Doctor Who 13x06

© odie Whittaker als Doctor Who, (c) BBC
Chapter Six: The Vanquishers
Es fällt mir tatsächlich nicht leicht, diese Zeilen zu schreiben, aber mittlerweile kann ich es kaum erwarten, dass Russell T. Davies wieder das Steuer der TARDIS übernimmt. Chris Chibnall mag sich zwar alle Mühe geben, seinen Flux zu einem befriedigenden Finale zu bringen und hat für das Finale auch gute Ideen an Bord. So wird unser Doctor (Jodie Whittaker) dreigeteilt, um an verschiedenen Handlungen teilzunehmen, die Sontarans verfolgen einen ungewohnt ausgeklügelten Plan, um sich zu den Herrschern des (verbleibenden) Universums aufzuschwingen und überhaupt wirkt Chapter Six: The Vanquishers sehr groß in seiner Bedeutung für die gesamte Serie. Blickt man allerdings auf das Ende und vergisst mal kurz die Knoten im Kopf, die sich während dieser letzten Episode der Staffel leicht ergeben können, setzt doch Ernüchterung ein. Denn die Taschenuhr landet in den tiefsten Tiefen der TARDIS, der verhinderte „Final Flux“ hebt nicht das auf, was wir zu Beginn der Staffel gesehen haben und diverse Charaktere erhalten ein weniger befriedigendes Ende. Und klar, mit Karvanister (Craige Els) gibt es jetzt nur noch einen Lupari, weil die Sontarans alle anderen offscreen entsorgt haben. Außerdem war „Time itself“ jetzt auch nicht der Bringer, sondern eher das Kaninchen aus dem Hut, was Swarm (Sam Spruell) und Azure (Rochenda Sandall) überraschend schnell in die Mülltonne befördert.
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Mit gutem Willen kann man sicher über vieles hinwegsehen, aber insgesamt bin ich doch enttäuscht. Wozu überhaupt Kate (Jemma Redgrave) zurückholen, wenn sie bloß am Rande vorkommt? Weshalb Osgood (Ingrid Oliver) letzte Woche anteasern, wenn sie nicht auftritt? Ganz zu schweigen davon, dass die Daleks und Cybermen den Sontarans zu leicht auf den Leim gehen - als ob die komplett zu einem solchen Treffen kommen würden…
Nee, mich hat zwar einiges gefreut, wie ein paar verhaltene Charaktermomente bei Yas (Mandip Gill) und Dan (John Bishop) oder auch Professor Jericho (Kevin McNally), ehe er sein unverhofftes Ende fand. Und, dass Vinder (Jacob Anderson) und Bel (Thaddea Graham) ein Happy End erhalten, ist erfreulich. Aber im gleichen Zuge wird eben wieder vieles negiert, beispielsweise, wenn Diane (Nadia Albina) Dan einen Korb gibt, den er sicher nicht verdient hat.
The Three Doctors
In der mehrteiligen Episode The Three Doctors, die Ende 1972, Anfang 1973 ausgestrahlt wurde, treffen erstmals in der Serie drei Inkarnationen des Doctors aufeinander. Dieses Special, was vier Folgen (mit einer Laufzeit von etwa 25 Minuten jeweils) umfassen sollte, ist nach wie vor in meinem Gedächtnis verankert, weil es ein kleiner Meilenstein der Serie ist, Omega (Stephen Thorne) hervorbrachte und erstmals den amtierenden Doctor (Jon Pertwee) in Kooperation mit seinen Vorgängern verkörpert von Patrick Troughton als zweiten Doctor und William Hartnell als ersten Doctor zeigte. Außerdem war U.N.I.T. präsent, vertreten durch Nicholas Courtney in seiner Paraderolle als Brigadier Lethbridge-Stewart. Parallelen zum aktuellen Staffelfinale zu ziehen, fällt zwar schwer, weil alle drei Doctoren hier von Jodie Whittaker verkörpert werden, die dank des Ood (Simon Carew) aufgesplittet wurde, aber wenn sich ein Doctor in einer „Blase“ außerhalb des eigentlichen Universums befindet, kommt das dem alten Special schon recht nahe, wobei sich mitunter auch andere Parallelen finden lassen. Vielleicht hat Chibnall sich tatsächlich ein paar Ideen aus diesem Klassiker geholt.
Aber lassen wir das, denn das alte Special funktioniert deutlich besser, wenngleich der Ansatz, den Chibnall hier probiert, ziemlich einmalig ist. Drei Zeitlinien (oder so) mit drei Doctoren, die ein und dieselbe Person sind, miteinander in Verbindung stehen (und so weiter) ist tatsächlich neu und einmalig. Und es funktioniert tatsächlich, wenn unser Doctor zwar leicht gequält die verschiedenen Handlungsstränge dominiert, aber schlussendlich zum gewünschten Resultat führt. Letzteres ist natürlich das Überleben unseres Universums und die Ausschaltung von Swarm und Azure, aber mehr dazu gleich. Jodie Whittaker hat jedenfalls eine Menge zu tun und ist der Fokus schlechthin im Finale, was ohne sie überhaupt nicht funktionieren würde (soweit es denn funktioniert).
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Begleiter
Wie viele Begleiter des Doctors haben wir aktuell? Zählen Vinder und Bel dazu? Ist Jericho ein Teil des Team TARDIS? Was ist mit Diane und Claire (Annabel Scholey)? Ob nun als feste Begleiter oder „nur“ als Gastrollen dieses Abenteuers angelegt, müssen jede Menge Figuren bedient werden, was Chibnall im Finale leider nur teilweise gelingt und sicher einen größeren Kritikpunkt darstellt.
Hätte es sich nicht angeboten, in den Wochen zuvor ein wenig mehr von Diane zu zeigen, die sich in der „Welt“ vom Passenger (Jonny Mathers befindet und hier zusammen mit Vinder verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Wir kriegen zwar zu hören, wie groß diese „andere Seite“ ist, die schließlich auch dazu dient, dem „Final Flux“ Einhalt zu gebieten. Aber die eigentliche Prämisse hätte zum besseren Verständnis „show don't tell“ sein sollen. Vielleicht hätte sich dann auch nachvollziehen lassen (ein bisschen mehr Charakterentwicklung vorausgesetzt), weshalb Diane am Ende einen Rückzieher macht und auf das (mal geplante) Date mit Dan verzichtet.
Für Yas kann man sich freuen, wenn unser Doctor endlich zum menschlichen Mittel der Umarmung greift und tatsächlich seine Begleiterin lobt. Für mich hat Yas auch während des Abenteuers stets einen sehr kompetenten und zielstrebigen Eindruck gemacht, womit es sicher die richtige Wahl war, sie und nicht Ryan (Tosin Cole) oder Graham (Bradley Walsh) weiterhin an Bord zu haben. Obwohl ich mir in Bezug auf Graham noch immer nicht sicher bin.
Dan darf derweil gerne an den kommenden Specials teilnehmen. Das ist mal eine Figur, mit der sich direkt warmwerden ließ, die immer optimistisch bleibt und von Beginn an sympathisch daherkommt. Für mich ein perfekter Kandidat für weitere Reisen an Bord der TARDIS, zumal sein Haus ja noch immer in Schutt und Asche liegen müsste.
Vinder und Bel sind derweil die einzigen, die tatsächlich ein Happy End erhalten. Und das haben sich beide auch verdient, nach allem, was sie durchmachen mussten. Mit Blick darauf, dass hier Nachwuchs im Anmarsch ist, würden sich weitere Reisen mit dem Doctor nicht anbieten. Schade ist derweil, dass tatsächlich der erste Flux nicht rückgängig gemacht wurde, womit fraglich bleibt, wo sie ihr Kind aufziehen werden.
Den Tod von Professor Jericho empfand ich als unangebracht. Vielleicht ließe sich darüber hinwegsehen, wenn er sich hätte opfern müssen, damit die anderen weiterkommen. Aber er steckt schlicht in einer Situation fest und findet sich mit seinem Ableben ab, womit die Sache mehr oder weniger unter „dumm gelaufen“ fällt, aber dieser ebenfalls sympathischen Figur nicht gerecht wird.
Antagonisten
Swarm und Azure sind letztlich die großen Bösewichte dieser Staffel, aber die Motivation bleibt bis zum Ende fraglich. Was hätten denn beide davon, wenn sie tatsächlich eine Zeitschleife kreieren würden, in der sich das Universum immer wieder aufs neue zerstört? Klar, unser Doctor soll dadurch gequält werden und ewige Folter ist vermutlich besser als ein schneller Tod (?) - sonst würde Swarm nicht so oft und scheinbar das Ende heraufbeschwören, um direkt wieder Abstand davon zu nehmen. Aber mir wurde nie so richtig klar, worauf es diese beiden Widerlinge überhaupt abgesehen haben und ein schlichter Sieg über den Doctor lässt auch wieder die Frage aufkommen, was denn genau in der Vergangenheit stattgefunden hat - worauf wir leider keine Antworten erhalten.
Es gibt zwar diese Uhr, die alle Geheimnisse (für uns und den Doctor) parat hat, aber die kommt eben nicht zum Einsatz. Wie sollen wir (oder der Doctor) denn verstehen, worin die Ursache für den Konflikt begründet liegt, wenn das Mittel, was Antworten bieten könnte, am Ende versenkt wird? Vielleicht gibt es eine Antwort in den kommenden Specials, aber ich würde nicht darauf wetten. Ganz abgesehen davon hätte ich in den Specials auch lieber ein paar „standalone“-Abenteuer vom Team TARDIS, denn diese ganze Geschichte von wegen „vor dem ersten Doctor ist dieses und jenes passiert“ lässt kaum Spannung aufkommen, wenn die Antagonisten ohnehin jetzt weg sind.
Außerdem haben wir noch „The Grand Serpent“ (Craig Parkinson) dabei. Eine Rolle, die im Endeffekt komplett überflüssig wirkt. Was war hier noch die Motivation, um die Sontarans zurückzubringen? Was macht diese Figur aus, was will sie? Aus meiner Sicht hätte man die Rolle streichen können, ohne Verluste zu haben. Denn in Sachen U.N.I.T. hat sich da nicht viel getan, wenngleich diese Schlange weit ausgeholt hat, um im Endspiel dabei zu sein und auch nicht viel zu dieser Spezies erklärt wird. Rückkehr aber nicht ausgeschlossen, womit wir vielleicht doch noch etwas in Erfahrung bringen könnten.
Fazit
Die Ansätze für ein gutes Staffelfinale sind da, keine Frage. Aber was abgeliefert wird, ist leider nicht zufriedenstellend, denn das, was den Zuschauer interessiert, wird schlicht ignoriert oder auf später verschoben. Für mich eher eine Enttäuschung, zumal auch diverse Charakterbögen unbefriedigend wirken. Von meiner Seite sind jedenfalls nicht mehr als zweieinhalb von fünf Sternen drin. Aber was meint Ihr?
Trailer zum kommenden Special (Neujahr):
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 7. Dezember 2021Doctor Who 13x06 Trailer
(Doctor Who 13x06)
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