Doctor Who 5x14

Doctor Who 5x14

Wieder einmal war Doctor Who fĂŒr die BBC ein Quotengarant am Weihnachtstag: 10,3 Millionen Zuschauer wollten die SciFi-Version des Dickens'schen Klassikers A Christmas Carol sehen. Ob sie ihnen jedoch auch gefallen hat?

Warten sie darauf, dass „A Christmas Carol“ durch ein Weihnachtswunder eine stringentere Handlung bekommt? / (c) BBC
Warten sie darauf, dass „A Christmas Carol“ durch ein Weihnachtswunder eine stringentere Handlung bekommt? / (c) BBC

Inhalt

Amy und Rory sind wĂ€hrend ihrer Hochzeitsreise auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, welches in der AtmosphĂ€re eines Planeten in ungeahnte Turbulenzen gerĂ€t. Das Schiff ist außer Kontrolle - und wird in etwa einer Stunde auf der OberflĂ€che aufschlagen. Wenn es Amy nicht gelingt, den Doktor zu Hilfe zu rufen.

Dieser reagiert auf ihr Signal zwar bemerkenswert pĂŒnktlich, ist jedoch zunĂ€chst keine große Hilfe. Er kann das Schiff mit der TARDIS nicht aus dem Wolkenwirbel ziehen. Als er herausfinden will, was hinter den Turbulenzen steckt, entdeckt er auf der ObeflĂ€che des Planeten eine menschliche Kolonie, in der - PrĂ€sidenten hin oder her - Kazran Sardick (Michael Gambon) das Sagen hat.

Sardick kontrolliert nĂ€mlich die Wolken - und die daran befindlichenen frei in der AtmosphĂ€re schwebenden Fische. Einschließlich der Haie! Sardicks Vater hatte eine Maschine gebaut, die entsprechende Schwingungen erzeugt. Nur Sardick kann - wie vorher sein Vater - die Maschine bedienen, da sie auf seine Gehirnwellen geeicht ist.

Und Sardick stört sich nicht im Geringsten daran, dass mehr als 4000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff in den Tod stĂŒrzen werden. Wie er auch sonst ein gefĂŒhlskalter Grobian ist, der nichts fĂŒr andere ĂŒbrig hat.

Der Doktor merkt jedoch, dass auch in Kazran ein guter Kern steckt. Deswegen macht er sich als „Geist der vergangenen Weihnachten“ daran, ihn von Kindesbeinen an zu einem besseren Menschen zu machen. Das geht eine Weile gut, bis Kazran sich als junger Mann in die schöne KĂ€lteschlĂ€ferin Abigail verliebt, die jedoch ein trauriges Geheimnis in sich trĂ€gt...

Kritik

Vielleicht hat Steven Moffat schon geahnt, dass etwas schief gelaufen ist. Deshalb hat er im Vorfeld von A Christmas Carol immer wieder erzĂ€hlt, wie schwierig es gewesen sei, sich - gefangen durch den Vulkanausbruch im letzten FrĂŒhjahr - in Los Angeles auf das Schreiben einer Weihnachtsfolge einzustimmen.

Mit A Christmas Carol zeigt Moffat, was Scheitern auf hohem Niveau bedeutet. Die Folge ist randvoll gepackt mit brillanten EinfĂ€llen: Angefangen beim ehelichen Rollenspiel der Ponds ĂŒber das Foto des Doktors mit Einstein und dem Weihnachtsmann, sorry: Jeff, die Fehlfunktion des psychischen Papiers („Finally, too big a lie...“) bis hin zur Heirat (?) mit Marilyn Monroe.

Ebenfalls ĂŒberaus gelungen ist der Auftritt des Doktors als Geist der vergangenen Weihnacht: Vor allem der Moment, in dem der Doktor in Kazrans Vergangenheit reist - und dieser in der Gegenwart anhand einer Filmaufnahme beobachten kann, wie sich seine eigenen Erinnerungen verĂ€ndern.

Der Witz und Einfallsreichtum, den man von Moffat kennt - sie sind in A Christmas Carol klar und deutlich vorhanden. Trotzdem ist es das bislang schlechteste, weil langweiligste Weihnachtsspecial von Doctor Who.

Denn bei aller Brillanz hat Moffat eins vergessen: Die dramaturgische Struktur. Die geht nĂ€mlich beim Versuch, den Weihnachtsklassiker „A Christmas Carol“ von Charles Dickens in eine Doctor Who-Folge zu transformieren, vollkommen verloren. Eine Last Minute Rescue und ein Bildungsroman - sie gehen einfach nicht zusammen. Manche Szenen (wie die mit dem Doktor als Ersatz-Weihnachtsmann im Haitier-Schlitten) scheinen ebenso plan- wie ziellos aneinandergereiht. Aus dem roten Faden hat Moffat dem Doktor wohl die WollmĂŒtze gestrickt.

Gleichzeitig verliert der Autor auch aus dem Blick, wer ĂŒberhaupt die Hauptfigur dieser Folge ist: der Doktor? Kazran? Abigail? Amy und Rory sind es auf jeden Fall nicht. Die beiden geraten so weit an den Rand, dass ihre Beteiligung an der Episode (von der Aufnahme von Arthur Darvill im Vorspann einmal abgesehen) kaum noch wahrnehmbar ist.

Zum mangelnden Fokus gesellen sich dann auch noch logische SchwĂ€chen: Wenn meine Freundin sterbenskrank wĂ€re, wĂŒrde ich dann nicht den Typ mit der Zeitmaschine fragen, ob er vielleicht irgendwie helfen kann? Ich glaube schon. Das Verhalten, das Kazran hier an den Tag legt, ergibt keinerlei Sinn.

In Los Angeles sollte Steven Moffat besser nicht mehr schreiben. Seiner Konzentration tut es offensichtlich nicht gut.

Fazit

Groß war meine Vorfreude auf das erste Weihnachtsspecial aus der Feder von Steven Moffat. Genau so groß ist jetzt die EnttĂ€uschung. Toll sind die EinfĂ€lle, toll sind die Spezialeffekte. Toll ist auch der Gesang von Sopranistin Katherine Jenkins. Gar nicht toll hingegen ist die absolut nicht packende Komposition der Folge, die den Zuschauer mehr irritiert als inspiriert zurĂŒcklĂ€sst. Hoffen wir, dass es nur ein Ausrutscher war - und die sechste Staffel auch vom Plot her wieder die gewohnte Moffat'sche QualitĂ€t aufweist. Der Trailer sieht auf jeden Fall schon mal vielversprechend aus.1

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 27. Dezember 2010
Episode
Staffel 5, Episode 14
(Doctor Who 5x14)
Deutscher Titel der Episode
Fest der Liebe
Titel der Episode im Original
A Christmas Carol
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 25. Dezember 2010 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 1. Februar 2012

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