Doctor Who 5x13

Doktor: „Hello, everyone! I am Amy's imaginary friends. But I came anyway.“
Inhalt
Das Universum ist nach der Explosion der TARDIS kollabiert, sämtliche Sterne sind zur Supernova geworden und vergangen. Lediglich die Erde existiert noch, weil sie im „Auge des Sturms“ liegt. Doch auch dieses Auge wird immer kleiner.
Mehr noch als das Ende des Universums betrauert Plastik-Rory den Verlust seiner Freundin Amy, die er in The Pandorica Opens (1) selbst unter Einfluss des Nesteen-Bewusstseins getötet hat. Er weiß, nur ein Wunder kann die Situation jetzt noch retten. Da taucht auf einmal der Doktor aus der Zukunft auf - und gibt ihm seinen Sonic Screwdriver. Mit der Instruktion, ihn aus der Pandorica zu befreien und Amy darin zu deponieren. Denn die Pandorica ist nicht nur als das ultimative Gefängnis, sondern gleichzeitig auch als das ultimative Lebenserhaltungssystem konstruiert. Sobald die Pandorica mit Amys DNA in Berührung komme, werde sie wieder vollständig hergestellt.
Das zu erreichen erfordert jedoch eine ausgeklügelte Planung. Während Plastik-Rory bei Amy und der Pandorica bleibt, um sie die nächsten 2000 Jahre über zu beschützen, reist der Doktor mit Rivers Vortex-Manipulator in die Zukunft, wo die kleine Amelia von Sternen träumt, die am Himmel gar nicht zu sehen sind. Denn die Sterne sind ja bekanntlich erloschen - und nur Gegenstand alter Geschichten. Durch einen Flyer, der eines Abends mysteriöserweise durch ihren Briefschlitz geschoben wird (dahinter steckt natürlich der Doktor), besucht Amelia gemeinsam mit ihrer Tante das Nationalmuseum, in dem die Pandorica bewahrt wird. Und nicht nur sie: Es gibt dort auch zwei versteinerte Daleks.
Durch einen Notizzettel an der Pandorica bringt der Doktor die kleine Amelia dazu, ihrer Tante zu entwischen - und sich nachts im Museum einschließen zu lassen. Wo eine Berührung von ihr die Pandorica dazu bringt, sich zu öffnen - und die erwachsene Amy bei bester Gesundheit freizugeben. Und Amy kommt gerade im richtigen Augenblick. Denn durch das Licht der Pandorica erwachen auch die Daleks wieder zum Leben. Gut, dass in diesem Augenblick nicht nur der Doktor auftaucht, sondern auch Plastik-Rory, der in seinem Arm immer noch eine Kanone stecken hat.

(c) BBC
Endlich wieder mit seinen Begleitern vereint nutzt der Doktor die Gelegenheit nicht nur für modische Experimente, sondern auch für einen kurzen Trip in die Vergangenheit, um Rory dort die Anweisung für die Befreiung aus der Pandorica zu geben. Es dauert nicht lange und sie erhalten selbst Besuch aus der Zukunft: Es ist der Doktor selbst, der in zwölf Minuten von den Daleks niedergeschossen werden wird.
Nachdem die kleine Amelia der Nicht-Existenz des kollabierenden Universums zum Opfer gefallen ist, machen sich der Doktor, Amy und Plastik-Rory auf die Suche nach einer Möglichkeit, den Effekt umzukehren. Dabei entdeckt der Doktor, dass das, was die Menschen in den letzten 2000 Jahren für die Sonne gehalten haben, in Wahrheit die explodierende TARDIS ist, in der River nach wie vor in einer Zeitschleife festsitzt. Der Doktor holt sie heraus. Und kommt auf einen verblüffenden Plan: Die Pandorica enthält in sich - auf atomarem Level - die gesamte Geschichte des Universums. Fliegt man die Pandorica nun ins Innere der TARDIS-Explosion, die jeden Punkt in Raum und Zeit erreicht, müsste das die Wirkung eines zweiten Urknalls haben. Die Geschichte des Universums, wie wir sie kennen, müsste auf diese Weise wiederhergestellt werden. Unglücklicherweise wird der Doktor in diesem Augenblick von einem Dalek getroffen - und reist zwölf Minuten in die Vergangenheit.
Ein gutes Ablenkungsmanöver. Denn der Doktor, der zwölf Minuten in die Vergangenheit gereist ist, war überhaupt nicht tot, sondern hat die Zeit genutzt, um sich über den Vortex-Manipulator mit der Pandorica zu verbinden. Wenn sein Plan funktioniert, werden sich alle Risse im Universum schließen. Mit einem unangenehmen Nebeneffekt: Er wird auf der anderen Seite der Risse gefangen sein - in einem Raum der Nicht-Existenz. Es wird ihn niemals gegeben haben - und niemand wird sich an ihn erinnern können. Seine einzige Hoffnung ist Amy. Von Kindesbeinen an hat der Riss Dinge aus ihrem Leben getilgt, ihre Eltern zum Beispiel. Trotzdem ist es ihr gelungen, sich an Rory wieder zu erinnern. Sollte es ihr auch im Falle des Doktors gelingen, wäre seine Existenz dadurch wieder gesichert.
Der Doktor fliegt mit der Pandorica in die Explosion und erlebt dadurch zahlreiche Begebenheiten seiner jüngeren Vergangenheit rückwärts. Dabei stellt er fest, das Amy ihn in diesen kurzen Augenblicken, die er in jedem Zeitabschnitt verbringt, hören kann. Er nutzt das, um in Flesh and Stone (2) Amy in dem Augenblick, als sie die Augen geschlossen halten musste (und damit nicht feststellen konnte, dass es auf einmal zwei Doktoren gibt...), noch einmal eindringlich in Erinnerung zu rufen, dass sie sich unbedingt erinnern muss.

(c) BBC
Bumm! Urknall Nr. 2. Die Sterne sind wieder am Himmel. Und Amy hat auf einmal Vater und Mutter. Es ist der Tag ihrer Hochzeit. Und sie weiß, dass es irgendetwas gibt, das sie vergessen hat. Da sieht sie auf einmal am Fenster eine Frau vorübergehen. Es ist River, die für sie ein blaues Notizbuch dagelassen hat, in dem jedoch absolut nichts drinsteht. Amy sieht einen Mann mit Fliege, einen anderen mit Hosenträgern. Und sie erinnert sich an den alten Hochzeitsbrauch, dass man unbedingt etwas Neues, etwas Altes, etwas Geliehenes und etwas Blaues braucht! Sehr zur Verblüffung der Hochzeitsgäste ruft Amy nach ihrem imaginären Freund, der kurze Zeit später auch tatsächlich in seiner TARDIS erscheint.
Sie hat es geschafft. Der Doktor ist wieder zurück, weil sie sich an ihn erinnert hat. Die Hochzeitsfeier nimmt ihren Lauf. Am Ende trifft der Doktor draußen auf River, der er das - wieder voll beschriebene - Notizbuch zurückgibt. Und ein Gespräch führt, an dessen Ende weniger denn je klar ist, wer River ist. Nur so viel steht fest: Er werde es bald herausbekommen. Und dann werde sich alles ändern. Mit diesen Worten entschwindet sie. Und auch der Doktor könnte sich in seiner TARDIS auf den Weg machen. Doch Amy und Rory denken gar nicht daran, ihren Freund allein durchs Universum fliegen zu lassen. Zumal die Gefahr für ihn immer noch nicht gebannt ist: Schließlich weiß er immer noch nicht, wer oder was die TARDIS eigentlich zur Explosion gebracht hat.
Etwas Ablenkung von diesen Problemen verspricht ein Anruf von einer königlichen Hoheit, die den Doktor dringend um Hilfe in einer wichtigen Angelegenheit ersucht: Offensichtlich ist eine ägyptische Göttin im Orient-Express unterwegs. Und dieser scheint einen kleinen Umweg durch den Weltraum genommen zu haben.
Näheres dazu werden wir sicherlich an Weihnachten erfahren...
Kritik
Das war es also, das Finale der aktuellen Staffel von Doctor Who. Und es lässt die Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück. Vor allem hinsichtlich des Drehbuchs von Chefautor Steven Moffat. Einerseits ist es so dermaßen clever, ja brillant, dass man vor Moffat auf die Knie gehen möchte. Einfach fantastisch, wie er es schafft, von The Eleventh Hour ausgehend den Bogen zum Finale zu schlagen! Das große Haus, die fehlenden Eltern, die Hochzeit - alles wird aufgegriffen und zu einem perfekten Abschluss gebracht.

(c) BBC
Auch die merkwürdig eindringliche Szene zwischen dem Doktor und Amy in Flesh and Stone (2) erhält eine völlig neue Dimension. Hier hatten alle Recht, die gleich geahnt haben, dass es sich um keinen Continuity-Fehler handelte, als Matt Smith auf einmal wieder sein Jackett trug, nachdem er es doch in der besagten Folge zuvor ausgezogen hatte.
Wunderbar aufgelöst und von unbeschreiblicher Komik sind natürlich auch die Zeitreise-Eskapaden in The Big Bang (2). Überaus geschickt liefert Moffat durch die zufällig aufgelesenen Accessoires des Doktors (das Fez, den Wischmop) dem Zuschauer Hinweise, die ihm dabei helfen, in dem sonst verwirrenden Zeitreise-Spiel die geistige Oberhand zu behalten.
Diesem genialen Einerseits steht leider ein Andererseits gegenüber. Und das sind Elemente des Drehbuchs, die so ganz und gar nicht clever sind. Das fängt an mit Moffats fatalem Hang zu „TimeyWimey“-Lösungen. Wann immer er nicht weiter weiß, wird einfach das Kausalitäts-Prinzip verletzt. Der Doktor kommt aus der Zukunft, um Rory dabei zu helfen, ihn, also den Doktor, aus der Pandorica zu befreien, so dass er in die Zukunft reisen und von dort aus Rory helfen kann, ihn, also den Doktor aus der Pandorica zu befreien, so dass... und so weiter.
Dann und wann ist das ja ganz witzig. Es darf nur kein wiederkehrendes Erzählprinzip werden. Denn in dem Maße, in dem die kausale Konsequenz verloren geht, geht natürlich auch die Spannung über Bord.
Darüber, dass die Erde als „Auge des Sturms“ das Ende des Universums übersteht, muss wohl kein Wort verloren werden: Diese Erklärung kommt so dermaßen ad hoc daher (von der Sonne, die ebenfalls hätte explodieren und die Erde in den Tod reißen müssen, einmal ganz zu schweigen), dass hier der suspense of disbelief doch ganz erheblich strapaziert wird.

(c) BBC
Umgekehrt erstaunt es etwas, dass niemand auf die Idee kommt, die Pandorica zu schließen, nachdem doch bekannt ist, dass es eben das Licht der Pandorica ist, welches die Daleks immer wieder zum Leben erweckt. Für die Spannung und den Handlungsdruck ist das natürlich gut, für die Logik dagegen eher weniger.
Durchweg gelungen ist die Folge dagegen auf emotionalem Gebiet: Sei es der Monolog, den der Doktor an Amelias Bett führt, als er glaubt, dass er in Kürze nur noch Geschichte sein wird, sei es sein Verhältnis zu River Song, die durch The Big Bang (2) sogar noch einmal geheimnisvoller geworden ist: Denn sie hat den Doktor ja offensichtlich auch nach dem „Reboot“ des Universums nicht vergessen. Ist das nun der Beweis dafür, dass sie ein Time Lord (eine Time Lady) ist?
Ein Novum in „New Who“: Erstmals wird der fortlaufende Handlungsstrang am Ende der Staffel nicht vollständig aufgelöst. Denn nach wie vor unklar ist, wer oder was die Explosion der TARDIS überhaupt verursacht hat. Man darf also auf die nächste Staffel gespannt sein.
Die Geschichte mit der ägyptischen Göttin im Orient-Express, von der am Ende die Rede ist, klingt sehr nach dem Weihnachts-Special. Damit stellt sich natürlich die Frage, wann und wie der Auftritt von Matt Smith als elfter Doktor bei The Sarah Jane Adventures auf dem Zeitstrahl des „Whoniverse“ verortet wird. Die Antwort erfahren wir wohl im Herbst, wenn es das nächste Wiedersehen mit dem Doktor in SJA gibt.
Fazit
Ein manchmal vielleicht etwas kompliziertes, trotzdem sehr unterhaltsames Staffelfinale, dessen erzählerische Genialität von einigen Aussetzern getrübt, aber nicht überdeckt werden kann.

(c) BBC

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(Doctor Who 5x13)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?