Doctor Who 14x10

Doctor Who 14x10

Im zweiten Special - „Wild Blue Yonder“ - zum 60. Jubiläum der UK-Serie „Doctor Who“ landen Donna und der Doctor auf einem Raumschiff. Als sich die TARDIS allein davon macht, bleibt den beiden keine andere Wahl, als sich ihre riesige Umgebung genauer anzusehen, die eine große Gefahr birgt.

Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

Wild Blue Yonder

Das zweite Special beginnt mit einem kurzen Abstecher zu Isaac Newton (Nathaniel Curtis), dem gerade ein Apfel auf den Kopf gefallen ist - ein Ereignis, von dem uns heutzutage im Physikunterricht berichtet wird, wenn es um die Gravitationslehre geht. Donna (Catherine Tate) und der Doctor (David Tennant) funken kurz dazwischen, ehe die TARDIS sie zur nächsten Station bringt, wodurch Newton statt „Gravity“ jetzt den Begriff „Mavity“ verwendet - den sowohl Donna als auch der Doctor später in der Episode benutzen.

Dieser amüsante Einstieg ins Abenteuer, welches durch Donnas verschütteten Kaffee initiiert wurde, soll bei der nächsten Station aber eine ernste Wendung nehmen. Denn die TARDIS wurde derart beschädigt, dass sie sich regenerieren muss und während unsere beiden Protagonisten sich kurz auf dem riesigen Raumschiff umschauen, sind plötzlich die bekannten Laute zu vernehmen, die die Abreise der Raum-Zeit-Maschine ankündigen. Mitsamt Sonic Screwdriver, der noch im Schlüsselloch der TARDIS steckt. Der Doctor folgert, dass die TARDIS während ihrer Regeneration einen Schutzmechanismus („HADS, Hostile Action Displacement System“) aktiviert hat, womit unsere beiden Reisenden offenbar in feindlichem Territorium gestrandet sind. So lange jedenfalls, bis die Bedrohung beseitigt wurde - denn dann sollte die TARDIS zurückkehren.

Was anschließend folgt, ist eine Art Kammerspiel-artiges Abenteuer, welches allein von den darstellerischen Leistungen von Catherine Tate und David Tennant lebt. Das große Budget für die Episode ist dabei erneut sichtbar, womit die „Kammer“ in diesem Fall regelrecht gigantisch ausfällt. Unsere beiden Figuren erkunden zunächst das Raumschiff, stoßen auf einen alten, äußerst langsam agierenden Roboter und fragen sich, was aus der Besatzung geworden ist. Nach Erreichen des Cockpits wird es unheimlich, denn das Raumschiff hat die Grenze des bekannten Universums hinter sich gelassen und befindet sich im sternlosen Raum. Irgendetwas ist von dort an Bord gekommen und möchte jetzt unser Universum heimsuchen.

Event Horizon“ (1997) lässt kurz grüßen, ehe sich der Doctor und Donna Doppelgängern gegenübersehen. Diese Doppelgänger sind obendrein mit den Erinnerungen unserer beiden Helden ausgestattet, haben aber glücklicherweise noch Probleme, die angenommene Form zu halten. Nichtdestotrotz beginnt ein Katz- und Mausspiel, bei dem sich weder der Doctor noch Donna sicher sein können, ob sie die „echte“ Version des jeweils anderen vor sich haben. Zudem erfahren sie, dass der ehemalige Captain des Schiffs die Selbstzerstörung eingeleitet hat, womit die Uhr tickt.

Spekulatius im Vorfeld

Es gab im Vorfeld zahlreiche Spekulationen über dieses zweite Special, welches strikt unter Verschluss gehalten wurde. Ein paar davon habe ich gelesen und ich hätte eine Art Multi-Doctor-Special mit einem eventuellen Gastauftritt vom kommenden Doctor Ncuti Gatwa sicher auch interessant gefunden. Erinnern wir uns nur kurz an The Day of the Doctor - das Special zum 50. Jubiläum, welches vor zehn Jahren sogar in den Kinos lief - dann waren diese Spekulationen auch gar nicht so abwegig. Schließlich hatte Peter Capaldi dort damals einen kleinen Auftritt als zwölfter Doctor, der nach „ElevenMatt Smith das Steuer der TARDIS übernehmen sollte und überhaupt haben Episoden oder Specials mit mehreren Doctoren eine lange Tradition, die bis zu The Three Doctors zurückreicht, wo William Hartnell, Patrick Troughton und Jon Pertwee gemeinsam auftraten - zu Beginn der zehnten Staffel der Originalserie, womit damals schon ein kleines Jubiläum gefeiert wurde.

Aber gut, es ist, wie es ist und somit erhalten wir jetzt (noch?) keine Multi-Doctor-Folge. Stattdessen dürfen Catherine Tate und David Tennant uns durch ein Special führen, welches intensiver als sonst auf die Figuren eingeht. Schließlich ist es auch wichtig, uns aufzuzeigen, weshalb Russell T. Davies die beiden ausgewählt hat, um uns durch die Specials zum 60. Jubiläum zu führen. Und was das angeht, liefert Wild Blue Yonder wirklich gekonnt ab.

Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Donna und der Doctor

Herz und Seele der Episode sind entsprechend Donna Noble und unser Doctor, die fast durchgehend auf persönlicher Ebene miteinander diskutieren. Das hat mir sehr gut gefallen und macht dieses Special nochmal zu etwas ganz Besonderem, weil wir bis dato - abseits vielleicht von romantischen Ambitionen eines/einer Begleiters/Begleiterin des Doctors - nie das Vergnügen hatten, mehr zum persönlichen Verhältnis zwischen Time Lord und Begleiter/in zu erfahren. Man merkt, dass David Tennant und Catherine Tate ein eingespieltes Team sind und ihre Rollen auch über ein Jahrzehnt später problemlos wieder aufnehmen können. Und das mit vielen charakterlichen Eigenheiten, die stets im Fokus der Episode stehen. Für mich der größte Pluspunkt der Folge, auch wenn es ein kleines „Aber“ gibt.

Denn die Konfrontationen mit den Doppelgängern sind nicht immer optimal gelöst und nutzen sich später auch ein wenig ab. Der Extremfall ist hier, dass der Doctor vorerst die „falsche“ Donna mitnimmt, was natürlich Spannung beim Zuschauer erzeugt, aber irgendwie auch unnötig war. Denn das größte Manko ist schlichtweg, dass die Konfrontationen mit den Doppelgängern viel häufiger durch verlängerte Arme und dergleichen aufgelöst werden und nicht durch Entlarvung aufgrund von persönlichen Gesprächen. Da hätte der Autor der Folge einen besseren Weg wählen müssen, um mich vom eingespielten Verhältnis der beiden zu überzeugen - und ich bin mir sicher, dass das möglich gewesen wäre.

Positiv sehe ich wiederum, dass die (leider nur kurze) Ära von Jodie Whittaker in den Kanon aufgenommen wird. Für mich würde es sich auch falsch anfühlen, wenn die Abenteuer und Konsequenzen vom „Chibnall“-Doctor beziehungsweise -Doctorin einfach bei Seite geschoben würden. Insofern stammt der Doctor nicht von Gallifrey und Russell T. Davies nimmt sich der Aufgabe an, die oftmals kritisierten Änderungen aufzunehmen und fortzusetzen. An dieser Stelle sollten wir uns als Zuschauer auch nichts vormachen, denn die Reise des Doctors, so kontrovers sie manchmal auch ausfallen mag, ist doch das, was wir sehen wollen. Widersprüche gab es übrigens schon immer, das ist nichts Neues und geht bereits auf die Ära der ursprünglichen Serie zurück. Im letzten Review hatte ich da auch nicht die neuen Funktionen des Sonic Screwdrivers angesprochen, weil dieses Wunderwerkzeug sich über die Jahre halt immer wieder weiterentwickelt hat und auch weiterentwickeln werden wird. Ähnlich wie andere Utensilien des Doctors auch oder eben seine bekannten Gegenspieler, die trotz vermeintlichem Ende immer wieder auftauchen und deren Aussehen stets „modernisiert“ wird.

Bedrohung

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die Doppelgänger nicht aufgetreten wären, aber ich sehe auch nicht, wie man die Episode mit der eben angesprochenen Intention anders hätte angehen können. Für mich sahen die Effekte mit den verlängerten Extremitäten - im Gegensatz zum Umfeld - nicht unbedingt gut aus, aber sie waren im Rahmen dessen, was ich von Doctor Who erwarten würde. Insofern kann ich da manche CGI-Momente verschmerzen, die etwas „unglücklich“ aussahen.

David Tennant und Catherine Tate in „Doctor Who“
David Tennant und Catherine Tate in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Man muss sich auch immer wieder vor Augen halten, dass diese Serie von Kindern gesehen wird. Insofern kann hier kein „Event Horizon“ geliefert werden, auch wenn ich das sicherlich begrüßt hätte. Unheimlich genug waren die beiden Antagonisten aber und als der Doctor das Salz rausholt, hatte ich eine wage Erinnerung an gewisse Vampire, die in der alten Serie in State of Decay unter meinem Lieblings-Doctor Tom Baker mal Auftritte hatten. Damals in vier Teilen ausgestrahlt, wurden die Vampire als Erzgegner der Time Lords beschrieben und wollten ihren Anführer - „The Great One“ - wiederbeleben. Nicht gerade ein gutes Abenteuer, insofern bin ich auch froh, dass die Spielerei mit dem Salz vermutlich nur deshalb funktioniert hat, weil die beiden Monster Zugriff auf die Erinnerungen unseres Time Lords hatten.

Kritisieren lässt sich aber leicht, dass die TARDIS zurückkehrt, ehe die Bombe hochgegangen ist und zudem noch die „falsche“ Donna an Bord lässt. Zwar erkennt der Doctor noch seinen Fehler - erneut durch ein Detail in der Form seiner Begleiterin und nicht durch ihre Verhaltensweise - aber „HAPS“ hat im Prinzip trotzdem versagt. Da hätte ich mehr erwartet, auch wenn das im großen Ganzen bloß ein kleineres, kritisches Detail ist.

Back to Earth

Das persönliche Gespräch zwischen dem Doctor und Donna wird keineswegs zu einer Auflösung geführt, nachdem die „echte“ Donna wieder an Bord ist. Stattdessen weicht er ihr aus, nachdem er sie zu ihren Erinnerungen befragt hat, welche ihre Doppelgängerin darlegen konnte, die „echte“ Donna aber nicht mehr hat (oder doch?). Klassischer Doctor, aber nach dieser Folge hätte ich mir dennoch etwas mehr Offenheit gegenüber Donna gewünscht, die er beinahe zurückgelassen hätte. Warum die gerade erzielte Vertrautheit plötzlich über Bord werfen? Ergibt für mich keinen Sinn, zumal das gesamte, erarbeitete freundschaftliche Verhältnis der beiden damit (wieder) über Bord geworfen wird. Was wäre denn so schlimm daran, wenn er seine Misere der letzten 15 Jahre mit ihr teilt? Nichts. Im Gegenteil, Donna würde erfahren, was der Doctor durchgemacht hat und der Doctor müsste nicht eine Millionen Jahre durchstehen, um sich besser zu fühlen. Aber er setzt aufs Schweigen, was gerade nach dieser Episode ein klares Fail ist und die gesamte Folge unterminiert.

Glücklicherweise erhalten wir mit Wilfred Mott (Bernard Cribbins) noch einen kleinen Wohlfühl-Faktor, ehe es an den nächsten Cliffhanger geht. Schließlich wartet das dritte Special auf eine Sichtung und die Zeichen stehen erstmal nicht gut für unsere Welt. Da steht etwas Großes für das nächste Wochenende an und ich bin sehr gespannt darauf.

Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Zuletzt vielleicht noch ein bisschen zum Titel, den ich irgendwie verstehen kann, aber dennoch für falsch halte. Wild Blue Yonder ist schließlich ein Lied, welches die US Air Force promoten sollte und wesentlich älter als Doctor Who. Das Video im Link würde heutzutage niemand mehr anschauen, der ein Auge für das Weltgeschehen und Kriege hat. Mag sein, dass es sich um einen „Jolly Song“ handelt, der sich leicht nachpfeifen lässt. Aber die Botschaft dahinter ist mehr als fragwürdig und fühlt sich für eine Serie wie Doctor Who einfach falsch an.

Fazit

Mir hat das zweite Special unterm Strich gefallen, aber es wäre halt mehr möglich gewesen. Denn am Ende findet sich leider nicht das große Verständnis zwischen Doctor und Donna, worauf die Folge abzielt oder abzielen sollte. Mit Blick auf die gesamte Serie mag diese Episode dennoch besonders sein, aber sie vermag es halt nicht, aus dem Vollen zu schöpfen, was schade ist. Von mir gibt es diese Woche 3,5 von 5 Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 3. Dezember 2023

Doctor Who 14x10 Trailer

Episode
Staffel 14, Episode 10
(Doctor Who 14x10)
Deutscher Titel der Episode
Der Doktor tanzt (2)
Titel der Episode im Original
Wild Blue Yonder
Länge der Episode im Original
43 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 2. Dezember 2023 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 2. Dezember 2023

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