Doctor Who 15x02

© BBC One / Disney+
The Robot Revolution
The Robot Revolution (dt.:„Die Revolution der Roboter“) startet mit einem kleinen Rückblick. Vor 17 Jahren sitzt ein Pärchen auf einer Parkbank und schaut in den nächtlichen Sternenhimmel hoch. Alan (Jonny Green) erklärt Belinda (Varada Sethu), die heute Geburtstag hat, was es dort oben zu sehen gibt und macht ihr anschließend ein ungewöhnliches Geschenk. Er hat ihr einen Stern gekauft, der laut Zertifikat fortan den Namen „Miss Belinda Chandra“ trägt. Belinda ist zwar mit der Bezeichnung „Miss“ nicht ganz einverstanden, aber die beiden küssen sich anschließend.
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Zurück in der Gegenwart ist von Alan nichts mehr zu sehen. Wie erfahren, dass Belinda Krankenschwester geworden ist und offenbar ist unser Doctor (Ncuti Gatwa) auf der Suche nach ihr. Nur knapp verfehlt er sie, was dramatische Folgen für Belinda haben soll. Denn als sie zu Hause angekommen ist, statten Roboter ihr einen Besuch ab und entführen sie. Sie soll auf „ihrem Stern“ - das Zertifikat besitzt sie noch - fortan die Rolle der Königin übernehmen und dort den Frieden zwischen den menschlichen Einwohnern und den Robotern wiederherstellen. Ihr Protest dagegen samt Hinweis darauf, dass ein gewisser Alan Budd der eigentliche Käufer des Sterns ist, scheint unterzugehen. Glücklicherweise hat unser Doctor aber bereits die Verfolgung aufgenommen, stößt während der Verfolgungsjagd aber auf ein kleines Zeitproblem der Sorte „timey-wimey“.
Auf dem Planeten angekommen, fällt die Begrüßung durch Sasha 55 (Evelyn Miller) zwar herzlich aus, aber Belinda steht einem grausamen Schicksal gegenüber. Sie soll transformiert und mit der künstlichen Intelligenz, die die Roboter anführt, verheiratet/verschmolzen werden. Diese KI (engl.: „AI“) scheint auch der Grund dafür zu sein, weshalb die Roboter auf Revolutionskurs gegangen sind, und die menschlichen Einwohner bedrohen. Glücklicherweise gibt es eine Widerstandsgruppe, zu der auch unser Doctor als Historiker des Planeten gehört, und die Belinda kurzzeitig aus den Händen der Roboter befreien kann.
Das klingt alles jetzt schon turbulent, ist aber noch gar nichts im Vergleich zu dem, was der weitere Episodenverlauf zu bieten hat. Natürlich soll das Schicksal von Alan noch eine größere Rolle spielen und eine bestimmte Entscheidung von Belinda sorgt für mehr Leid und Tod, als sie sich davon erhofft hat. Außerdem sorgen diverse Zeitsprünge beim Zuschauer für leichte Kopfschmerzen, sofern man denn versucht, die Zeitlinie der Episode in eine lineare Reihenfolge zu bringen. Der eigentliche Knaller ist aber, dass Belinda gar nicht die neue Begleiterin des Doctors sein möchte - sie möchte nur wieder nach Hause. Aber diese Option bleibt ihr vorerst verwehrt, auch wenn der Doctor durchaus gewillt ist, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Das Universum (bzw. die Autoren) haben aber andere Pläne und somit bleibt Belinda vorerst an der Seite des Doctors.

Alan Budd
Ich weiß nicht, wie es euch bei Alan geht, aber ich fand ihn in den ersten Szenen der Folge durchaus sympathisch und seine Idee, Belinda einen Stern zu schenken, ebenso romantisch wie die gesamte Situation vor dem klaren Sternenhimmel. Okay, die Bezeichnung „Miss“ hätte er sich sparen können - auch vor 17 Jahren. Schließlich ist es schon lange nicht mehr üblich, diese Anrede für unverheiratete Damen zu nennen, ob nun „Miss“, „Fräulein“, „Mademoiselle“ oder sonstwas. Da darf Belinda schon pikiert sein, obwohl die Gesamtsituation doch eher romantisch auf mich wirkt und der Kuss (für mich) auch unterstreicht, dass ihr etwas an Alan liegt.
Anschließend gibt es aber eine große Lücke, die erst spät in der Folge gefüllt wird. Wir erfahren zunächst, dass Alan vor 16 Jahren verschwunden ist und mit Blick auf die ganze Zeitgeschichte der Folge, ließ sich dort schon Böses erahnen. Aber dass er Belinda einen Heiratsantrag gemacht hat und sich dabei als Kontrollfreak entpuppte, wirft natürlich ein ganz anderes Licht auf diese Person. Vom Romantiker mit kleinen Fehlern zum Bösewicht und Kriegshetzer auf einem fremden Planeten - ich glaube, das haben wir in dieser Form noch nie in Doctor Who erlebt.
Für mich war dieser Werdegang jedenfalls nur schwerlich nachvollziehbar. Außerdem kann man sich im Nachhinein fragen, weshalb Belinda das Zertifikat noch aufgehoben hat, wenn sie sich doch eindeutig von Alan getrennt und sich seiner Kontrolle entzogen hat.
Timey-Wimey
Ich möchte gar nicht erst versuchen, die Ereignisse dieser Folge in eine nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen. Drehbuchautor Russell T. Davies tut sich selbst aber sicher keinen Gefallen damit, so turbulent Ereignisse auf zeitlicher Linie durcheinander zu würfeln. Der Autor lässt sogar selbst durch den Doctor die Frage offen, wie die KI an das Zertifikat herangekommen ist - schließlich hat Alan das vor 16 Jahren nicht mitgenommen, sonst hätte Belinda es nicht mehr. Und warum ist ursprünglich Alan verschwunden, wenn erst Belindas Entführung dafür gesorgt hat, dass die Roboter auf ihn aufmerksam wurden? Warum wurde sie überhaupt entführt, wenn ihre Entführung erst die Spur auf Alan gelenkt hat, der später die Roboterrevolution einleitete? Und warum will unser Doctor sie finden, wenn das alles zunächst noch nicht passiert ist? Schicksal?

Wie gesagt, ich möchte gar nicht über diese Fragen nachdenken, aber sie gehen mir durchaus durch den Kopf und verlangen nach einer Antwort. Das ist übrigens immer der Fall, wenn Ursache und Wirkung zeitlich verdreht werden. Für mich wäre es da eleganter gewesen, am Ende plausiblere Antworten zu erhalten, die ohne einen Schicksalsbegriff auskommen. Aber okay, immerhin wird der Auftritt von Varada Sethu in Boom als Mundy Flynn erklärt und ihre Rolle als Begleiterin des Doctors mit einer gewissen Mystik versehen, wenn er sie nicht einfach nach Hause bringen kann.
Ich hoffe jedenfalls, dass unser Showrunner noch einige Erklärungen im weiteren Staffelverlauf in petto hat. Für The Robot Revolution kann ich aber schon jetzt sagen, dass mir der „Timey-Wimey“-Aspekt weniger gefallen hat. Einen kleinen Pluspunkt gibt es allerdings für den Auftritt von Mrs. Flood (Anita Dobson) - mögen ihre Auftritte weiterhin rätselhaft und mysteriös bleiben.
Belinda Chandra
Im Grunde genommen hat mir die neue Begleitung des Doctors gefallen, denn sie bringt jede Menge menschliche Eigenschaften mit sich und ist auf Anhieb sympathisch. Vielleicht sogar deshalb, weil sie das aktuelle Abenteuer gar nicht erleben möchte und ihr Wunsch, am Ende einfach nur wieder zu Hause abgesetzt zu werden, nachvollziehbar ist. Es dürfte auch das erste Mal sein, dass sich ein zukünftiger Begleiter des Doctors gegen gemeinsame Reisen ausspricht. Dieser Ansatz wirkt einfach originell, weil die meisten Begleiter spätestens beim Betreten der TARDIS oder bei der Enthüllung der Identität des Doctors neugierig auf weitere Abenteuer werden. Belinda gehört da sicher zu den Ausnahmen, wenn sie sich weniger beeindruckt vom Time Lord und dessen TARDIS zeigt und auf weitere Abenteuer verzichten möchte.
Aber mindestens einen großen Kritikpunkt an dieser Figur habe ich dennoch. Denn, wie kann ihr nicht bewusst sein, welche Folgen die Reaktivierung des Putzroboters haben kann? Auf dem Planeten herrscht ein Krieg und so nobel es auch sein mag, dass sie sich opfern möchte, müsste ihr doch klar sein, welche Folgen die Entdeckung des Widerstandslagers für alle Beteiligten haben kann. Diese Tode, zu denen auch der von Sasha 55 gehört, gehen auf ihre Kappe. Da liegt Manny (Max Parker) sehr richtig und es stellt sich die Frage, weshalb sie nicht einfach das Lager verlassen hat, um sich selbst zu stellen. Wäre doch sicher möglich gewesen, sich aus dem Staub zu machen, ohne die anderen zu gefährden. Oder wie seht ihr das?

Der Doctor
Vorweg gefällt mir der neue Doctor weiterhin. Ncuti Gatwa sprudelt noch immer vor Energie und wird uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben. Schon allein die unterschiedlichen Kostüme wissen mich zu begeistern und bei ihm merkt man immer, wenn ihm Personen naheliegen und er helfen möchte. Da darf dann auch die eine oder andere Träne über die Wange des Doctors rollen, wenn er Verluste einstecken muss oder die Gesamtsituation das erfordert. Das macht diesen Doctor greifbarer und auch menschlicher als viele Inkarnationen davor. Und er wirkt in diesem Staffelauftakt auch sehr viel offener, wenn er Belinda die unterschiedlichen Anatomien der hiesigen Einwohner aufzeigt und obendrein seine eigene Anatomie und Herkunft preisgibt - derartige Enthüllungen gibt es normalerweise erst später bei den Begleitern.
Außerdem ist sein Sinn für Abenteuer ansteckend. So möchte er hier den offenen Fragen nachgehen und zusammen mit Belinda die Rätsel auflösen, die noch offengeblieben sind. Die Tatsache, dass sie lieber wieder nach Hause will, nimmt er trotzdem zur Kenntnis und probiert sein Möglichstes, um ihr den Wunsch zu erfüllen. Aber wie gesagt, das Universum scheint da andere Pläne zu haben, die noch entdeckt werden müssen.
Eine Kleinigkeit hat mich aber auch hier gestört und ist vielleicht verantwortlich dafür, dass Belinda lieber wieder nach Hause möchte. Denn offenbar hatte der Doctor bereits Sasha 55 für weitere Abenteuer im Sinn, was Belinda nicht entgeht. Entsprechend erleben wir auch, wie nahe der Tod von Sasha 55 unserem Doctor geht und dürfen uns fragen, wie er so schnell in der Lage ist, auf Belinda als zukünftige Begleiterin zu wechseln. Wie gesagt, eine Kleinigkeit, aber eben eine, die das Gesamtbild des Doctors doch ein wenig trübt.
Gefreut hat mich allerdings, dass hier ein größerer Staffelbogen angedeutet wird. Und wer weiß, vielleicht wird dieses Abenteuer noch aufgewertet, wenn ein paar der angesprochenen Fragen und Rätsel im weiteren Verlauf der Staffel beantwortet und aufgelöst werden. Neugierig auf den weiteren Verlauf bin ich ohnehin und werde wie gewohnt, jede Episode begleiten.
Fazit
Der Staffelauftakt war aus verschiedenen Gründen noch nicht das Gelbe vom Ei, macht aber sicher Lust auf mehr. Ein wenig holprig in meinen Augen, was nicht nur die Story sondern auch die Figuren betrifft. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, was aber hoffentlich noch kommt. Ich drücke mal ein Auge zu und freue mich auf die weiteren Abenteuer von Belinda und dem Doctor. Drei von fünf Sternen gibt es entsprechend meinerseits für die Folge. Und von euch?
Der Trailer zur 2./15. Staffel der Serie „Doctor Who (2005)“
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 13. April 2025Doctor Who 15x02 Trailer
(Doctor Who 15x02)
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