Doctor Who 5x03

Inhalt
Am Ende von The Beast Below hatte der Doktor einen Telefonanruf von Winston Churchill erhalten, der ihn dringend darum bat vorbeizuschauen. Dazu muss man wissen, dass Churchill und der Doktor in den alten Folgen (prä 2005) schon häufiger miteinander zu tun hatten. Entsprechend ist der britische Premierminister auch keineswegs darüber erstaunt, den Doktor mit einem neuen Gesicht - und einer neuen Begleiterin zu sehen.
Wir befinden uns mitten im Zweiten Weltkrieg, während der deutschen Luftangriffe auf London. Wie sich herausstellt, liegt der Anruf von Churchill bereits einen Monat zurück. Der Doktor entschuldigt sich für die Verspätung damit, dass sein neues TARDIS-Modell noch eingeflogen werden muss. Der Grund für Churchills Anruf: Der britische Kriegspremier war wegen einer neuen Geheimwaffe besorgt, die einer seiner Wissenschaftler, Dr. Bracewell, kreiert hatte. Doch diese Besorgnis scheint nun vorüber. Immerhin gelingt es den Briten, dank dieser Waffe eine deutsche Stuka nach der anderen vom Himmel zu holen.
Der Doktor könnte jedoch besorgter nicht sein, als ihm die Wunderwaffe präsentiert wird: Es handelt sich um einen olivgrün gestrichenen und mit Union Jack versehenen Dalek. Weder Churchill noch Dr. Bracewell wollen jedoch etwas davon wissen, dass es sich bei ihrer Geheimwaffe, von der sie bislang zwei Exemplare besitzen, um außerirdische Wesen handelt. Vielmehr behauptet der schottische Wissenschaftler, er selbst habe die Maschinen ersonnen, denen er den Namen „Ironsides“ gegeben hat. Beide, Churchill und Bracewell, können die Sorge des Doktors nicht nachvollziehen. Der Premier steht auf dem Standpunkt, dass ihm jedes Mittel Recht ist, um den Krieg gegen Hitler zu gewinnen.
Auch Amy kann die Bedenken des Doktors nicht verstehen. Und das wundert ihn am meisten: Schließlich müsste sie sich an die Invasion der Daleks in The Stolen Earth erinnern. Aber das ist nicht der Fall!
Der Doktor lässt sich jedoch nicht beirren. Weder von Churchill noch von Amy noch von den Daleks selbst, die gar nicht genug betonen können, dass nichts anderes sein wollen, als für die Briten gute Soldaten zu sein. Schließlich gelingt es dem Doktor jedoch mit einer Schraubschlüssel-Attacke sowie einer Verbaltirade den Daleks ihre wahre Identität zu entlocken. Wie es scheint, ist es allerdings genau das, was sie wollten! Die beiden frohlocken (soweit das einem Dalek möglich ist...) darüber, dass der Doktor für sie „Zeugnis“ abgelegt hat. Und dematerialisieren, nachdem sie zwei Soldaten erschossen und Dr. Bracewell die Hand mit einem Feuerstoß abgerissen haben - wodurch zum Vorschein kommt: Der Wissenschaftler ist in Wahrheit, ohne es selbst zu wissen, ein von den Daleks konstruierter Android.
Der Doktor macht sich allein auf die Suche nach den beiden Daleks. Er meint, dass es für Amy zu gefährlich ist - und lässt sie deshalb lieber im Londoner Blitz zurück. Hinter dem Mond entdeckt der Doktor das Schiff der Daleks - und materialisiert mit der TARDIS an Bord. Das Dalek-Schiff ist in keinem guten Zustand, insgesamt sind auch nur drei Daleks übrig. Es ist das einzige Schiff, welches der Zerstörung der Daleks in der Medusa-Kaskade (Journey's End) entkommen konnte.
Der Plan der Daleks: Sie wollen ihre Rasse wiederauferstehen lassen, indem sie ein Gefäß mit reiner Dalek-DNS öffnen. Ihr Problem: Sie schaffen es nicht, das Gefäß zu öffnen, da sie selbst keine reinen Daleks sind (Davros hatte diesen neuen Stamm von Daleks ja unter Verwendung seines eigenen Körpers erschaffen). Was ihnen fehlte, war der Autorisationsnachweis, den sie sich ausgerechnet bei ihrem größten Gegner besorgt haben: dem Doktor.
Dieser will seine Erzfeinde natürlich daran hindern, neue Daleks in die Welt zu setzen. Er droht ihnen damit, die TARDIS zu zerstören, was auch das Ende des Dalek-Schiffs wäre. Dazu verwendet er einen Keks, den er als Fernbedienung für den Selbstzerstörungsmechanismus ausgibt. Doch die Daleks halten dagegen: Mit einem Energiestrahl sorgen sie dafür, dass in London - mitten während der nächtlichen Verdunklung - sämtliche Lichter angehen. Damit wäre es für die deutsche Luftwaffe ein Kinderspiel, jedes nur beliebige Ziel in der Stadt anzuvisieren.
Das lassen sich die Briten jedoch nicht gefallen. Es ist Amy, die Dr. Bracewell zuerst daran hindert, seinem von Daleks geschenkten Leben ein Ende zu setzen - und ihn dazu inspiriert, eine Gruppe englischer Spitfires mit von ihm entwickelten Anti-Gravitations-Einheiten auszustatten, durch die die Flugzeuge in den Weltraum fliegen und das Dalek-Schiff attackieren können. Tatsächlich gelingt es ihnen, wenn auch unter großen Verlusten, den Energiestrahl auszuschalten.
Was jedoch weder sie noch der Doktor verhindern können: Das Gefäß mit dem ursprünglichen Dalek-Genom öffnet sich - und eine Gruppe neuer, farbenfroh gestalteter Daleks entsteht. Der Doktor hätte eigentlich nichts dagegen, wenn die letzte verbliebene Spitfire diesen neuen Daleks samt ihres Schiffes das Licht auspusten würde. Doch die Daleks drohen mit einer Bombe, dem „Vergessenheitskontinuum“, welche in Dr. Bracewell versteckt sei.
Der Doktor muss sich entscheiden, was ihm wichtiger ist: Die Erde, die durch die Bombe vernichtet werden könnte - oder das ganze Universum, das durch eine neue Brut von Daleks bedroht wird. Der Doktor entscheidet sich für die Erde. Er lässt den Angriff abbrechen und kehrt zum Planeten zurück. Natürlich haben die Daleks den Zündmechanismus für die Bombe trotzdem aktiviert. Der Doktor versucht die Detonation aufzuhalten, indem er Bracewell seine menschlichen Seiten in Erinnerung zu rufen versucht. Am Ende ist es jedoch Amy, der es gelingt, Bracewell an eine Frau zu erinnern, die er gerne hatte - wodurch der Zündmechanismus schließlich unterbrochen wird. Das zerstörische Vorhaben der Daleks ist unterbunden - sie selbst können sich jedoch in die Weiten des Universums absetzen.
Entsprechend zwiespältig fällt die Freude des Doktors aus. Er macht sämtliche Dalek-Technologien, die Bracewell „erfunden“ hat unbrauchbar - sehr zum Unmut von Churchill. Dr. Bracewell erwartet nun, ebenfalls vom Doktor abgeschaltet zu werden. Doch der Time Lord und Amy geben ihm zu verstehen, dass sie das nicht tun werden. Stattdessen solle er lieber losziehen und nach seiner Dorabella suchen.
Kurz bevor der Doktor und Amy in die TARDIS steigen, um davonzufliegen, sagt Amy, dass sie nun verstehen könne, warum der Doktor wegen der Daleks so besorgt sei. Doch der Doktor ist nach wie vor wegen etwas anderem viel mehr besorgt: Amy hätte die Daleks kennen müssen! Die beiden fliegen mit der TARDIS los. In der Wand, vor der die TARDIS stand, ist deutlich ein Riss zu erkennen...
Kritik
Mit Victory of the Daleks bot Doctor Who gleich mehrere Comebacks in einer Folge: Mark Gatiss, der Autor von The Unquiet Dead und The Idiot's Lantern, der für The Lazarus Experiment auch schon vor der Kamera gestanden hatte, kehrte mit einer neuen Folge zurück. Gemeinsam mit Steven Moffat arbeitet er derzeit auch an der Neuauflage von Sherlock Holmes.
Wie es der Titel schon versprach, gab es ein Wiedersehen mit den Daleks, deren jüngste Reinkarnation allerdings etwas gemischte Gefühle hinterlässt: Einerseits ist es sicherlich positiv zu bewerten, dass die neuen Modell wesentlich größer und robuster erscheinen als ihre Vorgänger. Andererseits ist ihre Farbgebung etwas gewöhnungsbedürftig. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil sie so sehr an Smarties erinnern. Immerhin: Mit „Victory of the Daleks“ wies Gatiss noch einmal auf die Ursprünge der Erzfeinde des Doktors hin: Nicht nur durch ihre faktische Kollaboration mit Nazi-Deutschland, sondern vor allem durch ihre rigorose Doktrin des rassischen Reinheit und Perfektion, die nicht mal vor ihren eigenen Lakaien halt macht.
Erneut am Ende sichtbar und damit latent in Gefahr der Abnutzungserscheinung ist der Riss als das fortlaufende Element der Staffel. Es stellt sich nun die Frage, ob es dem Riss zu verdanken ist, dass Amy sich nicht an die Invasion der Daleks in Staffel 4 erinnern kann. Oder hat das etwas mit der neuen Waffe der Daleks zu tun, die das Vergessen schon im Namen trägt? Möglich ist es natürlich auch, dass beides irgendwie zusammenhängt.
Bemerkenswert ist, wie häufig es in den ersten drei Folgen von Staffel 5 bereits Rückbezüge in die Ära von Russell T Davies gegeben hat. Würden es auch manche Fans vielleicht sehr gerne Amy gleichtun und die Folgen dieser Zeit einfach vergessen - Steven Moffat und seine Autoren tun dies dankenswerter Weise nicht. Im Gegenteil: Sie sorgen für ein großes Gefühl von Kontinuität - inmitten aller äußeren Veränderungen.
Alles in allem war „Victory of the Daleks“ eine solide, aber nicht herausragende Folge: Äußerst clever war die Idee, dass die Daleks ausgerechnet den Doktor selbst als Legitimationsnachweis benutzen. Als Fehler erwies sich dagegen, so große Teile der Spitfire-Weltraumschlacht bereits in den Trailern zu benutzen, wodurch die entsprechende Szene, die als eine der Höhepunkte der Folge funktionieren sollte, nicht so sehr beeindrucken konnte, wie das sicherlich der Fall gewesen wäre, hätten die Zuschauer diese Aufnahmen nicht schon gekannt.
Einen gefühlvollen Touch erhielt die Folge durch den Wissenschaftler, der entdeckt, dass er selbst ein Android ist. Diese Geschichte hätte man vielleicht sogar noch etwas stärker in den Vordergrund rücken können.
Nächste Woche: Ein Wiedersehen mit weinenden Engeln und die erste Begegnung mit einer alten Bekannten.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 18. April 2010(Doctor Who 5x03)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 5x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?