Doctor Who 15x07

Doctor Who 15x07

In der Folge „The Interstellar Song Contest“ der UK-Serie „Doctor Who“ geht es ins Jahr 2925. Beim Gesangswettbewerb bahnt sich eine Katastrophe an.

Ncuti Gatwa und Varada Sethu in „Doctor Who“
Ncuti Gatwa und Varada Sethu in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

The Interstellar Song Contest

Allein schon der Titel von The Interstellar Song Contest lässt erkennen, dass Doctor Who sich in diesem Abenteuer dem Eurovision Song Contest widmet. Für die britischen Zuschauer sind Figuren wie Rylan Clark und Graham Norton sicher alte Bekannte und dürfen sich hier selbst spielen. Für den deutschen Zuschauer gilt es derweil, sich bei anderen Quellen über diese Persönlichkeiten zu informieren, wie zum Beispiel hier über Rylan Clark oder hier über Graham Norton. Und irgendwie ist es ja auch ganz cool, wenn derartige Persönlichkeiten die Gelegenheit nutzen und unserer Lieblingsserie einen Besuch abstatten dürfen. Rylan Clark wurde sogar eingefroren, damit er auch im Jahr 2925 den mittlerweile 803. interstellaren Song Contest moderieren darf, während Graham Norton lediglich als Hologramm zu sehen ist - dafür aber mit enormem Wissen über fast alles.

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Und der aktuelle Eurovision Song Contest 2025? Der wurde gestern von JJ aus Österreich gewonnen. Sein Lied Wasted Love konnte die meisten Punkte einheimsen. Schon interessant, dass unsere Serienmacher in der Lage waren, diesen Termin auch für die aktuelle Episode Doctor Who zu nehmen.

Aber fangen wir noch einmal von vorne an. Unsereins hat kein großes Interesse am Eurovision Song Contest, von daher hielt sich mein Interesse an dieser Episode auch in Grenzen. Obwohl, was sogenannte „Musical-Folgen“ in der Serienwelt angeht, bin ich durchaus offen und fand beispielsweise Subspace Rhapsody ziemlich großartig. Entsprechend unsicher war ich mir, ob vielleicht auch der Doctor (Ncuti Gatwa) oder Belinda (Varada Sethu) hier singen würden - was sie nicht tun (leider?). Denn in der Tat gibt es nur relativ wenig Gesang in dieser Folge. Wir dürfen zwar ein bisschen was hören, aber bevor der Contest überhaupt losgeht, sind schon die Bösewichte Kid (Freddie Fox) und Wynn (Iona Anderson) am Werk, die allen Zuschauern den Tod wünschen - und zwar nicht nur den hunderttausend vor Ort, sondern auch denen am Fernseher. Okay, für Wynn gibt es ein paar Ausnahmen, aber Kid hat kein Problem damit, den etwas mehr als drei Billionen Zuschauern durch Deltawellen den Tod zu bescheren.

Bekannte Moderation
Bekannte Moderation - © BBC One / Disney+

Der Doctor und Belinda werden da vorerst getrennt, die TARDIS ist futsch und die gesamte Lage wird recht schnell aussichtslos. Im Folgenverlauf entblättern sich aber die Hintergründe und unser Time Lord hat schließlich Gary (Charlie Condou) und Mike (Kadiff Kirwan) auf seiner Seite, während Belinda mehr über Cora (Miriam-Teak Lee) - eine der Teilnehmerinnen - erfährt.

Rache

Was Kid und Wynn angeht, ist die Motivation ihrer Vorgehensweise relativ schnell klar. Der Wettbewerb wird von der Organisation gesponsert, die einst für den Untergang von Hellia verantwortlich war. Ein Planet, dessen Honig zu einer Invasion geführt hat und der quasi ausgelöscht wurde. Leute wie Cora (wobei es nicht schwer ist, zu erahnen, dass sie ebenfalls von diesem Planeten stammt) sind untergetaucht und wurden wahrscheinlich schon vorher von Vorurteilen begleitet - vornehmlich aufgrund ihres Aussehens, welches mit gewissen Hörnern verbunden ist. Und damit kommen wir auch schon zum ersten Kritikpunkt, denn weshalb sollten Hörner am Kopf generell als negativ gelten? Joa, vielleicht bei uns Menschen oder zumindest bei denen, die ans Christentum glauben. Aber wir sind hier bei einem interstellaren Contest im Jahr 2925 und sowohl Teilnehmer als auch Gäste sehen unterschiedlich aus. Wobei es auch generelle Vorurteile gegenüber diesem Volk zu geben scheint. So lernen wir zu Beginn beispielsweise, dass Wynn sich glücklich schätzen konnte, überhaupt einen Job beim Contest erhalten zu haben. Aber woher diese Vorurteile kommen, wird leider nicht weiter ausgeführt und das wäre doch wichtig gewesen. Wir können nur annehmen, dass diejenigen, die den Planeten geplündert und ruiniert haben, dahinterstecken.

Sind diese Hörner wirklich böse?
Sind diese Hörner wirklich böse? - © BBC One / Disney+

Die Bösen sollen hier letztlich auch die Leute sein, die hinter der Corporation stehen, denn die haben das ganze Leid und den Untergang von Hellia beschert. Vielleicht ist Coras Abschlusslied hier auch der Schlüssel zu einer Veränderung, aber mich macht es erstmal stutzig, wenn die Organisation, die Hellia dieses Leid beschert hat, im Hintergrund bleibt und im weiteren Folgenverlauf keine Rolle spielt. Da fehlt der letzte Akt in meinen Augen.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und bin der Meinung, dass die gesamte Geschichte um Kid und Wynn relativ unbeständig bleibt. Von einer Serie wie Doctor Who erwarte ich da einfach mehr als ein simples Rache-Schema. Aber „mehr“ ist in einer Figur wie Kid leider nicht drin, was äußerst schade ist. Für mich hätte da noch mehr Entwicklung drin sein müssen, die kam aber leider nicht. Wer interessiert sich bei solchen Wettbewerben schon für den Sponsor? Ich meine, wenn ich mich für sowas begeistern kann, dann interessieren mich doch die Beiträge. Will heißen, die Lieder und wie sie rüberkommen. Vielleicht hänge ich als Zuschauer auch nur auf der Couch rum und bleibe auf diesem Kanal hängen, weil das aktuelle Lied gerade gut ist. Ernsthaft, wer interessiert sich schon für die Sponsoren bei einem solchen Wettbewerb? Hätte Kid sein Vorhaben durchgezogen, wären doch sehr viele Unschuldige gestorben.

Insofern bleibt Kid für mich ein Möchtegern-Bösewicht, ein verstörtes Kind, welches nicht einordnen kann, wer wirklich für die Zerstörung seines Planeten verantwortlich ist. Okay, in Sachen Aufmerksamkeit hätte er die sicherlich bekommen. Aber er trifft damit ja höchstens sporadisch die richtigen Leute und hätte sich vielmehr auf die Organisation konzentrieren sollen, die seinem Planeten den Garaus gemacht hat. Oder wie seht ihr das?

Das eiskalte Herz des Doctors

Rache ist diese Woche leider auch ein Wort, welches sich in unseren Doctor schleicht. Nicht ohne Grund, möchte ich anmerken, schließlich wird auch sein Leben und das von Belinda bedroht, wenn Kid seinen Rache-Traum Wirklichkeit werden lassen möchte. Und wenn dann noch neben den hunderttausend Besuchern auch die mehr als drei Billionen Leute hinter der Glotze sterben sollen, darf auch ein Time Lord mal seine Beherrschung verlieren.

Lost in Space lässt grüßen
Lost in Space lässt grüßen - © BBC One / Disney+

Was die Episode in Bezug auf dieses Thema wirklich sehr gut vermittelt, ist die Tatsache, dass unser Doctor zuweilen auf seine Begleiter angewiesen ist. Belinda erkennt ihn da nicht wieder, wenn er Kid foltert und das zu Recht. Denn jegliche Rache-Gefühle haben bei unserem Serienhelden sicher nichts zu suchen. Der Doctor rettet leben, er foltert nicht und er schickt auch niemanden bewusst ins Jenseits, obwohl es diverse Gründe für derartige Aktionen sicher schon gegeben hat, in diesem Fall vielleicht auch vorliegen und auch in Zukunft noch geben wird. Aber es passt nicht zum Doctor, sich wie hier der Rache hinzugeben. Denn Rache ist immer falsch und beschert immer mehr Leid, als zuvor verursacht wurde. Entsprechend glücklich kann er sich schätzen, dass Belinda vor Ort ist und ihn allein durch ihre Blicke stoppt.

Damit die Story um den Song Contest und den Anschlag auf die Gäste und Zuschauer besser funktioniert hätte, wäre mir eine dialogreichere Lösung lieber gewesen. Der Doctor hätte Kid überzeugen müssen, von seinem Vorhaben abzulassen, weil es schlicht nicht richtig ist. Aber dafür ist Kid zu stur und uneinsichtig. Außerdem hätte ich mir eine größere Konzentration auf den dramatischen Verlauf gewünscht, der durchaus vorhanden ist, wenn wir über die Hintergrundgeschichte von Hellia und deren Bewohnern erfahren. Dann kommen aber Einlagen wie der „Dugga-Doo“-Song, die sich schlicht unpassend anfühlen und zumindest mich als Zuschauer immer wieder herausgerissen haben.

Zwischenfazit

Die Geschichte um den Song Contest ist nicht schlecht, fühlt sich aber - für sich stehend - unvollständig und teilweise auch unrund an. Dabei funktionieren viele Figuren wie Cora, Gary und Mike im Zusammenspiel mit Belinda und dem Doctor hervorragend. Selbst Len (Akemnji Ndifornyen), der entsetzt ist, nachdem er erfährt, dass Cora tatsächlich von Hellia stammt, ist in meinen Augen eine Figur, die gut geschrieben und gespielt wurde. Aber die Krux ist halt, dass der eigentliche Übeltäter im Hintergrund bleibt. Da ändert auch das hervorragende Abschlusslied, welches alle wieder zusammenbringen soll, leider nichts dran. Ginge es hier nur um den Contest, wäre meine Wertung vermutlich bei drei von fünf Sternen.

Der Song Contest läuft
Der Song Contest läuft - © BBC One / Disney+

Aber da ist noch mehr! Spoiler-Alarm!

Bereits als sich das „Dach“ der Station öffnet, fiel mir die Kinnlade runter. Belinda kann sich zwar noch retten (ebenso Cora und Len, sowie Gary und Mike, deren Sitze okkupiert waren), aber wir sehen die TARDIS und den Doctor zusammen mit dem restlichen Publikum in den Weltraum treiben. Angeblich sind alle noch sicher und am Leben, was mehrfach in der Folge wiederholt und am Ende bestätigt wird. Aber WTF?

Und Mrs Flood (Anita Dobson) sitzt natürlich unter den Zuschauern, kommt irgendwie an die Daten ran, die der Doctor mit den „Vindicatoren“ gesammelt hat, bleibt aber noch vor Ort, um die Show zu genießen und mit den anderen in den Weltraum zu treiben. Dass hier ein weiterer WTF-Moment kommt, ist sicher.

Aber es geht vorerst mit dem Doctor weiter, der zwar eingefroren wird, aber durch eine Vision von Enkelin Susan (Carole Ann Ford ist zurück!) aufwacht und mit Hilfe einer Konfetti-Rakete zur Station zurückkehrt. WTF zum Quadrat? Und es soll nicht die letzte Vision sein, die unser Doctor von Susan hat. Weshalb sie gerade jetzt auftaucht, bleibt rätselhaft und ist dem Abenteuer an sich eher weniger förderlich, weil unsereins danach immer wieder Susan Foreman im Kopf hatte und sich damit ebenfalls vom eigentlichen Abenteuer abgelenkt fühlte.

Ich hatte bereits bei Lux ein paar Theorien zu Mrs Flood geäußert. Damals noch vor dem Hintergrund, dass sie eine Time Lady sein müsste, und zwar nicht eine böse (dazu gab es damals keinen Anlass). Seit Lucky Day wissen wir aber, dass sie jemanden befreit, der sicher nicht gut gesinnt ist und diverse Master-Vibes hatte. Folglich muss Mrs Flood eine böse Figur sein, was uns am Ende der Episode auch bestätigt wird. Hätte ich mit Rani (Kate O'Mara verkörperte sie damals) gerechnet? Nicht unbedingt, aber seit der Toymaker erneut auftreten durfte - verkörpert von Neil Patrick Harris in The Giggle - könnten selbstverständlich auch andere, ältere Bösewichte noch unter der Leitung von Showrunner Russell T. Davies auftauchen. Und die Rani wird diese Woche bestätigt, erhält eine Bi-Generation und ist damit sogar doppelt unterwegs. Archie Panjabi wird sie spielen und zusammen mit Mrs Flood dem Doctor zusetzen.

Es sieht nicht gut aus
Es sieht nicht gut aus - © BBC One / Disney+

Und jetzt?

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die letzten beiden Episoden dieser Staffel aussehen werden. Kehrt Susan Foreman zu ihrem „Großvater“ zurück? Kann die Erde gerettet werden, die angeblich am 24. Mai 2025 ausgelöscht wird? Steckt die Rani dahinter oder ist es vielleicht noch jemand anders, der dort seine Finger im Spiel hat? Schließlich musste Mrs Flood sich die Daten vom Doctor holen. Und wenn uns Parallelen zur Zerstörung von Gallifrey und der Erde aufgezeigt werden (die Episode stellt das heraus), kann dann vielleicht sogar Gallifrey noch gerettet werden?

Die Rani hat außerdem einen Plan, der nichts Gutes bedeuten kann. Und Conrad (Jonah Hauer-King) werden wir bestimmt noch wiedersehen. Wie soll unser Doctor mit allem fertig werden? Fragen über Fragen, die neugierig auf die nächsten Episoden machen und allein aufgrund ihrer „Mavity“ Spannendes versprechen. Also, dieser Teil ist der Episode wirklich gelungen und weiß zu begeistern.

Fazit

Während mir der Song Contest weniger zugesagt hat, konnte mich die Rückkehr alter Figuren eher überzeugen. Die Spannungsschraube wurde zwar im eigentlichen Abenteuer schon ordentlich angezogen, aber die Neugierde auf das, was jetzt noch kommt, ist höher denn je und hoffentlich besser durchdacht. Zwischenfazit hin oder her, von mir gibt es diese Woche viereinhalb von fünf Sternen. Und von euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 18. Mai 2025
Episode
Staffel 15, Episode 7
(Doctor Who 15x07)
Deutscher Titel der Episode
Interstellar Song Contest
Titel der Episode im Original
The Interstellar Song Contest
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 17. Mai 2025 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 17. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 17. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 17. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 17. Mai 2025

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