Doctor Who 5x14
Inhalt
Amy und Rory sind während ihrer Hochzeitsreise auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, welches in der Atmosphäre eines Planeten in ungeahnte Turbulenzen gerät. Das Schiff ist außer Kontrolle - und wird in etwa einer Stunde auf der Oberfläche aufschlagen. Wenn es Amy nicht gelingt, den Doktor zu Hilfe zu rufen.
Dieser reagiert auf ihr Signal zwar bemerkenswert pünktlich, ist jedoch zunächst keine große Hilfe. Er kann das Schiff mit der TARDIS nicht aus dem Wolkenwirbel ziehen. Als er herausfinden will, was hinter den Turbulenzen steckt, entdeckt er auf der Obefläche des Planeten eine menschliche Kolonie, in der - Präsidenten hin oder her - Kazran Sardick (Michael Gambon) das Sagen hat.
Sardick kontrolliert nämlich die Wolken - und die daran befindlichenen frei in der Atmosphäre schwebenden Fische. Einschließlich der Haie! Sardicks Vater hatte eine Maschine gebaut, die entsprechende Schwingungen erzeugt. Nur Sardick kann - wie vorher sein Vater - die Maschine bedienen, da sie auf seine Gehirnwellen geeicht ist.
Und Sardick stört sich nicht im Geringsten daran, dass mehr als 4000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff in den Tod stürzen werden. Wie er auch sonst ein gefühlskalter Grobian ist, der nichts für andere übrig hat.
Der Doktor merkt jedoch, dass auch in Kazran ein guter Kern steckt. Deswegen macht er sich als „Geist der vergangenen Weihnachten“ daran, ihn von Kindesbeinen an zu einem besseren Menschen zu machen. Das geht eine Weile gut, bis Kazran sich als junger Mann in die schöne Kälteschläferin Abigail verliebt, die jedoch ein trauriges Geheimnis in sich trägt...
Kritik
Vielleicht hat Steven Moffat schon geahnt, dass etwas schief gelaufen ist. Deshalb hat er im Vorfeld von A Christmas Carol immer wieder erzählt, wie schwierig es gewesen sei, sich - gefangen durch den Vulkanausbruch im letzten Frühjahr - in Los Angeles auf das Schreiben einer Weihnachtsfolge einzustimmen.
Mit A Christmas Carol zeigt Moffat, was Scheitern auf hohem Niveau bedeutet. Die Folge ist randvoll gepackt mit brillanten Einfällen: Angefangen beim ehelichen Rollenspiel der Ponds über das Foto des Doktors mit Einstein und dem Weihnachtsmann, sorry: Jeff, die Fehlfunktion des psychischen Papiers („Finally, too big a lie...“) bis hin zur Heirat (?) mit Marilyn Monroe.
Ebenfalls überaus gelungen ist der Auftritt des Doktors als Geist der vergangenen Weihnacht: Vor allem der Moment, in dem der Doktor in Kazrans Vergangenheit reist - und dieser in der Gegenwart anhand einer Filmaufnahme beobachten kann, wie sich seine eigenen Erinnerungen verändern.
Der Witz und Einfallsreichtum, den man von Moffat kennt - sie sind in A Christmas Carol klar und deutlich vorhanden. Trotzdem ist es das bislang schlechteste, weil langweiligste Weihnachtsspecial von Doctor Who.
Denn bei aller Brillanz hat Moffat eins vergessen: Die dramaturgische Struktur. Die geht nämlich beim Versuch, den Weihnachtsklassiker „A Christmas Carol“ von Charles Dickens in eine Doctor Who-Folge zu transformieren, vollkommen verloren. Eine Last Minute Rescue und ein Bildungsroman - sie gehen einfach nicht zusammen. Manche Szenen (wie die mit dem Doktor als Ersatz-Weihnachtsmann im Haitier-Schlitten) scheinen ebenso plan- wie ziellos aneinandergereiht. Aus dem roten Faden hat Moffat dem Doktor wohl die Wollmütze gestrickt.
Gleichzeitig verliert der Autor auch aus dem Blick, wer überhaupt die Hauptfigur dieser Folge ist: der Doktor? Kazran? Abigail? Amy und Rory sind es auf jeden Fall nicht. Die beiden geraten so weit an den Rand, dass ihre Beteiligung an der Episode (von der Aufnahme von Arthur Darvill im Vorspann einmal abgesehen) kaum noch wahrnehmbar ist.
Zum mangelnden Fokus gesellen sich dann auch noch logische Schwächen: Wenn meine Freundin sterbenskrank wäre, würde ich dann nicht den Typ mit der Zeitmaschine fragen, ob er vielleicht irgendwie helfen kann? Ich glaube schon. Das Verhalten, das Kazran hier an den Tag legt, ergibt keinerlei Sinn.
In Los Angeles sollte Steven Moffat besser nicht mehr schreiben. Seiner Konzentration tut es offensichtlich nicht gut.
Fazit
Groß war meine Vorfreude auf das erste Weihnachtsspecial aus der Feder von Steven Moffat. Genau so groß ist jetzt die Enttäuschung. Toll sind die Einfälle, toll sind die Spezialeffekte. Toll ist auch der Gesang von Sopranistin Katherine Jenkins. Gar nicht toll hingegen ist die absolut nicht packende Komposition der Folge, die den Zuschauer mehr irritiert als inspiriert zurücklässt. Hoffen wir, dass es nur ein Ausrutscher war - und die sechste Staffel auch vom Plot her wieder die gewohnte Moffat'sche Qualität aufweist. Der Trailer sieht auf jeden Fall schon mal vielversprechend aus.1
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 27. Dezember 2010(Doctor Who 5x14)
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