Doctor Who 5x06

Inhalt
Venedig 1580: In dem Glauben, seine Tochter Isabella auf eine der besten Schulen der Stadt zu schicken und damit ihre Zukunft zu sichern, vertraut Schiffsbauer Guido die 17-Jährige der Obhut von Lady Rosanna Calvierri und deren Sohn Francesco an. Tatsächlich wird Isabella auf der Stelle an dem renommierten Institut angenommen. Allerdings macht sie, kaum dass ihr Vater weg ist, eine schreckliche Entdeckung: Denn Francesco und seine Mutter sind Vampire!
Leadworth, England 2010: Rory, Amys Verlobter, feiert gerade seinen Junggesellen-Abschied, als eine Torte hereingeschoben wird, in der jedoch keine Stripperin, sondern der Doktor steckt, welcher dem jungen Bräutigam auch sogleich steckt, dass seine Gattin in spe versucht hat, ihn zu küssen. Rory und seine Freunde nehmen diese Nachricht nicht gerade mit Begeisterung auf.
Doch der Doktor hat einen Plan, wie er das junge Paar wieder einander näher bringen kann. Er lädt die beiden zu einem Trip in der TARDIS nach Venedig ein. Tatsächlich landen die Drei im Jahr 1580 - und werden auch schon kurz nach ihrer Ankunft Zeugen, wie Guido verzweifelt nach seiner Tochter sucht und dabei die Gesichtsschleier einer Gruppe von Schülerinnen lüftet, bis er von einer der jungen Damen angefaucht wird, wobei sie ihr Vampirgebiss enthüllt.
Der Doktor, der das alles nur aus der Ferne verfolgt hat, macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Guido. Von ihm erfährt er, dass etwas Rätselhaftes in der Schule von Lady Rosanna vorgeht: Seine eigene Tochter habe ihn nicht mehr erkannt. Mit einem Ablenkungsmanöver hilft Guido dem Doktor, in den Palast von Lady Rosanna einzudringen. Dort stößt er auf einige junge Damen, die keine Reflektion im Spiegel hervorrufen, dafür aber über ein umso ausgeprägteres Gebiss verfügen - und den Doktor zum Rückzug drängen.
Amy und Rory haben unterdessen Schwierigkeiten, so etwas wie eine romantische Stimmung zu entwickeln. Die Tatsache, dass Amy mit dem Doktor weggelaufen ist - und ihn sogar geküsst hat, liegt wie eine dunkle Wolke über ihnen. Da kommt es ihnen beinahe gelegen, dass sie Zeugen werden, wie Francesco seine Zähne in eine junge Frau schlägt. Während Rory sich um die Verletzte kümmert, macht sich Amy an die Verfolgung des Vampirs, der jedoch schon nach kurzer Zeit wie vom Erdboden verschwunden scheint. Tatsächlich hätte Amy gut daran getan, auch einmal ins Wasser zu schauen.
Der Doktor trifft wieder mit Amy und Rory zusammen. Gemeinsam mit Guido überlegen sie, wie sie in den Palast von Lady Rosanna vordringen und Isabella befreien können. Amy schlägt vor, dass sie sich als Schülerin in den Palast einschleichen und den Doktor einlassen könnte. Dieser will von diesem Plan zunächst nichts wissen. Schlussendlich bleibt ihnen jedoch keine Alternative. Also meldet Rory, der sich als ihr Bruder ausgibt, Amy in der Schule von Lady Rosanna an. Dafür legt er mit Hilfe des psychic paper Referenzen des schwedischen Königshauses vor.
Amy wird auch angenommen und in eine Kammer mit Isabella gesteckt, welche ihr davon erzählt, dass sie des Nachts in einen Raum gebracht und auf eine Art OP-Stuhl festgeschnallt wird, bevor sie dann wieder in ihrem Bett zu sich kommt. Amy schleicht sich in den Keller des Palasts und öffnet eine Falltür, die vom Kanal heraufführt. Kurz darauf wird sie von ihren Vampir-Mitschülerinnen entdeckt und von Lady Rosanna und Francesco auf besagtem OP-Stuhl festgebunden. Rosanna hatte den Trick mit dem psychic paper sofort durchschaut. Sie will wissen, wer Amy ist und woher sie kommt. Als diese jedoch nicht antwortet, schlägt Rosanna erst mal ihre Zähne in Amys Nacken.
Die Vampire wollen Amys Blut aussagen und durch ihr eigenes ersetzen. Dadurch wird sie im Erfolgsfall zu einer der ihren - oder sie wird dabei sterben. Laut Rosanna warten Zehntausend Ehemänner auf Amy unter der Wasseroberfläche. Und dabei hat Amy schon genug Probleme mit ihrem Verlobten... Sie macht der Schulleiterin deutlich, was sie von ihrem Plan hält, indem sie ihr einen kräftigen Tritt versetzt, wodurch ein Gerät unter Rosannas Umhang beschädigt wird. Auf einmal erscheint sie kurzzeitig als das Wesen, das sie eigentlich ist: Ein Fisch-Alien mit Insekten-Armen.
Die Vampire sind also keine Vampire, sondern in Wahrheit, wie der Doktor schon zuvor vermutet hat, Außerirdische. Bevor sie sich weiter mit Amy beschäftigen können, lenkt auch schon der Doktor ihre Aufmerksamkeit auf sich. Denn er ist zusammen mit Rory durch die Falltür in den Palast geklettert - und versucht sich der jungen Vampir-Schönheiten mit einer Lampe zu erwehren, die künstliches Sonnenlicht abgibt. Inmitten des Chaos gelingt es Isabella, Amy zu befreien. Gemeinsam mit dem Doktor und Rory fliehen sie nach draußen, wo Guido auf sie wartet. Doch Isabella muss zurückweichen. Die Umwandlung zum Fisch-Alien ist bei ihr schon zu weit fortgeschritten. Für ihren Verrat wird sie schließlich an Francescos Brüder verfüttert, die im Kanal auf ihre Bräute warten.
Der Doktor kehrt in Rosannas Palast zurück: Aufgrund von Amys Beschreibung weiß er jetzt, dass es sich bei den Fisch-Aliens um die Bewohner des Planeten Saturnyne handelt. Sie benutzen Wahrnehmungsfilter, um die Menschen zu täuschen. Allerdings lässt sich das Unterbewusstsein nicht völlig überlisten: Deshalb erscheinen den Betrachtern manchmal Vampirzähne - als Warnsignal. Wie Rosanna dem Doktor erzählt, sind auf ihrem Heimatplaneten Risse aufgetreten, durch die die Stille Einzug hielt - und ein Ausblick auf das Ende aller Dinge. Schließlich hätten sie sich durch einen der Risse auf die Erde abgesetzt.
Wie sich herausstellt, haben fast nur die männlichen Nachkommen von Rosanna überlebt. Deshalb arbeitet sie daran, für ihre Söhne die geeigneten Bräute zu schaffen. Da auch der Doktor der letzte Überlebende seiner Art ist, schlägt Rosanna ihm vor, dass sie zusammenarbeiten könnten. Doch der Doktor lehnt ab - nicht zuletzt deshalb, weil ihr noch nicht einmal Isabellas Namen einfällt, nachdem sie sie getötet hat.
Auch der Doktor, Amy, Rory und Guido sollen nach Rosannas Willen dran glauben. Deshalb schickt sie den Vier ihre Vampir-Bräute auf den Hals. Mit Hilfe der Sonnenlicht-Lampe gelingt es ihnen, aus dem Haus zu fliehen. Doch Guido kehrt zurück - und lockt die Vampire in ein Zimmer, in dem er einige Fässer mit Schießpulver aufbewahrt. Der Doktor versucht noch zu verhindern, dass Guido sich opfert - doch da macht es auch schon Bumm!
Rosanna startet unterdessen eine Apparatur, mit der ein Unwetter über Venedig aufzieht, welches - kombiniert mit Erdbeben - die Stadt im Wasser versinken lassen soll. Doch der Doktor macht sich an eine waghalsige Kletterpartie auf einen Glockenturm, um den Vorgang aufzuhalten. Amy und Rory treffen unterdessen auf Francesco, der Rory eine Bemerkung über das Aussehen seiner Mutter ziemlich übel nimmt - und seinen Degen zieht, dem Amys Verlobter nur einen Besenstiel entgegensetzen kann.
Der Kampf zwischen den beiden verläuft für Rory immer aussichtsloser. Schließlich liegt er am Boden, als Francesco sich - in Fischform - auf ihn stürzt. Da zückt Amy jedoch einen kleinen Spiegel und reflektiert einen Sonnenstrahl genau auf Francesco, der nach wenigen Sekunden in einer Staubwolke explodiert. Für Rory hat sich sein mutiger Einsatz auf jeden Fall gelohnt: Denn Amy drückt ihm einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen.
Nachdem der Doktor ihr Vorhaben sabotiert hat, tut Rosanna das Einzige, was ihr noch als gute Mutter bleibt: Sie gibt sich selbst ihrem Nachwuchs als Speise hin. Vorher fragt sie den Doktor jedoch, ob es wirklich zu viel verlangt gewesen sei, eine Stadt für die Rettung einer ganzen Spezies zu opfern - und ob er damit leben könne, eine weitere Rasse auf dem Gewissen zu haben.
Amy lädt Rory ein, bei ihr und dem Doktor zu bleiben - und gemeinsam mit ihnen zu reisen. Der Doktor hat nichts dagegen einzuwenden. Allerdings macht er eine beunruhigende Entdeckung, als sie in die TARDIS steigen: Es wird verdächtig still in Venedig...
Kritik
Keine Frage: Mit The Vampires of Venice bedient Doctor Who ein Modethema. Schließlich sind die Blutsauger durch Kino- und TV-Erfolge wie „Twilight“ und The Vampire Diaries gerade wieder in aller Munde. Doch gelingt es der Folge sehr schön, etwas ganz Eigenes aus dem Stoff zu machen. Zwar bedarf es schon einiger SciFi-Akrobatik, um alle Eigenschaften der Vampire zu „naturalisieren“, also über ihr Alien-sein, zu erklären, aber das stört nicht weiter.
Was in Erinnerung bleiben wird, ist eine optisch opulente Doctor Who-Episode, in welcher der kroatische Ort Trogir ein überzeugendes Double für Venedig abgibt - und nicht zuletzt dank der Vielzahl junger Vampir-Schönheiten und der prächtigen Kostüme zu einer äußerst sinnenfrohen Angelegenheit wird.
Das Erzähltempo von Doctor Who ist bereits generell sehr hoch, wie auch Torchwood-Gaststar und „Doctor Who“-Fan James Marsters in unserem Interview festgestellt hat ###news0###. The Vampires of Venice legt demgegenüber jedoch sogar noch eine Schippe drauf. Rasant, manchmal vielleicht eine Spur zu rasant, hetzt der Doktor durch die Handlung. Dabei sind es gerade die ruhigeren Momente wie sein Gespräch mit Rosanna (die großartige Helen McCrory) oder auch die Szene mit Rory, die in der Folge überzeugen.
Zu den großen Stärken der Folge gehört zweifelsohne Rosanna als Gegenspielerin des Doktors: Sie und ihre Art sind nicht einfach böse Eroberer, sondern Flüchtlinge einer großen Katastrophe. In ihren Augen ist die Stadt Venedig mit ihren Bewohnern ein kleiner Preis für die Rettung einer ganzen Spezies. Rosanna selbst spielt eine Mutter, die bereit ist, alles für ihre Nachkommen zu tun - und sich am Ende selbst für sie aufopfert. Das ist durch und durch glaubhaft - und steht in bester SciFi-Tradition.
Auch Rory (Arthur Darvill) gehört ganz eindeutig zu den Aktivposten der Folge: Scheint er zunächst vorrangig für den comic relief zuständig („Yours is bigger than mine.“/„Let's not go there...“), liefert er später eine überaus treffende Analyse der Gefahr, in die sich die Companions des Doktors für diesen begeben, und kann durch seinen mutigen Einsatz sowohl Amys Gefühle als auch einen Platz in der TARDIS ergattern.
Dem Rätsel, was sich am 26. Juni 2010 ereignen wird, kommt die Folge nicht näher. Allerdings werden dem Zuschauer noch einmal die Folgen der Risse vorgestellt. Und der Augenblick am Schluss, als die vorher so lebhafte Geräuschkulisse Venedigs nahezu verstummt, hat auf jeden Fall Gänsehaut-Potential.
Alles in allem ist The Vampires of Venice eine überaus unterhaltsame Folge, die einen auch kleine logische Ungereimtheiten (Wo findet Amy eigentlich einen Sonnenstrahl, nachdem der Himmel über Venedig durch Rosannas Apparatur doch vollkommen wolkenverhangen ist?) verschmerzen lässt.
Verglichen mit der eher leicht gehaltenen Vampir-Folge verspricht die Vorschau auf die kommende Woche einen Ausflug in deutlich düstere Gefilde.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 10. Mai 2010(Doctor Who 5x06)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x06
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