Doctor Who 15x03

© BBC One / Disney+
Lux
Auch Lux stammt aus der Feder vom aktuellen Showrunner Russell T. Davies und dieser hat sich einiges im neuen Abenteuer vom Doctor (Ncuti Gatwa) und seiner eher unfreiwilligen Begleiterin Belinda (Varada Sethu) vorgenommen. Es geht ins Jahr 1952, wo sich in einem Kino in Miami zuvor eine Zeichentrickfigur - Mr. Ring-a-Ding (Alan Cumming) - manifestiert hat und die 15 Kinobesucher verschwinden ließ. Jetzt ist das Kino verschlossen, aber der Doctor und Belinda erfahren, dass der Filmvorführer Reginald Pye (Linus Roache) noch immer im Gebäude ist. Sie versuchen, das Rätsel um die verschwundenen Kinogäste zu lösen.
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Das Abenteuer ist dabei ähnlich turbulent wie der Staffelauftakt The Robot Revolution gestaltet. Unseren Protagonisten bleibt stets wenig Zeit zum Durchatmen, während der Autor mit verschiedenen Themen jongliert, die teils sehr ernsthaft und dramatisch, teils aber auch sehr amüsant zu betrachten sind. Das passt einerseits sehr gut zu Doctor Who, birgt andererseits aber auch die Gefahr, dass die ernsten Thematiken zu kurz kommen und schnell wieder untergehen. Obendrein - und das weiß auf jeden Fall zu gefallen - bringt Davies aber eine Kontinuität in die Episode, die sich wahrlich sehenlassen kann. So sind die gottähnlichen, nahezu unbesiegbaren Wesen zurück, die darauf lauern, in unsere Welt vorzudringen und Belinda bleibt vorerst ihrer Devise treu, möglichst schnell wieder nach Hause zu wollen. Der Doctor hat da auch eine Idee. Allerdings wird dieser eine Ausflug in die Vergangenheit wohl kaum dafür reichen.
Auf der lustigen Seite erleben wir unsere beiden Helden als Zeichentrickfiguren, die zunächst um ihre Dreidimensionalität kämpfen müssen, ehe sie versuchen, die vierte Wand zu durchbrechen - was uns mitunter zu den vermeintlich „echten“ Zuschauern der Serie führt. Lizzie (Bronte Barbe), Hassan (Samir Arrian) und Robyn (Steph Lacey) beschwören dabei sogar kurzzeitig das Ende der Serie hervor, wenn sie eine Erklärung dafür abliefern, weshalb der Doctor und Belinda den 24. Mai 2025 nicht erreichen können. Aber keine Angst, soweit ich weiß, wird das Staffelfinale am 31. Mai 2025 laufen, und wie wir gegen Ende der Folge sehen, bleiben diese drei „Zuschauer“ der Serie trotz gegenteiliger Erwartungen erhalten. Und oh, Mrs Flood (Anita Dobson) ist auch wieder dabei, was diese Woche für größere Spekulationen sorgen dürfte.
Atombomben, Rassentrennung und zornige Götter
Die Eröffnung dieser Episode hat es durchaus in sich, wird den Kinobesuchern doch zunächst gezeigt, wie weit das Atomwaffenprogramm der Vereinigten Staaten im Jahre 1952 gekommen ist. Hiroshima und Nagasaki sind den Besuchern sicher noch ein Begriff, die Angst vor diesen Waffen ist im Saal spürbar, aber dann legt Reginald glücklicherweise einen Zeichentrickfilm in den Projektor, der die Zuschauer schnell wieder vergessen lässt, was sie gerade gesehen haben.

Mir hat gefallen, dass der Gegenspieler und Lichtgott Lux a.k.a. Mr. Ring-a-Ding diese Waffe später wieder aufgreift, um das eigene, zerstörerische Potenzial zu untermauern. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte er die Energie des Doctor dafür nutzen können, um sich einen „echten“ Körper zu schaffen. Aber das kann glücklicherweise noch verhindert werden und beschert uns sowie dem Doctor und Belinda einen ungewöhnlichen Sieg über diese scheinbar allmächtige Figur. Denn ironischerweise ist es das Sonnenlicht, welches ihn in Zeichentrickform unendlich wachsen und schließlich verschwinden lässt. Vielleicht nicht ganz logisch, aber andererseits sind diese göttlichen Kreaturen jenseits unseres Universums auch nicht unbedingt an unsere Logik gebunden.
Das Thema der Rassentrennung kam mir allerdings zu kurz und wäre besser nicht aufgegriffen worden. Denn offenbar haben weder Logan (Lewis Cornay), noch die Mutter von Tommy Lee (Cassius Hackforth) - Renee Lowenstein (Lucy Thackeray - Interesse daran, die Hautfarbe des Doctors oder seiner Begleiterin als Anlass für einen Gesetzesbruch zu nehmen. Entsprechend unspannend war der spätere Auftritt von Renee zusammen mit dem falschen Polizisten (William Meredith) - die Auflösung dieser Szene ließ sich gegen den Wind riechen. Also, wenn schon Rassentrennung in eine Folge einbringen, dann bitte nicht nur am Rande, sondern als Hauptthema. Einfach, weil es wichtig ist und im Mittelpunkt stehen sollte, wie beispielsweise in Rosa. Mein Punkt ist einfach, dass derart ernste Themen nicht „einfach nebenbei“ stattfinden sollten. Dadurch verblassen sie und werden weniger relevant. Erst recht, wenn die nächste Szene wieder amüsant wird.
Zuletzt noch zu Lux. Ein guter Gegenspieler, der mehr oder weniger durch Zufall (das reflektierte Mondlicht) in unser Universum kommt, einfach mal einen gesamten Kinosaal auf Zelluloid verbannt und für den Mann am Projektor sogar eine Belohnung in Form seiner verstorbenen Frau Helen (Jane Hancock) bereithält. Da muss ich ganz ehrlich sagen, dass mir dieser Ansatz schon allein deshalb gefällt, weil zunächst niemand stirbt. Das hätte auch anders ausgehen können, keine Frage, aber die Auflösung passt hier wunderbar ins Bild. Okay, die Ziele von Lux sahen anders aus und wir wissen von seinen Vorgängern, dass mit denen nicht gut Kirschen essen war. Aber die Art und Weise, wie er am Ende besiegt wird, passt einfach zur Serie. Insofern gerne mehr von den Gestalten jenseits des Universums - ganz so viele dürften mittlerweile nicht mehr übrig sein.

Belinda
Ob Belinda langsam auf den Geschmack kommt? Diese Woche sieht es noch nicht so aus, weil sie ihre Eltern wiedersehen möchte und als der Doctor sich ins Abenteuer begeben will, zögert sie sichtlich, aber lässt sich am Ende dennoch überzeugen. Dieses Hin und Her wirkt vielleicht ein wenig nervig, aber es lässt sich durchaus nachvollziehen.
Ich frage mich derweil, ob ich mit dem Doctor auf die Reise gehen würde. Und wenn ich mir aus Belindas Sicht heraus diese Frage stelle, hat Davies sein Ziel auch schon erreicht. Denn er hinterfragt die Begleiter, die zuvor aus reiner Abenteuerlust mit dem Doctor auf die Reise gegangen sind, wenn Belindas Wunsch, nach Hause zu kommen, verwehrt bleibt (vorerst jedenfalls) und sie obendrein noch selbst zögerlich ins neue Abenteuer schreitet.
Klar, die Reisen mit dem Doctor können Spaß machen, bieten unendliche Vielfalt und Belinda gefällt es auch, sich im 50s-Style zu kleiden, um einmal in die Vergangenheit hineinzuschnuppern. Beim anschließenden „Scooby-Doo“ Erlebnis ist sie aber nicht umsonst zögerlich, obwohl der Doctor sich alle Mühe gibt, sie zur Erkundung des Kinos und der vermissten Personen zu überzeugen. Offensichtlich wittert sie die Gefahr, die von diesem Abenteuer ausgeht und möchte am liebsten einen großen Bogen darum machen. Aber ohne sie wäre der Doctor (wie so oft) wahrscheinlich nicht weit gekommen. Und - was ich ihr hoch anrechne - sie bringt unseren Time Lord dazu, die Vergangenheit seines Planeten und seiner Spezies ein wenig zu beleuchten. Das hat zuvor noch kaum ein Begleiter geschafft, schon gar nicht im zweiten Abenteuer.
Insgesamt gefällt mir Belinda. Sie hat ein klares Ziel, welches sie vermutlich am Staffelende auch erreichen wird. Aber bis dahin muss sie zusammen mit unserem Doctor sicher noch mehrere Abenteuer bestehen - ob sie es möchte oder nicht. Und wenn sie sich auf das Abenteuer einlässt, ist sie auch an Bord und unterstützt den Doctor. So ist sie es, die den Weg zurück in die Dreidimensionalität entdeckt und sie ist es auch, die auf Reginald einredet, bis dieser die richtige Entscheidung trifft - was nicht nur den Doctor, sondern auch die gesamte Welt vor Lux rettet. Hut ab, mir fällt spontan kein Begleiter ein, der bereits in der zweiten Episode von sich behaupten konnte, derartige Dinge vollbracht zu haben. Also, von meiner Seite gibt es nicht einen Kritikpunkt an Belinda.
The Doctor
Unser Doctor strotzt derweil vor Abenteuerlust und die ist (wie immer) ansteckend. Auch wenn er sichtlich bemüht ist, Belinda nach Hause zu bringen, kann er das Rätsel um die verschwundenen Kinobesucher nicht loslassen. Erst recht nicht, nachdem es das Treffen mit Frau Lowenstein gab, die täglich auf die Rückkehr ihres Sohnes hofft. Gut so, denn unser Time Lord verkörpert zwar vieles, aber in erster Linie eben Hoffnung. Und am Ende werden Mutter und Sohn tatsächlich wieder vereint.

Eingangs sprach ich von einem turbulenten Abenteuer und das ist auch der Fall. Belinda gegenüber geht unser Doctor aber dennoch etwas tiefer, was die eigene Person angeht, und lässt uns Zuschauer auch an seiner Emotionalität teilhaben. Das ist in Bezug auf unseren Time Lord einzigartig, obwohl Ncuti Gatwa eher der spaßige und energiegeladene Doctor ist, der jeden Zuschauer mitreißen kann. Manche mögen meinen, dass dieser Doctor zu oft weint und nicht mehr dieses alienhafte Wesen verkörpert, welches der Menschheit zwar helfen will, aber dies eher aus reiner Neugierde macht. Aber für mich ist es eine sympathische Art und Weise, den Doctor etwas menschlicher zu gestalten, ihn greifbarer zu machen. Denn ja, auch der Doctor hat Gefühle, empfindet Schmerzen - physisch wie geistig - und ist keinesfalls perfekt. Er schwimmt auch nur von Abenteuer zu Abenteuer und hat keine Ahnung, wie es ausgehen wird. Wenn da - jetzt öfter als sonst - eine Träne über seine Wangen läuft, dann ist diese Träne stets auch verdient und zeigt uns sein Mitgefühl. Ich halte das für keine schlechte Eigenschaft, denn irgendwie schafft es Ncuti Gatwa doch öfter, mich da mitzureißen.
Spekulatius zu Ostern?
Irgendwie war das Abenteuer locker und leicht, obwohl eine gewisse Tiefe präsent war. Zuallererst möchte ich auf die vierte Wand zu sprechen kommen, die in Form von Mrs Flood bereits öfter vorkam beziehungsweise durchbrochen wurde. Warum taucht sie jetzt im Jahr 1952 in Miami auf? Bis dato kannten wir sie nur aus der Gegenwart, aber jetzt wird deutlich, dass sie weit mehr sein muss. Vielleicht eine Time Lady mit eigener TARDIS? Wie sonst hätte sie vor Ort sein können? Ist sie vielleicht die Enkelin des Doctors, Susan Foreman (Carole Ann Ford), die heimlich die Abenteuer des Doctors verfolgt hat? Ist sie Romana (Mary Tamm bzw. Lalla Ward) in älterer Form? Vielleicht ist unser Time Lord ja doch nicht so alleine wie er glaubt. Aber welche Theorien habt ihr? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Dann sind da noch die „Götter“ außerhalb unseres Universums. Mit Lux wurde ein weiterer davon besiegt. Glaubt ihr, wir werden im Staffelverlauf noch auf mehr Wesen dieser Art treffen? Ist Belinda vielleicht damit (unbewusst) verbunden oder spielt ihre Rolle da hinein? Ich meine, okay, der Weg zurück nach Hause bleibt vorerst abgeschnitten und ist nur durch weitere Reisen lösbar (die neue Abenteuer bringen werden). Aber die Vermutung, dass ihre Herkunft direkt an die unmögliche Rückreise gebunden ist, liegt doch quasi auf der Hand, oder?
Zuletzt noch einmal zurück zur vierten Wand, mit der die Episode zunehmend spielt. Mir hat diese amüsante Abwechslung gefallen. Wenn ich einen Kritikpunkt daran habe, dann höchstens, dass ich gerne noch etwas mehr vom Doctor und Belinda als Zeichentrickfiguren gesehen hätte. Ein Mini-Abenteuer aus der Welt von „Scooby-Doo“ hätte sich doch bestimmt angeboten, zumal unsere beiden Abenteurer ganz konkrete Überlegungen dazu haben, wen sie aus dieser Serie verkörpern würden.
Fazit
Die Mischung aus Drama und Humor mag nicht immer funktionieren, aber irgendwie schafft es Lux dann doch, im Großen und Ganzen zu überzeugen. Absurde Ideen und Spielereien mit der vierten Wand machen Lust auf mehr, während der Showrunner sogar indirekt die Zukunft der Serie hinterfragt. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 21. April 2025(Doctor Who 15x03)
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