Doctor Who 7x05

Doctor Who 7x05

Es ist der Moment, den die Fans seit der ersten Ankündigung von Chefautor Steven Moffat im Frühjahr erwartet und befürchtet haben: Das Ehepaar Amelia und Rory Williams setzen zum letzten Sprung ins Unbekannte an.

Ein fataler Ausflug nach New York für „Doctor Who“ / (c) BBC
Ein fataler Ausflug nach New York für „Doctor Who“ / (c) BBC

Das passiert in der Doctor Who-Folge The Angels Take Manhattan:

Der Doctor (Matt Smith), Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) verbringen in einem Park in New York einen schönen Nachmittag, der jedoch eine höchst dramatische Wendung nimmt, als Rory beim Kaffeeholen von den Weeping Angels abgefangen und ins Jahr 1938 katapultiert wird. Dort steht er auf einmal River (Alex Kingston) gegenüber, die gerade von zwei Handlagern des Gangsterbosses Grayle (Michael McShane) einkassiert wird. Dieser pflegt ein nicht ganz ungefährliches Hobby: Er sammelt - neben vielen anderen seltenen Dingen - Weeping Angels.

Der Doctor und Amy entdecken in der Zwischenzeit, dass der „Melody Malone“-Detektivroman, den der Doctor gerade liest, in Wahrheit von River geschrieben worden ist - und Hinweise darauf erhält, wie der Doctor zu ihr und Rory finden kann. Als der Doctor und Amy zur Rettung kommen, ist Rory jedoch erneut von den Angels verschleppt worden. Was zu einer schockierenden Entdeckung führt - und Amy und Rory vor eine alles verändernde Entscheidung stellt...

Doctor Who Goes Noir

Wow! Was für eine Folge! Einen besseren und bewegenderen Abschied hätte Steven Moffat den Ponds überhaupt nicht bereiten können. Der Rezensent hat die letzten Minuten von The Angels Take Manhattan über nichts anderes getan, als Rotz und Wasser zu heulen. Und so wird es wohl einigen Zuschauern gegangen sein. Selbst denen, die - wie der Rezensent - gar nicht einmal so große Fans von Amy und Rory gewesen sind.

Es ist eine grandiose Folge - vom Anfang bis zum Ende. Der Teaser etabliert nicht nur den Handlungsort und führt am Beispiel des Privatdetektivs Sam Garner (Rob David) bereits das traurige Schicksal vor Augen, das jeden Gefangenen in der Zeitenergie-Legebatterie der Weeping Angels erwartet, sondern schafft zugleich auch eine düstere Film-Noir-Atmosphäre, die viel besser zu den Weeping Angels passt als das „Aliens“-Szenario, welches Moffat in der fünften Staffel mit The Time of Angels (1) und Flesh and Stone (2) für sie kreiert hatte.

Das Buch

Mit The Angels Take Manhattan kommen wir dagegen sowohl atmosphärisch als auch vom Horror, den die Weeping Angels entfalten, viel näher an die Ausgangsfolge der Angels, nämlich Blink heran. Zu diesem Eindruck trägt natürlich auch der Einsatz eines Mediums bei, um über die Grenzen der Zeit hinweg miteinander zu kommunizieren. Waren das in Blink die DVD-Ostereier, ist es hier - der Zeit und der Film-Noir-Anmutung entsprechend - ein Detektivroman.

Trotzdem kopiert Moffat sich hier aber auch nicht einfach, sondern verwendet das Buch, um daran eines der Kernthemen von The Angels Take Manhattan zu entfalten, welches fast so etwas wie das grundlegende Thema aller bisherigen Moffat-Staffeln gewesen ist. „Time can be rewritten,“ sagte der Doctor schon in Forest of the Dead (2). Doch manchmal kann das, was geschieht, eben nicht mehr rückgängig gemacht und überschrieben werden. Und auf genau dieser Grenze balancieren die Figuren mit dem Buch: Blättern sie vor und lesen, was geschehen wird, dann muss es auch unausweichlich so passieren. Und auch der Trick, sich nur die Kapitelüberschriften anzuschauen, ist nur ein vermeintlicher Ausweg aus diesem Dilemma, wie dem Doctor spätestens in dem Augenblick klar wird, als er die letzte Kapitelüberschrift liest (sein Ausbruch ist einer von Matt Smiths besten Augenblicken bislang in der Rolle).

Paradox

Wir alle würden wohl oft nur zu gerne - das gilt ja nicht nur für die Figuren in Doctor Who - unsere Handlungsmacht durch ein Wissen über die Zukunft erweitern, aber in Wahrheit würde eine Kenntnis der Zukunft, wenn wir sie denn tatsächlich irgendwie erlangen könnten, unseren Handlungsspielraum zunichte machen, da wir dann eben keine Alternativen und keine Entscheidungsfreiheit mehr hätten.

Oder stimmt das etwa gar nicht? Der Ausweg, den Moffat uns anbietet, ist - wenig überraschend für den Erfinder von Timey Whimey - das Paradox. Wir ändern das, was eigentlich passieren muss, weil es aus der Sicht der Zukunft schon passiert ist, und lassen damit die Time Line kollabieren, was jedoch sowohl erwünschte (die Vernichtung des Hotels) als auch eher unerwünschte Nebenwirkungen (die Vernichtung New Yorks bei wiederholter Paradoxbildung) zu Folge haben kann. Was solche Grübeleien, die den Hintergrund für The Angels Take Manhattan abgeben, so fasziniernd macht, ist, dass es sich dabei um eine Reflektion unserer Handlungsmacht handelt. Alles Nachdenken über Selbstbestimmung und Schicksal speist sich genau aus dieser Überlegung heraus. Und die Briten - man kann es nicht oft genug wiederholen - thematisieren so etwas einfach mal im Vorabendprogramm in einer Familienserie. Hut ab!

Sprung ins Unbekannte

Natürlich wäre die Folge bei weitem nicht so bewegend, wenn es nur um abstraktes Zeitreise-Gedöns ginge. Es geht darum, wie dieses durch die Figuren ausgefüllt wird.

Die gelöste Stimmung zu Beginn - perfekt untermalt von Stings „An Englisman in New York“ - und das entspannte, humorvolle Miteinander unseres kleinen TARDIS-Trios erinnern uns noch einmal daran, warum wir diese Drei so gerne zusammen sehen, was die emotionale Bürde des Abschieds am Ende nur noch größer macht. Schon der Blick, den wir auf Rorys Grabstein erhaschen, versetzt dem Zuschauer deshalb einen Stich ins Herz. Nichts sagt schließlich so sehr in Stein gemeißelt, wie ein Name, der tatsächlich in einen Grabstein gemeißelt ist.

Doch Amy und Rory geben sich dem Schicksal nicht geschlagen. Ihr gemeinsamer Sprung vom Hoteldach ist (so sehr er auch dazu geeignet sein könnte, den Suizid zu verherrlichen) zutiefst romantisch, traurig und triumphal zugleich. In unzerbrüchlicher Liebe vereint wagen sie den Sprung ins Unbekannte, was auch eine perfekte Metapher für ihre Reise mit dem Doctor sein könnte. Vielleicht besiegen sie durch die Schaffung eines Paradox die Angel. Vielleicht sterben sie dabei. Aber auf jeden Fall tun sie es zusammen. Man müsste schon ein Herz aus Stein wie ein Weeping Angel haben, damit das einen nicht berührt.

Umso gemeiner ist das, was Moffat im Anschluss macht: Amy und Rory überleben das Paradox, nur damit sie das Schicksal in Gestalt eines letzten überlebenden Weeping Angel doch noch einholt. Es könnte einem geradezu das Herz zerreißen: Der Doctor hasst Enden. Und er ist niemand, der sehr gut allein reisen kann. Doch genau das ist es, womit ihn die Folge zum Schluss konfrontiert: Die Geschichte der Amelia Pond ist zu Ende. Die letzte Seite, die er sonst niemals liest, ist gelesen. Und er ist wieder ganz auf sich allein gestellt.

Fazit

The Angels Take Manhattan ist eine in jeder Hinsicht fesselnde und faszinierende Episode, die den Zuschauer in Tränen aufgelöst zurücklässt - in einer Mischung aus Abschiedsschmerz und der Rührung, dass Amy und Rory nun wenigstens ein glückliches, wenn auch „normales“, Doctor-freies Leben hatten. Das ist ja gerade das Geniale: Moffat lässt die beiden sterben, ohne sie im klassischen Sinne umzubringen. Wenn es einen (winzigen) Kritikpunkt an der Folge gäbe, dann wäre die zum Angel mutierte Freiheitsstatue. Ja, wir sind in New York und der Gedanke liegt nahe. Aber trotzdem: Das war ein bisschen zu viel des Guten.

Und jetzt: Noch 85 Tage bis Weihnachten...

Sicher die beste Art; Amy und Rory in Erinnerung zu bewahren. © BBC
Sicher die beste Art; Amy und Rory in Erinnerung zu bewahren. © BBC
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 30. September 2012
Episode
Staffel 7, Episode 5
(Doctor Who 7x05)
Deutscher Titel der Episode
Die Macht des Wortes
Titel der Episode im Original
The Angels Take Manhattan
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 29. September 2012 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. Dezember 2012
Autor
Gary Coleman
Regisseur
Nick Hurran

Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x05

Darsteller
Rolle

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?