Doctor Who 7x04

Doctor Who 7x04

Außerirdische Invasion oder intelligente Marketingkampagne? Zu Beginn von The Power of Three kam man sich da nicht so ganz sicher sein. Und auch das Ehepaar Pond ist sich nicht sicher: Wollen Amy und Rory ihre Reisen mit dem Doctor fortsetzen - oder doch lieber sesshaft werden?

Die Kraft der Drei: Rory (Arthur Darvill, l.), Amy (Karen Gillan, m.) und der Doctor (Matt Smith, r.). / (c) BBC
Die Kraft der Drei: Rory (Arthur Darvill, l.), Amy (Karen Gillan, m.) und der Doctor (Matt Smith, r.). / (c) BBC

Wegen der Verleihung der Emmys Sonntagnacht - im Live-Blog bei Serienjunkies.de - diesmal schon auf Sonntagnachmittag vorgezogen: Das Review zu „Doctor Who“:

Eines Tages tauchen wie aus dem Nichts überall auf der Erde kleine schwarze Würfel auf. In den Häusern, in den Straßen. Sie tun nichts. Sie sind einfach nur da. Nachdem sich die erste Aufregung über sie gelegt hat, verwenden die Menschen sie für alle möglichen Dinge. Als Briefbeschwerer, als Untersetzer oder auch einfach nur als Ziergegenstände. Auch im Haushalt der Ponds (Karen Gillan, Arthur Darvill) sind die kleinen Würfel aufgetaucht.

Der Doctor (Matt Smith) und Kate Stewart (Jemma Redgrave), die wissenschaftliche Leiterin von UNIT, glauben, dass die Würfel außerirdischen Ursprungs sein müssen. Doch was es genau mit ihnen auf sich hat, wissen sie auch nicht. Der Doctor ist für eine ständige Überwachung der Würfel. Während Rorys Vater Brian (Mark Williams) damit keine Probleme hat und der Beobachtung gewissenhaft nachgeht, bereitet es dem Doctor sichtlich Schwierigkeiten, auf einmal an einen Ort gebunden zu sein - und das alltägliche Leben von Amy und Rory zu teilen...

Ein origineller Plot...

The Power of Three ist nach Dinosaurs on a Spaceship in dieser Staffel bereits die zweite Folge aus der Feder des ehemaligen Torchwood-Showrunners Chris Chibnall.

Es ist eine Folge, die in vielerlei Hinsicht zu Herzen geht, allerdings auch unter zwei Schwächen leidet, die es verdient haben, Erwähnung zu finden, bevor sie in den anschließenden Lobhudeleien untergehen. The Power of Three arbeitet gleich mit zwei sehr kreativen Einfällen. Da ist zum einen der Plot um die Würfel, die einfach auftauchen und erst einmal gar nichts tun. Und in dem Augenblick, in dem sie schließlich nach Monaten und Monaten der Beobachtung endlich eine Aktivität zeigen, ein bisweilen sehr erratischen Verhalten an den Tag legen. Stichwort Ententanz. Das ist genau das Level an Absurdität, das Doctor Who immer wieder zu einem so großen Spaß macht - und mit dem die Serie das Erbe von Douglas Adams weiterträgt.

Zum anderen ist da die Idee der Außerirdischen, die sich im Dienst der Ungezieferbekämpfung sehen - und die Menschheitsplage ausrotten wollen, bevor sich diese über das Universum ausbreiten kann. Das ist ein durchaus begreifliches Anliegen, welches von Ex-„James Bond“-Bösewicht Steven Berkoff („Octopussy“) als holografischem Sprachrohr der Shakri auch sehr eloquent vorgetragen wird.

...mit einem kleinen Schöheitsfehler

Es gibt nur ein Problem: Die beiden Ideen gehen irgendwie nicht so recht zusammen. Wer seine Aufgabe als Ungeziefervernichtung begreift, der wird kaum ein Jahr damit verbringen, jedes einzelne Ungeziefer mittels eines derart elaborierten Plans auszukundschaften, wie es die Shakri hier mit den schwarzen Würfeln tun. Wer sein Gegenüber als Ungeziefer versteht, setzt doch in aller Regel auf schnell wirksame Massenvernichtungswaffen. Wie der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft eindrucksvoll demonstriert. Oder hat schon mal jemand einen Bauer gesehen, der vorab jede Blattlaus einzeln studiert? Da wackelt die Plausibilität der Geschichte doch schon ganz erheblich.

Weniger ein Problem der Plausibilität als vielmehr eine Frage der Einstellung ist der Umstand, dass nicht nur Kate, sondern auch der Doctor im Grunde von vornherein in den schwarzen Würfeln eine Art von Bedrohung sehen. Als einer der Würfel nach Monaten der Inaktivität vor seinen Augen durch die Luft zu schweben beginnt, da setzt der Doctor sofort zu seiner „Ich werde alles für die Verteidigung der Erde tun“-Rede an. Ohne dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine ernsthafte Bedrohung für die Erde erkennbar gewesen wäre - und es noch sehr viele andere, alternative Erklärungsmöglichkeiten gegeben hätte (wie wäre es mit: eine außerirdische Spielzeug-Ladung, die über der Erde verloren gegangen ist?). Das ist für den einst so optimistischen Doctor eine überraschend negative Haltung gegenüber dem Fremden.

Zwei Leben

Nun sollen beide Kritikpunkte aber auch nicht überbewertet werden: Denn das eigentliche Anliegen der Folge ist natürlich ein ganz anderes. Es geht um den bevorstehenden Abschied der Ponds. Es geht um das Verhältnis des Doctors zu seinen Begleitern. Und unter diesem Aspekt brilliert The Power of Three von vorne bis hinten: Amy und Rory merken, dass ihnen ihr alltägliches Leben wichtiger wird - und dass es mehr und mehr zur Belastung wird, die Reisen mit dem Doctor zu unternehmen. Und dass nicht nur, weil zwischendurch die Lebensmittel schlecht werden und wieder mal kein Wachmittel im Haus ist. Wie soll man auch zu den alltäglichen Besorgungen des Lebens kommen, wenn man zwischenzeitlich immer mal wieder für Wochen oder gar Monate herausgerissen wird - und ein vollkommen anderes Leben führt?

Das ist ein sehr nachvollziehbarer Punkt. Für Amy und Rory sind - aus ihrer relativen Sicht gesprochen - etwa zehn Jahre vergangen, seit sie die Reisen mit Doctor begonnen haben. Und sie fühlen sich mehr und mehr danach, endlich in ihrem „realen“ Leben sesshaft zu werden. Mit Jobs und Freunden und Familie. Der Doctor merkt das - und die Herzen werden ihm schwer bei dem Gedanken, das Ehepaar Pond, welches er so sehr in seine Herzen geschlossen hat, zu verlieren. Sein Gespräch mit Amy an der Themse gehört zu den wohl berührendsten Momenten in Doctor Who seit langer Zeit. Was auch daran liegt, dass die Szene inmitten all der üblichen Hektik wie ein Ruhepol daherkommt. Nur die beiden, Seite an Seite. Und am Ende lehnt sie ihren Kopf an seine Schulter. Nicht wenigen Zuschauer wird da ein Seufzer entfahren - und möglicherweise sogar ein kleines Tränchen gekommen sein. Wegen des Gedankens an die kommende Folge.

Die Tochter des Brigadiers

Und auch sonst ist The Power of Three eine Folge, die zu Herzen geht. Das liegt zum einen an Rorys Vater Brian, der mit seiner Mischung aus Unermüdlichkeit und Begeisterungsfähigkeit selbst einen guten Companion abgeben würde, sich am Ende aber damit bescheidet, die Pflanzen zu begießen, während er seinen Sohn und seine Schwiegertochter dazu ermutigt, zu neuen Abenteuern mit dem Doctor aufzubrechen.

Und es liegt zum anderen natürlich an Kate Stewart. Das Lethbridge hat sie weggelassen, um keine bevorzugte Behandlung zu erfahren. In mehr als 100 Folgen hatte Nicholas Courtney von 1965 bis 1989 den Brigadier gespielt, einen Kollegen und Freund des Doctors bei UNIT. 2008 hatte er die Rolle noch mal für eine Folge von The Sarah Jane Adventures aufgenommen. Über seine Tochter hält in The Power of Three die Erinnerung an die vergangenen Begleiter des Doctors Einzug. Es ist fast so, als würde die Serie damit sagen wollen: Ja, die Begleiter wechseln, aber etwas von ihnen bleibt immer erhalten.

Nicht nur über die Tochter des Brigadiers, sondern natürlich auch über die Erwähnung der Zygons (aus einer Doctor Who-Folge aus dem Jahre 1975) entsteht in The Power of Three ein starkes Gefühl der Kontinuität, welches noch dadurch unterstrichen wird, dass die Folge formal sehr intensiv mit einem Einbezug der medialen Realität (unter anderem mit Auftritten von Physiker Brian Cox und dem britischen „The Apprentice“-Kopf Sir Alan Sugar) arbeitet, wie er für die RTD-Ära charakteristisch gewesen ist. Dazu passt auch, dass mit Douglas Mackinnon erstmals ein Regisseur aus der RTD-Zeit wieder bei Doctor Who Verwendung gefunden hat.

Fazit

Trotz einer gewissen Logikschwäche eine sehr unterhaltsame Episode voller Herz und Humor mit einer sehr originellen Grundidee und einem sehr klassischen Anstrich. Die Serie zieht, wie der Doctor, immer weiter, doch das heißt nicht, dass sie ihre Vergangenheit vergisst.

Trailer zu Folge 7x05 „The Angels Take Manhattan“

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 23. September 2012
Episode
Staffel 7, Episode 4
(Doctor Who 7x04)
Deutscher Titel der Episode
Zusammengewürfelt
Titel der Episode im Original
The Power of Three
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 22. September 2012 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 25. Dezember 2012
Autor
Cheryl Francis Harrington
Regisseur
Douglas Mackinnon

Schauspieler in der Episode Doctor Who 7x04

Darsteller
Rolle

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