Doctor Who 15x05

Doctor Who 15x05

In der Folge „Lucky Day“ der UK-Serie „Doctor Who“ erleben wir ein neues Abenteuer von Ruby Sunday - größtenteils ohne den Doctor.

Varada Sethu und Ncuti Gatwa in der Serie „Doctor Who“
Varada Sethu und Ncuti Gatwa in der Serie „Doctor Who“
© BBC One, Disney+

Das passiert in der Episode „Lucky Day“ der Serie „Doctor Who“

Lucky Day gehört zu den Episoden, in denen unser Doctor (Ncuti Gatwa) nur am Rande vorkommt. In den Eröffnungsszenen landet er zusammen mit Belinda (Varada Sethu) kurz im London des Jahres 2007 (zu Neujahr), wo ein weiterer „Vindicator“ aufgestellt wird und beide auf den jungen Conrad (Benjamin Chivers) treffen.

Dieser soll 17 Jahre später relevant werden, als er erneut auf die TARDIS trifft und in ein Abenteuer hineingerät, welches noch Ruby Sunday (Millie Gibson) als Begleiterin unseres Time Lords hat. Conrad (Jonah Hauer-King) lädt sie (wieder ein Jahr später) zu einem Interview ein und zeigt auch persönliches Interesse an Ruby, die mittlerweile nicht mehr zusammen mit dem Doctor reist.

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Die Folge widmet sich insofern zunächst der Frage, was aus Ruby geworden ist, nachdem sie die TARDIS (und den Doctor) verlassen hat. Das ist nicht unbedingt neu, wenn man beispielsweise auf Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen) blickt, die ebenfalls zahlreiche Abenteuer bestanden hat, nachdem ihre Zeit mit dem dritten (Jon Pertwee) und vierten Doctor (Tom Baker) vorbei war.

Aber Autor Pete McTighe wählt bei Ruby einen anderen Ansatzpunkt. Denn sie sieht nicht an jeder Ecke irgendwelche Monster, sondern stellt sich auf ein normales Leben mit Conrad ein, von dem sie auch ihrer Familie berichtet - es gibt ein Wiedersehen mit Cherry (Angela Wynter) und Carla (Michelle Greenidge) und sogar Louise (Faye McKeever) - und dem sie auch liebend gerne von ihren Reisen mit dem Doctor berichtet.

Sie gibt ihm sogar das Gegengift, welches sie vom Doctor beim Abenteuer mit dem Shreek (Gathin Alderman) erhalten hat, denn Conrad wurde damals ebenfalls von dieser Kreatur „markiert“ - womit er in Gefahr schwebt, irgendwann doch noch ein Opfer vom Shreek zu werden.

Bei einem gemeinsamen Ausflug aufs Land trifft Ruby derweil nicht nur auf Conrads Freunde, sondern stellt Hinweise darauf fest, dass ein Shreek in der Nähe sein könnte. Conrad gesteht ihr, dass er das Gegengift nicht genommen hat und auch wenn Kate (Jemma Redgrave) ihr bestätigt, dass die Kreatur nach wie vor im Gefängnis bei UNIT festsitzt, sieht es ganz danach aus, als wenn Conrads Leben nun in Gefahr schwebt.

Abermals fällt der Strom aus und schließlich erblicken die Gäste der Kneipe draußen sogar zwei Shreeks. Ruby alarmiert UNIT und geht der Sache nach, wobei Conrad sie ohne ihre Zustimmung begleitet. Er gibt vor, ihr beistehen zu wollen - schließlich sei das alles seine Schuld - und führt sie stattdessen zum großen Twist der Episode. WtF?

Ruby Sunday ist zurück
Ruby Sunday ist zurück - © BBC One, Disney+

Ruby Sunday

Zuerst einmal möchte ich Millie Gibson loben. Ihre Darstellung von Ruby, nachdem diese den Doctor nicht mehr begleitet, ist wirklich vortrefflich gelungen. Sie lässt mehrmals durchblicken, wie schwer es für sie ist, wieder zu einem normalen Leben zurückzufinden und das ist jederzeit nachvollziehbar. Vielleicht ist Ruby ein wenig zu schüchtern oder zögerlich, wenn sie auf Conrad trifft, aber im Nachhinein war es sicher die bessere Entscheidung, sich erst einmal vorsichtig und mit mehreren Dates an diese Person heranzutasten. Sonst wäre der Schmerz, den sie durch den großen Twist der Episode empfindet, vermutlich noch größer ausgefallen.

Aber auch im Anschluss an diesen Verrat, der nicht nur ihre Person betrifft, sticht Ruby als Figur hervor. Denn sie versucht nach wie vor, Conrad zu helfen. Sie möchte ihm zeigen, wie falsch er liegt und dass er einer Verschwörungstheorie gefolgt ist, die keinen Bestand hat. Sie darf ihn sogar vor dem echten Shreek retten, aber Undank dominiert auch hier im Anschluss, wenn Conrad anschließend meint, dass lediglich die Spezialeffekte von UNIT besser geworden sind.

Was ich in Sachen Ruby hingegen weniger verstehe, ist die Lehre, die sie aus dem Abenteuer zieht. Jetzt allein einen Neustart zu wagen, klingt nicht gerade nach der Botschaft, die uns die Folge vermitteln sollte. Ja, Ruby ist „tough“ und sie wird sicher einen guten Weg einschreiten. Aber ich hätte ihr jemanden an ihrer Seite gegönnt, der sie versteht, der bei ihren Müttern ankommt und bei dem sie sich wohlfühlt. Quasi ein Happy-End, welches ihr vorerst noch verschlossen bleibt. Können wir das bitte noch bekommen?

Stalking Ruby
Stalking Ruby - © BBC One, Disney+

Conrad Clark

Für etwa die Hälfte der Episode hat mir Conrad gefallen. Er hatte zweimal kurz Kontakt zum Doctor, seinen Begleiterinnen und ist offenbar neugierig auf das geworden, was er da mitbekommen hat. Da war es für mich nachvollziehbar, wenn er nach Ruby sucht und abseits von seinem Podcast noch mehr erfahren will. Es schien ja auch so, als wenn er sich zu Ruby hingezogen fühlte und diese Beziehung nicht nur deshalb heraufbeschworen hat, weil er mehr über ihre Abenteuer mit dem Doctor wissen möchte. Er lässt uns glauben, dass er sich in sie verliebt hat, und wir würden beiden eine gemeinsame Zukunft gönnen, zumal die gegenseitige Zuneigung auch von Ruby bestätigt wird.

Der Twist hat mir dann wirklich die Kinnlade runterfallen lassen. Okay, ja, bei Zweitsichtung hätte man vielleicht etwas erahnen können - im Interview mit Ruby verrät Conrad sich da vielleicht ein wenig - aber bei Erstsichtung kam mir das eher wie ein Randkommentar vor. Niemals hätte ich vermutet, dass er Ruby, den Doctor und UNIT als Betrüger entlarven möchte, die der Weltbevölkerung nur vorgaukeln, die Erde vor Aliens schützen zu wollen. Schließlich hatte er bereits eine Art Kontakt mit dem Shreek, der seine grüne Flüssigkeit auf ihn abgesondert hat. Warum sollte er dann noch daran zweifeln, dass es die Viecher wirklich gibt?

Und warum springen seine Follower und andere ins gleiche Boot, wenn es doch im Serienmythos von Doctor Who bereits zahlreiche Invasionsversuche auf der Erde durch die Cybermen, Daleks, den Master und zahlreiche andere Kreaturen gab? Als Zuschauer wissen wir doch, dass diese Serie seit 1963 existiert, 2005 wiederbelebt wurde und selbst die neue Inkarnation des Doctors (manche Seiten sprechen hier seit Ncuti Gatwa den Doctor spielt von einem weiteren Neustart) mitunter auf die Ursprünge anspielt. Nein, in der Welt dieser Serie sind Aliens Realität und jeder, der den Sinn und Zweck von UNIT anzweifelt, kann nicht ganz bei Trost sein.

Aber bleiben wir mal kurz bei der These, dass Conrad UNIT als Fake entlarven möchte. Das gelingt ihm nicht und selbst er sollte nach dem Biss in den Arm eines Besseren belehrt worden sein. Trotzdem zweifelt er an allem? Ergibt für mich keinen Sinn. Kate hat ihn mit den Tatsachen konfrontiert und trotzdem will er kein Einsehen haben.

Weiterhin stört mich, dass er mit (seinem Verbündeten) Jordan Lang (Kareem Alexander) über Leichen geht, um ins UNIT-Gebäude vorzudringen. Was möchte Conrad überhaupt? Ist er noch sauer, weil ihm eine Mitgliedschaft in UNIT verwehrt blieb? Also, weiß er womöglich, dass doch alles echt ist und ist nur enttäuscht, nicht Teil eines Kindheitstraums zu sein? Diese Motivation könnte ich noch halbwegs nachvollziehen, ist aber ein gänzlich anderer Ansatzpunkt, als uns gezeigt wird. Da bleibt Conrad unterm Strich bis zuletzt ein Rätsel und das wertet die Folge auch ein wenig ab.

Conrad hält UNIT in Schach
Conrad hält UNIT in Schach - © BBC One, Disney+

UNIT

Das Wiedersehen mit Kate und den anderen Figuren von UNIT hat mir sehr gefallen. Und um Conrad zuvorzukommen, ist UNIT bereits seit dem dritten Doctor bekannt und in der Serie etabliert worden. Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney) - Kates Vater - ist tatsächlich eine Serienlegende, hat er doch dem Doctor über mehrere Inkarnationen hinweg stets beigestanden und zusammen mit unserem Time Lord zahlreiche Bedrohungen abgewandt. Seinen Namen hier zu besudeln, wird zu Recht von Kate abgestraft.

Aber zurück zu UNIT. Dass es hier einen Jordan Lang gibt, der insgeheim gegen die Organisation arbeitet, fühlt sich schon falsch an und wirft mehrere Fragen auf. Wie konnte Jordan in UNIT aufgenommen werden, wer hat ihn eingestellt, et cetera pp. Schließlich hat Conrad nicht den Weg in UNIT geschafft. Wie war es Jordan dann möglich?

Und so sehr ich Kate auch mag, hätte sie den Shreek vermutlich nicht befreien dürfen. Klar, zu einem gewissen Maße wollte ich auch, dass Conrad erkennt, dass diverse unheimliche Kreaturen echt sind und die Existenz von UNIT gut begründet ist. Aber so? Ich weiß nicht, wobei mir aber auch keine bessere Lösung einfällt.

The Doctor

Der Doctor bekommt nicht wirklich viel Zeit diese Woche, aber sein Dialog mit Conrad gegen Ende der Folge konnte sich sehenlassen und spricht mir gewissermaßen auch aus dem Herzen. Denn die Interpretation ist ganz einfach und klar, ohne Missverständnisse. Der Doctor macht hier einen Punkt gegen diejenigen, die seine Mission und seine Begleiter, seine Verbündeten anzweifeln und diskreditieren wollen. Durch die Blume wird dabei jeder kritisiert, der oder die auf den sozialen Medien unterwegs ist, um Lügen und Panik zu verbreiten.

Jede/r kann heutzutage einen Kanal bei YouTube und Co aufmachen, seine Meinung predigen, informieren, Momente teilen und vieles mehr. Es gibt so viele Möglichkeiten, die eigene Meinung kundzutun und mit anderen zu teilen. Aber wer kontrolliert, was richtig und falsch ist? Wer überprüft die Quellen für diese Meinung, sofern sie überhaupt existieren? Der Doctor spricht hier eine Warnung aus, vermittelt aber gleichzeitig seine gutartigen Motive gegenüber Conrad und weshalb dieser falsch liegt.

Das ist eine Botschaft, die ich durchaus teilen kann und die dieser Episode dann doch wieder Pluspunkte bringt. Denn indirekt fordert der Autor dieser Folge, dass wir uns stets kritisch mit allem auseinandersetzen, was uns auf den sozialen Medien, in Podcasts, etc. präsentiert wird.

Die vierte Wand mag hier nur indirekt gebrochen werden, aber der Doctor liegt auf jeden Fall richtig. Leute wie Conrad, die mit großer Reichweite unterwegs sind, dürfen nicht unser Leben bestimmen und uns mit Lügen und Falschaussagen zuschaufeln. Sonst geht im wahrsten Sinne des Wortes „die Welt unter“. Diese Botschaft des Doctors nehme ich gerne mit, denn ganz so fiktional ist sie (leider) nicht wirklich.

Du kommst hier nicht rein!
Du kommst hier nicht rein! - © BBC One, Disney+

Mrs Flood

Jede Woche gibt es etwas Neues zur mysteriösen, alten Dame namens Mrs Flood (Anita Dobson). Auch diese Woche, wenn sie diejenige ist, die Conrad aus dem Gefängnis holt. Aber warum? Ist Mrs Flood etwa auf der Seite der Bösewichte? Sieht danach aus.

Aber warum sollte sie das sein, wenn sie zuvor doch eher Begeisterung für den Doctor und seine TARDIS übrighatte? Kurz hatte ich angenommen, dass Conrad sich im Gespräch mit dem Doctor als Master offenbaren würde, aber nein, hat er nicht. Wobei das für mich durchaus Sinn ergeben hätte.

Ich meine, alles zu hinterfragen, für was der Doctor, UNIT und die Begleiter stehen, klingt schon sehr nach dem Master. Und wenn Mrs Flood jetzt Conrad befreit und sich damit auf die Seite der Bösewichte begibt, dann klingeln bei mir die Alarmglocken. Und bei Euch?

Sonstiges

Rein rechnerisch müsste das Abenteuer Anfang 2025 spielen, und der Doctor hat Belinda noch nicht kennengelernt, wie im abschließenden Dialog mit Conrad deutlich wird. Dass Mrs Flood etwas mit dem 24. Mai 2025 zu tun hat - das Datum, was für den Doctor und Belinda nicht erreichbar ist - wird wahrscheinlicher.

Außerdem könnte Conrad ebenfalls etwas damit zu tun haben, wird er doch wieder auf freien Fuß gesetzt. Und könnte er es gewesen sein, der unseren Doctor erst auf Belinda Chandra aufmerksam gemacht hat? Schließlich fehlt uns noch eine Begründung dafür, weshalb der Doctor zu Beginn von The Robot Revolution auf der Suche nach Belinda ist.

Die Vermutung, dass der Master involviert ist, hatte ich eben schon geäußert. Mit Blick auf das Ende wäre aber wohl eher Mrs Flood die Kandidatin für die Rolle, schließlich haben wir sie auch in der Vergangenheit und in der fernen Zukunft bereits gesehen.

Andererseits hat der Showrunner bislang auf die klassischen Gegenspieler des Doctors verzichtet und sich vielmehr auf „Götter“ außerhalb unseres Universums konzentriert, die versuchen, bei uns heimisch zu werden und ihre niederen Ziele zu verfolgen. Da dürfen wir gespannt sein, worauf es wirklich hinausläuft. Brotkrumen gibt es mittlerweile jedenfalls schon viele.

Fazit

Eine Episode der Sorte „Doctor light“, die aber durchaus zu gefallen weiß. Ich habe mich gefreut, Ruby und die anderen wiederzusehen und bin zusammen mit ihr in den Twist gelaufen, der mich tatsächlich überrascht hat. Allerdings fand ich Conrad anschließend als Figur weniger konsistent, geschweige denn überzeugend. Seine Motivation hätte besser herausgearbeitet werden oder anders ausfallen müssen, stattdessen wirkt sie widersprüchlich, womit die zweite Hälfte der Episode deutlich abfällt.

Von mir gibt es diese Woche daher dreieinhalb von fünf Sterne. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 5. Mai 2025
Episode
Staffel 15, Episode 5
(Doctor Who 15x05)
Deutscher Titel der Episode
Glückstag
Titel der Episode im Original
Lucky Day
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 3. Mai 2025 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 3. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 3. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 3. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 3. Mai 2025

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