Doctor Who 14x02

Doctor Who 14x02

In der Folge „The Devil's Chord“ der UK-Serie „Doctor Who“ treffen Ruby und der Doctor die Beatles. Aber irgendetwas stimmt nicht im Jahre 1963, denn die Musik scheint sich aus der Welt zu verabschieden, was katastrophale Folgen hat und auf ein gottähnliches Wesen namens Maestro zurückzuführen ist...

Ncuti Gatwa und Millie Gibson in der Serie „Doctor Who“
Ncuti Gatwa und Millie Gibson in der Serie „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

„The Devil's Chord“

The Devil's Chord (deutscher Titel: „Die andere Saite des Teufels“) ist eine weitere ungewöhnlich schräge Episode der Serie. In den ersten Szenen sehen wir, wie Maestro (Jinkx Monsoon) im Jahre 1925 in unsere Welt gelangt und den armen Klavierlehrer Timothy Drake (Jeremy Limb) in die Mangel nimmt. Anschließend wird die vierte Wand durchbrochen und Maestro leitet die Titelmusik ein. Unheimlich.

Zurück in der Gegenwart möchte Ruby (Millie Gibson) in die 1960er Jahre reisen, um die Beatles bei der Aufnahme ihres ersten Albums zu sehen (und zu hören). Nicht gerade der Standardwunsch von Begleitern, wie der Doctor (Ncuti Gatwa) direkt anmerkt, ehe er seine Begeisterung von dem Wunsch zum Ausdruck bringt: „Amazing!“ Nächste Station ist London im Jahre 1963.

Schnell noch ein paar passende Kostüme angelegt und es kann direkt zum Studio gehen, in dem John Lennon (Chris Mason), Paul McCartney (George Caple), George Harrison (Philip Davies) und Ringo Starr (James Hoyles) gerade ihren neuesten Hit aufnehmen: „I've got a dog.“ Und direkt im nächsten Studio trifft unser Duo auf Cilla Black (Josie Sedgwick-Davies), die gerade dabei ist, einen ähnlich „guten“ Ohrwurm aufzunehmen. Irgendetwas stimmt da nicht, denn die Welt hat sich musikalisch zu einem Minimum zurückentwickelt, was noch dramatische Folgen für das Weltgeschehen und die Bevölkerung haben soll...

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Bei ihren Recherchen und dem Versuch, der Musik neues Leben einzuhauchen, offenbart sich Maestro schließlich unserem Doctor und Ruby. Selten haben wir unseren Time Lord so ängstlich gesehen, der zusammen mit Ruby die Flucht ergreift und sich nicht in der Lage sieht, Maestro aufzuhalten. Der Sonic Screwdriver kann Maestro zwar kurzzeitig verwirren (und uns ein paar interessante Szenen zeigen), aber unser Doctor scheint mit seinem Latein am Ende zu sein. Er demonstriert auf Rubys Nachfrage mit einer Reise zurück in die Gegenwart auch, wie der weitere geschichtliche Verlauf aussieht, wenn der Welt die Musik fehlt - apokalyptisch.

Maestro holt die beiden aber auch hier ein und offenbart das große Ziel, alles Leben im Universum auf diese Art auslöschen zu wollen. Ferner gibt es ein paar Informationen über Maestro, einen Zusammenhang mit dem Toymaker (Neil Patrick Harris) und auch eine Möglichkeit, diesen gottähnlichen Gegenspieler wieder zu verbannen - und zwar genauso, wie er von Timothy Drake einst (unbewusst) herbeibeschworen wurde. Dazu muss der Doctor „nur“ die passenden Töne finden.

Story

Witzigerweise fällt die eigentliche Geschichte hier sehr flach aus, was mitunter auch ein wenig enttäuschend sein kann. So spielen die Beatles kaum eine Rolle, wenngleich John Lennon und Paul McCartney am Ende diejenigen sind, die Maestro mit der letzten Note verbannen und somit den Tag retten können. Abgesehen vom Antagonisten Maestro und unserem zeitreisenden Duo gibt es aber keine wirklich bedeutenden Figuren oder Charaktere, die näher ausgearbeitet werden. Da hatten selbst die Weltraumbabys vom Staffelauftakt ein höheres Level als die Nebenfiguren hier.

I have got a dog, his name is Fred - die Beatles in der Serie „Doctor Who“
I have got a dog, his name is Fred - die Beatles in der Serie „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Trotzdem finde ich die Vorgehensweise in dieser Episode nicht unbedingt schlecht, auch wenn meine Erwartung, dass die Beatles eine größere Rolle spielen würden, hier enttäuscht wird. Eine Welt ohne Musik? Interessanter Gedanke, schließlich gibt es eine ganze Reihe Lieder, mit der wir die schönsten Momente unseres Lebens verbinden oder auf die wir zurückgreifen, um die unterschiedlichsten Gemütszustände zu verarbeiten. Und man denke nur an Feiern, Partys oder den Disco-Besuch - ohne Musik käme da kaum Stimmung auf und, wie Ruby an einer Stelle richtig anmerkt, würde wohl auch niemand mehr tanzen. Da ist eine Welt ohne Musik tatsächlich schwer vorstellbar.

Aber würde das Fehlen von Musik apokalyptische Ausmaße annehmen, wie es in dieser Episode suggeriert wird? Ich glaube nicht. Klar, mir würde schon etwas fehlen und ich müsste andere Mittel und Wege finden, um mich beispielsweise zu entspannen. Aber viel schlimmer wäre es für mich, wenn ich gar nichts mehr hören würde, wenn ich taub wäre und mir entsprechend eine Sinneswahrnehmung fehlen würde. Und selbst dann ließe sich noch leicht dagegen argumentieren, ob dieser Zustand zwangsweise zum Weltuntergang führt. Ja, man würde die Welt anders wahrnehmen, aber das bedeutet halt nicht, dass sie innerhalb von ein paar Jahrzehnten untergehen würde.

Insgesamt ist die Story also eher mager ausgefallen und die Konsequenzen lassen sich im besten Fall höchstens fragwürdig nachvollziehen. Für mich zusammen mit der Tatsache, dass die Beatles nur eine untergeordnete Rolle spielen, wohl der größte Minuspunkt an dieser Folge - interessante Idee hin oder her.

Maestro

Unsereins hat den Namen Jinkx Monsoon hier zum ersten Mal gehört und ich fühle mich bei nichtbinären Personen stets ein wenig überfordert, wenn ich sie korrekt in der dritten Person bezeichnen soll. Das gleiche Problem habe ich bei der Figur Adira (Blu del Barrio) in Star Trek: Discovery und das geht hauptsächlich darauf zurück, dass ich hier auf Deutsch schreibe. Denn im Englischen wird einfach „they/them“ (wofür wir auf Deutsch ebenfalls „sie“ (Mehrzahl) verwenden) verwendet, was Maestro im O-Ton gegenüber Timothy Drake in einem kleinen Dialog auch anmerkt.

Ich werde daher im weiteren Text ebenfalls die eigentlich weibliche Form „sie“ verwenden, aber die sollte in diesem Fall als Plural zu lesen sein - ein Kompromiss, den ich einfach mal eingehe und der Unzulänglichkeit der deutschen Sprache in die Schuhe schiebe.

Aber zurück zur Folge. Beim Namen „Maestro“ schwingt natürlich direkt die Vermutung mit, der Master wäre zurückgekehrt. Dem ist aber offensichtlich nicht so, denn in dem Fall wäre der Doctor wohl kaum geflüchtet, sondern hätte erstmal einen kleinen Plausch mit seinem Erzgegner gehalten, um dessen Motive näher zu ergründen. Zwar gibt es bereits während der Eröffnung Eindrücke, die über die Norm der üblichen Gegenspieler hinausgehen (vierte Wand, Einleitung der Titelmelodie), aber Gewissheit über Maestro erlangen wir erst, wenn sie sich als Kind des Toymakers ausgibt und damit die Befürchtung des Doctors bestätigt.

Jinkx Monsoon in „Doctor Who“
Jinkx Monsoon in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Fraglos hinterlässt Maestro auch einen gewaltigen Eindruck beim Zuschauer und ja, ich gehöre zu denen, die die Darstellung sehr gelungen fanden. Manchmal amüsant, manchmal unheimlich, aber stets auf die jeweilige Situation angepasst und immer derart energiegeladen, dass ich tatsächlich annehmen konnte, hier ein übermächtiges Wesen vor mir zu haben, welches die gesamte Welt als große wie unbedeutende Spielfläche ansieht. Ernsthaft, die Darstellung dieser Figur hat mich sehr beeindruckt und meine Nackenhaare stimmen mir zu.

Seit The Giggle wissen wir auch, dass am Rande des Universums noch weitere, gottähnliche Gegenspieler darauf warten, in unser Universum einzudringen. Der Toymaker selbst hat von Legionen gesprochen, die noch kommen werden und wenn wir jetzt mit der zweiten Episode dieser Staffel bereits Maestro erhalten, bin ich mal gespannt, was die weiteren Folgen bringen werden. An einer Stelle wird „the oldest one“ von Maestro erwähnt, später bringt sie mit „the one who waits“ einen Namen ins Spiel, der selbst dem Toymaker zu viel war, vor dem er sich versteckte - und angeblich hat der Toymaker Gott zu einem „Jack in the box“ gemacht. So viel zur Bedrohlichkeit der noch kommenden Wesen, die auf den ersten Blick übermächtig erscheinen.

Mit Maestro wird jedenfalls fortgesetzt, was sich in den letzten Specials bereits angedeutet hat. Showrunner Russell T. Davies will neue Wege gehen und unseren lieben Doctor vor Probleme stellen, die sich nicht mit den üblichen Gimmicks lösen lassen, ihm sogar Angst einjagen. In meinen Augen vielversprechend, denn schon wie die Specials oder auch die ersten beiden Episoden dieser Staffel, fühlt sich alles sehr frisch an, weil unerwartet.

Der Doctor und Ruby

Eigentlich wollte unser dynamisches Duo nur die Beatles genießen, aber es kam alles ganz anders. Beim Jahr 1963 läuten beim eingefleischten Whovian natürlich die Glocken, schließlich ist es das Jahr, als die „alte“ Serie einst auf Sendung ging und wo der erste Doctor (William Hartnell) sein erstes Abenteuer mit seiner Enkelin Susan Foreman (Carole Anne Ford) und ihren Lehrern Ian Chesterton (William Russell) und Barbara Wright (Jaqueline Hill) in Angriff nahm: „An Unearthly Child“.

Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Ncuti Gatwa in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Und gerade, weil unser Doctor seine Vergangenheit mit Ruby teilt, werden die beiden Figuren hier als Team gefestigt. Was gewissermaßen auch auf Gegenseitigkeit beruht, denn Ruby weiß zunächst nicht, dass mit dem Auftritt von Maestro im Jahr 1963 die gesamte Zukunft anders verlaufen wird und sie sich im Schutz des Doctors befindet, der (zusammen mit der TARDIS) ihr Verschwinden verhindert. Sie wundert sich auch darüber, dass unser Doctor Angst zeigt, wenngleich es in der Vorfolge mit dem „Bogeyman“ ein ähnliches Erlebnis gegeben hat. Aber gut, die beiden lernen sich eben noch kennen.

Prägnant ist aber, wie gut die beiden miteinander agieren. Jede Frage, die Ruby stellt, wird ohne Umwege beantwortet und ihre Bedeutung für den Doctor niemals in Frage gestellt. Und auch der Doctor ist auf Ruby angewiesen, die jederzeit mitdenkt und sich bereits in den ersten Minuten der Folge Sorgen um die Kleidung der beiden macht, was erst zum Kostümwechsel führt. Das Zusammenspiel von Millie Gibson und Ncuti Gatwa hat mir jedenfalls erneut sehr gefallen und ist für mich durchaus ein Höhepunkt der Episode.

Die Hintergrundgeschichte zu Ruby wird zwar auf später verschoben, denn hier steht ein Gegner des Doctors im Vordergrund. Aber im Prinzip haben wir jetzt zwei größere Staffelthemen, die es durch unsere beiden Helden zu erkunden gilt. Einmal Rubys wahre Herkunft und zum anderen die Bedrohungen von außerhalb unseres Universums. Das verspricht für mich einen interessanten Mix. Und wenn der Doctor nebenbei noch seinen Werdegang für neue Zuschauer offenbaren darf, stehe ich dem nicht kritisch gegenüber.

Fazit

Ich hatte durchaus Spaß mit der Folge und Maestro war amüsant wie unheimlich zugleich, aber irgendwie hatte ich mehr erwartet. Mehr Beatles, mehr Lieder, mehr 1963 und vor allem mehr Charaktere, die diese Episode bedeutungsvoll machen oder auch nur ergänzen. Die präsentierte Geschichte ist mit Blick auf das weitere Geschehen zwar nicht schlecht, denn der Doctor und Ruby funktionieren miteinander und die größere Bedrohung wird aufgezeigt.

Aber so unterm Strich sind von mir nur dreieinhalb von fünf Sternen drin (ja, die Babys haben mir besser gefallen).

Und Ihr so?

Hier abschließend noch der Trailer zu den neuen Folgen der Serie „Doctor Who“:

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 13. Mai 2024
Episode
Staffel 14, Episode 2
(Doctor Who 14x02)
Deutscher Titel der Episode
Die andere Saite des Teufels
Titel der Episode im Original
The Devil's Chord
Länge der Episode im Original
47 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Freitag, 10. Mai 2024 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Mai 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 10. Mai 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 10. Mai 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 10. Mai 2024

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