Doctor Who 5x04

Doctor Who 5x04

Sie sind die unheimlichsten und zugleich beliebtesten Außerirdischen, die in der neuen Ära von Doctor Who das Licht des Bildschirms erblickt haben. Um bei ihrer Rückkehr nicht in die klassische Sequel-Falle zu tappen, bedient sich Autor Steven Moffat bei keinem Geringeren als Blockbuster-Maestro James Cameron.

Sollten am besten nicht einmal blinzeln: Der Doktor und seine Begleiter / (c) 2010 BBC
Sollten am besten nicht einmal blinzeln: Der Doktor und seine Begleiter / (c) 2010 BBC

Inhalt

Amy Pond ist genervt: Da ist sie zusammen mit einem Außerirdischen unterwegs, der sie an jeden Punkt von Raum und Zeit bringen könnte. Und wo landen sie? Im Museum! Tatsächlich stößt der Doktor jedoch dort auf ein höchst bemerkenswertes Artefakt: ein 12.000 Jahre alter Flugschreiber eines Raumschiffs, der in alt-gallifreyischer Sprache beschriftet ist: „Hallo Süßer...“ Kein Zweifel, von wem diese Nachricht stammt!

Der Doktor und Amy lassen den Flugschreiber im Museum mitgehen - und entdecken darauf Videoaufnahmen von Dr. River Song, die sich etwas in einem Tresor angeschaut hat, was sie lieber nicht gesehen hätte. Jedenfalls wenn es nach den bewaffneten Männern geht, die hinter ihr her sind. Gerade bevor sie erschossen werden soll, spricht sie laut und deutlich die Koordinaten des Schiffes in die Überwachungskamera - und findet, dass ein Luftkorridor nett wäre.

In diesem Augenblick öffnet sie die Luftschleuse des Schiffes und lässt sich einfach durch den Luftdruck in den Weltraum blasen. Wo auch schon wenige Augenblicke die TARDIS materialisiert und sie aufnimmt. Das Raumschiff, welches sie auf so unorthodoxe Weise verlassen hat, macht sich mit Warp-Geschwindigkeit aus dem Staub. Doch auf Rivers Wunsch bleibt der Doktor ihm auf den Fersen. Das heisst: Sehr viel zu melden hat der Doktor bei dieser kleinen Verfolgungsjagd nicht. Denn River Song übernimmt die Steuerung der TARDIS - und bedient die Konsolen mit einer Sicherheit, dass Amy sich wundert und dem Doktor geradezu schwindelig wird.

Für River ist es immer noch nicht die erste Begegnung mit dem Doktor. Im Gegenteil: sie kennt ihn schon ganz genau. Als er sie später fragt, wie sie ihn überhaupt erkennen konnte, gibt sie an, dass sie Fotos von allen seinen Inkarnationen besitze. Dass er ihr bloß nie in der richtigen Reihefolge erscheine.

Die TARDIS landet auf dem gleichen Planeten wie die Byzantium, das Schiff, dem River unbedingt nachjagen wollte. Das heisst: Sicher gelandet ist nur die TARDIS, denn die Byzantium hat einen ziemlich üblen Crash hingelegt - mit der Spitze vornüber in einen gigantischen Tempel der mittlerweile ausgestorbenen Ureinwohner des Planeten. Alle Insassen des Schiffes sind gestorben. Bis auf das Wesen, welches das Schiff im Tresorraum transportiert hat: Ein weinender Engel.

Genau jenen will River Song bergen. Wenn Amy ihn nicht dazu gedrängt hätte, dem Planeten für fünf Minuten einen Besuch abzustatten, dann wäre der Doktor, nachdem er River abgesetzt hatte, eigentlich am liebsten sofort weiter geflogen. Doch nun geht es um die weinenden Engel - und Milliarden von menschlichen Kolonisten, die in Gefahr sind. Also steckt der Doktor wieder mitten im Abenteuer.

Wie sich herausstellt, arbeitet River nicht allein, sondern zusammen mit einer Gruppe von Geistlichen. Da die Kirche bis zum 51. Jahrhundert offenbar einige Änderungen in ihrer Lehre durchlaufen hat, handelt es sich jedoch um überaus schwer bewaffnete und eigentlich mehr wie Soldaten ausgerüstete Gottesmänner.

Während diese einen Weg in den Tempel freizusprengen versuchen, um von dort aus an das Schiff zu gelangen, schauen sich der Doktor, River Song und Amy einen kurzen viersekündigen Video-Clip an, den River von der Überwachungskamera des Byzantium-Tresorraums hatte mitschneiden können: Die Statue, die darin zu sehen ist, identifiziert der Doktor eindeutig als einen weinenden Engel.

Als Amy sich den Clip später noch einmal alleine anschaut, fällt ihr eine merkwürdige Veränderung auf: Jedes Mal, wenn sie sich kurz abgewandt hat, scheint sich die Aufnahme, die in einer Endlosschleife abgespielt wird, zu verändern! Der Engel dreht sich um und kommt auf die Kamera zu. Ja, sogar mehr als das: Er versucht sich außerhalb des Bildschirms zu materialisieren. Den Grund dafür erfährt der Doktor aus Aufzeichnungen, die River ebenfalls hat mitgehen lassen: Von den Engel darf man keine Bilder anfertigen, weil diese Bilder zu den Engeln selbst werden.

Als dem Doktor klar wird, was das bedeutet, eilt er zu Amy, die inzwischen vom Engel gefangen gesetzt wurde - sich aber tatsächlich selbst aus der Bredouille befreien kann. Da zwischen jedem viersekündigen Durchlauf eine winzige Pause ist, in der nur Schnee auf dem Monitor zu sehen ist, nutzt Amy genau diesen Moment, um das Gerät auszuschalten, was auch die versuchte Materialisierung des Engels stoppt.

Der Zwischenfall bleibt für Amy jedoch nicht ganz ohne Folgen. Denn entgegen des Ratschlags des Doktors hat sie dem Engel in die Augen gesehen. Nun hat sie das Gefühl, selbst etwas in den Augen zu haben. Es scheint ihr bisweilen sogar so, als würde ihr Sand aus den Augen fließen.

Die Geistlichen haben unterdessen einen unterirdischen Zugang zu den Katakomben der Tempelanlage gefunden. Dabei handelt es sich eigentlich um ein unterirdisches Mausoleum, hinter dessen Wänden die Toten der ausgestorbenen Ureinwohner eingemauert liegen. Was die Sache für den Bergungstrupp so pikant macht: Es wimmelt in den unterirdischen Gewölben auch gleichzeitig von Statuen, die das perfekte Versteck für den weinenden Engel abgeben.

Doch ihre Lage ist sogar noch viel schlimmer als sie zunächst angenommen haben. Die Statuen sind weit mehr als nur ein Versteck für den weinenden Engel... Dem Doktor und River Song fällt nahezu gleichzeitig auf, dass mit den Statuen etwas nicht stimmt: Die Ureinwohner, die diese Katakomben gebaut haben, hatten zwei Köpfe. Die Statuen haben jedoch nur jeweils einen Kopf. Es sind selbst Engel! Wenn auch ausgehungerte Versionen davon. Doch die Strahlung der Byzantium versorgt sie mit neuer Energie!

Tatsächlich beginnen die Figuren damit, Jagd auf den Bergungstrupp zu machen. Da meldet sich Bob, einer der Geistlichen, die in den Gewölben unterwegs waren, über Funk beim Bischof und dem Doktor: Er und zwei Kameraden (bzw. Mitbrüder) sind von den Engeln erwischt und getötet worden. Genickbruch. Dass er sich jetzt bei ihnen meldet liegt daran, dass er jetzt selbst ein Engel ist - und zu ihnen auf dem Weg ist.

In einem Akt der Grausamkeit lassen die Engel den Doktor zudem wissen, dass Bob, dem der Doktor zuvor Mut zugesprochen hatte, ängstlich und allein gestorben ist. Es scheint fast so, als wollten sie den Doktor wütend machen. Und das gelingt ihnen auch. Aber sie haben dabei einen Fehler gemacht: Sie haben ihn in eine Falle gelockt. Und das ist genau das, was man besser nicht tut, wenn einem „an der weiteren Existenz gelegen ist“.

Der Doktor und seine Gruppe haben die Stelle des Tempels erreicht, an der die Byzantium durchgebrochen ist - und nun viele Meter über ihren Köpfen in das riesige Gewölbe ragt. Der Doktor fordert seine Mitstreiter auf, auf sein Signal in die Höhe zu springen. Er lässt sich vom Bischof eine Pistole geben, legt auf eine der von ihnen selbst ausgelegten Gravitationsbarken an - und schießt!

Fortsetzung folgt...

Kritik

Es hat ein bißchen gedauert, doch mit der vierten Folge der aktuellen Staffel legt der neue Chefautor Steven Moffat endlich die erste wirklich durch und durch überzeugende Episode hin. Ja, mehr als das: The Time of Angels hat gut und gern das Zeug, um ähnlich wie seine Ausgangsfolge Blink zum Klassiker zu avancieren.

Die Folge bietet eine ebenso unheimliche wie spannende, dabei jedoch gleichzeitig auch rasante Geschichte, die den Zuschauer eine Dreiviertel Stunde auf dem Sofa (die Jüngeren vielleicht auch dahinter) fesselt. Was ja das Markenzeichen von Doctor Who ist.

Sicher, bei einigen Ideen hat sich Moffat ganz klar von Filmvorbildern inspirieren lassen. Es gelingt ihm jedoch, daraus etwas ganz Eigenes zu machen. Da ist die Sache mit dem Videoband, die einen an „The Ring“ (2002) denken lässt. Und natürlich die Steigerung des Grauens durch ein sehr ähnliches Vorgehen wie bei „Aliens“ (1986). Tatsächlich hat Moffat selbst in einem Blog-Beitrag für die BBC die Parallele zwischen den beiden Engel-Folgen und den beiden SciFi-Klassikern gezogen.

Blink war die etwas kleinere, stillere Folge, die die Gefahr zum ersten Mal eingeführt hat. Genau so wie der Film „Alien“ (1978). Auf den dann „Aliens“ von James Cameron folgte, der die gleiche Gefahr zum Gegenstand nahm, daraus aber eine völlig andere Art von Film machte, nämlich einen schnellen, lauten Actionfilm. Für Moffat ist es das „bestkonzipierte Film-Sequel, das es jemals gab“ - und gleichzeitig die Folie für sein Herangehen an The Time of Angels.

Angefangen bei der genau so cleveren wie dynamischen Teaser-Sequenz sprüht die Folge nur so von Energie. Dabei tun die Soldaten natürlich noch das Ihrige, um eben genau jene Atmosphäre von „Aliens“ herzustellen. Allein durch den Kunstgriff, dass die Soldaten in Wahrheit Geistliche sind, gelingt es Moffat jedoch, der Folge eine ganz eigene Note zu geben. Zumal sich nicht nur River Song, sondern letztlich auch der Bischof als ein dem Doktor - jedenfalls in mancher Hinsicht - ebenbürtiger Mitspieler erweist.

Was The Time of Angels so rundum gelungen macht, ist die Tatsache, dass es genau so eine Charakter- wie eine Actionfolge ist: Die Figur der River Song wird um noch einiges mysteriöser, nachdem wir erfahren, dass sie im Gefängnis gewesen ist - und der Doktor ihr, so der Bischof, wohl nicht helfen würde, wenn er wüsste, wer sie in Wirklichkeit ist.

Zu den köstlichsten Augenblicken der Folge gehören dementsprechend Amys Spekulationen darüber, dass River wohl die zukünftige Ehefrau des Doktors sein müsse. Worauf River antwortet, dass sie doch nicht glauben könne, dass es sich im Zusammenhang mit dem Doktor um etwas so Simples handeln könne. Im Grunde nimmt Amy damit die Position der Fans ein, die sich seit Rivers erstem Auftritt in Silence in the Library ja genau darüber den Kopf zerbrechen: Wer ist diese Frau?

Ein Problem, das die Folge ansprechen musste, war natürlich die Tatsache, dass River Song den Doktor in Silence in the Library sofort erkannt hat, der Doktor nach dem Ausstieg von David Tennant aber mittlerweile das Gesicht gewechselt hat. Die Lösung, dass River Song zwar Fotos von allen Inkarnationen besitzt, aber nicht deren Reihenfolge kennt, vermag nicht Hundert Prozent zu überzeugen. Immerhin machte es in der vierten Staffel doch den Eindruck, als würde sie sich eben an genau den Zehnten Doktor bereits erinnern („God, you're young!“).

Das ist aber nur ein kleiner Schönheitsfehler einer ansonsten durchweg gelungenen Folge, in der alles zusammenkommt: die Geschichte, die Schauspieler, die Sets und die Spezialeffekte - sowie natürlich nicht zu vergessen: die Musik!

Nächste Woche gibt es die Fortsetzung, in der (wie im Trailer zu sehen war) auch der Riss als das kontinuierliche Rätsel der fünften Staffel endlich eine eingehendere Betrachtung erfahren wird.

Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 25. April 2010
Episode
Staffel 5, Episode 4
(Doctor Who 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Aliens in London (1)
Titel der Episode im Original
The Time of Angels
Länge der Episode im Original
45 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 24. April 2010 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Autor
Geogia Engel
Regisseur
Adam Smith

Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x04

Darsteller
Rolle

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?