Doctor Who 5x10

Inhalt
Bei einem Ausflug in ein Pariser Kunstmuseum machen der Doktor und Amy eine erstaunliche Entdeckung: Hinter einem der Kirchenfenster in Vincent van Goghs Gemälde Die Kirche von Auvers verbirgt sich eine böse Fratze. Der Doktor verliert keine Zeit - und begibt sich auf der Stelle nach Frankreich ins Jahr 1890, um den Maler höchstpersönlich wegen der Kreatur im Fenster anzusprechen.
Wie sich herausstellt, ist die Geschichte vom armen Künstler keineswegs übertrieben: Im örtlichen Café (aus Caféterasse bei Nacht) kann van Gogh mit einem seiner - heutzutage für Millionenbeträge gehandelten - Bilder noch nicht einmal seine Zeche bezahlen. Eine Einladung des Doktors lehnt er ab. Ganz anders sieht es jedoch schon bei Amy aus. Im Gespräch stellen sie fest: Van Gogh hat die Kirche von Auvers noch gar nicht gemalt.
Dafür finden sie jedoch schon sehr bald heraus, was es mit dem Monster auf sich hat: Denn im Dorf wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Viele der Bewohner glauben, dass „der Verrückte“, als van Gogh, etwas damit zu tun haben muss. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, ist doch van Gogh, ob seiner einzigartigen Weise, die Welt zu sehen, als einziger in der Lage, das Monster zu sehen - und dagegen zu kämpfen. Selbst der Doktor wird bei der Konfrontation mit dem unsichtbaren Wesen ein ums andere Mal von den Beinen gefegt.
Lediglich eine komplizierte Aparatur mit einem Rückspiegel, ein Geschenk seiner Patentante, kann dem Doktor ein wenig über seinen Nachteil hinweghelfen. Auf diesem Weg findet er wenigstens heraus, dass es sich bei der Kreatur, die sie jagen, um ein Krafayis handelt. Das sind Raubtiere, die im Rudel durchs Universum ziehen. Nur dass dieses Exemplar von seinen Artgenossen offenbar allein zurückgelassen wurde.
Es kostet den Doktor und Amy einige Überzeugungsarbeit, aber schließlich schaffen sie es, Vincent van Gogh zumindest so weit aus seiner Depression zu reißen, dass er sich tatsächlich mit ihnen auf den Weg zu besagter Kirche macht, wo nach einiger Zeit auch das Krafayis auftaucht. Der Doktor denkt, dass er es mit dem Wesen allein aufnehmen kann, was sich jedoch als Irrtum herausstellt. Nur Vincent ist dem Krafayis gewachsen.
Spät, viel zu spät merken sie, dass der Grund, warum die Kreatur zurückgelassen wurde und offenbar verängstigt durch die Gegend irrt, der ist, dass es blind (und damit für die Jagd nicht mehr geeignet ist). Der Doktor kann das Wesen nur noch beruhigen, als es - nach Vincents Todesstoß - seinen letzten Atem tut.
Damit wäre das Abenteuer eigentlich schon vorbei: Doch der Doktor will van Gogh nicht einfach wieder seiner Depression überlassen. Er nimmt ihn gemeinsam mit Amy in der TARDIS nach Paris ins Jahr 2010 mit, wo sie die Van-Gogh-Ausstellung im Museum besuchen. Während Vincent unerkannt daneben steht, lässt sich der Doktor vom Kurator erläutern, warum van Gogh der größte Maler der Geschichte gewesen ist.
Doch die Wirkung hält nicht lange an: Nachdem sie van Gogh wieder in seiner Zeit abgesetzt haben und ins Museum zurückkehren, stellen sie zur großen Enttäuschung Amys fest, dass er keine weiteren Bilder gemalt - und immer noch 1890 Suizid verübt hat. Amy ist untröstlich. Ihr Besuch hat nichts zum Guten geändert. Doch davon ist der Doktor nicht überzeugt. Sie haben dem Stapel der guten Dinge, die van Gogh in seinem Leben passiert sind, eine Kleinigkeit hinzufügt. Der sichtbare Beweis dafür: Auf dem Stilleben mit Sonnenblumen findet sich über der Signatur „Vincent“ nun eine Widmung: „Für Amy“.
Kritik
Wie üblich ist Doctor Who mal wieder für eine Überraschung gut: Wer von Autor Richard Curtis, einem der Miterfinder von Mr. Bean und Verfasser von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ sowie „Notting Hill“, eine leichte SciFi-Komödie erwartet hat, wurde mit Vincent and the Doctor eines Besseren belehrt. Leichte, komödienhafte Elemente sowie spritzige Dialoge gab es zwar auch.
Vor allem aber gab es eine Charakterfolge, in der die Handlung um das blinde Raubtier-Alien fast schon zur Nebensache wurde. Chefautor Steven Moffat hat den Kern der Episode sehr schön zusammengefasst: Der ultimative Optimist, nämlich der Doktor, trifft auf einen der bekanntesten Depressiven der Weltgeschichte.
Das ist für eine Familienserie wie Doctor Who schon starker Tobak. Doch die Folge zieht sich mit großem Anstand aus der Affäre: Es wäre viel zu leicht gewesen, wenn Vincent durch den Blick in die Zukunft - so anrührend die Szene mit dem großartigen Bill Nighy als Kurator auch gestaltet war - geheilt gewesen wäre. Es wäre der Schwere der Situation, mit der Depressionskranke zu kämpfen haben, nicht annähernd gerecht geworden, sondern hätte vielmehr wie ein visualisiertes „Am Ende wird schon alles gut!“ aussehen können.
Umgekehrt konnte die Folge aber auch nicht einfach schonungslos mit dem Selbstmord van Goghs zu Ende gehen. Denn die Botschaft hätte ja kaum sein können, dass es keinen Sinn macht, sich um jemanden in dieser Situation zu bemühen. Entsprechend gelungen war die Lösung, dass der Doktor und Amy zwar eine positive Wirkung auf ihn erzielt - und sein Leben bereichert haben, es jedoch nicht gereicht hat, um ihn dauerhaft zu kurieren. Von der Wirkung auf die Zeitlinie, die dies sonst gehabt hätte, einmal ganz zu schweigen.
Sehr schön waren auch die Anspielungen auf die Ereignisse der vergangenen Folge, als zum Beispiel van Gogh die Traurigkeit in Amy entdeckt - oder der Doktor an einer Stelle den Maler versehentlich mit Rory anspricht.
Etwas weniger gelungen war dagegen, dass der Doktor - nun schon zum wiederholten Male - als der Lage nicht ganz gewachsen gezeigt wurde. Damit soll nun keineswegs dem Doktor als ewigem „Super-Mann“ das Wort geredet werden. Allerdings gab es in der Folge durchaus Augenblicke, in denen er neben dem komplex geschriebenen - und von Tony Curran vorzüglich dargestellten - van Gogh ein wenig zum komischen Sidekick zu mutieren schien, was das andere Extrem ist, in das der Doktor besser nicht fallen sollte.
Ein großes Kompliment geht an Tony Slater Ling, den verantwortlichen Kameramann von Vincent and the Doctor: Eine Folge, die von van Gogh handelt, muss natürlich auch entsprechend visuell glänzen. Dieser Aufgabe wird Ling - angefangen bei den wogenden Weizenähren bis hin zur Licht-und-Schatten-Komposition in der Beichtstuhl-Szene - absolut gerecht. In einem der schönsten Momente der Folge, der eigentlich kaum handlungsrelevant ist, lernen wir sogar, wie van Gogh zu schauen, als mittels CGI sich der nächtliche Sternenhimmel vor den Augen der Figuren in die Sternennacht verwandelt.
Fazit
Kein ganz so starker Plot, dafür eine tolle Charakterfolge, die nebenher auch noch den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag erfüllt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 7. Juni 2010(Doctor Who 5x10)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x10
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