Doctor Who 13x10

Doctor Who 13x10

Mit „The Church on Ruby Road“ gibt es dieses Jahr bei der UK-Serie „Doctor Who“ endlich wieder ein Weihnachts-Special. Der neue Doctor erhält sein erstes, eigenes Abenteuer und trifft auf Ruby, die scheinbar vom Pech verfolgt wird.

Millie Gibson und Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Millie Gibson und Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

The Church on Ruby Road

Ruby Sunday (Millie Gibson) hatte in den letzten Tagen kein Glück. Kleinere und größere „Missgeschicke“ verfolgen sie bis zum Heiligen Abend, den sie mit ihrer Ziehmutter Carla (Michelle Greenidge) und deren Mutter Cherry (Angela Wynter) verbringen möchte. Die kleine Familie erhält mit der neugeborenen Lulubelle Zuwachs. Das Baby, welches am gleichen Tag wie Ruby Geburtstag hat und am gleichen Tag wie Ruby von seiner Mutter „abgegeben“ wurde, wird kurz darauf entführt und wir erfahren, wer für Rubys Pech der letzten Tage verantwortlich ist.

Tapfer nimmt sie die Verfolgung der Entführer auf, welche sich als Goblins entpuppen, über das Dach entkommen wollen und nichts Gutes mit dem Neugeborenen vorhaben. Denn Babys werden von Goblins und deren König verspeist. Glücklicherweise kommt der Doctor (Ncuti Gatwa) gerade noch rechtzeitig zur Hilfe als Ruby bereits in schwindelnder Höhe an der Strickleiter des großen Goblin-Schiffs baumelt. Zusammen und mit einem neuen Gadget des Doctors schaffen sie es an Bord, werden vorerst gefesselt und können nach einer amüsanten Musical-Einlage das Baby vor dem hungrigen Goblin-König und seinem Gefolge retten.

Aber das Abenteuer ist damit noch lange nicht zu Ende. Zu viele Zufälle offenbaren sich und scheinen den Goblins in die Hände zu spielen, die jetzt zum Gegenangriff übergehen. In der Gegenwart verschwindet Ruby und Carla kann sich weder an sie noch an zahlreiche der anderen Kinder und Kleinkinder erinnern, die sie über kurz oder lang in ihrer Obhut hatte. Dem Doctor wird bewusst, dass er in die Vergangenheit reisen muss, um Ruby zu retten und den ursprünglichen Verlauf der Geschichte wiederherzustellen.

Millie Gibson in „Doctor Who“
Millie Gibson in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Ruby

Millie Gibson als Ruby Sunday ist mir auf Anhieb sympathisch und wird sicher eine gute Begleiterin des Doctors abgeben. Rubys Hintergrundgeschichte ist Teil des Abenteuers, womit wir sie direkt kennenlernen und im Folgenverlauf noch mehr über ihren Werdegang, aber auch den von Carla erfahren. Sie sucht schon länger nach ihren leiblichen Eltern und wendet sich anfangs an Davina McCall (Davina McCall), deren Recherchen aber (vorerst?) keine Verwandten hervorbringt. Die Frage danach, wer ihre Mutter ist, die ihr Neugeborenes kurz vor Mitternacht vor einer Kirche zurückließ, soll auch bis zum Ende der Folge unbeantwortet bleiben und liefert uns somit ein Mysterium, welches sicher im Verlauf der nächsten Staffel wieder aufgegriffen wird.

Ruby ist deswegen aber nicht am Boden zerstört. Wir sehen, dass sie Hobbys und Freunde hat und trotz des Pechs der letzten Tage ein sehr glückliches Leben führt - nicht zuletzt auch deswegen, weil sie in Carla eine Mutter gefunden hat, die sie liebt und sich um sie kümmert. Insofern ist Ruby kein einsames Problemkind oder dergleichen, welches unbedingt die Abwechslung benötigt, die die Reisen mit dem Doctor und der TARDIS bieten. Es liegt natürlich nahe, dass die Möglichkeit von Zeitreisen die Frage nach ihrer Herkunft beantworten kann, aber die Tatsache, dass der Doctor ein Zeitreisender ist, geht ihr erst am Ende auf als sie die verschiedenen Momente des Tages beziehungsweise Aussagen des Doctors zusammenzählt. Und zögert sie nicht auch ein wenig, ehe sie die TARDIS betritt?

Im Verlauf des Abenteuers wird ferner deutlich, dass Ruby durchaus die Initiative ergreifen und handeln kann. Bestes Beispiel ist die Verfolgung der Entführer aufs Dach des Hauses und dass sie nicht aufgibt, obwohl es in der Situation (Goblins, schwindelnde Höhe) verständlich gewesen wäre. Sie lässt sich auch nicht übermäßig viel vom Doctor erklären und passt sich schnell der jeweiligen Situation an - auch wenn das bedeutet, dem Goblin-König etwas vorzusingen (ob sich in der nächsten Staffel eine Musical-Folge anbahnt?) oder auf die Wirkung gewisser Handschuhe zu vertrauen. Eine (notwendige) Abenteuerlust ist bei ihr vorhanden und sie nimmt aktiv an der Geschichte teil, auch wenn der Doctor immer mal wieder die Führung übernehmen muss.

Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Ncuti Gatwa in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Der Doctor

Der neue Doctor fühlt sich in diesem Special nach einem erfrischenden Neuanfang der Figur an - und das sage ich nicht aufgrund der Tanz-Szenen in der Disco. Vielmehr wirkt Fifteen deutlich „lebendiger“ durch seine Aktionen, denn es gibt kaum Momente, in denen die Last der Welt auf den Schultern des Doctors liegt. Gut, vielleicht ist das auch ein wenig dem eher simpleren Abenteuer geschuldet oder der Tatsache, dass dieser neue Doctor bislang noch keine besonderen persönlichen Markenzeichen (in Bezug auf sein Outfit oder bestimmte Redensarten jedenfalls) hat. Mir gefällt dieser Ansatz bislang, auch wenn es ein paar Gefahren gibt, die mir während der Folge durch den Kopf gegangen sind.

Die Handschuhe und was damit möglich ist, haben mir („Mavity“ hin oder her) weniger zugesagt. Durch dieses Gadget könnte Doctor Who schnell ins Superhelden-Genre abdriften, wann immer es nötig wird, und das würde sich falsch anfühlen. Ich frage mich ohnehin, weshalb bei der Rettung von Ruby nicht die Strickleiter gerissen ist oder wie die Arme des Doctors das mitmachen konnten. Weniger gefallen hat mir außerdem, dass die Goblins und deren König am Ende durch diesen Gewaltakt besiegt werden und es keinen (sonst üblichen und oft verbalen) Kniff des Doctors gegeben hat. Denn selbst die grausamsten Feinde unseres Time Lords haben doch immer eine Art Ultimatum erhalten, ehe sie - ob nun durch die „Feder“ oder das „Schwert“ - besiegt wurden.

Allerdings hat mir gefallen, dass der Doctor an Bord des Schiffes erst einmal lernen musste, wie die „Technik“ dort funktioniert. Werden die Handschuhe noch übermäßig oft eingesetzt, erweist sich der Sonic Screwdriver hier als nutzlos, womit erst herausgefunden werden muss, welche Funktion die zahlreichen Seile haben. Da darf Fifteen zeigen, wie schnell er sich zurechtfindet und dazu noch, wenn die Zeit drängt.

Was die neue Persönlichkeit des Doctors betrifft, bin ich erstmal optimistisch. Gegenüber Ruby, Carla und auch Cherry verhält er sich vorbildlich, freundlich und hilfsbereit. Dem nervigen Polizisten geht er zwar schnell aus dem Weg, aber gibt ihm eine gute Portion Zuversicht mit, was keineswegs selbstverständlich ist. Die Dame mit dem Kinderwagen bekommt da eher schlechte Laune ab, was angesichts der Situation vielleicht verständlich ist, aber dennoch kurz den Eindruck erweckt, dass der neue Doctor sich nicht immer im Griff hat.

Szenenfoto aus „Doctor Who“
Szenenfoto aus „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Goblins

Russell T. Davies hatte für dieses Weihnachts-Special eine einfache Geschichte ohne viel Bombast und/oder Gedankenspiele im Sinn, was mit Blick darauf, dass zu Weihnachten die gesamte Familie diese Folge gemeinsam schauen wird (oder gesehen hat), sicher eine gute Entscheidung war. Der Autor und Showrunner konzentriert sich hier entsprechend auf Ruby und ihre Familie(nsituation), lässt den Doctor zur Hilfe eilen und das Weihnachtsfest für alle Babys retten. Funktioniert für mich, passt zu Weihnachten und am Ende macht sich Vorfreude auf die weiteren Geschichten von Ruby und unserem Doctor breit.

Von den Bösewichten hätte ich trotzdem mehr erwartet als gezeigt wurde. Der Ausflug ins Fantasy-Genre (den Goblin Song gab es vorab) deutete sich bereits an und sah amüsant aus, auch wenn der Text des Liedes alles andere als amüsant oder gar lustig ist. Schließlich essen die Goblins Babys und sind damit Monster, die man nicht treffen möchte und denen man keine Träne nachweint, wenn König und Schiff am Ende vernichtet werden. Trotzdem frage ich mich, weshalb man diesen Kreaturen nicht mehr Tiefe gegeben hat. Woher kommt die Motivation, Babys zu verspeisen? Schluckt der König das gesamte Baby? Was hat dann sein Gefolge auf dem Teller? Mit Blick auf den Technik-Aspekt sind die Goblins in der Lage, sich mit ihrem Schiff durch die Zeit zu bewegen und könnten somit überall aktiv werden, zahlreiche Babys entführen und fürstlich dinieren. Aber das machen sie nicht, weil es besondere Umstände dafür benötigt? Die Folge deutet zwar vieles an - Zufälle, ähnliche Werdegänge, etc. - aber wir kommen der Mythologie der Goblins (die es in Doctor Who bislang noch nicht gab) nie einen Schritt näher. Geschweige denn, dass wir diese Bösewichte in irgendeiner Form verstehen könnten und das ist für mich der größte Minuspunkt dieser Folge, so nett sie auch sein mag. Denn als Bösewichte bleiben die Goblins ähnlich flach wie die Lieder, die sie singen (und die ähnlich flach vom Doctor und Ruby fortgeführt werden). Falls es mal eine Musical-Folge geben wird, dann jedenfalls hoffentlich mit mehr „Wumms“ hinter den Zeilen, als es hier der Fall war. Wobei, okay, gestört hat mich jetzt nicht, dass der Goblin Song und die Einlagen von Ruby und dem Doctor simpel gestrickt waren.

Sonstiges

Davina McCall wird vom Doctor gerettet - Pluspunkt. Die Effekte - weniger als erwartet - sind nach wie vor gut bis großartig, ebenfalls ein Pluspunkt. Der Doctor sieht zwar, wie Rubys Mutter abhaut, aber unternimmt keinen Versuch, ihre Identität zu lüften - Minuspunkt (ja, ich weiß, wir brauchen eine Story für Ruby in der nächsten Staffel).

Ansonsten waren die Auftritte von Mrs. Flood (Anita Dobson) großartig. Ihre Auseinandersetzung(en) mit Abdul (Hemi Yeroham) war(en) köstlich und das Ende, als sie zu uns Zuschauern blickt und fragt, ob wir noch nie eine TARDIS gesehen haben? Großartig, wenn auch leicht widersprüchlich mit Blick auf den Anfang der Folge.

Aber jetzt das, was mir noch wichtig ist: Frohe Weihnachten, Serienjunkies! Ich hoffe, ihr kommt alle mit einem guten Rutsch (und einer sanften Landung) ins neue Jahr! Von meiner Seite war es das jetzt mit Reviews für dieses Jahr, aber 2024 hält vieles bereit, auf das ich mich freue. Nicht zuletzt eine neue Staffel von Doctor Who, auf die ich sehr gespannt bin. Und ihr so?

Fazit

Rein charakterlich würde ich die volle Punktzahl für Ruby vergeben, auch wenn ich mir beim Doctor nicht ganz sicher bin. Auf jeden Fall eine schöne Weihnachtsgeschichte, die vieles richtig macht und das Familienherz in den Vordergrund stellt. Beim Ende bin ich mir aber nicht sicher und hätte auch von den vermeintlichen Bösewichten etwas mehr Tiefe erwartet. Die Festtags-Stimmung meint, ich sollte vier von fünf Sternen vergeben. Was gibt es von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 26. Dezember 2023

Doctor Who 13x10 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 10
(Doctor Who 13x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Doktor tanzt (2)
Titel der Episode im Original
The Church on Ruby Road
Länge der Episode im Original
43 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Montag, 25. Dezember 2023 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. Dezember 2023

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