Doctor Who 6x10

Doctor Who 6x10

Zeitreisen können ungeahnte persönliche Konsequenzen haben. Diese Erfahrung müssen Amy und Rory in der Folge The Girl Who Waited machen. Letzterer gewinnt außerdem einen Eindruck davon, was es heißt, der Doctor zu sein.

Karen Gillan mit ihrem bislang überzeugendsten Auftritt als Amy Pond in „Doctor Who“ / (c) BBC
Karen Gillan mit ihrem bislang überzeugendsten Auftritt als Amy Pond in „Doctor Who“ / (c) BBC

Der Doctor (Matt Smith) will mit Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) den Planeten Apalapalucia besuchen, das zweitbeliebteste Ausflugsziel für den anspruchsvollen Weltraumreisenden. Was der Doctor jedoch versäumt hat, in einem Geschichtsbuch nachzuschlagen: Auf dem Planeten grassiert eine Seuche, welche für Wesen mit zwei Herzen innerhalb von 24 Stunden tödlich ist.

Die Bewohner von Apalapalucia haben deshalb spezielle Krankenhäuser mit Roboter-Personal eingerichtet, in denen zwei Zeitströme existieren, welche mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufen. Im komprimierten Zeitstrom können Patienten innerhalb eines Tages ein komplettes Leben verbringen.

Von all dem ahnen der Doctor und seine Begleiter allerdings nichts. Als sie in einer dieser Einrichtungen landen, gerät Amy aus Versehen in den komprimierten Zeitstrom. Ehe der Doctor und Rory sich versehen, ist Amy um 36 Jahre gealtert - und auf den Doctor gar nicht gut zu sprechen. Als er und Rory sie aus dem Zeitstrom retten wollen, weigert sich die gealterte Amy, ihnen zu helfen...

Als im vergangenen Jahr die fünfte Staffel von Doctor Who auf Sendung ging und wir zum ersten Mal die Bekanntschaft mit Amy Pond machten, da gab es gute Gründe zu zweifeln - an ihr als Figur, an den schauspielerischen Fähigkeiten von Karen Gillan und an der Glaubwürdigkeit und Chemie der Beziehung zwischen Amy und Rory.

Diese Zweifel sind spätestens mit The Girl Who Waited hinfällig geworden. Karen Gillan liefert als doppelte Amy Pond eine Glanzleistung ab. Ihre Darstellung der gealterten und hochgradig verbitterten Amy ist absolut überzeugend. Das Gleiche lässt sich von ihrem Make-up sagen.

Zu den größten Herausforderungen an einen Schauspieler wie auch an eine Maske gehört schließlich nicht das hohe Alter. Das lässt sich - im wörtlichen wie im übertragenen Sinne - dadurch herstellen, dass man einfach sehr dick aufträgt (sprich: die Darstellungsweise gegenüber der jungen Figur sehr stark verändert). Graduelle Veränderungen um zwei oder drei Jahrzehnte sind dagegen viel schwieriger zu bewerkstelligen. Was in dieser Folge jedoch sehr gut gelingt.

Gillan verändert ihre Sprechweise und ihre Körperhaltung gerade so viel, dass eine deutliche Differenz zwischen den beiden Figuren sichtbar wird, aber nicht überzogen erscheint. Dies gilt ebenso für die zusätzlichen Falten in ihrem Gesicht. Sie wirkt verhärmt, von den letzten 36 Jahren, die sie auf sich allein gestellt hat überleben müssen, gezeichnet, aber gleichzeitig auch tough und sehr wohl auf ihr Äußeres bedacht.

The Girl Who Waited erzählt die Science-Fiction-Version eines Liebesdramas, welches die letzten Zweifel ausräumt, die an den Gefühlen bestanden haben mögen, welche Amy für Rory hegt. Warum sollte eine langbeinige Rothaarige, die (wie in der Folge auch noch mal erwähnt wird) durchaus anderweitig Chancen hätte, sich unsterblich in einen Mann verlieben, dessen hervorstechendste Eigenschaften nicht gerade in ausgeprägter Männlichkeit oder Selbstsicherheit liegen? Das Gespräch der beiden Amys liefert darauf eine intuitiv glaubwürdige Antwort. Ebenfalls bezeichnend ist die Tatsache, dass die gealterte Amy ihren domestizierten Handbot Rory getauft hat. Er ist die wichtigste Bezugsperson in ihrem Leben.

Ausgesprochen faszinierend sind die emotionalen Konflikte, welche sich in The Girl Who Waited auftun: Amy und Rory werden mit den Konsequenzen konfrontiert, welche die Lebensweise des Doctors mit sich bringt. Ein Druck auf das falsche Knöpfchen kann ein Leben in Einsamkeit auf einem fremden Planeten im Kampf gegen wohlmeinende Roboter zur Folge haben. Beide werfen dem Doctor dessen Leichtsinn vor. Rory geht sogar so weit zu sagen, dass er nicht länger mit ihm reisen will. Man darf gespannt sein, ob und wann er diese Ankündigung wahr macht.

Gleichzeitig ist es aber gerade Rory, der sich auf einmal in einer Lage befindet, welche derjenigen des Doctors entspricht: Er muss im Wirbel der Zeitströme eine Entscheidung über Leben und Tod fällen. Er muss Gott spielen. Der Doctor kann die gealterte Amy als nicht real abtun. Rory kann das nicht. Sie ist seine Frau - und er liebt sie, ganz gleich in welcher Zeitversion. Das ist intensives Drama, welches von Regisseur Nick Hurran (The Prisoner, 2009) grandios in Szene gesetzt wird: Dabei ist insbesondere der kunstvolle Einsatz von Überblenden, gerade im letzten Gespräch zwischen Rory und der gealterten Amy, hervorzuheben.

Fazit

Eine überaus clevere und ideenreiche (die „Zeit-Lupe“) Zeitreise-Geschichte, welche spannungsreiche und visuell gekonnt in Szene gesetzte Actionmomente mit einer zu Herzen gehenden, dramatischen Liebesgeschichte verbindet - und darüber hinaus den Doctor in einer selten zuvor so plastisch vor Augen geführten Abgründigkeit (die Szene, in der er Amy2 die Tür der TARDIS vor der Nase zuschlägt) zeigt. Das ist Science Fiction auf höchstem Niveau.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 11. September 2011
Episode
Staffel 6, Episode 10
(Doctor Who 6x10)
Deutscher Titel der Episode
Warten in der Ewigkeit
Titel der Episode im Original
The Girl Who Waited
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 10. September 2011 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 7. März 2012
Autor
Laurie Walton
Regisseur
Nick Hurran

Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x10

Darsteller
Rolle

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