Doctor Who 7x12

Doctor Who 7x12

Was steckt hinter einer Reihe von geheimnisvollen Todesfällen im viktorianischen England? Und was hat der Doctor damit zu tun? Madame Vastra und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf. Hauptverdächtige ist eine Dame, die sonst eigentlich damit beschäftigt war, selbst Gefahren von England abzuwehren...

Diana Rigg, Jenna-Louise Coleman und Matt Smith in „The Crimson Horror“ / (c) BBC
Diana Rigg, Jenna-Louise Coleman und Matt Smith in „The Crimson Horror“ / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Crimson Horror:

Wir schreiben das Jahr 1893: Madame Vastra (Neve McIntosh) und Jenny (Catrin Stewart) erhalten Besuch von Mr. Thursday (Brendan Patricks), dessen Bruder unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Wie es aussieht, ist er am purpurnen Schrecken gestorben, einem Phänomen, bei dem sich der Körper knallrot verfärbt. Thursdays Bruder, ein Journalist, ist gerade dabei gewesen, der sonderbaren Rekrutierungspraxis der alten Streichholzfabrikbesitzerin Mrs. Gillyflower (Dame Diana Rigg, „Mit Schirm, Charme und Melone“) für ihre Siedlung Sweetville nachzugehen.

Vastra und Jenny nehmen den Fall an. Zumal Thursday ihnen ein Optogram zeigt: eine Aufnahme der Netzhaut des Verstorbenen, auf der sich das Gesicht der letzten Person eingebrannt hat, die er zu Lebzeiten zu Gesicht bekommen hat: Und dabei handelt es sich um niemand Geringeren als den Doctor (Matt Smith). Gemeinsam mit ihrem treuen Diener Strax (Dan Starkey) machen sich Vastra und Jenny auf nach Yorkshire, um den Doctor zu finden und das Geheimnis des purpurnen Schreckens zu lüften...

Doctor Light

The Crimson Horror ist eine unterhaltsame Folge, auch wenn sie nicht ganz hält, was der Titel verspricht - oder doch zumindest nahelegt. Horrorspannung kommt eher weniger auf. Wenn, dann allenfalls in der doctorlosen Anfangsphase, als Jenny allein durch die Fabrikanlage schleicht und schließlich einen Doctor findet, der selbst zu einer Art Monster geworden ist.

Einen Einstieg zu wählen, der einen an eine Doctor-Light-Folge denken lässt (es dauert schließlich fast eine Viertelstunde, bevor unsere Titelfigur auf der Bildfläche erscheint), hat ganz klar etwas für sich: für jemanden, der nicht (nahezu) allwissend und (nahezu) unsterblich ist, ist der Trip durch die Fabrik natürlich mit einem ganz anderen Gefahrenpotential verbunden. Von daher ist es für die Spannung ganz gut, den Doctor erst mal außen vor zu halten und die Grundsituation der Folge über das viktorianische Detektiv-Trio zu etablieren. Zumal die drei uns seit A Good Man Goes To War (1) auch schon bestens bekannt und in der Zwischenzeit ans Herz gewachsen sind.

Klassiker

Den Doctor selbst - wenn auch nur kurzfristig - zu einem Monster zu machen, ist natürlich ein schöner Twist. Wie die Folge überhaupt mit einigen sehr schönen Einzelideen aufwartet: etwa der Rückblende, die uns zeigt, wie der Doctor und Clara (Jenna-Louise Coleman) in die Fänge von Mrs. Gillyflower geraten sind - und welche mit entsättigten Farben, einer (künstlich) schlechten Bildqualität und Mono-Sound den Look und Feel einer alten Doctor Who-Folge aus den 60ern imitiert.

Auch sonst ist The Crimson Horror etwas sehr Klassisches zueigen. Das radikaldarwinistische Programm etwa, mit dem Mrs. Gillyflower und ihr „Busenfreund“ Mr. Sweet (was für ein tolles Design: ulkig und widerlich zugleich!) die Apokalypse über die Menschheit bringen und nur eine Selektion der Klügsten und Schönsten überleben lassen wollen, erinnert fast ein wenig an die Daleks.

Mr. Sweet, wir werden gebraucht

Mrs. Gillyflower ist eine formidable Gegenspielerin für den Doctor - und eine echte Glanzrolle für Diana Rigg, die in diesem Jahr mit Doctor Who und Game of Thrones Gastrollen in zwei der bedeutendsten SciFi-/Fantasy-Franchises gebucht und ihr TV-Comeback damit kaum eindrucksvoller hätte gestalten können. Mrs. Gillyflower ist bei ihrem bösen Tun nicht nur zu allem entschlossen und - insbesondere ihrer Tochter gegenüber - von einer wahrhaft erschreckenden Gefühlskälte. Nein, sie beweist dabei auch noch einen schelmenhaften Humor („You know what these are? Ha, ha, the wrong hands!“), der sie vom Heer der üblichen SciFi-Bösewichte absetzt.

Dass ihre blinde TV-Tochter Ada von ihrer tatsächlichen Tochter Rachael Stirling gespielt wird, ist übrigens nicht nur ein netter Fun-Fact-Bonus. Mutter und Tochter liefern gemeinsam eine echte Paradevorstellung ab. Stirling zeigt eine ebenso gefühl- wie kraftvolle Performance - als das blinde Mädchen, das zunächst niemanden außer einem „Monster“ zum Freund/Leidensgefährten hat, welches am Ende aber schlagkräftig gegen die Mutter und deren Parasiten austeilt.

Apropos Schlagkraft: Diana Riggs berühmteste TV-Rolle wird in The Crimson Horror natürlich nicht vergessen. Sie selbst verzichtet zwar - mit knapp 75 - darauf, den Catsuit noch mal anzulegen. An ihrer Stelle darf Jenny in Aktion treten - in einer Szene, die Emma Peel absolut würdig gewesen wäre.

Verräterische Fotos

Der fortlaufende Handlungsstrang rund um Clara wird in The Crimson Horror wieder aufgegriffen: Zunächst einmal natürlich dadurch, dass Vastra und Jenny aus dem Staunen kaum noch herauskommen, haben sie doch schließlich in The Snowmen Claras Beerdigung beigewohnt. Eine gewisse Verblüffung, sie auf einmal lebendig zu sehen, aber als jemand anders, ist da natürlich zu erwarten. Gänzlich unerwartet kommt dagegen der Spin am Ende, als Clara auf einmal von ihren Schützlingen (Kassius Carey Johnson, Eve de Leon Allen) mit Beweisfotos ihrer Zeitreise-Aktivitäten konfrontiert wird, einschließlich eines Fotos, an das sie sich überhaupt nicht erinnern kann.

Die Szene hat etwas von The Sarah Jane Adventures, was, wenn man die Serie so schmerzlich vermisst wie der Rezensent, durchaus nichts Schlechtes ist.

Fazit

The Crimson Horror ist eine überaus spaßige Folge mit einem großartigen Gast-Cast, wenn auch vielleicht nicht mit sonderlich viel Tiefgang. Über Fragwürdigkeiten wie den Raketenstart, der den Doctor und alle anderen eigentlich bei lebendigem Leib hätte rösten müssen, sehen wir einmal großzügig hinweg.

Trailer zu Folge 7x12 „Nightmare in Silver“

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 6. Mai 2013
Episode
Staffel 7, Episode 12
(Doctor Who 7x12)
Deutscher Titel der Episode
Der feuerrote Schrecken
Titel der Episode im Original
Nightmare in Silver
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 11. Mai 2013 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 17. Juli 2013
Regisseur
Saul Metzstein

Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x12

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