Doctor Who 15x09

Doctor Who 15x09

Mit der Folge „The Reality War“ endet die aktuelle Staffel der UK-Serie „Doctor Who“. Überraschungen dominieren das Finale - gute wie schlechte.

Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

The Reality War

The Reality War (dt.:„Krieg der Realitäten“) ist das neueste Staffelfinale der Serie Doctor Who. Bereits in Wish World konnten wir uns fragen, was echt ist und was nicht der Realität entspricht. Außerdem gab es einen sehr fiesen Cliffhanger, der diese Woche aufgelöst wird. Kann man mit diesem Staffelfinale zufrieden sein? Ja, sicher. Aber ob die Serie fortgesetzt wird, bleibt vorerst fraglich.

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Aber fangen wir vorne an. Der Doctor (Ncuti Gatwa) wird von Anita (Steph De Walley) gerettet, die wir zuletzt in Joy to the World gesehen haben. Sie ist mittlerweile im Time Hotel angestellt und hat in der Zwischenzeit mehr über unseren Time Lord erfahren, indem sie ihn bei verschiedenen Abenteuern mit Hilfe des Hotels heimlich besucht hat - ihr Hobby, wenn sie nicht gerade arbeiten muss. Wir erfahren durch sie auch, dass der 23. Mai 2025 sich ständig wiederholt und zu Mitternacht eine Art Reset erfolgt. Conrad (Jonah Hauer-King) und seine „Wunschwelt“ stören somit dauerhaft die Realität, was - wie wir bereits wissen - zum großen Plan der Rani (Archie Panjabi) gehört, die im sogenannten „Underverse“ nach Omega (Nicholas Briggs darf ihn sprechen) sucht.

Der Doctor nutzt Anita und das Time Hotel, um erst Belinda (Varada Sethu) und anschließend Kate (Jemma Redgrave) und den Rest von UNIT zurück in die Realität zu holen (Kostümwechsel eingeschlossen). Aber die Rani kommt ihm schnell auf die Schliche und versucht, den Turm von UNIT mit Hilfe der gigantischen Knochenwesen zu zerstören. Natürlich verrät sie vorher noch ihre Pläne mit Omega, dessen Ankunft/Befreiung nun kurz bevorsteht. Während Belinda und Poppy (Sienna-Robyn Mavanga-Phipps) in Sicherheit verwahrt werden (dazu hat UNIT dank Susan Triad (Susan Twist) eine spezielle Kammer), soll Ruby (Millie Gibson) sich um Conrad und das spezielle Wunderkind kümmern, sobald der Doctor ihr den Weg freigemacht hat. Unser Time Lord hat nämlich mal wieder einen Trick angewandt, womit es ihm möglich ist, in das gewaltige Konstrukt einzudringen, wo unsere Bösewichte ihr Unwesen treiben.

Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes
Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes - © BBC One / Disney+

Während Ruby Erfolg hat und Conrad mit einem ungewöhnlichen Wunsch loswird, stehen der Doctor, Mrs Flood (Anita Dobson) und die Rani schließlich Omega gegenüber. Aber mit dem ist überhaupt nicht gut Kirschen essen - im Gegenteil, der erweist sich als äußerst hungrig mit einer Vorliebe für Time Lords und Time Ladies. Ups. Eine verspeiste Rani später flieht Mrs Flood und es ist am Doctor, Omega in seine Schranken zu verweisen. Aber das soll nur das halbe Abenteuer sein, denn das Schicksal von Poppy bestimmt den Rest der Episode.

Fanservice!

Es kommt normalerweise nicht oft vor, dass wir in der Serie Doctor Who einen derart geballten Fanservice erleben. Aber die Person, auf die ich am meisten gespannt war, lässt sich trotz Visionen des Doctors (in den letzten beiden Folgen) im Finale nicht blicken: Susan Foreman (Carole Ann Ford), die damals beim Serienstart 1963 als Enkelin des Doctors vorgestellt wurde. Allein deshalb kann dieses Finale nicht die volle Punktzahl erhalten, während ich meine Wertung in Episoden wie The Robot Revolution eigentlich noch anpassen müsste, weil unser Doctor gegen Ende hier zumindest noch ein kleines Rätsel in Sachen Ursprung löst. Timey-Wimey-Style natürlich, aber das lieben wir doch, oder?

Happy Family?
Happy Family? - © BBC One / Disney+

Abgesehen davon bin ich aber mit allen Auftritten etablierter Figuren sehr zufrieden. Das fängt schon direkt bei Anita an, aber auch wenig später, wenn UNIT wiederhergestellt wird, habe ich mich über die bekannten Gesichter erneut gefreut. Rose Noble (Yasmin Finney) meldet sich zurück, genau wie die Vlinx (Aidan Cook und Nicholas Briggs) und es kommt schon verdammt cool rüber, wenn auch Shirley (Ruth Madeley) und Mel (Bonnie Langford) in die Zentrale zurückkehren. Abgesehen davon sehen wir bei Anitas Nachforschungen zum Doctor diverse Inkarnationen des Doctors, was bei mir immer funktioniert.

Aber das ist noch nicht alles. In der zweiten Hälfte der Folge darf Jodie Whittaker - „Thirteen“ - unserem Doctor zur Seite stehen und erhält einen köstlichen Dialog mit ihm. „Don't tell the others.“ Was ich hingegen davon halten soll, dass der 15. Doctor am Ende regeneriert und als neuer Doctor jetzt Billie Piper in Aussicht gestellt wird, bin ich mir noch unsicher. Als Rose Tyler und Begleiterin des Doctors hat sie wunderbar funktioniert, aber ob sie die Rolle des Doctors übernehmen kann? Abwarten. Für mich ist das zunächst ein PR Stunt und ja, Neugierde wird bei mir auch geweckt. Ebenso aber auch eine gewisse Skepsis.

Omega. Omega. Omega.

Die erste Hälfte vom Staffelfinale ist Omega und der Rani gewidmet, wobei das Schicksal von Poppy aber auch schon in Frage gestellt wird. Die Rani möchte Omega benutzen, um eine neue Generation von Time Lords und Time Ladies zu kreieren - sogar ein neues Gallifrey hat sie im Sinn. Natürlich nach ihrem Vorbild geschmiedet, was keine gute Idee sein kann. Aber selbst unser Doctor ist ein bisschen auf Omega gespannt, der schließlich auch versucht, in unsere Welt vorzudringen und einen besonders großen Appetit mitbringt.

Verstehen wir uns?
Verstehen wir uns? - © BBC One / Disney+

Ich für meinen Teil empfand diesen Teil der Story als viel zu schnell abgehakt. Dass die „neue“ Rani direkt von Omega verspeist wird, ist irgendwo auch ein wenig schade, denn Archie Panjabi spielt die Rolle gut. Andererseits haben wir ja noch Mrs. Flood, die vorherige Rani, die durchaus noch zurückkehren kann. Aber wie schon bei der Rettung des Doctors durch Anita kam mir die Lösung, um Omega wieder zurückzudrängen, viel zu schnell. Ein bisschen gestört hat mich auch, dass er hier nur als Monster in Erscheinung tritt. Er mag zwar ein wenig Hintergrundgeschichte erhalten, aber der neue Auftritt wird der alten Figur nicht gerecht, denn die war nie grundlegend böse, sondern hat einst den Time Lords durch ein gewagtes Experiment die Zeitreisen erst ermöglicht. Als menschliche Figur hätte er mir sicher besser gefallen, wie bei seinen vorherigen Auftritten in der alten Serie eben. Damals mag er schon wahnsinnig gewesen sein, aber immerhin ließen sich seine Pläne noch ein wenig nachvollziehen. Jetzt sagt er nur kurz „Guten Tag“ und will anschließend alle fressen. Dazu hätte man die Figur nicht erneut hervorholen müssen. Ein anderes Monster oder „Gott“ von außerhalb unseres Universums hätte es da auch getan.

Ruby besser als Belinda?

Die gesamte Staffel hat sich um Belinda und ihren Wunsch, wieder nach Hause zu kommen, gedreht. Angeblich, um ihre Eltern wiederzusehen, was durch den Realitätswechsel, den der Doctor im letzten Akt vornimmt, aber in eine andere Richtung gelenkt wird. Kleiner Twist für alle Folgen, vielleicht sogar gelungen, aber insgesamt kommt mir Belinda im Finale zu kurz, während Ruby erneut glänzen darf.

Trio Infernale wird nicht lange durchhalten
Trio Infernale wird nicht lange durchhalten - © BBC One / Disney+

Ja, Ruby ist es, die Conrad mitsamt seiner Wunschwelt besiegt. Ruby ist es auch, die den Doctor und die anderen davon überzeugt, dass Poppy existiert und somit das letzte Abenteuer unseres Time Lords einläutet. Wobei, nachdem Omega besiegt wurde, finden alle Belinda und Poppy unversehrt in der Kammer vor, die zu ihrem Schutz eingerichtet wurde und sind Zeugen davon, dass es Poppy wirklich noch gibt. Aber aus unerklärlichen Gründen verschwindet Poppy wieder und nur Ruby weiß noch, dass es Poppy mal gegeben hat. Lässt sich vielleicht mit Rubys besonderer Fähigkeit erklären und hey, dafür lebt Ernest Borgnine wieder, der am 24. Januar 2025 seinen 108. Geburtstag hatte. Dass es diverse „Glitches“ gibt, ist der gesamten Mannschaft derweil bekannt. Aber Poppy war als Kind vom Doctor und Belinda etwas Besonderes, weshalb Ruby weiterhin darauf besteht, dass es dieses Kind gibt.

Aber warum erhält Ruby hier eine so große Bühne, wenn die eigentliche Geschichte sich doch um Belinda dreht? Das hat mir nicht ganz so gut gefallen. Klar, ich mag Ruby und fand auch ihren Wunsch für Conrad sehr toll, der nun offenbar glücklich in einer Küche arbeitet und keine Bedrohung mehr darstellt (sie hätte ihn auch einfach aus der Existenz wünschen können). Aber für Belinda hätte ich mir ebenfalls einen größeren Einsatz gewünscht. Wäre es nicht eher ihre Aufgabe gewesen, das Verschwinden von Poppy zu bemerken und den Doctor anschließend von der Existenz des gemeinsamen Kindes zu überzeugen? Immerhin ist sie ihre Mutter, auch wenn Poppy nur aus einem Wunsch entstanden ist.

Zurück zu Belinda, sieht es plötzlich danach aus, als wenn sie bereit wäre, zusammen mit dem Doctor weitere Reisen anzutreten. Auch mit Poppy. Da tat mir Ruby schon ein wenig leid, als die beiden weitere Pläne schmieden und sie quasi von außen zugucken darf. Ganz untypisch für unseren Doctor, der wissen sollte, dass seine letzte Begleiterin ebenfalls in der TARDIS ist und alle Gespräche mitbekommt. Hier wackelt die Folge für mich ohnehin ein wenig, nicht nur, was die Begleitung des Doctors betrifft, sondern auch das Verschwinden von Poppy. Am Ende wird zwar (fast) alles gut, aber erneut mit einem gewissen Twist - denn Poppy ist jetzt der Nachwuchs von Belinda und Ritchie (den wir nicht kennen). Und Belinda hat nicht mehr vor, neue Abenteuer mit dem Doctor anzutreten, weil sie sich um ihr Kind kümmern muss.

Wir wissen natürlich, dass unser Doctor ohne seine Begleitung weniger gut funktioniert. Aber ich hätte mir für das Finale eine größere Bühne für Belinda gewünscht, die seit The Robot Revolution im Vordergrund stand. Von kleinen Ausnahmen wie Lucky Day mal abgesehen, ging es hier um ihre Reise mit dem Doctor. Die wird auch gut abgeschlossen, aber leider größtenteils ohne eine große Rolle von ihr. Und das ist einfach schade.

Doctoren unter sich
Doctoren unter sich - © BBC One / Disney+

Poppy

Poppy ist wichtig, weil sie die Tochter vom Doctor und Belinda ist. Das wird uns über die gesamte Episode (und auch die Vorfolge) geradezu eingebläut. Sie mag aus einem Wunsch entstanden sein, aber existiert trotzdem. Ein Wunder, denn wie wir erfahren, sind die Bewohner von Gallifrey nicht in der Lage, Nachwuchs zu zeugen. Äh, Moment mal. Lieber Showrunner Russell T. Davies, der du uns 2005 die Neuauflage der Serie beschert hast. Ich meine mich schon daran zu erinnern, den Doctor und den Master mal als Kind gesehen zu haben. Außerdem spricht die Rani davon, nur überlebt zu haben, weil sie - mal eben - ihre DNA gewechselt hat. Und später spricht der Doctor davon, dass alle Bewohner Gallifreys unfruchtbar wurden. Irgendwas passt da nicht zusammen, es sei denn, mir ist etwas entgangen. Also dafür, dass so viele alte Figuren in der neuen Ära von Russell T. Davies zurückgebracht werden, fehlt mir an dieser Stelle die Kontinuität, selbst wenn ich die Ära von Chris Chibnall mitzähle.

Aber zurück zu Poppy. Am Ende ist sie zwar zurück, aber als menschliches Kind. Keine Spur von Time Lord DNA vorhanden und Belinda ergänzt, dass sie mit einem gewissen Ritchie ein Kind hatte. Okay. Aber weshalb war es dann so wichtig, dieses eine Kind zu retten? Klar, für Belindas Story ein guter Abschluss, aber Verluste musste auch dieser Doctor bereits vorher beklagen. So ganz will mir da nicht einleuchten, weshalb er mehr oder weniger alles aufs Spiel setzt, um Poppy (als normales Kind) zurückzuholen. Und wie geht es jetzt Ernest Borgnine?

Für mich hat die Auflösung dieser Story jedenfalls einen bitteren Nachgeschmack, auch wenn Ncuti Gatwa jederzeit die Rolle des Doctors rockt. Nicht nur wegen Poppy, die im letzten Akt eine kleinere Bedeutung erhält, sondern auch deswegen, weil diesem Doctor nur zwei Staffeln vergönnt waren. Das ist seit Christopher Eccleston (der nur für eine Staffel den Doctor spielte) nicht mehr vorgekommen und bringt mich zum nächsten Kapitel.

Die Zukunft der Serie

Die Zukunft der Serie steht aktuell noch nicht fest. Normalerweise werden Regenerationen des Doctors im Vorfeld angekündigt und auch dessen Nachfolge in einem Special offenbart. Über The Reality War wurde aber der Mantel des Schweigens gelegt, weshalb diese Episode auch erst gestern ab 20 Uhr auf dem deutschen Disney+ verfügbar war (alle anderen Folgen dieser Staffel konnte man schon vorher am Samstag abrufen). Dass die Quoten auf BBC One nicht gerade gut aussehen, ist schon länger bekannt. Bekannt ist aber auch, dass der aktuelle Showrunner bereits an neuen Folgen geschrieben hat, die offenbar auch Ncuti Gatwa als Doctor involvierten.

Doctor Who in Bestform
Doctor Who in Bestform - © BBC One / Disney+

Nun, das wird wohl nicht mehr passieren. Unsereins geht zwar davon aus, dass die BBC mindestens ein neues Weihnachts-Special abliefern wird (ob mit oder ohne Disney ist noch immer die Frage), aber für eine nächste Staffel werden wir wohl abwarten müssen, ob die zustande kommt. Angeblich wird die Entscheidung in den nächsten Tagen gefällt, mal schauen.

Aber für mich ist eines sicher: Ncuti Gatwa hat einen sehr guten, leidenschaftlichen Doctor gespielt, von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte. Hat er in bisschen viel geweint? Vielleicht, aber das schmälert nicht seine Leistung. Auch Jodie Whittaker hat einen tollen Doctor abgegeben, aber bei ihr waren die Drehbücher leider nicht so gut. Nun, der liebe Russell und sein Team haben jetzt echt mitunter sehr gute Drehbücher geliefert, aber trotzdem scheinen die Zuschauer dem Doctor den Rücken gekehrt zu haben. Kann Billie Piper den Spieß umdrehen? Hoffentlich. Denn eine Welt ohne Doctor Who ist für mich kaum vorstellbar. Es muss einfach weitergehen, gerne auch nach einer kleinen Pause, aber es gibt keine andere Serie, die so viele Möglichkeiten bietet wie diese. Zeitreisen in die Vergangenheit und Zukunft, ferne Planeten oder die Erde, neue Gesichter der Hauptfigur, ohne die alten außer Acht zu lassen. Das gibt es sonst nirgends.

Also bitte, liebe BBC, lasst die Pause nicht zu groß ausfallen. Wir brauchen den Doctor, wir wollen mehr Abenteuer und es stehen euch alle Wege offen, um die Serie wieder zum Erfolg zu führen. „Trust me, I'm a doctor.

Fazit

Einerseits großartig und emotional, aber leider nicht ohne Kritikpunkte. Fanservice ist immer toll, aber ich glaube, selbst Russell T. Davies hatte hier nicht alles auf dem Schirm. So wird Belindas Geschichte gekonnt abgeschlossen, was der vorherigen Begleiterin des Doctors - Ruby - zu verdanken ist. In Sachen Bedrohung durch Omega und die Rani kamen die Bösewichte zu kurz und am Ende soll eine neue Ära eingeläutet werden, aber wird die Hand und Fuß haben oder überhaupt kommen? An sich geht das Staffelfinale in Ordnung, aber selbst mit zwei zugedrückten Augen kann ich nicht mehr als vier von fünf Sternen geben. Ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 1. Juni 2025
Episode
Staffel 15, Episode 9
(Doctor Who 15x09)
Titel der Episode im Original
The Reality War
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 31. Mai 2025 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 31. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 31. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 31. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 31. Mai 2025

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