Doctor Who 7x16

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Time of the Doctor:
Das Leben eines Zeitreisenden ist nicht leicht. Der Doctor (Matt Smith) hat gleich zwei Krisen gleichzeitig zu bewältigen. Im Weltall sendet ein zunächst unscheinbarer Planet ein mysteriöses Signal aus, welches alle möglichen Spezies - Daleks, Cybermen, Sontarans, Slitheen und viele mehr - anlockt. Und auch der Doctor versucht herauszufinden, was hinter dem rätselhaften Signal steckt.
Deutlich bodenständiger ist das Problem, wegen dem Clara (Jenna-Louise Coleman, die sich seit The Day of the Doctor nur noch Jenna Coleman nennt)) den Doctor von der Erde aus anruft: Das Weihnachtsessen steht bevor und sie hat ihrer Familie erzählt, dass ihr Freund kommt. Dumm nur, dass sie diesen erfunden hat. Und nun soll der Doctor in die Rolle schlüpfen.
Der Doctor wäre nicht der Doctor, wenn er sich nicht um beide Dinge parallel kümmern könnte...
Die Herausforderung
The Time of the Doctor stand wahrscheinlich schon vorab vor einer unmöglichen Herausforderung. Nämlich die Folge nach The Day of the Doctor zu sein, die im Vergleich zu dem umwerfend genialen (und nebenbei bemerkt natürlich auch weit überdurchschnittlich budgetierten) Jubiläumsspecial eigentlich nur abstinken kann. Man schaue sich nur die Schlacht um Trenzalore an, die in Sachen Epik natürlich um Einiges bescheidener ausfällt - ja, ausfallen muss - als der Time War. Man kommt, gerade wegen des kurzen zeitlichen Abstands, kaum umhin, sich unterwältigt zu fühlen.
Damit könnte man wahrscheinlich noch leben. Die Spezialeffekte haben in Doctor Who seit der Rückkehr der Serie 2005 zwar an Bedeutung gewonnen. Aber im Mittelpunkt standen und stehen nach wie vor die Geschichten. Und genau da hakt es leider bei The Time of the Doctor. Und zwar ganz gewaltig.
Gute Ansätze
Dabei hat das Weihnachtsspecial ein paar sehr gute Ansätze: die Parallelität von kosmischem Großereignis und Claras Weihnachts-Krise (die unter anderem für den wunderbaren Gag gut ist, dass Clara ihre Bekanntschaft mit dem Doctor für höchst profane Dinge nutzt: „Learn to use the iPlayer!“). Oder auch der Rückgriff auf den Raum-Zeit-Riss aus der fünften Staffel. Und die Verbindung der Riss-Story mit der durch The Day of the Doctor möglich gewordenen und in Aussicht stehenden Rückkehr der Time Lords. Ja, das ist im Grunde sehr interessant. Und gerade die Entdeckung des Risses jagt dem Zuschauer einen regelrechten Schauer über den Rücken.
Silence Will Fall
Umso enttäuschender ist die Auflösung der Riss- und Silence-Geschichte. Ja, irgendwie wird alles davon aufgeklärt, was noch offen gewesen ist. Der Doctor erzählt Clara, dass die langgesichtigen Aliens (welche in der sechsten Staffel die Silence genannt worden sind) in Wahrheit genetisch kreierte Beichtväter sind (deren Besuch man sofort wieder vergisst, was eigentlich dem Sinn und Zweck einer Beichte vollkommen zuwiderläuft... aber gut, lassen wir das). Woher der Doctor das auf einmal weiß? Gute Frage! Die Folge zaubert eine Mutter Oberin namens Tasha Lem (Orla Brady, Mistresses) aus dem Hut, mit welcher der Doctor offenbar recht intim zu sein scheint - und die so nebenbei anmerkt, dass die Kongregration von Madame Kovarian (aus der sechsten Staffel) eine Abspaltung ihrer Kirche gewesen ist. Verantwortlich für die Explosion der TARDIS und die Abrichtung von River Song als Killerin.
Zwei Staffeln lang hat die Serie uns erst vom Riss und dann von den Silence erzählt. Und bringt beides in The Time of the Doctor äußerst überhastet und wenig befriedigend zu einem Ende. Wenig befriedigend deshalb, weil es keine Enthüllung, keinen Moment der Erkenntnis gibt. Alles wird uns einfach so vor die Füße geworfen.
Dazu kommen die Unstimmigkeiten: Wieso kann der Doctor zunächst nicht feststellen, dass es sich bei dem Planeten um Trenzalore handelt? Er ist mit der TARDIS doch schon in The Name of the Doctor dort gewesen. Dann die Sache mit dem Wahrheitsfeld: die ist ja sehr schön mit dem Riss und den Time Lords auf der anderen Seite erklärt. In der Prophezeiung, so wie wir sie von Dorian gehört haben, hieß es aber, dass nicht nur die Wahrheit gesprochen werden muss, sondern dass auch eine Antwort nicht versagt werden kann. Diesen Teil der Prophezeiung ignoriert Autor Steven Moffat einfach - und lässt den Doctor Jahrhunderte auf Trenzalore schmoren, ohne dass er die allererste Frage („Doctor WHO?“) beantwortet.
Spannungskiller
Normalerweise wäre ich bei solchen Sachen nicht so kleinlich. Ich kann so etwas gut ignorieren, wenn mich die Geschichte als solche packt. Das war bei The Time of the Doctor leider - ähnlich wie zuvor bei The Name of the Doctor - nicht der Fall. Die Folge hatte vor allem zu Beginn einige sehr lustige Momente. Spannung wollte sich jedoch nie so recht einstellen. Dazu ist die „Ich lass meine Companion zurück“-Routine einfach schon ein bisschen zu alt. Dazu ist die Pattsituation zwischen dem Doctor und seinen Gegnern zu statisch.
Dazu zeigen vor allem die Daleks zu wenig Entschlossenheit, den Doctor wirklich töten zu wollen. Dass sie ihm viel zu viel Zeit einräumen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen, das kennen wir ja bereits. Und in Maßen ist man auch gerne bereit, das zu tolerieren. Wie dieses riesige Dalek-Raumschiff jedoch gefühlte Minuten über dem Ort schwebt, ohne den Doctor einfach in die Luft zu jagen, nachdem sie sich schon in der Space-Kirche die Gelegenheit hatten entgehen lassen, das war einfach zu viel. Irgendwo ist die Bedrohung für den Doctor in dem Moment nicht mehr wirklich greifbar, was für die Spannung sehr, sehr schlecht ist.
Apropos schlecht für die Spannung: Auch die - weihnachtsspecialbedingt - in die Folge gequetschte Weihnachtlichkeit läuft, atmosphärisch jedenfalls, dem Bemühen um Spannung entgegen. Das grimmige Trenzalore ist auf einmal ein weihnachtliches Winter-Wunderland. Nein, das geht so gar nicht zusammen.
Da sieht der Doctor alt aus...
Den Doctor übermäßig altern zu lassen, ist schon in The Sound of Drums (2) und Last of the Time Lords (3) nur ein mäßig guter Einfall gewesen. Und das ist hier ganz genau so. Das Make-up ist nicht schlecht, keineswegs. Aber solche Aging-Masken sehen, selbst wenn sie noch so gut gemacht sind, immer nach Make-up aus.
Nummer 13
Pures Entsetzen stellte sich schließlich ein, als The Time of the Doctor genau das machte, was nach den (zunächst etwas unklar kolportierten) Bemerkungen Moffats schon zu befürchten war „55588“. Ja, er zählt die Quasi-Regenereration in Journey's End (2) als Regeneration im Sinne der Zwölfer-Regel, was bedeutet, dass Matt Smith, der elfte Doctor, im dreizehnten Körper dieses Time Lords ist. Und dass er damit das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Auch das wird uns - schon ziemlich weit gegen Schluss der Folge - einfach so hingeworfen, ohne auch nur ansatzweise das narrative Potenzial darin zu nutzen.
MEIN GOTT! WAS FÜR EINE ERZÄHLERISCHE VERGEUDUNG! Statt Peter Capaldi als den Doctor zu erzählen, der mit dem Problem zu Rande kommen muss, dass er die letzte Inkarnation ist, kniet sich Clara einfach vor den Riss und betet quasi zu den Time Lords (was immerhin eine schöne Spiegelung zu der jungen Amelia ist, die in The Eleventh Hour wegen des Risses in ihrer Wand zum Weihnachtsmann gebetet hat, bevor der Doctor in ihrem Garten bruchgelandet ist). Die Time Lords erweisen sich als gnädige Götter - und schenken dem Doctor einfach mal so aus der Ferne einen weiteren Regenerations-Zyklus. Und weil es gerade so praktisch ist, nutzt der Doctor seine (wie wir aus The End of Time (2) wissen) höchst zerstörerisch wirksame Regenerations-Energie, um auch noch die Daleks zu vernichten.
Problem, Lösung, Bumm. Vieles, zu vieles an The Time of the Doctor macht den Eindruck, aus dem Hut gezaubert zu sein.
Amy
Apropos aus dem Hut gezaubert: kurz vor seiner Regeneration in den nächsten Körper halluziniert der Doctor von Amy Pond (Karen Gillan). Das ist einerseits verständlich: immerhin ist sie zweieinhalb Staffeln seine Begleiterin gewesen - und damit die wichtigste Bezugsperson des elften Doctors. Andererseits kommt man nicht umhin, das Gefühl zu bekommen, dass es den Moment des Abschieds von Clara ein Stück weit entwertet. Sie, die ihm gerade - mehr als je zuvor - den A.... llerwertesten gerettet hat, wird in die zweite Reihe gestellt. Das fühlt sich, gerade in diesem Augenblick, falsch an, auch wenn es in der Serie früher schon solche Companion-Visionen kurz vor der Regeneration gegeben hat.
Regeneration
Um es noch mal zu sagen: Ja, The Time of the Doctor hat seine guten Momente. Etwa die Szene, in welcher der Doctor enthüllt, dass er eine Perücke trägt (genau wie Matt Smith, der sich für eine andere Rolle in der Zwischenzeit das Haupthaar hatte scheren lassen). Oder auch die vielen Anspielungen auf die vergangenen Abenteuer und Eigenheiten des elften Doctors: sei es die Schale mit den Fishfingers in Custard, sei es sein eigentümlicher Tanzstil (aus The Big Bang (2)). Nur reicht das leider nicht, um daraus eine gute, eine mitreißende Doctor Who-Folge zu machen.
Matt Smith teilt damit das Schicksal von David Tennant, dessen Abschiedsfolge ebenfalls ein Stück weit enttäuschend verlaufen war. Zumindest hatte The End of Time (2) mit der Explosion des TARDIS-Innenraums dem elften Doctor einen höchst dramatischen Einstand verschafft. Das ist in The Time of the Doctor anders. Die eigentliche Verwandlung von Matt Smith in Peter Capaldi verläuft sehr unspektakulär. Der Witz mit der Farbe der Nieren (Ach, Moffat, wärst Du doch beim Running Gag mit den Haaren geblieben!) läuft ins Leere. Umso gelungener ist dafür seine abschließende Frage: „Do you happen to know how to fly this thing?“
Diese Frage ist man fast versucht, auch Steven Moffat zu stellen. Im einen Augenblick (The Day of the Doctor) wusste er es noch, im nächsten scheint er vergessen zu haben.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 26. Dezember 2013Doctor Who 7x16 Trailer
(Doctor Who 7x16)
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