Doctor Who 6x02

Doctor Who 6x02

In Sachen Horror und Abenteuer knüpft Day of the Moon nahtlos an die vorangegangene Folge von Doctor Who an. Nur eins gilt es zu beachten: Für einen verlässlichen Schwangerschafts-Test sollte man vielleicht doch die Apotheke aufsuchen!

Mark Sheppard macht seinem Ruf als „bad guy“ auch in „Doctor Who“ alle Ehre. Zumindest vorübergehend. / (c) BBC
Mark Sheppard macht seinem Ruf als „bad guy“ auch in „Doctor Who“ alle Ehre. Zumindest vorübergehend. / (c) BBC

Rasant“ war eines der Adjektive, mit dem man den Auftakt der sechsten Staffel von Doctor Who, The Impossible Astronaut (1), sehr gut beschreiben konnte. Genau so rasant geht es auch in der Fortsetzung des Zweiteilers weiter. Gleich in den ersten fünf Minuten werden wir Zeuge, wie Canton (Mark Sheppard) die Begleiter des Doctors (Matt Smith) scheinbar jagt und tötet, während der Time Lord selbst im ultimativen Gefängnis in Area 51 eingemauert wird. Das alles ist jedoch nur ein Trick, um heimlich und unbemerkt ermitteln zu können, was es mit den sinisteren Aliens auf sich hat.

Dieses löschen sich nicht nur automatisch aus dem Gedächtnis des Betrachters, sobald man sie nicht mehr anschaut, sondern sind auch noch in der Lage, die Menschen mit einer Art post-hypnotischem Befehl zu kontrollieren. Der Doctor wäre allerdings nicht der Doctor, wenn er nicht einen cleveren Weg fände, um die größte Waffe der Aliens gegen sie selbst zu wenden, indem er eine aus dem Zusammenhang gerissene Videoaufnahme von einem Außerirdischen („You should kill us all on sight“) in die Übertragung der Mond-Landung einschmuggelt - und damit alle Menschen zu einer Armee gegen die Aliens mobilisiert.

Das ist eine grandiose Wende, die - ohne dass es der Zuschauer überhaupt ahnt - bereits im Teaser vorbereitet wird („It's Neil Armstrong's foot“). Der Doctor kann hier wieder einmal mit seiner intellektuellen Überlegenheit glänzen, was nicht zuletzt deshalb so großen Spaß bereitet, weil das Wirken der Aliens (vor allem in den unheimlich düsteren Szenen im Waisenhaus) wahrhaft beängstigend ist. Entsprechend groß ist die Erleichterung darüber, als es dem Doctor gelingt, das Blatt zu wenden.

Die Konfrontation zwischen dem Doctor und den Aliens gerät zu einem der dichtesten und packendsten Höhepunkte, die den Machern von Doctor Who seit langer Zeit gelungen ist: Er verbindet die intellektuelle Brillanz und den Witz des Doctors mit dem fast tänzerischen Flirt zwischen ihm und River Song (Alex Kingston), dem emotional bewegenden Moment, als Rory (Arthur Darvill) klar wird, dass Amy (Karen Gillan) zuvor von ihm und nicht vom Doctor geschwärmt hat, und schließlich natürlich die Laser-Schießerei, in der River mit einem Rundumschlag sämtliche Gegner niedermäht.

Die Sequenz ist - ebenso wie vorher beispielsweise die Helikopter-Aufnahmen in Utah - visuell sehr eindrucksvoll aufgelöst. Mit den bescheidenen Mitteln einer TV-Produktion gelingt es Doctor Who hier, über die Bilder ein Gefühl von Größe und Geschwindigkeit zu transportieren.

Wie schon in The Impossible Astronaut (1) ist Rory auch in Day of the Moon (2) an der emotional tiefschürfendsten Konversation beteiligt. Erstmals gewinnt man den Eindruck, dass Rory nicht nur als Amys Ehemann (also als eine Art Anhängsel) in der TARDIS mitfliegt, sondern auch weil er um seiner selbst wegen für den Doctor von Interesse ist.

Für den comic relief ist derweil Präsident Richard Nixon (Stuart Milligan) zuständig, der den Doctor und Canton qua Befehlsgewalt als commander in chief aus brenzligen Situationgen befreit, um ein gewisses Interview mit David Frost in der Zukunft aber nicht herumkommen wird. Gleichzeitig nutzt Autor Steven Moffat die letzte Szene mit Nixon für ein geschickt in den Dialog verpacktes Bekenntnis zur Schwulenehe. Ob verheiratet oder nicht - von Mark Sheppard werden wir in dieser Staffel hoffentlich noch mehr sehen.

Der Handlungsstrang um die Invasion der Aliens wird (vorerst) aufgelöst. Gleichzeitig lässt der Eröffnungszweiteiler für den Rest der Staffel zahlreiche Mysterien offen: Was hat es mit Amys Schwangerschaft auf sich, die laut TARDIS zwischen Existenz und Nicht-Existenz fluktuiert? Ist das Mädchen im Raumanzug tatsächlich Amys Tochter?

Aber wie kann sie gleichzeitig ein Time Lord sein? Letzteres suggeriert auf jeden Fall der Cliffhanger, mit dem die Folge zu Ende geht. Plus: Wie kommt es, dass sich der Doctor nicht erinnert, in welche Richtung sich seine Beziehung zu River Song entwickelt hat? Es gibt also Einiges, worüber die Fans in den kommenden nachdenken können.

Einziges Manko von Day of the Moon (2): Die Enthüllung, dass es sich bei den Aliens um „die Stille“ handelt, von der bereits in der letzten Staffel die Rede war. Wieso sollten Außerirdische, die ganz klar Geräusche von sich geben, „die Stille“ heißen? Wieso war in Anwesenheit der Aliens nichts von der Stille zu hören, die sich am Ende von The Vampires of Venice ausgebreitet hat und die viel besser zu der Aussage „Silence will fall“ passte als ein paar Aliens in Anzügen?

Ein wenig könnte man an dieser Stelle den Eindruck gewinnen, dass Mr. Moffat im letzten Jahr selbst noch nicht genau wusste, was es eigentlich mit der Stille auf sich hat, er dann auf die unheimlichen, sich aus dem Gedächtnis löschenden Aliens kam - und beschlossen hat, einfach beides miteinander zu verbinden. Sollte sich dieser Verdacht als unzutreffend erweisen, dann würde Day of the Moon (2) natürlich noch nachträglich die volle Punktzahl erhalten. So muss ich jedoch vorerst einen halben Stern zurückhalten.

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 2. Mai 2011
Episode
Staffel 6, Episode 2
(Doctor Who 6x02)
Deutscher Titel der Episode
Tag des Mondes
Titel der Episode im Original
Day of the Moon
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 30. April 2011 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 8. Februar 2012
Autor
Gary Coleman
Regisseur
Toby Haynes

Schauspieler in der Episode Doctor Who 6x02

Darsteller
Rolle

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