Doctor Who 6x05

Doctor Who 6x05

Doctor Who goes Avatar. Statt in Pandora finden wir uns jedoch in einem zur Säurefabrik umgewandelten Kloster wieder. Statt leuchtender Farben regiert Düsternis - und die nagende Frage nach dem Wesen von Identität.

Schleichen durch dunkle Korridore: Rory (Arthur Darvill) und Amy (Karen Gillan) in „Doctor Who“. / (c) BBC
Schleichen durch dunkle Korridore: Rory (Arthur Darvill) und Amy (Karen Gillan) in „Doctor Who“. / (c) BBC

Matthew Graham, seines Zeichen (Mit-)Erfinder von Life on Mars und Ashes to Ashes, wendet sich für seine erste Doctor Who-Folge seit Fear Her wieder seinem Lieblingsthema zu: der philosophischen Reflexion des menschlichen Bewusstseins. In Life on Mars wusste Sam Tyler (John Simm) nicht, ob er ins Koma gefallen oder wahrhaftig durch die Zeit gereist ist.

In der Doctor Who-Folge The Rebel Flesh (1) beschäftigt sich Graham mit der Frage der Identität: Was wäre, wenn es möglich wäre, perfekte Kopien von uns selbst herzustellen - und wenn diese Kopien durch einen Unfall Selbstständigkeit erlangen würden? Welche Jennifer (Sarah Smart, Wallander) ist dann die „echte“? Lässt sich das überhaupt entscheiden? Schließlich haben beide dieselben Erinnerungen. Können wir uns überhaupt sicher sein, dass diejenigen, die wir für die „Originale“ halten, nicht selbst bereits „Kopien“ sind? Und sind die Kopien nicht vielleicht Originale sui iuris?

Doctor Who wirft hier ein ganzes Tableau faszinierender philosophischer Fragen auf. Getrübt wird das Vergnügen an der Folge lediglich durch eine sehr ausgedehnte Exposition, aus welcher der Zuschauer zunächst nicht richtig schlau wird: der Solar-Tsunami, die Landung auf der Insel, das Kloster (welches in Wahrheit eine Säurefabrik ist), das Flüssig-Fleisch, welches jede beliebige Form annehmen und aus der Ferne kontrolliert werden kann. Das alles wird dem Publikum um die Ohren gehauen, ohne dass zunächst eine richtige Handlung zu erkennen ist.

In der ersten halben Stunde lebt The Rebel Flesh (1) fast nur von der düsteren Atmosphäre der Kloster-/Fabrikanlage und den spektakulären Bildern des Solarsturms (und seiner Folgen). Echte narrative Spannung kommt erst auf, als sich Originale und Kopien gegenüberstehen - und durch die militante Aktion von Cleaves (Raquel Cassidy, The Worst Week of My Life) der Konflikt zwischen beiden Seiten offen ausbricht.

Die Szene erinnert ein wenig an Cold Blood (2) im vergangenen Jahr, als es zwischen Menschen und Silurians eine ähnliche Konfliktkonstellation gab. Ging es damals um die unteilbar scheinende Ressource Land, so geht es diesmal um die Ressource Identität - das Recht, die Person XY zu sein.

Auf die Spitze getrieben wird dieses Problem im Cliffhanger, als uns auf einmal eine Kopie des Doctors (Matt Smith) begegnet. Unwillkürlich muss man in diesem Augenblick natürlich an die Szene am Seeufer in The Impossible Astronaut (1) denken: Wenn es die Möglichkeit gibt, sogar vom Doctor ein Duplikat herzustellen, könnte das schließlich bedeuten, dass nicht der Doctor selbst, sondern eine Kopie dort gestorben ist. Oder wäre das zu naheliegend?

Irgendwie scheint das Fleisch jedoch mit dem übergreifenden Rätsel in Verbindung zu stehen: Nachdem er Amy (Karen Gillan) erneut gescannt hat, will der Doctor sie und Rory (Arthur Darvill) eigentlich irgendwo absetzen, um ohne die beiden etwas zu erledigen. Doch Amy lässt sich nicht abschütteln. Dass die Landung auf der Insel nur ein Unfall war, kann wohl (wenn man sich die Reaktion des Doctors auf die entsprechende Nachfrage von Rory anschaut) als ausgeschlossen gelten. Offenbar wollte der Doctor dorthin. Und er weiß sehr viel mehr über das Fleisch als er bereit ist zu offenbaren.

Da sich der Doctor noch mysteriöser gibt als sonst, avanciert Rory in dieser Folge zur eigentlichen Sympathie- und Identifikationsfigur. Er ist fest entschlossen, Jennifer und den anderen zu helfen (möglicherweise wirkt hier auch seine Frustration aus The Doctor's Wife nach, als er Idris nicht helfen konnte, obwohl er doch Krankenpfleger ist). In The Rebel Flesh (1) zeigt er sich mitfühlend, ergreift Eigeninitative - und widersetzt sich nicht nur dem Doctor, sondern auch Amy, als er am Ende auf eigene Faust aufbricht. Dadurch gewinnt Rory erheblich an eigenständigem Profil.

Zu den vielen bekannten Gesichtern, die in der Episode als Gaststars zu sehen sind, gehören unter anderem auch Marshall Lancaster aus Life on Mars und Mark Bonnar aus Paradox.

Fazit

The Rebel Flesh (1) hat eine interessante philosophische Prämisse. Die zu lang geratene Exposition geht jedoch auf Kosten der Spannung, daher der Punktabzug. Die Ausgangslage für den zweiten Teil, The Almost People (2), ist allerdings überaus vielversprechend.

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 23. Mai 2011
Episode
Staffel 6, Episode 5
(Doctor Who 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Gieriges Fleisch
Titel der Episode im Original
The Rebel Flesh
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 21. Mai 2011 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Februar 2012
Autor
Sarah Litzsinger
Regisseur
Julian Simpson

Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x05

Darsteller
Rolle

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