Doctor Who 7x14

„The little Daleks!“ („Diese kleinen Daleks“ haben dem Doctor das Blinde-Kuh-Spiel tüchtig vermiest...)
Das passiert in der Doctor Who-Folge The Name of the Doctor:
Madame Vastra (Neve McIntosh) besucht 1893 den Serienkiller Clarence De Marco (Michael Jenn) im Gefängnis. De Marco behauptet, Informationen über den Doctor (Matt Smith) zu besitzen. Er spricht von einem Geheimnis, das der Doctor mit ins Grab nimmt, und erwähnt dabei den Namen Trenzalore. Vastra hat von diesem Ort bereits im Zusammenhang mit dem Doctor gehört. Sie beschließt deshalb eine telepathische Konferenz einzuberufen, an der neben ihr auch Jenny (Catrin Stewart), Strax (Dan Starkey), Clara (Jenna-Louise Coleman) und River (Alex Kingston) teilnehmen.
Die Konferenz wird jedoch abrupt unterbrochen, als mehrere Teilnehmer von unheimlichen Kreaturen, den Whisper Men, angegriffen und entführt werden. Clara erwacht im Haus der Maitlands und berichtet dem Doctor von dem Vorgefallenen. Dieser entnimmt den rätselhaften Worten De Marcos, dass es nicht um sein Geheimnis, sondern um sein Grab geht, der eine Ort, den ein Zeitreisender besser niemals aufsuchen sollte. Doch, um seine Freunde zu retten, tut der Doctor es trotzdem...
Scheitern auf hohem Niveau
Steven Moffat gehört zu den ganz großen Künstlern des Fernsehens. Selbst, wenn er scheitert, dann scheitert er auf außergewöhnliche Weise. The Name of the Doctor ist dafür geradezu ein Paradebeispiel. Es ist eine absolut geniale Folge. Und eine absolut furchtbare. Und beides zur gleichen Zeit.
The Name of the Doctor ist ein einziges Feuerwerk an kreativen Einfällen und tollen Momenten: der Auftakt auf Gallifrey mit dem Diebstahl der TARDIS, der telepathische conference call, die Reise zum Grab des Doctors, die überdimensionale TARDIS als seine letzte Ruhestätte, die „Narbe“ - die Spur, die der Doctor in Raum und Zeit hinterlassen hat, der telepathische Link, den der Doctor zwischen Clara und der TARDIS herstellt und über den Clara ihren verloren gegangenen Erinnerungen auf die Spur kommt. Dazu die wunderschöne und bewegende (Abschieds?-) Szene zwischen River und dem Doctor. Das alles ist Stoff, aus dem sich eigentlich eine ganz großartige Doctor Who-Folge hätte stricken lassen müssen.
Gerade der Gedanke, dass der Doctor, der sich zwar regenerieren kann, aber deshalb nicht unsterblich ist, irgendwo und irgendwann in der Zukunft tot begraben liegt, hat, zumal im 50. Jubiläumsjahr der Serie, etwas erfrischend Morbides an sich.
Clara
Das Rätsel um Claras multiple Existenz in Raum und Zeit wird zufriedenstellend aufgelöst: um den Doctor zu retten, springt sie in die „Narbe“, wodurch sie wie Konfetti quer über Raum und Zeit verteilt wird. Ja, das hat was! Feministinnen und Gender-Theoretiker werden bei Claras mehrfach wiederholtem Satz, dass sie geboren wurde, um den Doctor zu retten (= eine Frau, deren einziger Daseinsgrund auf einen Mann ausgerichtet ist), möglicherweise zusammenzucken. Und Continuity-Fetischisten werden sich wundern, dass der Doctor aus seinen früheren Inkarnationen keine Erinnerungen an Clara mitgebracht hat. Gerade an den Moment seiner ersten Inbesitznahme der TARDIS sollte sich der Doctor doch eigentlich noch sehr gut erinnern können.
Aber das ist alles letztlich zweitrangig, solange die Erklärung sci-fi-technisch in Ordnung geht. Und das ist der Fall.
Der unbekannte Doctor
Am Schluss wartet die Folge auch noch mit einem atemberaubenden Cliffhanger auf: Dass The Name of the Doctor nicht wirklich den Namen des Doctor enthüllen würde, war ja eigentlich im Vorfeld bereits klar. Das ist schlicht unmöglich. Solange die Serie Doctor Who heißt, muss der Name des Doctors im Dunklen bleiben. Eine bislang geheime Inkarnation (John Hurt) zu enthüllen, welche „das Versprechen gebrochen hat, das im Namen Der Doctor liegt“, ist dagegen ein durch und durch überraschender und faszinierender Schachzug, der die Vorfreude auf das Jubiläumsspecial definitiv anheizt - und die Erwartungen dazu in völlig neue Bahnen lenkt. Wie werden Doctor Nr. 10 (David Tennant) und Rose (Billie Piper) in diese Geschichte passen? Sechs Monate (!) müssen wir uns noch auf die Antwort gedulden...
Das Rezept macht den Unterschied
So wunderbar die einzelnen Einfälle und Szenen für sich genommen sind, so sehr scheitert Steven Moffat leider daran, sie auch zu einer mitreißenden Episode zu formen. Es ist ein bisschen wie mit dem Soufflé: Moffat hat alle Zutaten da, aber ihm fehlt das richtige Rezept, sie auch zusammenzurühren.
Die Geschichte von The Name of the Doctor ergibt wenig Sinn: Die Große Intelligenz weiß all diese Dinge über den Doctor: sie weiß von seinem größten Geheimnis, obwohl er das nie jemandem anvertraut hat. Sie weiß von seinem Grab auf Trenzalore. Sie weiß sogar, dass es der Schlüssel zur Rache am Doctor ist (Woher? Woher? Woher?). Nur den Namen des Doctors, der scheinbar nötig ist, um sein Grabmal zu öffnen, den kennt die Große Intelligenz nicht. Und sie weiß auch nicht, dass es noch andere Wege (etwa über River, die in der Bibliothek abgespeichert ist) gibt, an diese Information heranzukommen. Das ist ein überraschend selektiver Kenntnisstand, ohne den die gesamte Folge so gar nicht möglich wäre.
Keine mitreißende Geschichte
Vermutlich würde einem das überhaupt nicht auffallen, wenn die Geschichte zumindest irgendwie spannend wäre, aber das ist sie nicht. Nicht mal im entferntesten. Es ist keine Spannung drin, nichts, was die Geschichte spürbar vorantreiben würde. Der Filmwissenschaftler Peter Wuss hat Erzählungen einmal als „Problemlösungsprozesse“ beschrieben, die sich eben dadurch auszeichnen, dass sich die Figuren an schwerwiegenden Problemen abarbeiten. Ja, ein Problem gibt es in The Name of the Doctor. Die Freunde des Doctors wurden entführt. Nur fehlt der Problemlösungsprozess. Die Große Intelligenz will den Doctor dazu erpressen, dass er seinen Namen verrät, um das Grabmal zu öffnen. Der Doctor weigert sich. Zack, ist River zur Stelle und öffnet an seiner Stelle. Der Doctor bleibt dabei völlig passiv, was für die Folge leider sehr bezeichnend ist. Ebenso, dass sich der Gegner am Ende quasi von selbst in Luft auflöst.
Und dabei war die Große Intelligenz ohnehin schon ein sehr schwacher Antagonist, woran auch Richard E. Grants Overacting nichts ändern konnte. Der Grund dafür ist nicht zuletzt, dass ihr einfach zu wenig Zeit gegeben wurde, sich zu entwickeln und eine glaubwürdige Motivation an den Tag zu legen. Stattdessen ist sie in The Name of the Doctor plötzlich von Rachedurst getrieben, welcher stellvertretend auch die Rache für die anderen Gegner, die der Doctor im Laufe der Zeit vernichtend geschlagen hat, zu umfassen scheint.
Letztlich ist es in The Name of the Doctor wie in vielen anderen Folgen der zweiten Staffelhälfte von Series 7. Es passiert sehr viel, aber ohne wirkliches Gewicht. Jenny stirbt. Strax wedelt einmal mit irgendeinem medizinischen Gerät. Voilà, schon ist sie wieder da. Was das jetzt sollte, bleibt völlig im Dunkeln. Ebenso die Story mit dem Frauenmörder zu Beginn, der später keinerlei Rolle mehr spielt. Hektisch eilt die Handlung von einem Punkt zum nächsten, ohne dass jedoch aus den vielen einzelnen Szenen und oft wirklich guten Ideen ein stringenter Plot gestrickt werden würde. Es ist mehr ein konfuses Potpourri.
Fazit
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr es schmerzt, Doctor Who ausgerechnet in seinem Jubiläumsjahr so gegen die Wand fahren zu sehen. Dabei richtet sich die Kritik gar nicht einmal gegen den Blockbuster-Ansatz per se. Erinnert sich noch jemand an The Angels Take Manhattan im vergangenen Jahr? Das war eine emotional mitreißende Story, an deren Ende man kaum aufhören konnte zu schluchzen. Nein, es ist nicht das Blockbuster-Prinzip als solches, welches hier die Probleme verursacht, sondern die mangelnde Sorgfalt, mit der die oft tollen Ideen in Geschichten umgesetzt werden.
Die BBC hat offiziell die Bestellung einer achten Staffel von Doctor Who bestätigt „49845“. Ich staune selbst über meine Worte, aber mir wäre es fast lieber, wenn Moffat und sein Team vielleicht mal ein Jahr Pause einlegen würden. Gut möglich, dass die Doppelbelastung mit Sherlock dann doch einfach zu viel für The Moff ist.
Als Dank an die Fans dafür, dass keine Spoiler über das Staffelfinale vorab publik geworden sind, hat die BBC folgendes Video mit Matt Smith und David Tenannt hinter den Kulissen des Jubiläumsspecials veröffentlicht:
The Two Doctors
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 20. Mai 2013(Doctor Who 7x14)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?