Doctor Who 15x08

Doctor Who 15x08

In der Folge „Wish World“ der UK-Serie „Doctor Who“ leben der Doctor und Belinda glücklich verheiratet und mit Kind in der Gegenwart zusammen. Eine Scheinwelt?

Archie Panjabi und Anita Dobson in „Doctor Who“
Archie Panjabi und Anita Dobson in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

Wish World

Wish World (dt.: „Welt der Wünsche“) beginnt mit einer kleinen Vorgeschichte. Die Rani (Archie Panjabi) stattet im Jahr 1865 dem Ehepaar Otto (Atilla Akinci) und Violett Zufall (Leni Adams) einen Besuch ab. Sie klaut ihnen das frischgeborene, siebte Kind - welches etwas Besonderes sein soll - und lässt ihre Hexenmächte spielen, wenn sie erst Violett und anschließend die restlichen sechs Kinder und Otto verwandelt.

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Zurück in der Gegenwart - witzigerweise genau einen Tag vor der Ausstrahlung dieser Episode von Doctor Who - leben der Doctor (Ncuti Gatwa) und Belinda (Varada Sethu) glücklich zusammen als Ehepaar. Sie haben mit Poppy (Sienna-Robyn Mavanga-Phipps) sogar eine Tochter und leben nach dem traditionellen Weltbild. So geht der Mann arbeiten, während die Frau sich um den Haushalt und das Kind kümmert.

Dass hier etwas nicht stimmt, wird bereits in der ersten Szene deutlich, als der Doctor und Belinda im Ehebett nebeneinander aufwachen. Die Welt scheint sich verändert und zunächst scheint auch niemand das bemerkt zu haben. Wer dennoch an der Richtigkeit von allem zweifelt, wie Ruby (Millie Gibson), die plötzlich vor der Tür steht und versucht, den Doctor von seiner wahren Identität zu überzeugen, wird angezeigt (und von Polizisten abgeführt, wie wir später an anderen Beispielen noch sehen werden). Stück für Stück werden wir in diese verkehrte Welt eingeführt, in der gigantische Knochenwesen durch die Stadt schreiten, während Conrad (Jonah Hauer-King) der Bevölkerung über den Fernseher Geschichten erzählt - unter anderem auch über den Doctor, der sich jetzt (dürfte uns bekannt vorkommen) John Smith nennt.

Obdachlose und Menschen mit Behinderung werden von den anderen nicht wahrgenommen. Es gibt zwar alleinstehende Frauen wie Mel (Bonnie Langford) und sogar weibliche Führungskräfte wie Kate (Jemma Redgrave), aber Homophobie dominiert in der Gesellschaft. So wird eine kleine Bemerkung vom Doctor, dass sein Kollege Christofer (Alexander Devrient) doch gut aussehe und er deshalb gute Chancen bei Kate hätte (die ja anschließend auch nicht mehr arbeiten müsste), direkt von Christofer als alarmierend falsch zur Sprache gebracht. Derartige „Fehltritte“ werden zwar nicht sofort geahndet, sondern äußern sich erstmal in sogenannten „Slips“ - Ausrutscher oder Patzer - bei denen eine Tasse zu Bruch geht (scheinbar der einzige Müll, der in dieser Gesellschaft produziert wird), aber die jeweilige Person erhält dadurch eine Art Verwarnung und läuft Gefahr, von anderen angezeigt zu werden.

John Smith ist mein Name
John Smith ist mein Name - © BBC One / Disney+

Dass die doppelte Rani - Mrs Flood (Anita Dobson) ist natürlich auch dabei, aber jetzt in untergeordneter Rolle - hier ihre Finger im Spiel hat, ist ersichtlich. Aber ihre Ziele bleiben vorerst ominös. Sie ist in der Bevölkerung bekannt und wird geschätzt, aber zunächst wissen wir noch nicht, worauf sie mit dieser Scheinwelt abzielt. Denn kurioserweise ist sie daran interessiert, wie viele Menschen an dieser Welt/Gesellschaft zweifeln und sie in Frage stellen und hofft, dass die Anzahl der Zweifler sich steigert. Nun, die Auflösung soll im letzten Akt der Episode erfolgen, der uns zu einem verdammt großen Cliffhanger führt und neugierig auf das Staffelfinale nächste Woche macht.

John Smith

Leider erfahren wir (noch?) nicht, wie der Doctor und Belinda in die Situation hineingeraten sind, was mit der TARDIS passiert ist und so weiter. Nach The Interstellar Song Contest sah es für unsere beiden Helden zwar nicht gut aus und es gibt durchaus ein paar Erklärungen dafür, wie beide sich jetzt in der Gegenwart wiederfinden können, aber an der Stelle hätte ich mir etwas Eindeutiges gewünscht. Schließlich ist es nicht einfach, die TARDIS von außerhalb unter Kontrolle zu bringen, geschweige denn, dem Doctor und Belinda eine Gehirnwäsche zu verpassen. Wir erfahren auch nicht, wie lange beide schon in dieser Scheinwelt leben. Man kann sich nur irgendwie ausmalen, dass die Rani ihr neues Wunderkind dafür nutzen konnte oder die Daten, die Mrs Flood von den Vindicatoren gesammelt hat, eine solche Attacke ermöglichen konnten. Aber wie gesagt, mir fehlt da eine (definitive) Auflösung vom Cliffhanger der letzten Woche.

Eine weitere Frage wäre, wie lange der Doctor und Belinda bereits in dieser Welt leben. Sie kann sich nicht an die Geburt von Poppy erinnern oder ob ihre Mutter (Nila Aalia) dabei war. Trotzdem kann die Zeitspanne kurz (wenige Tage) oder lang (fast so alt wie Poppy) sein und je nachdem, wie lange die beiden bereits dieses Eheleben führen, würde ich meinen, hätte der Doctor schon einen größeren Verdacht haben müssen. Selbst wenn es nur wenige Tage wären, schließlich erleben wir ihn auch mehrfach dabei, wie er die Welt in Frage stellt oder zumindest ein paar „Slips“ verursacht. Und dann ist da noch Ruby, die ihm zu Beginn der Folge die wahre Identität aufzeigen möchte. Ruby hat also bereits die Wahrheit erkannt und aktiv nach dem Doctor gesucht. Laut eigener Aussage, weil sie 2025 bereits erlebt hat - in der ursprünglichen Realität. Aber das haben der Doctor und Belinda auch, weshalb ich mich Frage, warum sie so viel länger brauchen. Gerade von unserem Time Lord hätte ich erwartet, eher auf den richtigen Trichter zu kommen. Wobei mir die Hilfestellung von Rogue (Jonathan Groff) sehr gut gefallen hat - der wurde offenbar nicht vergessen.

Ich lese Geschichten vor
Ich lese Geschichten vor - © BBC One / Disney+

Leider reicht der kurze Gastauftritt aber nicht, um unseren Doctor wieder hervorzuholen und auch eine weitere Vision von Susan Foreman (Carole Ann Ford) scheint ihm nichts zu sagen. Ganz zu schweigen davon, dass er Mel als Nachbarin hat und auf der Arbeit neben Kate und Christofer auch Susan Triad (Susan Twist) erkennen könnte. Somit steht auch im letzten Akt noch John Smith vor der Rani und hört sich deren Pläne an, die sie in Bond-Bösewicht-Manier mit ihm teilt. Aber wäre es nicht effektiver gewesen, wenn sie dort bereits den „echten“ Doctor vor sich gehabt hätte? Andererseits, nun ja, lässt sich das auch mit einer gewissen Vorsicht der Rani begründen, schließlich beschert sie uns mehr oder weniger dadurch einen verdammt großen Cliffhanger - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Scheinwelt und der Widerstand

Rein visuell hat mir Wish World sehr gut gefallen. Es stecken jede Menge kreative Ideen dahinter, die auch optisch sehr gut umgesetzt wurden. Mit Blick darauf, dass die Bevölkerung ins Zweifeln kommen soll, passen auch die ganzen Kuriositäten hinein. Allerdings frage ich mich, weshalb die Zweifler von der Polizei unter der Leitung von Mrs Flood aufgegriffen und weggesperrt werden, wenn das eigentliche Ziel doch ist, allen aufzuzeigen, dass sie sich in dieser Scheinwelt befinden. Der Prozess würde sich doch beschleunigen, wenn die Zweifler dort bleiben, wo sie sind, oder?

Der Tisch ist komisch
Der Tisch ist komisch - © BBC One / Disney+

Dann haben wir noch Ruby, die einst von der eigenen Ziehmutter (Michelle Greenidge) angezeigt wurde und sich an die „echte“ Welt erinnern kann. Nachdem sie erfolglos versucht hat, den Doctor von seiner eigenen Identität zu überzeugen, landet sie bei Shirley (Ruth Madeley) und erfährt, was in dieser Gesellschaft mit den Obdachlosen und Leuten mit Behinderung passiert. Es wird sich ausgetauscht, wobei auch Conrad Clark zur Sprache kommt sowie ein paar Auffälligkeiten wie Shirleys moderner Rollstuhl und sogar technisches Equipment. Es werden grobe Pläne geschmiedet und ein Widerstand scheint sich zu formieren, aber bevor dieser Widerstand in Aktion treten kann, ist die Folge bereits vorbei und die Welt scheint unterzugehen. Ich hoffe mal, dass diese Gruppe im Staffelfinale noch wichtig wird, denn andernfalls war das vergeudete Zeit.

Außerdem finde ich, dass wir noch mehr von dieser Welt hätten erleben müssen, um irgendwie zu verstehen, wie sie funktionieren soll. Ich fühlte mich jedenfalls ein bisschen erschlagen von den ganzen Themen, die eingebracht wurden und mit dem Cliffhanger dann doch irgendwo verschwinden, ohne weiter ausgeführt zu werden. So fühlt sich Mrs Flood zum Beispiel unter der Fuchtel der Rani sicher nicht wohl und auch Conrad gibt an, am Ende seiner Kräfte zu sein. Letzteres ist mir zwar egal, weil ich die Figur in Lucky Day bereits nicht mochte oder nachvollziehen konnte, aber noch sehe ich keinen größeren Sinn und Zweck in der Rolle.

Außenseiter for the win?
Außenseiter for the win? - © BBC One / Disney+

Rani

Die Rani ist da schon ein anderer Schnack und wer die alte Serie kennt, weiß auch, wie abgrundtief böse sie sein kann. Es gibt zwar leider nur zwei Episoden mit ihr (damals gespielt von Kate O'Mara), aber die sind durchaus nicht ohne, zumal sie sich in „The Mark of the Rani“ (1985) mit dem Master (damals gespielt von Anthony Ainley) verbündet hat. Zwei Jahre später gab es mit „Time and the Rani“ ein weiteres Abenteuer mit ihr und ratet mal, wer zu der Zeit den Doctor (Sylvester McCoy nimmt dort die Nachfolge von Colin Baker an) begleitet hat. Richtig, Melanie Bush, gespielt von Bonnie Langford. Insofern hoffe ich, dass Mels Rolle im Finale noch etwas wachsen darf, trifft sie doch auf eine alte Nemesis.

Aber zurück zur Rani, deren Hexenwerk auf das Wunderkind zurückzuführen ist. Als Time Lady konnte sie dem Doctor bereits mehrfach zusetzen und ist somit ein formidabler Gegner. Ich hätte zwar niemals vermutet, dass Mrs Flood die Rani ist, aber der Twist aus The Interstellar Song Contest hat mir durchaus gefallen. Diese Woche erfahren wir außerdem, worauf ihr Plan abzielt und weshalb der Doctor erkennen muss, dass er sich in einer Scheinwelt befindet. Zweifel an der Realität sollen bewirken, dass nicht nur die Erde zerstört wird, sondern ein Riss entsteht, der einer Figur namens Omega die Rückkehr in unser Universum ermöglichen soll. Aber wer ist Omega?

Weshalb kann ich mich nicht erinnern?
Weshalb kann ich mich nicht erinnern? - © BBC One / Disney+

Omega

Omega ist ein Time Lord, der vor langer Zeit zusammen mit Rassilon und „The Other“ die moderne Gesellschaft auf Gallifrey geprägt hat. Während Rassilon eher politisch aktiv war, hat Omega den Time Lords und Ladys die Möglichkeit von Zeitreisen gegeben, indem er eine enorme Energiequelle schuf. Dabei waren eine Supernova und ein schwarzes Loch involviert. In letzteres wurde Omega hineingezogen und fand sich anschließend in einem Antimaterie-Universum wieder, aus dem er seitdem zu entkommen versucht(e). Für eine kurze Zusammenfassung der Figur empfehle ich diese Seite, auch wenn sie nicht ganz vollständig ist - aber ihr könnt auch gerne noch weiter informieren, Artikel zur Figur gibt es viele. Erstmals aufgetreten ist Omega (damals gespielt von Stephen Thorne) übrigens im ersten Special der alten Serie - The Three Doctors (hier auf Deutsch). Es war das erste Special der Serie und hatte mit William Hartnell, Patrick Troughton und Jon Pertwee alle bisherigen drei Doctoren an Bord, auch wenn die Rolle von Hartnell, der damals schon länger unter Gedächtnisproblemen litt, sehr klein ausfiel.

Trio Infernale sucht Omega
Trio Infernale sucht Omega - © BBC One / Disney+

Eine Rückkehr von Omega habe ich mir schon länger gewünscht und falls er sich mit der Rani verbündet, dürfen wir sicher ein großes Staffelfinale erwarten. Dass die Erde gerettet wird, steht dabei für mich außer Frage. Aber vielleicht erleben wir auch die Rückkehr von Gallifrey - wäre doch naheliegend, oder? Unsicher bin ich mir derweil, ob Showrunner Russell T. Davies sich nicht zu viel vorgenommen hat. Klar, Omega passt irgendwo in das Pantheon der „Götter“ außerhalb unseres Universums hinein und ich bin mega gespannt auf Susan Foreman, die doppelte Rani und überhaupt auf das Finale an sich. Aber ein wenig Bedenken habe ich auch, weil die Gefahr besteht, dass (wie jetzt auch) zu viel hineingequetscht wird und ein paar Figuren womöglich auf der Strecke bleiben. Hmm, abwarten.

Fazit

Ich bin noch nicht ganz überzeugt von Wish World, obwohl die Episode durchaus nicht schlecht ist und das Staffelfinale sehr gut vorbereitet. Die Krux ist halt, dass wir noch nicht viel aus den ganzen Handlungssträngen herleiten können und nicht wissen, ob und wie sie im Finale einschlagen werden. Bewertungstechnisch wäre ich wohl eher bei drei Sternen, wäre es eine abgeschlossene Episode. Aber mit Blick auf die Erwartungen fürs Finale gebe ich gerne einen Stern mehr - also vier von fünf Sternen meinerseits. Und ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 25. Mai 2025

Doctor Who 15x08 Trailer

Episode
Staffel 15, Episode 8
(Doctor Who 15x08)
Deutscher Titel der Episode
Welt der Wünsche
Titel der Episode im Original
Wish World
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 24. Mai 2025 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 24. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 24. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 24. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 24. Mai 2025

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