Doctor Who 6x03

Seit Johnny Depp mit „Fluch der Karibik“ auf die Leinwand gekommen ist, haben Piratengeschichten mit übernatürlichem Einschlag wieder Oberwasser. An diese Entwicklung knüpft auch die Doctor Who-Folge The Curse of the Black Spot an.
Der Doctor (Matt Smith) landet gemeinsam mit Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) auf einem Piratenschiff, welches von einer unheimlichen Sirene (Lily Cole) heimgesucht wird. Jedes Besatzungsmitglied, welches irgendeine Verletzung erleidet, findet auf einmal eine schwarze Markierung in der Handfläche vor - und fühlt sich beim Erscheinen besagter Sirene zu ihr hingezogen, auch wenn jede Berührung von ihr die körperliche Auflösung bedeutet.
Die Folge ist solide erzählt, kann jedoch an den grandiosen Staffelauftakt der beiden Vorwochen (The Impossible Astronaut (1)/Day of the Moon (2)) nicht anknüpfen. Die Frau (Androidin?) mit der metallenen Augenklappe und der fluktuierende Schwangerschafts-Scan von Amy erinnern uns zwar an die fortlaufende Geschichte, bieten aber letztlich keine neuen Informationen.
Primär ist The Curse of the Black Spot ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, welches zwei sehr schöne Einfälle miteinander kombiniert: das Alien-Raumschiff und das menschliche Piratenschiff, die auf unterschiedlichen dimensionalen Ebenen den gleichen Raum einnehmen. Und natürlich das automatische Arzt-Programm der außerirdischen Krankenstation, welches unwillkürlich an Star Trek Voyager erinnert (wobei Lily Cole eine durchaus attraktive Alternative zu Robert Picardo darstellt).
Die Folge glänzt neben dem Schiffs-Setting vor allem durch die hochkarätigen Gaststars: Neben dem britischen Star-Model Lily Cole ist dabei insbesondere Hugh Bonneville zu nennen, der spätestens seit dem großen Erfolg des ITV-Dramas Downton Abbey zu den populärsten TV-Darstellern der Insel gehört. Für die BBC spielte er außerdem kürzlich in der Comedy-Serie Twenty Twelve mit, an der auch ein früherer Doctor Who-Darsteller mitwirkt: Erzählerstimme in der überaus witzigen Mockumentary ist Doctor Nr. 10 David Tennant.
Für Fans von Doctor Who-Showrunner gibt es darüber hinaus noch einen bemerkenswerten Gastauftritt: Lee Ross („Der englische Patient“), der durch Moffats allererste TV-Serie Press Gang bekannt geworden ist, spielt in The Curse of the Black Spot die Rolle des Bootsmanns.
Nach den zahlreichen WTF-Momenten der beiden vorangegangenen Folgen geht es in der von Steve Thompson (Sherlock) verfassten Episode deutlich ruhiger zu - mit weniger ausgeprägten dramaturgischen Höhepunkten. Deshalb stechen einem möglicherweise auch die Schwächen der Folge eher ins Auge.
Auf der handwerklichen Seite wäre da vor allem die mangelnde Synchronität zwischen Lily Coles Lippenbewegungen und dem Sirenengesang zu nennen. Auf der inhaltlichen Seite hätte man sich eine Vertiefung der Figur von Captain Avery gewünscht. Dass er nur wegen des Goldes Pirat geworden sein soll, lässt ihn leider etwas verflachen. Dadurch verliert auch die (ansonsten eigentlich sehr schön gedachte) Wendung am Ende mit den pirates in space ein wenig an Wirkung.
Sehr gewagt ist die Handlungsweise des Doctors, als er sich selbst verletzt - in der Hoffnung, dass die Sirene ihre Opfer in Wahrheit nicht tötet. Seine Überlegungen erscheinen ausgesprochen spekulativ. Dafür, dass die Sirene etwas anderes als eine Jägerin ist, hatte es zuvor nicht den geringsten Hinweis gegeben. Deshalb wirkt die Auflösung leider etwas aus dem Hut gezaubert.
Fazit
Die Atmosphäre der Episode stimmt, ebenso die witzigen one-liner („Yo-ho-ho! Or does nobody actually say that?“). Die ein oder andere Schwäche führt jedoch dazu, dass The Curse of the Black Spot zwar eine durchaus unterhaltsame, aber keine überragende Folge von Doctor Who ist.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 9. Mai 2011(Doctor Who 6x03)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x03
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