoch eine starke freundschaftliche Bande zwischen ihnen geben. Das ist etwas, das ich, so sehr ich Peter Capaldis Interpretation der Titelfigur schätze, in den bisherigen Folgen der achten Staffel schmerzlich vermisst habe. Mummy on the Orient Express ist die erste Folge, in der die Beziehung von Twelve und Clara das Fremdeln miteinander ablegt - und in eine echte Freundschaft übergeht.
Hat uns das Ende von Kill the Moon fast das Herz gebrochen, so wird einem am Schluss von Mummy on the Orient Express geradezu warm ums Herz: der Doctor und Clara stehen gemeinsam an der Konsole der TARDIS - und ziehen buchstäblich an einem Strang. Seufz.
Abstand halten!
Das einzige, was die Folge in dieser Hinsicht noch schöner hätte machen können, wäre ein größerer Abstand zwischen Streit und Versöhnung gewesen. Die Folge behauptet, dass seit Kill the Moon mehrere Wochen vergangen sind. Emotional noch effektiver wäre die Geschichte gewesen, wenn wir als Zuschauer genau das miterlebt hätten: Zumindest eine Episode, in welcher der Doctor und Clara getrennt voneinander sind (und sich dann vielleicht am Ende zu einer letzten Reise verabreden). Dieses Nicht-ohne-den-anderen-können wäre durch eine solche Zwischen-Episode für den Zuschauer deutlich besser fass- und erlebbar geworden. So ist an Mummy on the Orient Express nur zu kritisieren, dass die Auflösung des Konflikts zwischen Clara und dem Doctor einen - etwas- überstürzten Eindruck macht.
Fazit
Dass der Doctor und Clara sich aneinander reiben, finde ich sehr gut. Das werden sie hoffentlich auch weiterhin tun. Nur sollten sie ihre Differenzen als Freunde austragen. Und in dieser Hinsicht stellt Mummy on the Orient Express einen beträchtlichen Fortschritt dar: Endlich bekommt die Beziehung zwischen Twelve und Clara einen emotional warmen Anstrich. Zugleich lernen wir mit Gus einen interessanten neuen Gegenspieler kennen, von dem man annehmen darf, dass er in der ein oder anderen Form (sei es als Teil des Missy-Handlungsstrangs, sei es unabhängig davon) wiederkehren wird.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 13. Oktober 2014Doctor Who 8x08 Trailer
(Doctor Who 8x08)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 8x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?