Doctor Who 7x13

Das passiert in der Doctor Who-Folge Nightmare in Silver:
Am Ende von The Crimson Horror hatten Claras (Jenna-Louise Coleman) Schützlinge Angie (Eve de Leon Allen) und Artie (Kassius Carey Johnson) ihre Nanny dazu erpresst, sie mit ihrem zeitreisendem Freund bekannt zu machen. In Nightmare in Silver nimmt der Doctor die beiden gemeinsam mit Clara bereits auf einen Ausflug ins Weltall mit. Sie landen auf einem Planeten, der den größten Vergnügungspark des Universums beheimatet. Die Anlage ist jedoch seit dem Cyber-Krieg verfallen - und ein Trupp Soldaten unter Führung von Captain Ferrin (Tamzin Outhwaite, Paradox) ist dort stationiert.
Der Doctor und seine Begleiter machen jedoch auch die Bekanntschaft des Schaustellers Mr. Webley (Jason Watkins), der gemeinsam mit seinem Assistent Porridge (Warwick Davis, Life's Too Short) ein Wachsfiguren- und Kuriositätenkabinett betreibt, in dem auch ein vermeintlich leerer Cyberman ausgestellt wird. Schon bald fallen dem Doctor merkwürdige, metallisch schimmernde Insekten auf, die ganz und gar nichts gut verheißen...
Chapeau, Mr. Smith!
Fangen wir die Kritik von Nightmare in Silver mit dem einen großen, unbestreitbaren Pluspunkt an: Matt Smith. Was der Doctor-Darsteller in dieser Folge leistet, kann gar nicht überschätzt werden. Smith ist wirklich großartig als Doctor, dessen Gehirn zur Hälfte vom Cyber-Planner übernommen wurde - und der deshalb nun in einem inneren Zwiespalt der ganz besonderen Art steckt. Die Momente, in denen er entweder in schneller Folge die Identität wechselt - vom Doctor zum Cyber-Planner und wieder zurück - beziehungsweise in seinem Kopf mit verteilten Rollen spricht, gehören definitiv zu den großen Highlights der Episode.
Sehr oft konzentrieren wir uns in Reviews allgemein und bei Doctor Who im Besonderen auf den Inhalt und die Geschichten. Und daran ist auch gar nichts falsch. Nightmare in Silver erinnert jedoch daran, dass man darüber andere Aspekte wie etwa die Schauspieler nicht vergessen darf. Allein Matt Smith bei seinem ebenso ausgelassenen wie sehr präzise differenziertem Spiel zuzuschauen, ist ein Vergnügen!
Die Kinder
Aber natürlich können wir die Geschichte deshalb nicht ganz übergehen. Und hier fängt die eher negative Betrachtungsweise an. Neil Gaiman hat in der vergangenen Staffel mit The Doctor's Wife einen echten Geniestreich abgeliefert, der zu Recht mit einem Hugo Award for Best Dramatic Presentation, Short Form ausgezeichnet worden ist. Nightmare in Silver dürfte wohl nicht unmittelbar in Gefahr schweben, mit Preisen ausgezeichnet zu werden.
Vor allem die Rolle der beiden Kinder gibt doch Grund zum Stirnrunzeln: Erst mal sind die beiden ohne jeden Kommentar plötzlich mit dabei; okay: das kann man sich noch irgendwie zusammenreimen. Dann will Clara die beiden nach Hause bringen, doch der Doctor lehnt es ab, obwohl er ganz offenkundig bereits eine Gefahr erahnt. Hier verhält er sich ausgesprochen fahrlässig. Was hätte denn dagegen gesprochen, die beiden Kids nach Hause zu fliegen und dann einfach genau zum Abflugzeitpunkt wieder zurückzukehren? Wenn man ein Raumschiff hat, das zugleich eine Zeitmaschine ist, sollte das eigentlich kein größeres Problem darstellen.
Die beiden werden von den Cybermen gekidnappt, weil diese Kinder-Gehirne brauchen, um daraus den neuen Cyber-Planner erschaffen zu können, bis ihnen auf einmal der Doctor begegnet - und die beiden Kinder für die Cybermen dadurch völlig untinteresant werden. Und sie eigentlich auch jede Funktion für den Plot verlieren, bis Angie auf einmal am Ende die rettende Erkenntnis vortragen darf, dass doch Porridge genau wie der Regent ausschaut. Dieser wiederum hält die ganze Zeit über den Schlüssel zur Lösung in der Hand - und nutzt ihn einfach bloß nicht, weil er nicht der Kaiser sein möchte. Ja, in einen Cyberman verwandelt zu werden, ist bestimmt viel angenehmer, als über das Universum regieren zu müssen...
Die Schachpartie
Ähnlich wie manch andere Folge in der zweiten Hälfte der siebten Staffel wirkt Nightmare in Silver etwas zu gedrängt und gehetzt, ja, mitunter konfus. Wo kommen zum Beispiel auf einmal die Heerscharen von Cybermen her? Wieso haben die sich nicht schon vorher mal bemerkbar gemacht? Eine Verknappung narrativer Informationen ist ja per se keine schlechte Sache, nur scheinen wir hier bis an den Punkt gekommen zu sein, an dem man kaum noch eine sinnvolle Handlung zusammenbekommt.
Was nicht heißt, dass es in Nightmare in Silver nicht ein paar sehr schöne narrative Ideen gäbe: allen voran das Schachspiel, welches der Doctor/Cyber-Planner mit sich selbst austrägt - um die Vorherrschaft im eigenen Gehirn. Das ist spannender als die meisten Ups-hinter-Dir-steht-ein-Cyberman-Szenen.
Die neuen Cybermen
Die Cybermen selbst werden in Nightmare in Silver in ihrem Design wieder mal etwas überarbeitet. Sehr gelungen ist das „Upgrade“, was ihre Fähigkeiten angeht, etwa die Geschwindigkeit, mit der sich die Cybermen bewegen oder die autonome Funktionalität abgetrennter Körperteile; das ist schon sehr cool! Etwas weniger gelungen ist die Rückkehr zu den abgerundeten Gesichtszügen, die einen irgendwie an LEGO-Figuren erinnern und deshalb deutlich weniger beängstigend wirken als das kantige Design aus der RTD-Ära (wobei ich zugeben will, dass es britischen Zuschauern, die mit dem Original-Doctor Who aufgewachsen sind, möglicherweise anders geht, weil sie andere Assoziationen mit den Cybermen-Gesichtern mitbringen).
Das Clara-Mysterium
Das Rätsel um Clara wird wiederholt angesprochen, ohne dass es jedoch sichtbar einer Lösung näher geführt wird. Es sei denn, uns ist in den letzten Folgen wirklich etwas grundlegend entgangen. Diesen Verdacht legen sowohl der Trailer für die kommende Folge, das Staffelfinale, als auch das Prequel dazu nahe. Auch die offizielle Doctor Who-Fanseite der BBC tut in einer Umfrage im Prinzip so, als müsste man schon eine Spur oder Idee haben, was es mit Clara auf sich hat.
Sehr geheimnisvoll! Na ja, am Samstag werden wir die Antwort erfahren.
Fazit
Einfallsreich, aber verwirrend, mit einer Glanzvorstellung von Matt Smith: Der Urteil über Nightmare in Silver fällt entsprechend durchwachsend aus.
Trailer zum Staffelfinale 7x13 „The Name of the Doctor“
Auf der folgenden Seite gibt es auch noch das Prequel zur Folge
Prequel zum Staffelfinale: She Said, He Said
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 13. Mai 2013(Doctor Who 7x13)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?