Doctor Who 15x01

© BBC One / Disney+
Joy to the World
Joy to the World stammt aus der Feder von Steven Moffat. Unser Doctor (Ncuti Gatwa) ist aktuell ohne Begleitung unterwegs und landet im Jahre 4202 im Londoner „Time Hotel“, wo ihm ein mysteriöser Mann (Joshua Leese) mit einem geheimnisvollen Aktenkoffer auffällt. Der Koffer trägt ein Symbol und ist mit Handschellen an das Handgelenk des Mannes gekettet. Während unser Doctor die Hilfe von Trev (Joel Fry) erlangt, um den Mann im Auge zu behalten, sucht er ein paar der Zimmer des Hotels auf, die in andere Zeiten und an andere Orte führen - aber offenbar immer zur Weihnachtszeit und nicht selten nach London.
Schnell finden wir zusammen mit dem Doctor heraus, dass der Koffer bereitwillig den Träger wechselt, was für die vorherige Person, die damit unterwegs war, scheinbar tödlich endet. Der neue Träger erhält derweil eine Art Gehirnwäsche und soll die Mission des Koffers fortsetzen, der - wie sich später herausstellt - die neueste Technologie von „Villengard“ beinhaltet. Eine Organisation, die wir seit Boom kennen und die nichts Gutes im Schilde führt. Als der Koffer schließlich bei Joy (Nicola Coughlan) landet, versucht der Doctor alles, um sie vor dem drohenden Schicksal zu bewahren, welches zuvor den mysteriösen Mann, einen Barkeeper (Liam Prince-Donnelly), Trev und den silurianischen Hotelmanager (Jonathan Aris) heimgesucht hat.
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Insgesamt ein sehr Moffat-typisches Special mit zahlreichen Schauplätzen, die teils in die Story integriert werden (wie das Seil, welches der Doctor von Edmund Hillary (Phil Baxter) klaut), guten Portionen Timey-Wimey, witzigen Ideen, netter Action, aber auch nachdenklich stimmenden Momenten. Am Ende soll Weihnachten im Vordergrund stehen und den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl zurücklassen, was auch ganz gut funktioniert, wenn man die Handlung und die Figuren nicht zu sehr hinterfragt.
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Joy
Während ich noch immer begeistert davon bin, wie energiegeladen Ncuti Gatwa die Rolle des Doctors spielt, kamen mir die verschiedenen Begleiter in diesem Special ein wenig zu kurz. Wobei, eigentlich wird (wie üblich) nur eine Begleiterin im Vorspann genannt und das ist Nicola Coughlin, die Joy Almondo spielt und vom Doctor gerettet werden muss.
Joy ist mir zwar auf Anhieb sympathisch, aber in meinen Augen erhält sie nicht genug Screentime und entsprechend eine zu dünne Hintergrundgeschichte. Hätte ich nicht durch den Vorspann erfahren, dass sie im Mittelpunkt des Abenteuers stehen soll, hätte die Rolle auch Anita (Stephanie de Whalley) haben können, die mit dem Doctor ein ganzes Jahr verbringt, wenn seine zukünftige Version im Jahr 2024 die Tür zum Time Hotel verschließt, welche sich erst 2025 wieder öffnen soll. Oder vielleicht Trev, der dem Doctor eingangs hilft und gegen Ende der Folge doch weniger tot ist als sich annehmen ließ.

Aber bleiben wir zunächst bei Joy, die sich zur Weihnachtszeit ein eher spartanisches Hotelzimmer genommen hat, um die Feiertage dort zu verbringen. Sagt ein spartanisches Hotelzimmer wirklich viel über eine Person aus? Ich glaube nicht und falls doch, dann vielleicht eher, dass man abseits der eigenen Wohnung günstig übernachten möchte, während tagsüber vielleicht Sightseeing angesagt ist. Dass Joy allein ist, ihre Mutter zur Weihnachtszeit verloren hat und sich nicht einmal in Person von ihr verabschieden konnte, ist natürlich tragisch und berührend. Aber aus einem „günstigen“ Hotelzimmer würde ich niemals darauf schließen. Überhaupt fand ich die Art und Weise, wie unser Doctor Joy aus dem Bann des Koffers zu bringen versucht, recht untypisch für ihn. Er hat damit zwar Erfolg, aber auch mit Blick darauf, dass er Joy anschließend wieder beruhigen muss, hätte ich mir dort einen anderen, weit herzlicheren Weg gewünscht.
Ein leicht bittersüßer Geschmack bleibt ebenfalls bei der Auflösung zurück, wenn der Stern von Betlehem beziehungsweise dessen Entstehung zum „Star“ von Joy to the World wird. Okay, Joy und die anderen sind nun ein Teil des Sterns und lassen die Personen aus den verschiedenen Zeitepochen gen Himmel blicken, um Hoffnung zu schöpfen. Das fühlt sich gut und richtig und auch irgendwie weihnachtlich an. Aber wirklich gerettet wird Joy am Ende dann doch nicht, oder? Ich wäre jedenfalls an ihrer Stelle weniger glücklich mit einem solchen Schicksal und hätte mir lieber gewünscht, mein Leben auf dieser Erde weiterzuleben. Neue Kontakte knüpfen, eine eigene Familie gründen und mit dieser dann das Weihnachtsfest verbringen. Doch, ein solches Ende für Joy hätte mir besser gefallen.
Anita
Anita hat mir als Figur in diesem Abenteuer besser zugesagt als Joy. Nicht falsch verstehen, Joy war ebenfalls gut und wichtig für die Geschichte, aber Anita war für mich ein Level drüber. Gut, besonders viel erfahren wir über sie auch nicht, aber als Begleiterin hätte ich sie mir eher vorstellen können als Joy. Sie kommt für mich wie ein Workaholic rüber, ignoriert jeden mysteriösen Vorgang im Hotel und verbringt ein ganzes Jahr mit unserem Doctor - ohne ihn und seine Fähigkeiten auch nur einmal zu hinterfragen. Das Thema „Einsamkeit“ (vor allem zu Weihnachten) wird damit auch getroffen, aber bei Anita ergibt sich durch die Anwesenheit des Doctors eine Entwicklung, die ich als herzallerliebst bezeichnen würde.

Sie taut in diesem Jahr sichtlich auf, freut sich über die gemeinsamen Aktivitäten mit dem Doctor und scheint sogar romantische Gefühle für ihn zu entwickeln. Und etwa zur Halbzeit der Folge kehrt der Doctor zum eigentlichen Abenteuer zurück und lässt sie wieder allein. Klar, es gilt noch immer, Joy zu retten und die kleine Zeitschleife aufzulösen, die er sich selbst beschert hat. Aber ich hätte mir dennoch mehr von Anita gewünscht. Ein weiterer Besuch des Doctors (beim nächsten Weihnachtsfest vielleicht?), wobei er ja auch andere Begleiter hätte besuchen können, die ihn einst verlassen haben, um ein „normales“ Leben zu leben. Wie Ruby (Millie Gibson) zum Beispiel.
Der Doctor
Dass unser Doctor selbst ein eher einsames Leben führt, wurde in der Serie bereits mehrfach thematisiert. Immer mal wieder hat er sich im langen Verlauf von Doctor Who damit auseinandergesetzt, neue Begleiter gefunden, mit ihnen Abenteuer erlebt - aber früher oder später kam erneut die Trennung und das nicht immer so glücklich für die Begleiter wie bei Ruby.
Insofern finde ich es gut, dass er sich jetzt wieder mit dem Thema auseinandersetzt und sich quasi selbst kritisiert. Ob aber Stühle in der TARDIS weiterhelfen werden? Naja, vielleicht ein bisschen. Aber irgendwie sehe ich den Doctor nicht als eine Person, die sich wie hier mit Anita zusammensetzt und einfach nur eine schöne, gemeinsame Zeit verbringen möchte. Unser Doctor ist halt immer davon getrieben, die Welt zu verbessern und zu schützen. Entsprechend gefährlich sind die Abenteuer, in die er sich stürzt oder in die er gestürzt wird. Da gibt es früher oder später immer Verluste zu beklagen, auch aufgrund der langen Lebensspanne des Doctors.
Wobei, ich würde mir tatsächlich mal wünschen, dass er einen Begleiter oder eine Begleiterin findet, der oder die sehr viel länger am Ball bleibt als sonst. Und auch eine Inkarnation des Doctors, die bis zur nächsten Regeneration mehr als vier Staffeln übersteht. Mein Lieblings-Doctor Tom Baker war von 1974 bis 1981 als vierte Inkarnation dabei. Und wer erinnert sich noch an Elisabeth Sladen, die als Sarah Jane Smith in der gleichen Ära dem Doctor für vier Staffeln zur Seite stand, immer mal wieder zur Serie zurückkehrte und sogar mit The Sarah Jane Adventures (2007-2011) eine eigene Spin-off-Serie erhielt?
Genau das fehlt mir schon länger und vielleicht auch dem neuen Doctor, wenn er sich selbst dafür kritisiert, dass die Begleiter ihn schnell wieder verlassen. Und Ncuti Gatwa würde ich tatsächlich zutrauen, wesentlich länger den Doctor zu spielen als vorherige Inkarnationen. Er spielt die Rolle wirklich großartig und das in bislang jeder Folge. Da müssen nur die guten Drehbücher her (von denen aus schon ein paar gab) und natürlich eine Begleitung, die sich zu hundert Prozent auf den Doctor und seine Abenteuer einlässt. Falls Moffat hier mit seinem Skript einen solchen Weg andeutet - und das macht er - lässt mich das hoffen. Denn ich will auf jeden Fall mehr. Mehr vom Doctor, mehr von seinen Begleitern, mehr von den grenzenlosen Abenteuern in Raum und Zeit. Bei den Möglichkeiten, die die Serie bietet, kann das doch nicht so schwer sein, oder?

Ein Abenteuer durch Zeit und Raum zu Weihnachten
Insgesamt hat mir die Story gefallen, die uns dieses Jahr zu Weihnachten geboten wird. Vielleicht ist es ein wenig merkwürdig, dass das Time Hotel beziehungsweise die Zimmer davon immer in eine andere Weihnachtszeit führen, aber mit Blick auf die erzählte Geschichte passt das schon. Denn am Ende ist das Hotel eine Art Weihnachts-TARDIS, die den Besuchern erlaubt, diversen Ereignissen beizuwohnen - zur Weihnachtszeit eben. Wer will da nicht in ein solches Hotel einchecken?
Die Auflösung mit dem Stern fühlt sich da in allen Epochen sehr herzlich an und wie bereits gesagt, kommen da alle Ausflüge des Doctors am Ende irgendwie zusammen, selbst wenn es nach 1940 in den Blitzkrieg geht (was sich zu Beginn zugegebenermaßen komisch anfühlte). Mitunter lässt sich zwar eine Menge kritisieren und da blicke ich nicht nur auf die quasi nicht aufgelöste Zeitschleife (woher hat der Doctor jetzt die Kombination, die Joy anfangs rettet?), aber hey, das Drehbuch stammt von Moffat. Da ist ein bisschen Timey-Wimey vorprogrammiert, auch wenn sich das leicht hätte besser auflösen lassen, indem der Doctor mal kurz in einer Szene (und an passender Stelle) die Kombination herausfindet.
Aber allzu viel möchte ich gar nicht kritisieren und was sich oben weiter als Kritik oder Hoffnung (mit Bezug auf Figuren) findet, werde ich bei meiner Bewertung nicht großartig in die Waagschale legen. Denn unterm Strich dominiert für mich das Weihnachtsgefühl, welches die Folge hervorragend aufgreift und am Ende zurücklässt. Ich glaube, es wurde schon lange nicht mehr bei einem Weihnachts-Special so sehr auf Weihnachten eingegangen wie hier und das fühlt sich einfach gut an. Und, oh, der Dinosaurier ist natürlich ein Pluspunkt gewesen.
Fazit
Endlich wieder ein Weihnachts-Special, welches sich auf Weihnachten konzentriert und diese Zeit nicht nur als Beilage hat. Diverse Kritikpunkte an Figuren und Handlung lassen sich zwar leicht finden, aber rücken mit Blick auf die herzliche Auflösung deutlich in den Hintergrund. Ich habe mich am Ende jedenfalls wohlgefühlt und würde vier von fünf Sternen dafür vergeben. Und ihr?
Doctor Who Teaser 2025
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 27. Dezember 2024(Doctor Who 15x01)
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