Doctor Who 7x09

Doctor Who 7x09

Streng geheim. An den Generalsekretär der Kommunistischen Partei: Haben Kontakt zu einem Bewohner vom Mars hergestellt. STOP. Haben Zeitreisenden und seine Begleiterin an Bord. STOP. Sind jetzt unterwegs zum Südpol. STOP.

Clara (Jenna-Louise Coleman) und der Genosse Doctor (Matt Smith) in „Cold War“ / (c) BBC
Clara (Jenna-Louise Coleman) und der Genosse Doctor (Matt Smith) in „Cold War“ / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Folge Cold War:

Statt in Las Vegas landen der Doctor (Matt Smith) und Clara (Jenna-Louise Coleman) auf einem sowjetischen Atom-U-Boot mitten in der Arktis. Wir schreiben das Jahr 1983 - und der Kalte Krieg befindet sich gerade auf seinem Höhepunkt. Das U-Boot steht unter dem Kommando von Kapitän Zhukov (Liam Cunningham, Game of Thrones) und befindet sich gerade in einer akuten Notsituation. Die Sowjets haben bei Bohrarbeiten in der Arktis ein Objekt an Bord genommen, das Professor Grisenko (David Warner, „Titanic“) ursprünglich für ein in Eis eingefrorenes Mamut gehalten hat. Tatsächlich ist es jedoch ein Eiskrieger vom Mars, der nach 5000 Jahren wieder erwacht und dabei so viel Chaos und Zerstörung an Bord anrichtet, dass das U-Boot in den Tiefen des Ozeans zu versinken droht.

Es gelingt dem Doctor, die unmittelbare Zerstörung des Unterwassergefährts zu verhindern. Doch nun steht er einer noch größeren Aufgabe gegenüber: er muss die Russen davon überzeugen, dass er und Clara keine Spione sind. Und er muss dafür sorgen, dass der Eiskrieger sich nicht der Nuklearwaffen an Bord bemächtigt...

Die Rückkehr der Eiskrieger nach fast 40 Jahren (zuletzt waren sie in einer Folge 1974 mit dabei) wird gemäß des Blockbuster-Prinzips der siebten Staffel als eine Art „Das BootmeetsAlien“ inszeniert, was alles in allem eine durchaus interessante und unterhaltsame Folge ergibt. Allerdings auch mit einigen Schwachpunkten.

Diese betreffen - nicht nur, aber vor allem - die Sowjets. Die Grundidee der Folge „Lassen wir den Doctor doch mitten im Kalten Krieg auf einem Nuklear-U-Boot der Russen landen“ hat ja durchaus etwas für sich. Es ist geradezu der Inbegriff von High Concept: eine Idee, die einen auf Anhieb eine spannende Geschichte erwarten lässt. Das Problem in der Folge ist nur, dass die Sowjets kaum als Sowjets zu erkennen sind. Würde nicht dann und wann mal zwischendurch jemand „Genosse Kapitän“ sagen, käme man fast nicht drauf, dass man sich an Bord eines sowjetischen U-Boots befindet.

Zumindest zu Beginn - noch vor Ankunft der TARDIS - hätte man die Russen vielleicht doch mal Russisch miteinander sprechen lassen können. Stattdessen reden sie durchweg gepflegtes Englisch. Und selbst die Namen (vor allem der Erste Offizier Stephashin, der die Folge über mehr wie „Stepason“ ausgesprochen wird) klingen nicht sonderlich russisch. Dadurch kommt einem der ganze Kalte-Krieg-Hintergrund der Folge leider viel weniger glaubwürdig vor, was sich wiederum negativ auf die Spannung auswirkt. Liam Cunningham und seine Kollegen geben sich zwar alle Mühe, aber das reicht einfach nicht. Auch der erste Auftritt des Professors verliert eklatant an Wirkung: denn, dass er mit seinem Walkman ein englischsprachiges Stück hört, würde sich ja nur dann als auffällig absetzen, wenn die anderen Figuren Russisch sprächen. Das tun sie aber (für den Zuschauer) nicht.

Hätte die TARDIS den Russen nicht zumindest einen Akzent geben können? Schließlich ist es ja nicht so, als würde Cold War die Übersetzungsfunktion wirklich konsequent handhaben. Die Beschriftungen auf dem U-Boot etwa werden nicht übersetzt, obwohl sie eigentlich ebenfalls übersetzt werde müssten. Auch wird die Gegenseitigkeit in der Übersetzung, wie wir sie in The Fires of Pompeii kennen gelernt haben, aufgehoben: Damals war es noch so gewesen, dass sobald einer der TARDIS-Reisenden tatsächlich etwas auf Latein gesagt hat, das bei den Römern als Keltisch (also Englisch) ankam.

Von daher hätte man also eigentlich damit rechnen müssen, dass die englischen Liedtexte auf einmal als Russisch herauskommen. Aber gut, vielleicht hat der Doctor das ja mit dem System-Neustart, der offenbar mit dem Umbau des TARIDS-Inneren einherging, gleich mit verändert. So wie er das HADS (Hostile Action Displacement System) aus dem Jahr 1969 wieder ausgegraben hat, welches die TARDIS zu Beginn verdünnisieren lässt (was irgendwie blöd ist, wenn sie dabei ihre Passagiere zurücklässt).

Zu nitpicken gäbe es an Cold War noch Einiges (ein mit Atomraketen bestücktes Kriegsschiff, das im Einsatz ist, um nach Öl zu bohren, hähhh?). Aber darüber sollen die positiven Aspekte der Folge keineswegs vergessen werden.

Es ist schön zu sehen - und unterstreicht den vielfachen Rückbezug der Folge auf Old Who -, dass der Doctor hier ernsthaft und mit großer Konsequenz um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht ist. Seit der Rückkehr der Serie 2005 konnte man - unabhängig vom Showrunner, egal ob unter RTD oder The Moff - den Eindruck gewinnen, dass der Doctor häufig nur pro forma den „Bösen“ eine Chance gibt, von ihrem Tun abzulassen, um dann doch recht schnell zu einer mehr oder minder explizit gewalttätigen Lösung des Konflikts zu kommen. In Cold War sehen wir dagegen einen Doctor, der dem Eiskrieger nicht nur mit Diplomatie, sondern mit einem ehrlich empfundenen Respekt begegnet. Siehe etwa die Ehrenbezeigung am Schluss der Folge.

Clara wiederum offenbart eine überraschende Unsicherheit und Ängstlichkeit. Oder vielleicht gar nicht mal so überraschend: Sie hat sich, ohne groß darüber nachzudenken, in dieses Abenteuer mit dem Doctor gestürzt. Und so langsam geht ihr auf, was das bedeutet. Das wird vor allem in der Szene mit dem Professor deutlich: sie schaut sich um - und ihr wird offenbar jetzt erst richtig klar, wo sie sich befindet und in welcher Gefahr sie eigentlich schwebt. Das jagt ihr dann ja doch einen mordsmäßigen Schrecken ein („Seeing those bodies back there... it all got very... real.“). Außerdem hinterfragt sie ihre eigene Leistung als Companion. Wir lernen damit an ihr eine Seite kennen, die wir bislang bei keiner ihrer Versionen so gesehen haben.

Technisch ist die Folge absolut hochwertig umgesetzt. Natürlich merkt man, dass ihr kein Hollywood-Budget zur Verfügung stand. Aber das, was sie leisten soll, nämlich die Illusion eines gesunkenen U-Boots herzustellen, vollbringt sie auch. In der Inszenierung bedient sich die Folge einiger deutlicher Anleihen bei „Alien“, was für ein paar schöne Schreckensmomente gut ist. Natürlich kann Doctor Who allein schon durch das Blut-Verbot nicht so weit gehen wie der Kinofilm. Als sich die Klauen des Eiskriegers dem Ersten Offizier auf Kopf und Schulter legen, schaudert's einen aber trotzdem.

Fazit

Wy gawariti parusski? Die Szenerie mit dem russischen U-Boot kann einem im Nachhinein etwas witzlos vorkommen, ansonsten ein gelungenes Wiedersehen mit den Eiskriegern und einem Doctor, der mitten im Cold War bereit ist, für den Frieden bis zum Äußersten zu gehen.

Trailer zu Folge 7x09 „Hide“

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 15. April 2013
Episode
Staffel 7, Episode 9
(Doctor Who 7x09)
Deutscher Titel der Episode
Kalter Krieg
Titel der Episode im Original
Hide
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 20. April 2013 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. Juni 2013
Autor
Mark Gatiss
Regisseur
Douglas Mackinnon

Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x09

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