Doctor Who 6x11

Doctor Who 6x11

Dieses Hotel ist nicht für den nächsten Urlaub zu empfehlen. Die Zimmer sind angefüllt mit Albträumen. Und nicht nur mit den eigenen. Der Doctor rät dazu, der Angst nicht nachzugeben. Dieser Ratschlag erweist sich jedoch als problematisch.

Prominenter Besuch bei „Doctor Who“: Gaststar David Walliams (l.) / (c) BBC
Prominenter Besuch bei „Doctor Who“: Gaststar David Walliams (l.) / (c) BBC

Der Doctor (Matt Smith), Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) landen in der außerirdischen Kopie eines 80er Jahre Hotels der Erde. Dort machen sie die Bekanntschaft mit drei Menschen und einem Tivoli (Gaststar David Walliams, Little Britain), welche sich alle überraschend in dem Hotel wiederfanden - und nun einen Weg nach draußen suchen.

Auch der Doctor und seine Begleiter schließen sich dieser Suche an. Denn die TARDIS, in der sie gekommen sind, ist mit einem Mal verschwunden. In dem ansonsten vollkommen leeren Hotel gehen merkwürdige Dinge vor sich: Die Gänge und Korridore verändern sich. In den einzelnen Zimmern trifft man auf die eigenen Albträume - oder auf die von früheren Besuchern. Hat man einen Blick in „seinen“ Raum geworfen, droht einem eine Form von Besessenheit, die sich darin äußert, dass man fortan Lobpreisungen für eine Kreatur anstimmt, die sich als ein Minotaurus erweist und dessen Anbetung tödliche Konsequenzen hat...

The God Complex hinterlässt zwiespältige Gefühle: Als Gruselfolge, die sie wohl eigentlich sein will, versagt sie, da sie über weite Passagen hinweg viel zu verwirrend ist, um Gefühle der Angst und Spannung aufkommen zu lassen. Darüber kann auch die nach The Girl Who Waited erneut sehr kunstvolle Inszenierung von Nick Hurran (The Prisoner, 2009) nicht hinwegtäuschen.

Ausgesprochen gelungen ist die Episode aus der Feder von Being Human-Schöpfer Toby Whithouse dagegen, wenn es um die emotionale, ja philosophische Dimension des Stoffes geht. Schien sich die Folge zunächst in das Fahrwasser von Night Terrors begeben und die Botschaft wiederholen zu wollen, dass man sich seinen Ängsten stellen muss, hatte The God Complex schon sehr bald eine schöne, weil höchst überraschende Wendung parat: Das Monster ernährt sich in Wahrheit nicht von den Ängsten, sondern vom Glauben seiner Gefangenen an eine rettende - oder zumindest irgendwie kontrollierende - Macht.

Es ist also überhaupt erst der Glaube, der die Menschen in Gefahr bringt. Dazu muss man noch nicht einmal ein Spinner sein. Selbst die muslimische Krankenschwester (Amara Karan, Kidnap and Ransom), die als so sympathische und gewitzte Figur gezeichnet wird, dass sie in der Folge bereits den Eindruck einer Companion-in-spe macht, ist davor nicht gefeit. Es ist das Glauben per se, welches die Gefahr birgt. Andererseits zeigt The God Complex durchaus auch die andere Seite der Medaille: Denn gleichzeitig wird der Glaube auch als eine emotionale Energie beschrieben, deren Aussaugen zum Tod des Menschen führt.

Auch der Doctor muss, wie Amy schließt, eine Art von Glauben besitzen. Worin dieser besteht, erfahren wir allerdings genau so wenig, wie das, wovor er am meisten Angst hat. Wir hören lediglich, dass die Cloister-Glocke schlägt, und sehen, dass der Doctor von dem, was sich ihm hinter Tür Nr. 11 (!) präsentiert, nicht weiter überrascht zu sein scheint.

Bemerkenswert ist, wie sehr der Doctor und der Minotaurus von ihrer Charakterisierung her zueinander parallel gesetzt werden: Beide leben - im wörtlichen beziehungsweise übertragenen Sinne - vom Glauben. Beide sind dessen überdrüssig. Das geht so weit, dass der Minotaurus von einem Todeswunsch beseelt ist - und beim Doctor einen eben solchen vermutet. Es ist schwer bei dieser Szene nicht an den Staffelauftakt und den gleichmütigen Gang des Doctors zu seiner eigenen Exekution zu denken.

Die Ereignisse in The God Complex zwingen ihn dazu, sich mit seiner Verantwortung für Amy und Rory auseinanderzusetzen, und seine Motive dafür einzugestehen, warum er so viel Wert auf Begleitung legt: „Ich habe Dich mitgenommen, weil ich eitel bin. Weil ich bewundert werden möchte. Ich bin kein Held. Ich bin wirklich nur ein Verrückter in einer Box.“ Klar, er will in dieser Szene Amys Glauben an ihn zerstören, um sie vor dem Minotaurus zu retten. Der vorangegangene Dialog mit Rita macht jedoch deutlich, dass mehr dahintersteckt. Eine tiefergehende Reflektion des Doctors über das Verhältnis zu seinen Begleitern, welche am Ende dazu führt, dass er die beiden auf der Erde absetzt.

Damit sind wir innerhalb von zwei Jahren wieder an den Punkt gekommen, dass der Doctor allein ist. Das ist ihm in den Specials von 2009 nicht gut bekommen. Und nach der letzten Einstellung von The God Complex zu schließen, ist dies aktuell nicht anders.

Die vielleicht größte Frage - im Hinblick auf die Figur des Doctors - lautet deshalb: Wie wird es ihm gelingen, den großen, zentralen Konflikt in seinem Leben zu versöhnen? Er kann es nicht verantworten, anderen seinen Lebensstil zuzumuten. Er kann seinen Lebensstil aber auch nicht ändern und zu einem Tivoli werden, der nur auf den nächsten Eroberer wartet. Dass dies keine Option ist, das hat nicht zuletzt David Walliams eindrucksvoll vor Augen geführt. Gleichzeitig kommt der Doctor aber auch nicht ohne eine(n) Companion aus.

Welchen Weg wird der Doctor aus diesem Trilemma finden? Vielleicht hilft ihm ja die Begegnung mit einem alten Bekannten am kommenden Samstag, darauf eine Antwort zu finden.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 20. September 2011
Episode
Staffel 6, Episode 11
(Doctor Who 6x11)
Deutscher Titel der Episode
Götterspeise
Titel der Episode im Original
The God Complex
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 17. September 2011 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 7. März 2012
Autor
Caryn Ward
Regisseur
Nick Hurran

Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x11

Darsteller
Rolle

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