Doctor Who 6x12

Craig (James Cordon) und Sophie (Daisy Haggard), die wir zuletzt in The Lodger gesehen haben, sind mittlerweile stolze Eltern eines kleinen Jungen. Craig fühlt sich von seinen Vaterpflichten allerdings massiv überfordert. Als Sophie übers Wochenende wegfährt, weiß er weder ein noch aus. Zu seiner großen Überraschung steht jedoch plötzlich der Doctor (Matt Smith) vor der Tür. Für einen Höflichkeitsbesuch, wie er sagt.
Der Zuschauer merkt jedoch schnell, dass es sich eher um eine Art Abschiedstour handelt - so ähnlich wie vor seiner letzten Regeneration. Während seines Besuchs bei Craig fallen dem Doctor verschiedene Merkwürdigkeiten auf: Zeitungsberichte über verschwundene Menschen; dazu Stromfluktuationen. Der Doctor weiß: etwas stimmt nicht. Er versucht, es zu ignorieren. Doch er schafft es nicht. Er lässt sich als Verkäufer in einem Kaufhaus engagieren, welches im Mittelpunkt der seltsamen Vorfälle zu stehen scheint.
Craig bietet dem Doctor seine Hilfe bei der Untersuchung an, welche der Doctor eigentlich ausschlagen möchte. Doch Craig lässt sich nicht abwimmeln. Schon bald sehen sich die beiden einer dem Doctor nur all zu gut bekannten Bedrohung gegenüber...
Closing Time - Ladenschluss. Wie so oft bei Doctor Who ist der Episodentitel gleich im doppelten Sinne treffend gewählt: Es geht in der Episode um die Vorgänge im Kaufhaus nach Ladenschluss. Gleichzeitig verweist die Folge durchgehend auf das Schicksal, welches den Doctor ereilen wird. Sein eigener „Ladenschluss“ steht unmittelbar bevor. Es ist, wie wir erfahren, der Tag, bevor er am Lake Silencio sterben wird.
Konsequent wird der Konflikt, der sich vor allem in der vorangegangenen Folge The God Complex zugespitzt hat, forterzählt: Wegen all des Chaos und des Leids, welches er in das Leben von Menschen bringt, will sich der Doctor nunmehr aus den Angelegenheiten der Erde heraushalten. Er ist überzeugt davon, dass er in der Vergangenheit nur aus Eitelkeit und Überheblichkeit gehandelt hat.
Als er jedoch erneut auf ein - möglicherweise gefahrvolles - Geheimnis stößt, ist er allerdings nicht in der Lage, davon seinen Blick abzuwenden. So sehr er sich auch darum bemüht. Die Szene, in der er in die TARDIS einsteigen und fortfliegen will, es aber nicht kann, ist ein sichtbarer Ausdruck für die innere Zerrissenheit des Time Lords - und bietet Hauptdarsteller Matt Smith eine von vielen Gelegenheiten, in dieser Episode sein Können unter Beweis zu stellen.
Der ein oder andere mag sich gewundert haben, dass ausgerechnet in der vorletzten Folge der Staffel - also in derjenigen, die unmittelbar auf das Ende hinleitet - Craig wieder auftaucht. Im Nachhinein betrachtet ist dies jedoch absolut folgerichtig: Der Doctor braucht jemanden, der ihm sagt, wieviel Gutes er für die Menschen getan hat. Es muss jemand sein, der Doctor kennt, der aber anders als ein Companion (im engeren Sinne) einen größeren Abstand zu ihm hat - und deshalb eine Art Außenperspektive anbieten kann.
Darüber hinaus ist Craig für diese Folge auch noch in einem weiteren Sinne ein idealer Einmal-Begleiter für den Doctor: In The God Complex hatte der Doctor schließlich offen in Frage gestellt, inwieweit man überhaupt von einer freien Willensentscheidung der Companions sprechen kann. „They say it was their choice. But offer a child a suitcase full of sweets and they take it.“ Überheblichkeit scheint weniger vorher, als vielmehr aktuell ein Problem des Doctors zu sein: Seine Companions mit Kindern zu vergleichen ist, was den Respekt vor ihrer Entscheidungs- und Willensfreiheit angeht, doch schon ein ziemlich starkes Stück!
Genau an diesem Punkt tritt Craig auf den Plan, dessen Vertrauen in den Doctor tatsächlich etwas bisweilen kindlich Naives hat, an dessen Eigensinn jedoch nicht zu zweifeln ist. Außerdem wird gerade an Craig deutlich, dass der Part des Companions eine Dimension besitzt, die mit dem Doctor selbst gar nicht unmittelbar zu tun hat: Nämlich die Gelegenheit, über sich selbst hinauszuwachsen - und sich damit sogar die Anerkennung eines sonst sehr kritisch prüfenden Säuglings zu erwerben.
Closing Time ist dank dieser emotionalen Konflikte und Bewegungen eine sehr gelungene Episode, welche zudem durch viele humorvolle Momente aufgelockert wird. Die Cybermen spielen, was manch einer bedauern mag, nur eine untergeordnete Rolle. Letztlich sind sie nur der narrative Katalysator, der den Doctor und Craig miteinander reagieren lässt. Der Einfall mit der „Cyber-Ratte“ ist allerdings sehr amüsant; ebenso die Wende, dass sich das Raumschiff der Cybermen nicht über ihren Köpfen, sondern in Wahrheit unter ihren Füßen befindet.
Das Ende der Episode leitet unmittelbar zur kommenden Woche über. Dabei wird vor allem das bestätigt, was sich wohl die meisten schon gedacht haben: Madame Kovarian (Frances Barber) steckt tatsächlich mit den Außerirdischen, die wir in The Impossible Astronaut als „die Stille“ kennen gelernt haben, unter einer Decke. Und es ist tatsächlich River Song (Alex Kingston), die von Kovarian in den Astronauten-Anzug gesteckt wird, um den Doctor zu töten. Die neuen Fragen, die sich damit auftun (Beispielsweise: Wieso muss River Song den Doctor ausgerechnet dann und dort und in einem Astronauten-Anzug steckend töten?), sind so vielfältig, dass erst das Review in der kommenden Woche sich mit ihnen beschäftigen soll.
Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) haben in Closing Time nur einen Mini-Auftritt als Kaufhaus-Kunden. Amy ist, wie es scheint, Werbeträger für ein Parfüm namens Petrichor (der Geruch von Staub nach Regen, wie wir aus The Doctor's Wife wissen) - der Duft für das Mädchen, das es leid ist zu warten. Diese Szene lässt den Zuschauer etwas verwirrt zurück: Es macht den Anschein, dass dies Amy und Rory sind, nachdem der Doctor sie zurückgelassen hat. Allerdings befinden wir uns doch in der Timeline noch an einem Punkt, bevor der Doctor sie überhaupt nach Amerika eingeladen hat. Hat er sie in The God Complex an einen Punkt vor ihrer Abreise zurückgebracht? Aber warum hätte er das tun sollen?
Ist es einfach nur ein Fehler der Autoren? Oder steckt mehr dahinter? Die Antwort darauf gibt es - hoffentlich - nächste Woche.
Fazit
Eine alles in allem sehr unterhaltsame Episode, die gerade durch ihren etwas leichteren Ton eine sehr gute - weil Zeit zum Durchatmen verschaffende - Überleitung zum Finale darstellt.
Auf der nächsten Seite gibt es das Prequel zur kommenden Episode „The Wedding of River Song“.
Das Prequel
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 25. September 2011
(Doctor Who 6x12)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?