Doctor Who 14x09

Doctor Who 14x09

Im ersten Special - „The Star Beast“ - zum 60. Jubiläum der UK-Serie „Doctor Who“ stürzt ein Raumschiff über London ab. Der Doctor ist zur Stelle und noch ehe das eigentliche Abenteuer beginnt, trifft er auf Donna Noble - was mit Gefahren verbunden ist.

Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
Catherine Tate und David Tennant in „Doctor Who“
© Disney+

60. Jubiläum

Über ein Jahr ist vergangen, seit wir in The Power of the Doctor Abschied von Jodie Whittaker nehmen mussten und die Rückkehr von David Tennant als Doctor erlebt haben. Showrunner Chris Chibnall hat seinen Hut genommen und Russell T Davis ist zurück am Steuer der wohl langlebigsten Science-Fiction Serie aller Zeiten. Naja, nicht ganz, denn die alte Reihe, die am 23. November 1963 auf Sendung ging, sollte 1989 nach 26 Staffeln abgesetzt werden und in Serienform erst 2005 zurückkehren - unter der Leitung von Davies. Allerdings handelte es sich nicht um ein Reboot und The Star Beast ist ebenfalls kein Reboot. Im Gegenteil, seit 2005 wird stets mit den vergangenen Abenteuern gespielt, auf ältere Inkarnationen des Doctors eingegangen und damit die einzigartige Vorgehensweise der Serie genutzt, den titelgebenden Time Lord (auf Darstellerebene) auswechseln zu können.

Im Vorfeld gab es nun schon mit diversen Trailern und dem Mini-Special BBC Children in Need 2023 erste Eindrücke vom 14. Doctor, der erneut von David Tennant gespielt wird. Die Rückkehr von Donna Noble (Catherine Tate) wurde ebenfalls im Vorfeld bekannt, sowie die Beteiligung von anderen Darstellern, die neugierig auf die weitere Reise machen. Aber vorerst soll es hier um „Das Monster von den Sternen“ (so der deutsche Titel des Specials) gehen, welches mit viel Nostalgie daherkommt, ohne auf eine notwendige Weiterentwicklung der Figuren zu verzichten und welches ein sichtlich großes Budget aufweisen kann.

The Star Beast

Das Special beginnt mit einem kleinen Rückblick, um uns die Misere zwischen dem Doctor und seiner ehemaligen Begleiterin Donna Noble zu präsentieren. Eine Erinnerung daran, weshalb der zehnte Doctor sich einst von Donna trennen und ihre Erinnerungen an die gemeinsamen Reisen entfernen musste. Denn, falls sie sich erinnern sollte, wird es tödlich für sie enden. Ein Damokles-Schwert, welches in diesem Special für lange Zeit über Donna schweben soll und einen großen Teil der Spannung ausmacht.

Aber nach etwa 15 Jahren gilt es zunächst herauszufinden, wie sich Donnas Leben seit ihrem letzten Abenteuer mit dem Doctor verändert hat. Ihre Mutter Sylvia (Jacqueline King) ist nicht mehr der Drachen, den wir einst gesehen haben, sondern wacht darüber, dass Donna von der tödlichen Bedrohung verschont bleibt und kümmert sich entsprechend um die Tochter. Donna ist derweil mit Shaun Temple (Karl Collins) verheiratet und die beiden haben mit Rose (Yasmin Finney) ein gemeinsames Kind im Teenageralter, welches aufgrund der nicht-binären Geschlechtsidentität gehänselt wird.

Abenteuertechnisch stürzt ein Raumschiff über London ab, was UNIT und in diesem Fall Shirley Anne Bingham (Ruth Madeley) auf den Plan ruft. Der vermeintliche Absturz soll sich als Notlandung entpuppen, denn The Meep (Miriam Margolyes) wird verfolgt und findet bei Rose zunächst einen Unterschlupf, der aber nur von kurzer Dauer sein soll. Meeps Verfolger treten zunächst als Bösewichte auf, aber der erfahrene Zuschauer kann direkt riechen, dass dieses possierliche Tierchen vielleicht nicht so unschuldig ist, wie es eingangs anmutet. Spätestens mit den konvertierten UNIT-Soldaten hatte ich „Meep“ jedenfalls als möglichen Bösewicht im Hinterkopf - da existiert für mich auch eine Parallele zu Moopsie aus I Have No Bones Yet I Must Flee, wo sich eine knuddelige Figur ebenfalls als gefährlich entpuppen soll.

Das Abenteuer ist aber vortrefflich inszeniert und jeder Twist - ob nun vorhersehbar oder nicht - hat eine entsprechende Wirkung. Regisseurin Rachel Talalay weiß ihre Darsteller zu nutzen und setzt das Skript von Russell T Davies sehr gekonnt um, was durch das sichtlich große Budget nur gefördert wird. Okay, ich hätte jetzt nicht unbedingt sehen müssen, wie sich diverse Spalte innerhalb Londons wieder schließen, nachdem Donna und Rose aktiv werden - das unterminiert irgendwie die Bedeutung dieses Events und deren Folgen. Aber die Story ist unterm Strich sehr beeindruckend und macht viel mehr richtig als falsch, was ein enormer Pluspunkt ist.

The Meep

Fangen wir mit den Schwächen an, denn „The Meep“ mag knuddelig und süß sein, erzählt unserem Doctor auch eine glaubwürdige Geschichte, aber wird dennoch der große Bösewicht dieses Specials. Eine Entscheidung, die mir zusagt. Denn nicht alle Knuddeltiere oder Knuddel-Aliens sind von Grund auf gut, wie diese Folge demonstriert. Vielmehr sind die Verfolger die Guten, was nicht direkt sichtbar ist und uns einen Twist beschert, der trotz Antizipierung gut funktioniert.

The Meep in „Doctor Who“
The Meep in „Doctor Who“ - © BBC One/Disney+

Aber warum weiß unser Doctor nicht über die Meeps Bescheid und schwebt lange Zeit im Dunkeln? Unser Time Lord hätte da jedenfalls aus seinem großen Wissen schöpfen müssen, ohne dass es die „Gerichtsverhandlung“ benötigt hätte, in der auch noch zwei von den Verfolgern sterben. Für mich ein klares Fail des Time Lords, welches nicht in die Rolle passt. Okay, vielleicht war er noch nicht mit dieser Spezies sowie den Verfolgern vertraut, aber dennoch erscheint es weit hergeholt, dass er erst jetzt den ersten Kontakt damit hat und die Lage zunächst falsch einschätzt. Schließlich hat er schon sehr viel erlebt, da läge es nahe, dass er von den hungrigen Kuscheltieren bereits etwas gehört oder gesehen haben müsste.

Positiv ist hingegen die Animatronics-Abteilung hervorzuheben, die The Meep Leben einhaucht sowie die Tatsache, dass dieses Wesen sich von Beginn an mit unseren Protagonisten verständigen kann. Zudem wird die Unschuld des späteren Bösewichts betont, wenn er/sie/es nicht versteht, was es mit den anderen Puppen von Rose auf sich hat beziehungsweise diese nicht lebendig sind. Ein erfrischend anderer Ansatz, der auch lange Zeit verschleiern kann, welche Absichten The Meep wirklich verfolgt.

Die Wrarth-Krieger betonen dafür mit ihrem Aussehen einmal mehr den Trash-Faktor der Serie, der natürlich nicht verloren gehen darf und von Beginn an dazu gehört (man sehe sich nur das kurze Children in Need Special an, welches ich weiter oben verlinkt habe). Aber sie wirken dennoch sehr bedrohlich und können somit leicht als Bösewichte interpretiert werden, auch wenn sie diese Rolle nie wirklich einnehmen und beispielsweise zu Beginn keine unschuldigen Kinder verfolgen. Später hätte ich vielleicht die nicht vorhandene Treffsicherheit der Wrarth-Krieger kritisiert, aber dafür gibt es wenig später eine plausible Erklärung - schließlich schießen die Verfolger nur, um Leute zu betäuben.

Donna und Familie

Ganz großes Lob an Catherine Tate, die ihre alte Rolle als Donna Noble mit Bravour aufnimmt. Ebenso an Mutter Sylvia und die anderen Familienmitglieder. Wir merken, dass etwa 15 Jahre vergangen sind und können uns trotzdem schnell in die Figuren reinfinden. Familienthemen sind der Serie auch nicht fremd und gehen auf die Ursprünge der Serie zurück, womit sich dieses Special mit den mehr oder weniger vertrauten (Familien-)Figuren doch sehr gut macht.

An erster Stelle natürlich Donna, die sich zwar ein wenig verändert hat und sehr viel reifer geworden ist, aber dennoch an gewissen Geschehnissen vorbeischlittert. Sie weiß auch, dass ihr etwas fehlt - das vermutlich bedeutendste Kapitel in ihrem Leben - und im Gegensatz zu allen Befürchtungen verläuft ihr erstes Treffen mit dem bekannten Gesicht des zehnten Doctors ohne besondere Erinnerungsmomente. Das ist erleichternd, aber Mutter Sylvia, die von der Rabenmutter zur Wächterin über ihre Tochter geworden ist, hat sicher einen Punkt, wenn sie den Doctor vorerst aussperren möchte. Denn sie weiß, dass Donna der Tod droht, sollte sie sich an die vergangenen Reisen mit unserem Doctor erinnern.

David Tennant, Karl Collins und Catherine Tate in „Doctor Who“
David Tennant, Karl Collins und Catherine Tate in „Doctor Who“ - © Disney+

Neuzugang Rose fügt sich wunderbar ins Geschehen ein und soll uns später, als es hart auf hart kommt und Donna bereit ist, sich zu opfern, für einen wunderschönen Twist sorgen. Zunächst aber erfahren wir die Schwierigkeiten, mit denen sich Rose auf täglicher Basis auseinandersetzen muss. Ein „Problem“, welches in der heutigen Zeit keines sein sollte, aber es ist gut und richtig, wenn nicht-binäre Personen jetzt auch in Doctor Who thematisiert werden und einen Heldenstatus einnehmen können. Das ist sehr geschickt umgesetzt, auch wenn es in meinen Augen noch tiefer hätte gehen können und Rose unterm Strich als Charakter doch ein wenig zu kurz kommt. Noch kürzer kommt allerdings Shaun daher, der dem gespendeten Lotteriegewinn bis heute nachweint. Bei ihm bin ich mir beispielsweise überhaupt nicht sicher, welchen Beziehungsstatus er nun mit Donna hat - ein paar Szenen mehr wären da sicher hilfreich gewesen.

Zuletzt noch einmal zurück zu Donna. Die Lösung ihres Erinnerungsproblems hat mir gefallen und auch große Erleichterung beschert, nachdem es zunächst so aussah, als wenn wir uns von ihr verabschieden müssten. Ich habe regelrecht gejubelt als sie ihre Augen wieder aufschlug und prompt die Erklärung dafür kam. Weniger gefallen hat mir allerdings, dass Donna und Rose ihre Time Lord/Lady - Energie später aufgeben. Denn falls das so einfach geht, hätte Donna das damals auch machen können, oder nicht?

The Doctor

Unser Doctor ist natürlich an vorderster Front dabei und sorgt für jede Menge Nostalgie. Ein wenig Kritik habe ich bereits geübt und etwas mehr könnte ich noch ausüben, wenn es um Donna geht. Denn in dem Moment, in dem er ins Haus eindringen möchte (und schließlich auch eindringt), legt er jede Vorsicht beiseite, um das Abenteuer der Woche zu verfolgen. Bereitwillig nimmt er in Kauf, dass Donna sich erinnern könnte, was sie am Ende auch tut, und schlägt damit jedwede Warnung von Sylvia in den Wind.

Andererseits fragt er sich, weshalb er jetzt ein vergangenes Gesicht trägt und direkt mit Donna konfrontiert wird. Das Universum beziehungsweise die TARDIS (oder vielmehr Russell T Davies) hat es offenbar darauf angelegt, dass diese Geschichte erneut aufgegriffen und fortgesetzt wird. Egal, wie glücklich Donna jetzt auch sein mag. Nun, es kommt halt, wie es kommen muss und am Ende ist er auf Donna angewiesen, um den Tag zu retten, was scheinbar ein großes Opfer erfordert, welches ihn zum Himmel schreien lässt - was David Tennant wie kaum ein anderer kann. Schicksal? Eine gute Frage, aber nein, auch hier erwartet uns ein Twist. Aber nochmal: Hätte unser Doctor das nicht wissen müssen? Also, dass Donnas Kind dafür sorgt, dass die zurückkehrenden Erinnerungen nicht tödlich für Donna sind.

David Tennant und Yasmin Finney in „Doctor Who“
David Tennant und Yasmin Finney in „Doctor Who“ - © BBC One/Disney+

Bitte nicht falsch aufnehmen. Ich mag David Tennant in der Rolle und er liefert hier gekonnt ab, und zwar an jeder Stelle. Man kann mit diesem Doctor sehr gut mitfühlen, eben weil wir ihn bereits kennen, da ist die große Portion Nostalgie willkommen, ebenso wie Neuerungen, die die Funktionsweise des Sonic Screwdrivers betreffen. Aber dennoch hatte ich manchmal das Gefühl, unser Time Lord würde ebenfalls unter Gedächtnisschwund leiden oder in Bezug auf Donna ein bisschen zu rücksichtslos vorgehen, nachdem das Abenteuer gestartet ist.

Letztlich bin ich aber froh, den zehnten Doctor auch als 14. Doctor zu sehen. Denn was die neue Ära der Serie seit 2005 betrifft, gehört David Tennant sicher zu meinen Lieblingen. Gleiches gilt übrigens für Donna als Begleiterin des Doctors, die ebenfalls zu meinen Lieblingen zählt. Insofern bin ich auch sehr gespannt auf das nächste Abenteuer, welches durch den verschütteten Kaffee (natürlich wurde der verschüttet) quasi überall spielen kann und mein Dream-Team sicher vor große Herausforderungen stellen wird. Und wie schön sieht das neue Design der TARDIS bitte aus?

Hoffentlich haben wir niemanden vergessen in „Doctor Who“
Hoffentlich haben wir niemanden vergessen in „Doctor Who“ - © BBC One/Disney+

Fazit

Das lange Warten hat sich gelohnt und beschert uns ein Abenteuer, welches den Figuren (größtenteils) gerecht wird und obendrein noch sehr schön und spannend anzusehen ist. Die Kritikpunkte wiegen da weniger schwer, weshalb es von mir diese Woche vier von fünf Sternen gibt. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 27. November 2023

Doctor Who 14x09 Trailer

Episode
Staffel 14, Episode 9
(Doctor Who 14x09)
Deutscher Titel der Episode
Das leere Kind (1)
Titel der Episode im Original
The Star Beast
Länge der Episode im Original
42 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 25. November 2023 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 25. November 2023

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