Doctor Who 12x09

© zenenfoto aus der Doctor-Who-Folge Ascension of the Cybermen (c) BBC One
„Be afraid, Doctor. Because everything is about to change... forever.“ - der Master (Sacha Dhawan)
Ascension of the Cyberman
Ich bin verwirrt. Chris Chibnall und Jamie Magnus Stone liefern mit Ascension of the Cybermen den ersten Teil eines Zweiteilers ab, wie wir ihn vermutlich noch nie zuvor zu sehen bekommen haben. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich jetzt begeistert oder enttäuscht bin oder ob meine Meinung zur Folge irgendwo dazwischen angesiedelt ist. Vermutlich letzteres, aber ein endgültiges Urteil kann man sicher erst nächste Woche fällen, wenn die ganzen Fäden (hoffentlich) zusammenlaufen und vieles von dem hier gezeigten eine Auflösung erhält. Daher möchte ich direkt anmerken, dass meine Wertung zu dieser Episode eher aus der Not (oder Ratlosigkeit) heraus entstanden ist und eigentlich davon abhängig sein müsste, was The Timeless Children letztlich zu den diversen Handlungen noch abliefert.
Jetzt, wo das gesagt ist: Diese Folge weiß auf jeden Fall dahingehend zu begeistern (oder zu enttäuschen), dass sie kaum Antworten liefert. Es gibt mehr als nur einen Cliffhanger, so, wie es zu erwarten war und wie es bei derartigen Zweiteilern auch üblich ist. Gleichzeitig gibt es aber auch kaum bis keine Hinweise (oder doch?) auf den Ausgang des Abenteuers, denn der Master und Gallifrey tauchen erst in den letzten Sekunden auf, die Rolle von Brendan (Evan McCabe) bleibt ungewiss, das „Timeless Child“ (oder die Mehrzahl davon) taucht gar nicht erst auf - zu möglichen Spekulationen komme ich gleich noch -, ebenso wenig wie die unbekannte Inkarnation des Doctor (Jo Martin) und überhaupt startet das Abenteuer bereits auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise.
The Great Cyber-War

Mit „sehr ungewöhnlich“ meine ich schon die ersten Sekunden der Episode (die in das Intro übergehen - schöner Übergang übrigens, wobei ich auch an den Sets und Kulissen und der Technik nichts auszusetzen habe) und anschließend auch die ersten Auftritte des Doctor (Jodie Whittaker) sowie den Begleitern, bestehend aus Graham (Bradley Walsh), Ryan (Tosin Cole) und Yas (Mandip Gill). Denn es geht nicht darum, den großen Krieg zu verhindern - der ist hier offenbar schon Geschichte -, sondern darum, das Überleben der Hinterbliebenen zu sichern. Wobei sich direkt die Frage stellt, wie der Krieg vorbei sein kann, wenn es auf beiden Seiten Überlebende gibt, die sich - nun ja - bekriegen.
Der Doctor und ihre Begleiter kommen jedenfalls vorbereitet ins Geschehen. Jeder Begleiter hält ein Utensil parat, um einem kommenden Angriff der Cybermen entgegenzuhalten. Ob nun mit Goldpartikeln in der Luft, Emotionen oder einem schlichten Kraftfeld gegen die Bösewichte: Hier wird gut aufgefahren und referenziert, was in der Vergangenheit (der Serie) gegen die Blechmänner funktionierte. Der (hoffnungsvolle) Moment ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn die Cyberköpfe, äh, -drohnen setzen jedwedes Gerät direkt außer Kraft, womit sogleich jeder um sein Leben rennen muss und nicht alle (direkt) entkommen können. Der Auftakt zur Flucht kommt überraschend, erwischt Protagonisten wie Zuschauer gleichermaßen und leitet auch die Trennung unseres Teams ein. Ganz zu schweigen davon, dass der Doctor schon jetzt bereut, die Begleiter mitgenommen zu haben.
Aber das soll es mit „sehr ungewöhnlich“ noch nicht gewesen sein. Nach den Drohnen betritt Ashad (Patrick O'Kane) das Geschehen - ein paar Gefolgsleute im Schlepptau - und darf die anfängliche Prophezeiung (oder was auch immer mit „but that, which is dead, can live again - in the hands of a believer“ wirklich gemeint ist) voll ausleben. Im Dialog mit dem Doctor werden auch jedwede Zweifel aus dem Weg geräumt, ob es sich bei Ashad um einen „normalen“ Cyberman handelt. Nein, Ashad ist einzigartig und so gesehen auch einzigartig böse, woran es bereits in der letzten Folge keinerlei Zweifel gab. Und ja, O'Kane bringt (dank der halben Maske) auch genug mit, um uns von seiner fehlgeleiteten Ansichtsweise beziehungsweise seinem Motiv zu überzeugen. Offenbar plant Chibnall eine „nächste Evolutionsstufe“ der Cybermen, die einerseits dem gängigen (furchteinflößenden) Motto der Emotionslosigkeit widerspricht, aber dank Ashad nichts an Bösartigkeit verliert. Ob die Rechnung auf Dauer aufgeht? Keine Ahnung. Mit Blick auf das Zitat da oben vom Master soll sich auch was ändern, aber ob das schmecken wird oder zu einem facepalm einlädt, bleibt im Grunde genommen noch offen.
Sicher ist nur, dass Ashad jetzt eine kleine (große) Armee hinter sich hat und die Aussichten für Graham und Yas nicht gerade rosig sind. Ob und wie unsere Figuren diesem Antagonisten das Wasser reichen können, bleibt abzuwarten. Wobei mich schon ein wenig stört, dass jetzt Masse statt Klasse dominieren wird, nachdem Ashad die Cybermen im Bauch des Schiffes aufgeweckt und zu seinen Zwecken verändert hat. Da stellt sich dann auch die Frage, weshalb die vermeintlich Toten plötzlich wieder aktiv werden oder weshalb jemand wie Ashad nicht auf die Idee kam, sich die Trümmerfelder (vorher) genauer anzuschauen.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Cyberium. Offenbar hat die Verschmelzung mit dem Doctor ein paar Auswirkungen, aber für mich ist das Cyberium nach wie vor nur schwerlich greifbar. Weshalb ist es die Erlösung für Ashad? Was bewirkt es denn überhaupt und weshalb war es so wichtig, dass Ashad es sich einverleiben musste? Ich sehe da bestenfalls schwammige Antworten und bin nicht wirklich zufrieden damit. Und Ihr?
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Figuren

Bei den Figuren geht es jetzt direkt um die Haupthandlung und deren Ableger; zur Nebenhandlung um Brendan komme ich gleich noch. Auffällig ist erneut, dass es trotz der nur sieben Überlebenden, deren Anzahl noch dezimiert werden soll, wieder vergleichsweise viele Figuren gibt, denen wir während der Episode folgen. Ein paar der Gäste erscheinen wichtiger als andere, was zunächst nicht schlimm ist. Offenbar spielt Chibnall eingangs mit uns, stellt beispielsweise Feekat (Steve Toussaint) als einen Anführer und Lehrer auf, um ihn direkt wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Andere Figuren wie Ravio (Julie Graham) oder Ethan (Matt Carver) werden dafür im Folgenverlauf wichtiger, während wieder eine andere Figur, Bescot (Rhiannon Clements), schlicht anwesend ist und gänzlich unter unserem Radar bleibt.
Es wurde in den Kommentaren der letzten Folgen schon öfter angemerkt und bei dieser Folge würde ich zustimmen: Es sind insgesamt zu viele Figuren beteiligt und aus zu wenigen wird etwas gemacht. Und selbst diejenigen, die halbwegs interessant sein könnten, haben zu wenig Screentime und/oder Hintergrundgeschichte, als dass sie uns etwas bedeuten würden. Ravios kleine Gespräche mit Graham oder Ethans Fähigkeiten in Sachen Cybertechnik sind nett, aber leider nicht mehr. Da möchte ich auch gleich noch einmal auf The Haunting of Villa Diodati verweisen, in der mit den (zugegeben: historischen und daher bekannteren) Gastfiguren wesentlich besser umgegangen wurde.
Was unsere Begleiter angeht, bin ich schon eher zufrieden. Graham und Yas können durch ihren Enthusiasmus und dem „Niemals-aufgeben-Slogan“ überzeugen - da hat der Doctor gut auf beide abgefärbt. Und Ryan an die Seite des Doctor zu stellen, hätte vielleicht ein paar Anpassungen benötigt, ist aber grundsätzlich nicht verkehrt. Obwohl es schon stimmt, dass Ethan da etwas die Show stiehlt, womit der Fokus auf Ryan weniger groß ausfällt. Aber ich sehe es inzwischen als Pluspunkt an, wenn Ryans Ängste thematisiert werden - schließlich ist das Abenteuer nicht ungefährlich. Die Frage wäre jetzt eben, ob Ryan in Zukunft seinen Ängsten nachgibt und auf weitere Reisen mit dem Doctor verzichtet oder über seinen Schatten springen kann und dabeibleibt. Das ist letztlich eine allzu menschliche Frage, die diesen Begleiter in meinen Augen mitunter auch recht interessant macht.
Am Ende erwartet uns schließlich noch Ko Sharmus (Ian McElhinney), der vor einer Art rettenden Portal wacht, durch das bereits viele Flüchtlinge gegangen sind, um den Cybermen zu entkommen. Dieser zeigt sich sichtlich überrascht, als mit dem Doctor, Ryan und Ethan weitere Überlebende des Cyber-War ankommen. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch, wie spielend einfach eine wichtige Figur eingeführt und mit einer kleinen Hintergrundgeschichte ausgestattet werden kann. Ko Sharmus blieb zurück und wacht über das kuriose Portal, welches einen Ausweg bieten soll. Die Überleitung zum Cliffhanger ließ sich schon fast erwarten, lässt die Folge aber auf einer hohen Note enden. Sehen wir Gallifrey, weil der Doctor zum Portal vorangeht? Ist es das zerstörte Gallifrey? Was bedeutet das oben angebrachte Zitat vom Master? Ernsthaft, ich bin sehr gespannt auf den weiteren Verlauf.
Brendan
In einer kleinen Nebenhandlung, die vermutlich irgendwo und irgendwann in Irland spielt, werden wir Zeugen von Brendans Werdegang. Von Patrick (Branwell Donaghey) als Baby gefunden, von dessen Frau Meg (Orla O'Rourke) als Ziehsohn akzeptiert, schlägt Brendan schließlich die Laufbahn des Sergeants (Caolan Byrne) ein und wirkt nicht nur durch sein Vorstellungsgespräch sympathisch. Brendans ungewisse Herkunft wird aber spätestens dann in den Fokus gerückt, als auf ihn geschossen wird, er über eine Klippe hinunterfällt und schließlich die Augen wieder aufschlägt - unverletzt und bereit zum weiteren Werdegang, was auch beim Zuschauer für Verwunderung sorgt.
Fraglos wird Brendan noch eine Rolle spielen, wobei ich mir keinen Reim auf seine letzten Szenen als alter Mann machen kann, der von Patrick und dem Sergeant (beide noch im gleichen Alter wie in der letzten Szene dieser Nebenhandlung) entführt und offenbar gefoltert wird. „WtF“?
Hier darf jetzt wild spekuliert werden. Ist Brendan ein neuer Jack Harkness (Jack Barrowman), der ja bekanntlich auch mit dem Tod nicht viel anfangen kann? Gehört Brendan zu den titelgebenden „Timeless Children“ der nächsten Woche? Woher kommt Brendan, weshalb konnte er seine (tödlichen) Verletzungen überleben?
Ich weiß übrigens, dass so ziemlich jede Theorie meinerseits da nicht wirklich passt. Denn offenbar altert Brendan (im Gegensatz zu Captain Jack), regeneriert nicht (falls jemand meint, hier wäre ein Time Lord im Spiel) und wirklich zeitlos wirkt der alte Mann auch nicht. Daher bin ich auf Eure Theorien gespannt, was diese Figur betrifft.
Fazit

Top oder Flop? Keine Ahnung, vorerst irgendwas dazwischen und die große Erleuchtung (oder Enttäuschung) kommt erst mit der letzten Folge der Staffel. Viel mehr Fazit bleibt da jetzt nicht, weil sich in meinen Augen bislang kaum etwas absehen lässt, was gleichzeitig faszinierend und erschreckend ist. Sicher ist allerdings, dass ich die Folge sehr spannend fand, obwohl sie mitunter mit den üblichen Problemen zu kämpfen hat. Und die Cliffhanger kommen (gerade wegen der fehlenden Antworten und Zusammenhänge) mit ungewohnter Wucht daher. Von meiner Seite mal vorsichtige dreieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Hier der Trailer zum Finale der Season:
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Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 25. Februar 2020Doctor Who 12x09 Trailer
(Doctor Who 12x09)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 12x09
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